Der Büchereulen-Adventskalender 2025

  • Der 21. Dezember von Johanna


    Die Mädchen und ein Glühweinseeliger Weihnachtsmann


    Mathilde und Juliana saßen zu zweit mit Kakao vor ihrem geliebten Kamin.

    „Mir ist doch ein bißchen langweilig,“ seufzte Mathilde: „Madita und Marianne sitzen jetzt gemütlich im Weihnachtsmärchen und amüsieren sich.“

    „Aber, Du wolltest doch diesmal nicht mit, weil Du meintest mit zehn Jahren zu alt dafür zu sein.“ Erinnerte Juliana sie

    „Ja, ich weiß“ murrte Mathilde:“ Aber nun hätte ich eben doch Lust und mir ist gerade so langweilig.“

    „Na gut, ich habe da eine Idee“, erwiderte Juliana: „Was hältst Du davon, wenn wir die beiden abholen und dann zusammen über den Weihnachtsmarkt gehen? Lecker Lebkuchen essen?“

    „Auja, super Idee, gebrannte Mandeln holen wir uns aber auch noch“, rief Mathilde begeistert.

    Und schon zogen die beiden Mädchen los Richtung Theater

    Derweil saßen Madita und Marianne im Weihnachtsmärchen und genossen die Atmosphäre des Theater und verfolgten gebannt das Stück - die Schneekönigin - auf der wunderbar dekorierten Bühne.

    Als sie hinterher vor die Tür traten, freuten sie sie riesig darüber, Juliana und Mathilde zu sehen und waren begeistert von ihrem Vorschlag, dem Weihnachtsmarkt einen Besuch abzustatten.

    Gemeinsam stürzten sich dann ins Getümmel und besorgten sich erst einmal einen heißen Kakao.

    Plötzlich hörten sie hinter sich eine ihnen doch wohlbekannte Stimme: „Na, Ihr lieben Mädchen, was macht Ihr denn hier? Das finde ich ja schön, Euch hier zu treffen.“

    Juliana drehte sich überrascht in die Richtung der Stimme: „Was machst du denn hier auf dem Weihnachtsmarkt, lieber Weihnachtsmann? Hast Du keine Angst, daß Du erkannt werden könntest?“

    Marianne jubelte, als sie ihren alten Freund, den Weihnachtsmann, entdeckte und auf Maditas Gesicht machte sich ein freudiges Strahlen breit.


    „Ach was“, antwortete dieser: „Guckt doch mal, wie viele Leute hier herumlaufen, die sich so verkleidet haben und aussehen wollen wie ich – wenn sie natürlich auch nicht so gut aussehen. Das merken die Leute nie, daß ich der echte Weihnachtsmann bin .

    Ich hatte so große Lust darauf mal etwas zu machen, was die Menschen immer so anpreisen und scheinbar lieben. Und wo, wenn nicht hier, wo ich kaum auffalle, könnte ich mich besser unter die Menschen mischen?“

    Mathilde rief begeistert: „Das ist ja super, daß wir Dich hier treffen. Komm, wir zeigen Dir alles. Die Lebkuchen mußt Du unbedingt probieren, die sind richtig lecker.“

    So schlenderten sie gemeinsam mit dem Weihnachtsmann gemütlich über den Markt und hielten ihn an, mal die Lebkuchen und die gebrannten Mandeln zu naschen und hatten zusammen viel Spaß.

    Als sie auf einmal vor einer Menschentraube standen, die sich vor einem Stand gebildet hatte, wollte der Weihnachtsmann auch hier unbedingt probieren. „Da stehen so viele Leute, das muß einfach etwas Gutes sein“, sinnierte er.

    „Bist Du sicher, daß das eine gute Idee ist?“ fragte Juliana besorgt. „Das ist Glühwein, heiß gemachter süßer ekliger Wein, der schmeckt überhaupt nicht.“

    „Ach was“, erwiderte der Weihnachtsmann. „Guck doch mal, wie viele Menschen das trinken, dann kann mir das ja kaum schaden. Das riecht so lecker und ich muß das jetzt einfach probieren.“

    Und schon besorgte er sich einen Becher des Glühweins ohne daß die Mädels ihn davon abhalten konnten.


    „Mmhm, das Zeug ist aber lecker“ murmelte der Weihnachtsmann: „Da hole ich mir gleich noch einen.“ Kaum gesagt, schon stand er mit einem weiteren Becher des süßen Heißgetränks vor den Mädchen.

    Die Mädchen sahen schon leicht besorgt aus und als der Weihnachtsmann sich den dritten Becher gönnte, machten sie sich ernsthaft Sorgen.

    Nach dem Vierten passierte es dann, der Weihnachtsmann wurde immer fröhlicher, lachte laut und begann zum Schrecken der Mädchen auch noch zu tanzen.

    „Jou, ich schätze mal, er ist ein büschen betüddelt und verträgt den Glühwein nicht so gut“, meinte Juliana lakonisch.


