Belladonnas - Liann Zhang

  • Klappentext (Amazon):


    Als ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, werden die eineiigen Zwillingsschwestern Julie und Chloe Chan als kleine Mädchen adoptiert: Während Julie in ärmlichen Verhältnissen bei ihrer geizigen Tante in einem kanadischen Provinznest aufwächst und als Supermarktkassiererin so gerade über die Runden kommt, wird Chloe von den megareichen Van Huusens in New York aufgezogen und macht eine unfassbare Karriere als Influencerin.

    Doch dann stirbt Chloe unter mysteriösen Umständen, und Julie erkennt, dass sie als Chloe durchgehen kann, was ihr Zugang zu einer glitzernden Welt der Sponsoren und zu einem Lebensstil verschafft, von dem sie sich nie hätte träumen lassen. Mit der Zeit wirft Julie alle moralischen Skrupel über Bord – und wird schließlich als Chloe in einen exklusiven Club der Top-notch-Influencerinnen aufgenommen: die »Belladonnas«.

    Alles scheint perfekt, ein tolles Leben und Kohle ohne Ende. Auf einer privaten Luxusinsel, auf der die »Belladonnas« jedes Jahr ein seltsames Ritual vollziehen, kommen jedoch schockierende Wahrheiten ans Licht. Und Julie muss sich entscheiden – will sie Julie bleiben oder doch eher Chloe?



    Meine Rezension:


    Chan oder Chan


    Die Zwillingsschwestern Julie Chan und Chloe Chan werden nach dem Unfalltod der Eltern getrennt. Während Chloe in eine reiche Adoptivfamilie kommt, muss Julie bei ihrer geizigen Tante und dem unliebsamen Cousin aufwachsen. Als Chloe, die sich zu einer bekannten Influencerin entwickelt hat, plötzlich nicht mehr erreichbar ist, fliegt Julie aus ihrem kanadischen Dorf nach New York – und verwickelt sich in ein Netz von wirren Geschehnissen. Kann sie nahtlos in das Leben ihrer Schwester wechseln?


    Liann Zhang schafft es immer wieder, unterschiedliche Welten aufeinanderprallen zu lassen, so sind es zu Beginn die Gruppe der Influencerinnen rund um Chloe und das harte Arbeitsleben von Julie an der Supermarktkassa, später die Welt der „Normalsterblichen“ versus der eingeschworenen Gruppe von Belladonnas auf einer Privatinsel. Bemerkenswert ist, wie sich die Atmosphäre im Buch im Laufe der Zeit wandelt, von einer verführerischen Illusion in eine dunkle Phase von Gruppenzwang und Machtausübung. Während ich vom Beginn der Geschichte durchwegs gefesselt war, ist mir das Ende aber dann doch ein wenig zu stark in eine sektenähnliche Stimmung abgedriftet. Aber wer weiß, unter dem Einfluss von allen möglichen Drogen empfindet und tut man vielleicht wirklich so verstörende Dinge. Die Auflösung kommt kurz und bündig daher, lässt den Leser verwundert den Kopf schütteln und das Buch dennoch zufrieden zur Seite legen.


    Außergewöhnliche Szenen, ein mitnehmender Schreibstil und gelungene Charakterstudien verleihen dem spannenden Roman seine Besonderheit.



    Titel Belladonnas

    Autor Liann Zhang

    ASIN B0F2HNRPZS

    Sprache Deutsch

    Ausgabe ebook, ebenfalls erhältlich als Taschenbuch (366 Seiten)

    Erscheinungsdatum 17. November 2025

    Verlag Suhrkamp

    Übersetzer Conny Lösch


    ASIN/ISBN: B0F2HNRPZS

  • Bereits der Klappentext hat mich neugierig gemacht und sofort in die Geschichte hineingezogen. Der Roman "Belladonnas" erzählt die Geschichte von Zwillingen, die nach dem tragischen Tod ihrer Eltern bei einem Autounfall getrennt werden und in völlig unterschiedlichen Lebenswelten aufwachsen. Während Chloe in einem wohlhabenden, privilegierten Umfeld groß wird, aber ohne echte emotionale Bindung, wächst ihre Schwester Julie in ärmlichen Verhältnissen bei einer lieblosen Tante auf. Schon von Anfang an war klar, dass sich die beiden Schwestern sehr unterschiedlich entwickeln würden – und gerade diese Gegensätze machen den Reiz der Geschichte aus.


    Als Chloe, inzwischen eine erfolgreiche Influencerin, plötzlich stirbt, nimmt Julie aus Verzweiflung und vielleicht auch aus Sehnsucht nach einem anderen Leben ihre Identität an. Diese Wendung fand ich besonders spannend, denn sie wirft Fragen auf: Wie weit darf man gehen, um der eigenen Realität zu entkommen? Und was bleibt von einem Menschen, wenn er in der schillernden, aber oberflächlichen Social-Media-Welt verschwindet?


