Beiträge von marianna

    Wenn ich in Galgenhügel blättere, ist es manchmal, als würde ich in einem alten Fotoalbum stöbern ;)

    Es ist ja auch viel passiert in den Jahren, ganz abgesehen von den Kriminalfällen. Krankheiten, Knochenbrüche, Autounfälle, Hunde, Todesfälle, Geburten. Da kommt ganz schön was zusammen. Tenbrink und Bertram sind inzwischen wie ein altes Ehepaar und für die LeserInnen wie alte Bekannte.

    Den Kriminalfall fand ich etwas überraschend, aber doch stimmig aufgelöst. Was für eine bittere Familiengeschichte, und auch das Finale zwischen Laukamp und Tenbrink fand ich ganz schön heftig. Muss die Geschichte erst mal sacken lassen. Zum Glück ist wenigstens bei Locke und Ella nicht der worst case eingetreten.

    Heinrich ist angefressen, weil Laukamp ihn einen Gliewenkiekert genannt hat und Mika ihm unterstellt, er würde Tatsachen verdrehen. Er fasst den Entschluss, sich rauszuhalten. Wird aber nicht lange anhalten dieser Vorsatz.

    Das konnte ich aus Tenbrinks Sicht sehr gut nachvollziehen. Erst wird er auf den Fall angesetzt, obwohl es eigentlich gar keinen Fall gibt, und dann ist das auch wieder nicht recht. Die Suche nach der Wahrheit wird plötzlich als Lüge oder Verdrehung von Tatsachen dargestellt. Da wäre ich auch angefressen ...

    "Was für ein Tag" sagt Bertram beim Feierabendbier zu Tenbrink. "Und was für erstaunliche Neuigkeiten."

    Das Schöne ist, dass man immer wieder erstaunt wird und die Personen unerwartete Wendungen bringen oder überraschende Seiten zeigen. Ich bin zwar eh nicht so gut darin, beim Krimi mitzurätseln, aber genau wie Tenbrink war ich auch ein paar mal auf dem Holzweg. Sogar ein unsympathischer Kerl wie Albrecht Niemeyer zeigt plötzlich ungeahnte Seiten. Und die Geschichte mit Oliver und dem Tod seines Vaters war auch heftig. Zwar ein Unfall, aber trotzdem ...

    Der vierte Tag bringt einige Neuigkeiten und Verwicklungen, die alles noch undurchsichtiger machen. Vor allem die verseuchte Lehmkuhle und die Mülldeponie werden vermutlich noch eine wichtige Rolle spielen. Irgendwie scheint alles zusammenzuhängen, auch wenn Tenbrink und Bertram eigentlich zwei ganz unterschiedliche Fälle bearbeiten. Interessant fand ich auch die beiden eigenwilligen Männer, die am vierten Tag auftauchen: der knurrige Hermann Laukamp (der für einige plattdeutsche Sprüche sorgt) und der Wichtigtuer Wilhelm Vossbülten. Zwei alte eigenwillige Männer, die sich nicht ausstehen können. Bin gespannt, wie's weitergeht.

    Isa Rohmann als neue Ermittlerin hat mir auch gut gefallen, eine interessante Figur, nicht nur wegen ihrer Kieferspalte. Wer mir als Type aber auch gut gefällt: der Computer-Nerd Max Lohse mit dem "Du-bist-so-doof-Blick".

    Der Fall selbst wird immer mysteriöser mit ständig neuen Fährten, die noch nicht zu entwirren sind. Und dann noch die privaten Probleme der Ermittler ...

    Den Auftakt fand ich ziemlich bitter und auch ein wenig gruselig. Erst der Gevatter Tod und dann das "Eselsbegräbnis". Zwar merkt man zwischen Bertram und Tenbrink den leisen Humor, aber der Krimi macht bislang seinem Titel Finsterbusch alle Ehre.

    Mein Lieblingszitat bisher: Rechtschreibung ist bei der Sparkasse wahrscheinlich nicht so wichtig.

    Zitat/Klappentext:
    "Wenn ich mich in den Kneipen an der Bankside, den Hurenhäusern von Whitechapel oder den Opiumkellern von Limehouse herumtrieb, dann machte ich mir keine Sorgen, sondern ließ mich wie willenlos treiben und mitreißen. Es war wie ein erregender Schwindel, der mich erfasste und taumeln ließ. Als stünde ich vor einem Abgrund und schaute fasziniert, wenn auch mit zittrigen Knien, in die Tiefe."


    Ein atmosphärisch dichter und spannender Roman über zwei junge, sehr gegensätzliche Leute, die auf der Suche nach einem Platz im Leben sind. Und ein beinahe unheimliches Buch über das Londoner East End des Jahres 1888, in dem nicht nur Jack the Ripper die Straßen unsicher macht. Es ist faszinierend, wie Tom Finnek die historischen Fakten mit Fiktion verbindet und zu einem prallen und packenden Drama verknüpft. Eine wunderbare Mischung aus Krimispannung, leisem Witz, Emotion und unheilvoller Stimmung. Ein Lesegenuss!

    Zitat

    Ist ja wie ein Krimi dieser Thread. Bin gespannt, ob es mal eine Auflösung gibt.