    „Hmm, wie bekommen wir ihn denn bitte jetzt nach Hause?“ fragte Madita besorgt.

    „Einfach wird das nicht“ antwortete Juliana, „Aber irgendwie schaffen wir das schon.“

    Während sich die Mädchen beratschlagten, wie sie jetzt weiter vorgehen sollten, bemerkt Marianne plötzlich: „ Er ist weg, der Weihnachtsmann ist weg. Hat sich einfach davon geschlichen. Wie sollen wir ihn denn jetzt in dem Getümmel wiederfinden?“


    „Schade, daß wir kein Pferd hier haben, dann würde ich über den Markt reiten und den Weihnachtsmann bestimmt ganz schnell finden.“ Sagte Mathilde eher so nebenbei.

    „Ha, ich habe eine Idee“, rief da Madita enthusiastisch: „Versuch doch mal, ob Du auf Rudolph reiten kannst. Vielleicht erlaubt er es Dir ja, Du kannst ja gut reiten“

    „Super Idee, einen Versuch ist es auf jeden Fall wert“, antwortete Mathilde.

    Schnell gingen sie an den Rand des Marktes, wo in einem kleinen versteckten Winkel der Schlitten des Weihnachtsmannes mit Rudolph stand, der gemütlich vor sich hin kaute.

    Als er die Mädchen sah, erhob er erfreut seinen Kopf und nickte ihnen zu. Sie hatten ja nun schon einige Abenteuer zusammen erlebt.


    Mathilde strich ihm über den Hals und fragte ihn, ob er es erlauben würde, wenn sie kurz mit ihm über den Markt reiten würde, da sie den Weihnachtsmann verloren hätten, und ihn nun suchen müßten.

    Langsam bewegte Rudolph seinen Kopf, was die Mädchen als Zustimmung werteten.

    Vorsichtig stieg Mathilde auf Rudolph und griff nach seinem Zaumzeug.

    Ein paar Schritte, Rudolph trabte kurz an und plötzlich begann er sich zu erheben und flog mit Mathilde auf dem Rücken los über den vollen Weihnachtsmarkt.

    Mathilde jauchzte laut los. Reiten konnte sie ja, das taten sie und Madita regelmäßig, aber geflogen war sie bisher nie und sie genoß es richtiggehend.

    Die anderen standen staunend und mit offenen Mündern da und sahen zu, wie sie langsam in der Höhe entschwanden.

    Aus der Luft suchte Mathilde den Weihnachtsmann und dann, an einer Bühne die Karaoke Auftritte anbot, sah sie ihn schließlich und traute ihren Augen und Ohren nicht.

    Da war der Weihnachtsmann, auf der Bühne stehend mit dem Mikrophon in der Hand und inbrünstig Weihnachtslieder intonierend.

    Kurzerhand gab sie Zeichen an die drei Schwestern, wo sie hinkommen sollten.

    Rudolph und Mathilde landeten unbemerkt hinter der Bühne, die Vier trafen sich und Juliana meinte: „Wie bekommen wir ihn denn jetzt von dort wieder herunter?“


    „Ich hab da so eine Idee“, kam es da von Marianne.

    Sie hüpfte auf die Bühne, sang kurzerhand im Duett mit dem Weihnachtsmann und die Zuschauer waren begeistert.

    Unter lautem Applaus versuchte sie ihn anschließend behutsam von der Bühne zu bugsieren.

    „So, nun aber fix zum Schlitten und ab nach Hause mit ihm“, sagte da Juliana.

    Kaum hatten sie mühsam den Weihnachtsmann in den Schlitten verfrachtet, überlegten sie, wie sie nun weiterkommen sollten.

    „Hm, mit GPS kommen wir hier nicht weit, denke ich mal“ , konstatiert Juliana, die gerade ihren Führerschein machte und sich ein wenig aus kannte:„Das hat hier wohl keinen Empfang, da wir ja in die Höhe müssen. Halt fliegen statt fahren, kein Wunder, daß die Daten da noch nicht enthalten sind.“

    Da begann der Weihnachtsmann von hinten Rudolph Anweisungen zu geben, ok, wenn man es denn Anweisungen nennen konnte. Es klang dann doch leicht verwaschen und kam nicht ganz deutlich herüber, dann aber glitt der Schlitten los und stieg in die Höhe.

    Aber, was war das, schon nach kurzer Zeit ging es wieder abwärts.

    Die Mädchen staunten, als unter ihnen plötzlich gleich wieder viele Lichter erschienen und reger Trubel herrschte.

    „Das ist ja gar nicht das Weihnachtsmann-Refugium“, rief Juliana entrüstet: „Das ist der Lübecker Weihnachtsmarkt.“

    Der Weihnachtsmann kicherte leise vor sich hin.

    Kurz darauf das gleiche Spiel, nur daß sie nun über dem Kieler Weihnachtsmarkt schwebten.

    Der Weihnachtsmann hielt sich den Bauch vor Lachen und fand das sehr komisch.

    Die Mädchen aber waren langsam genervt .