    Beim Lesen fand ich vor allem die Darstellung der Influencer-Szene interessant, auch wenn mir die vielen Namen, Marken und genauen Follower-Zahlen anfangs etwas zu detailliert erschienen. Diese Abschnitte wirkten stellenweise überladen und haben mich kurz aus dem Lesefluss gebracht. Dennoch gelingt es Liann Zhang, die glänzende Fassade der digitalen Welt mit ihren dunklen Schattenseiten gekonnt zu kontrastieren.


    Im Laufe der Handlung baut sich stetig Spannung auf, und obwohl die Geschichte an manchen Stellen sehr ausführlich erzählt wird, kommt gegen Ende alles überraschend schnell und intensiv zum Höhepunkt. Das Finale hat mich sowohl schockiert als auch überrascht – ich hätte mit dieser Wendung nicht gerechnet. Trotz kleiner Längen in der Mitte und dem etwas hastigen Ende bleibt "Belladonnas" für mich ein fesselnder Thriller mit psychologischem Tiefgang und gesellschaftlicher Relevanz.

  • Die schillernde Welt der Influencerinnen ...

    Beides – Cover und Klappentext – hatten mich neugierig gemacht auf diese etwas andere Geschichte. Die Idee eine der Schwestern die Identität der anderen stehlen zu lassen, hat was, denn beide führten doch ein sehr unterschiedliches Leben. So lerne ich also im Laufe der Geschichte Julie kennen, die sich recht schnell in Chloe verwandelt und damit alle – außer ihrer bösartigen Tante – zu überzeugen scheint. Bald schon ist Julie selbst ganz fasziniert von dem glamourösen Leben, das ihre Schwester wohl führte, und wird eingesaugt in die Welt der Influencerinnen und ihren Followern, in der es um Geld, mehr Geld und Schönheit geht. Während sich die Story anfangs ganz gut zu entwickeln schien, ging alles rapide bergab, als die „Belladonnas“ ihre Auszeit auf der Insel antraten. Seltsame, teilweise grausam anmutende Rituale nahmen das Gros der Handlung ein und das Gehabe der Frauen wurde immer nerviger. Da ich auf jeden Fall noch den Schluss erfahren wollte, habe ich durchgehalten, aber gegen Ende wollte ich eigentlich nur noch fertig werden. Für die Idee und einen Blick hinter die Kulissen mit starkem Buchanfang vergebe ich vier Sterne, der Rest bekommt leider nur noch zwei, womit ich bei gut gemeinten drei Sternen für die endgültige Beurteilung lande. Schade, hier sehe ich viel verschenktes Potential.

  • Gefährlicher Kult


    Auf YouTube, TikTok, Instagram und co positionieren sich immer wieder größtenteils junge Menschen, so genannte Influencer, ihrem Fans gegenüber. Doch was, wenn die Kameras aus sind? Darum geht es in „Belladonnas“.


    Nach dem Tod ihrer Eltern wurden die Zwillinge Chloe und Julie getrennt. Als sie im Erwachsenenalter aufeinander treffen, sind sie unterschiedlicher denn je: Julie ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und jobbt, Chloe ist ein Social Media Star. Als Chloe urplötzlich verstirbt, schlüpft Julie in ihre Rolle- und entdeckt die Schattenseiten des Ruhms…

    Die Idee ist nicht neu , doch die Einführung ist gelungen. Mit ruhiger, humorvoller Sprache werden die Zwillinge als Protagonistinnen eingeführt. Sowohl Julies Alltag als auch Chloes Videos nehmen einen Großteil des Anfangs ein. Durch Chloes Tod wird ein spannender Höhepunkt markiert. Dieser Punkt ist dramaturgisch gut dargestellt.


    Nach Chloes Tod jedoch beginnt der Wirrwarr. Julie reist als Chloe mit einer Gruppe Influencer, den Belladonnas, auf eine Insel. Dort scheint jede Bestätigung und Achtung von der Anführerin Bella zu suchen. Dabei erscheint die Zusammenkunft wie eine Sekte. Und genau das stört mich: Statt kritische Stimmen zu verdeutlichen oder reflektiert zu denken, bleibt Julie größtenteils still und denkt über ihre Tat nach. So entsteht der Eindruck, als wäre das Verhalten der Belladonnas okay. Hier hätte ich mir eine Fußnote oder einen Kommentar gewünscht, der auf die Darstellung der Influencer beziehungsweise deren toxisches Verhalten untereinander hinweist.


    Insgesamt hat der Roman Potential. Er ist spannend geschrieben und die Idee ist gut, aber es wird nicht auf die Gefahren durch die Abhängigkeit und den „Gotteskult“ unter Influencern eingegangen. Für mich hat der Roman drei Sterne verdient.