Das Buch hat viele gute Seiten (im doppelten Sinne des Wortes :-)),aber natürlich ist es auch ein Zeichen der unreflektierten Ideologie seiner Zeit, dem Zeitalter der Nationalstaaten und insbesondere hier die Phase der Reichsgründung und des Kriegs gegen Frankreich 1870/71.
Das muss man sagen dürfen, auch wenn es Spaß macht, den Roman zu lesen.
Auch mir geht es so wie dir, maikaefer , ich mag trotz ihrer ideologischen Verirrungen Werke einiger Autoren, die sogar offen mit den Nazis sympathisiert haben, wie z.B. viele Gedichte von Gottfried Benn, die ich für das Schönste halte, was in deutscher Sprache geschrieben wurde. Aber man muss eben solche Leute differenziert sehen und sich über die schönen Stellen freuen, aber auch hervorheben, was einem bedenklich scheint. Auch wenn Dahn sich vielleicht von den Nazis distanziert hätte, vertritt er einige nationalchauvinistische Ansichten, die gefährlich sind. Ich meine, dass gerade in einer Leserunde auch dafür Platz sein muss, so etwas zu bemerken.
So, nun aber zurück nach dem Roman: Nach meiner Lesepause steige ich wieder ein in dem Moment, wo die Goten unter Witichis den letzten Versuch machen, Rom einzunehmen.
Interessant finde ich die umtriebige Gestalt des Syphax: Er ist seinem Herrn Cethegus treu ergeben und hat keinerlei Probleme mit dessen Charakter. Im Gegensatz zu Cethegus' anderen Getreuen scheint dieser für seinen Sklaven auch aufrichtige Zuneigung zu empfinden bzw. hält ihn für besonders wertvoll, z.B. als er ihn während des Ansturms der Goten wegschickt mit einem Auftrag, der ihn aus der Gefahrenzone wegbringt.
Dass Witichis Syphax gegenüber so leichtgläubig ist, erstaunt mich, es passt nicht zu seiner ansonsten gezeigten Wohlüberlegtheit.