    Womöglich ein Fall für GuttenPlag oder VroniPlag, vielleicht sollte man eine Textprobe auf Plagiatgehalt scannen :-)

    Auf den neuen Tom Finnek-Roman freue ich mich schon. "Unter der Asche" hat mir supergut gefallen, und dieser spielt auch wieder in London. Erscheint im November oder Dezember.


    Zum Inhalt: Der Schauspieler Henry erwacht nach der Premierenfeier der Bettleroper aus einem üblen Rausch – und traut seinem Verstand nicht mehr: Ihn umgeben plötzlich all die Huren, Ganoven und Räuber, die er aus dem Stück kennt – allerdings als reale Personen … Langsam dämmert ihm die absurde Wahrheit: Er wurde in der Zeit zurückversetzt! Und zwar ins Jahr 1724, die Entstehungszeit des Stücks. Während er noch versucht, das zu begreifen, überschlagen sich die Ereignisse. Als er der ebenso resoluten wie beeindruckenden Hure Edgworth Bess begegnet und ihr hilft, den Räuberhauptmann Jack Sheppard aus dem Londoner Newgate-Gefängnis zu befreien, wird Henry selbst zum Gesetzlosen – und gerät damit ins Visier eines skrupellosen Diebesfängers . Kann Henry sein Wissen aus der Gegenwart dazu nutzen, den Lauf der Geschichte zu verändern?

    Ich warte sehnsüchtig auf den zweiten Teil der London-Trilogie von Tom Finnek. Es gibt noch keine Ankündigung des Verlags und kaum weitere Infos. Nur dies hier habe ich im Internet gefunden: "Diesmal geht es ins Jahr 1724 und wieder mitten unter die Huren und Gauner der englischen Hauptstadt. Gleichzeitig handelt es sich um die unfreiwillige Zeitreise eines heutigen Londoner Schauspielers, der nach einer durchzechten Nacht plötzlich im 18. Jahrhundert aufwacht und sich mit den Ganoven herumschlagen muss, die er sonst nur auf der Bühne darstellt." Bin gespannt.

    1) Fjodor M. Dostojewski: Schuld und Sühne
    2) Wilkie Collins: Die Frau in Weiß
    3) Nick Hornby: About a boy
    4) T. C. Boyle: America
    5) David Lodge: Denkt
    6) Zadie Smith: Zähne zeigen
    7) Tom Finnek: Unter der Asche
    8) William Goldman: Die Brautprinzessin
    9) Otfried Preussler: Krabat
    10) Ian McEwan: Abbitte


    ... und und und

    Aus "Die Kapelle im Moor" von Mani Beckmann:


    "Es war nicht etwa so, dass er an das Gute im Menschen nicht glaubte, er hatte jedoch bislang meist nur das Banale, das Grausame oder das Idiotische kennengelernt, und er verhielt sich entsprechend. Wenn es einen Gott im Himmel gab, was Daniel oft genug bezweifelte, dann hatte er am sechsten Tag der Schöpfung nicht eben sein Meisterstück vollbracht."

    Zitat

    Original von Voltaire
    Das Buch wurde bei Amazon mit zweimal mit jeweils 5 Punkten bewertet. Da wundert man sich schon.


    Das mit den Amazon-Kritiken muss nicht unbedingt was heißen, in großen Verlagen sind die Praktikanten dazu da, Kundenrezensionen zu schreiben, und jeder Autor hat schließlich Freunde und Verwandte :-). Aber bei diesem Buch kann ich den Kritiken nur zustimmen, es lohnt sich.


    Zitat

    Original von Voltaire
    dann fragt man sich schon, wieso ein solch offenbar grandioser Krimi keinen Verlag gefunden hat. Alle die dieses Buch gelesen haben waren hell auf begeistert - wieso denn nicht auch irgendwelche Lektoren


    Vielleicht weil er in keine Schublade passt? Auch ich hatte Schwierigkeiten, den Roman nach dem Lesen einzuordnen. Es gibt keine Ermittler (der Privatdetektiv ist ein Stümper), und die Mörder werden nicht einmal belangt (ja, auch die Mörder sind in gewisser Weise Stümper). Ich glaube, dass der Krimi keinen Verlag gefunden hat, weil er zu speziell und abseitig ist.

    Nach anfänglichem Zögern und einer Menge Skepsis habe ich das Buch gelesen (London ist einfach zu verlockend), und ich kann die Meinung von Winfried nur teilen. "London Calling" ist eine echte Überraschung und überrascht vor allem die LeserInnen immer wieder. Die Konstruktion des Romans ist eigenwillig, aber sehr interessant, und auch der Erzählstil der drei Ich-Erzähler ist klasse (nur der flapsige Privatdetektiv war nicht so ganz nach meinem Geschmack). Und ich hab sogar noch was über London gelernt: Ich dachte immer "Little Britain" wäre eine englische Comedy-Serie, jetzt weiß ich, dass auch eine Straße in der Londoner City so heißt. Ist die Serie eigentlich nach der Straße benannt?
    Das Buch kann ich auf jeden Fall empfehlen. Mal was ganz anderes ...