Norbert Gstreín - Als ich jung war

  • Titel: Als ich jung war

    Autor: Norbert Gstrein

    Verlag: Hanser

    Erschienen: Juli 2019

    Seitenzahl: 348

    ISBN-10: 3446263713

    ISBN-13: 9783446263710

    Preis: 23.00 EUR


    Das sagt der Klappentext:

    Es sind die nicht erzählten Geschichten, die das Leben prägen - der neue Roman von Norbert Gstrein Am Anfang ist da nur ein Kuss. Aber gibt es das überhaupt, nur ein Kuss? Franz wächst im hintersten Tirol auf. Er fotografiert Paare "am schönsten Tag ihres Lebens", bis bei einer Hochzeitsfeier die Braut ums Leben kommt. Was hat das mit ihm zu tun? Was damit, dass er nur Wochen zuvor am selben Ort ein Mädchen geküsst hat? Vor diesen Fragen flieht er bis nach Amerika. Doch dann stirbt auch dort jemand: ein Freund, in dessen Leben sich ebenfalls mögliche Gewalt und mögliche Unschuld die Waage halten. Was wissen wir von den anderen? Was von uns selbst? Hungrig nach Leben und sehnsüchtig nach Glück findet sich Franz in Norbert Gstreins Roman auf Wegen, bei denen alle Gewissheiten fraglich werden.


    Der Autor:

    Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in Hamburg. Er erhielt unter anderem den Alfred-Döblin-Preis und den Uwe-Johnson-Preis. Bei Hanser erschienen Die Winter im Süden (Roman, 2008), Die englischen Jahre (Roman, Neuausgabe 2008), Das Handwerk des Tötens (Roman, Neuausgabe 2010), Die ganze Wahrheit (Roman, 2010), In der Luft (Erzählungen, Neuausgabe 2011), Eine Ahnung vom Anfang (Roman, 2013), In der freien Welt (Roman, 2016) und Die kommenden Jahre (2018).


    Meine Leseeindrücke:

    Wie ein sehr lesbares Buch aus der Feder von Norbert Gstrein. Er gehört ohne Frage in die obere Tabellenhälfte der deutschsprachigen Autoren. Ohne ihn wäre die Literatur ärmer. Allerdings – und dieses ist mein ganz persönlicher Eindruck – vermisse ich die beeindruckende Tiefe seiner vorherigen Romane. Natürlich hat auch dieser hier besprochene Roman Tiefe und ist etwas für anspruchsvolle Leser (deren Zahl leider rapide abnimmt).

    Die handelnden Personen in diesem „leben“ - sind authentisch gezeichnet, haben Konturen und bewegen sich in der Realität. Insofern ist meine Kritik „jammern auf sehr hohem Niveau“.

    Dieses Buch ist eine wunderbare, lecker aussehende Torte, bei der aber das letzte Sahnehäubchen fehlt.

    In lesbarer Roman von Norbert Gstrein, sich bei aller Kritik immer noch angenehm von so vielen Publikationen dieses Jahres abhebt. Norbert Gstrein hat auf jeden Fall einen Anteil daran, das die dümmliche Unterhaltungsliteratur nicht den gesamten Markt beherrscht. 7 Eulenpunkte


    ASIN/ISBN: 3446263713

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.

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  • Als ich jung war – Norbert Gstrein


    Mein Eindruck:

    Die hervorragend gewählten Settings in Tirol und Wyoming bieten dem Leser den Hintergrund für eine Geschichte, die in mehreren Punkten rätselhaft ist.

    Da gibt es den tödlichen Unfall einer Braut, die der Protagonist Franz im Restaurant seiner Eltern als Hochzeitsfotograf fotografierte. Er war damals ca. Anfang 20 und zu dieser Zeit hatte er auch ein junges Mädchen geküsst, gegen ihren Willen. Sie war außerdem jünger als sie behauptete, nämlich erst 13.


    Franz verlässt Tirol und geht nach Wyoming, USA, wo er Skilehrer wird.

    Hier erfolgt ein zweiter rätselhafter Todesfall. Ein Professor, mit dem Franz befreundet war, bringt sich um.

    Nach 13 Jahren kehrt Franz nach Tirol zurück. Eigene Unfälle haben ihn körperlich beeinträchtigt und finanziell ruiniert.


    Der Autor legt mehrere Spuren, die der Leser folgt, fast wie in einem Krimi.


    Entscheidend ist der Gemütszustand des Protagonisten. Franz ist aufgrund der früheren Ereignisse ein passiver, manchmal schuldbewusster und eigentlich gescheiterter Mensch geworden. Eine ordentliche Portion Selbstmitleid begleitet seinen Weg und er neigt zur Verdrängung. Es gibt zwischendurch Andeutungen, dass Franz als Kind im Internat selbst belästigt wurde.

    Es dauert lange, bis er sich eingesteht, das junge Alter des Mädchens, dem er sich aufgedrängt hatte, geahnt zu haben.


    Ich teile nicht der Meinung vieler Zeitungs- oder Radiokritiker, die den Roman zwar sehr loben, die zweite Romanhälfte aber als zu konstruiert betrachten. Auch diese Abschnitte haben ihre Berechtigungen und nehmen der Handlung eine fragwürdige Geradlinigkeit, die die Themen zu sehr vereinfachen würden.


    Norbert Gstrein hat einige sprachlich überaus gelungene Passagen geschrieben und treibt ein psychologisch angehauchtes Spiel über vermeintliche Wahrheiten und Selbsttäuschung. Es bleibt somit eine beklemmende Geschichte darüber, dass einem die Vergangenheit immer einholt.