    Kurzerhand schickten sie Marianne zum Weihnachtsmann auf die Rückbank, auf daß sie ihn ablenken solle. „Sing ihm am besten etwas vor, das kannst Du doch gut“, meinte Mathilde noch zu ihr.

    Glücklicherweise brauchte Marianne nur zwei Lieder, schon schnarchte der Weihnachtsmann vor sich hin.

    Schließlich bemerkte Madita, daß Rudolph unruhig wurde und schon ganz kirre wirkte ob der so sehr merkwürdigen Anweisungen des Weihnachtsmannes.

    „Wollen wir nicht mal versuchen, ob wir es schaffen Rudolph dazu zu bekommen, von alleine nach Hause zu fliegen? Er kennt den Weg bestimmt auch selbständig.“ Rief sie dann.

    Sie sprach Rudolph direkt an und bat ihn, ob er nicht alleine den Weg ins Weihnachtsmann Refugium finden könne.

    Das ließ sich das mittlerweile doch sehr verwirrte und entnervte Rentier nicht zweimal sagen, so froh war es, endlich eine vernünftige Anordnung zum bekommen. Er drehte den Kopf herum, zwinkerte Madita zu und los ging es. Ab in die Höhe, direkten Kurs zum Weihnachtsmann Refugium.


    Endlich dort angekommen, eilten schon die Wichtel heran, halfen den Mädchen, den schlafenden Weihnachtsmann aus dem Schlitten zu holen und bugsierten ihn ins Bett.

    Nicht, ohne noch schnell in die Küche zu eilen, einen wichtelsamen Trunk zu brauen, von dem sie hofften, ihn damit wieder auf die Beine zu bekommen.


    Als der Weihnachtsmann dann später mit dröhnendem Kopf erwachte, sprach ihn eine bekannte Stimme an.

    „Na, möchtest Du einen Glühwein zum Frühstück?“ neckte Marianne ihn.

    Der Weihnachtsmann guckte gequält und verzog schmerzhaft das Gesicht: „Geh mir ab, das brauch ich kein zweites Mal.“

    Marianne grinste nur frech und nahm sich einen Keks und die Mädchen lachten in sich hinein.

  • Der 22. Dezember von polli


    Der Entschluss


    Ellis Geburtstag ist am 22. Dezember. Schwierig, so nah dran am Weihnachtsfest. Trotzdem hatte Robert jedes Mal darauf bestanden, dass ausführlich gefeiert wurde. Mit allen Söhnen. Immer gab es Roberts Lieblingsspeisen und, ganz wichtig, seine Lieblingstorten. „Du weißt doch, wie sehr ich deine Backkunst schätze, dagegen kommt keine Konditorei an.“


    Sie polierte eine matte Stelle an der kleinsten der acht Emaille-Backformen, stapelte sie der Größe nach geordnet aufeinander und betrachtete sie. „Ich brauche euch nicht mehr. Aber keine Sorge, ihr landet nicht im Müll.“ Sie breitete das Geschenkpapier aus und verpackte die Backformen sorgfältig, dann trug sie die Pakete ins Wohnzimmer und legte sie auf den Tisch. Rechts und links davon arrangierte sie die Blechdosen, in denen sie die Ausstechförmchen aufbewahrte. Fast meinte sie, einen zarten Vanilleduft wahrzunehmen. Einen Moment lang betrachtete sie Roberts Portrait. „Ach, Robert, es ist so viel passiert. Deine Jungs haben kurz hintereinander geheiratet. Heute werden sie mich besuchen, alle drei mit ihren Ehefrauen. Vielleicht werden sie bald eigene Kinder haben. Deine Familie wird größer. Das Leben geht weiter. Auch für mich. Ich bin mir sicher, dass du meine Aktion missbilligst. Aber ich bin ins Nachdenken gekommen, als ich deine Hemden und Anzüge weggegeben habe. Und nach und nach habe ich mich auch von einigen deiner Ansichten und Gewohnheiten getrennt.“

    Sie war sich sicher, dass er sie heute strenger ansah als sonst, und kurz entschlossen schob sie einen Weihnachtskaktus so vor das Foto, dass Robert kaum noch zu sehen war. Mühsam unterdrückte sie den Impuls, alle Gerätschaften zurück in die Küche zu tragen, atmete tief durch und wartete auf die Ankunft ihrer Gäste.


    „Geht bitte durch ins Wohnzimmer und setzt euch. Ich habe euch etwas zu sagen.“


    Ihr Ältester runzelte die Stirn. Diese Ähnlichkeit. So hatte Robert früher ausgesehen, wenn er anderer Meinung war als sie. Dann deutete er auf die Pakete. „Was ist denn los, Mama? Was ist das hier für eine seltsame Bescherung?“


    Basti, ihr Zweiter, lachte kurz. „Willst du mit uns Zimtsterne backen? So wie früher, als wir noch klein waren? Dieses Mal dürften wir es schaffen, ohne die Küche im Chaos zurückzulassen.“


    Elli nickte. „Ich erinnere mich zu gut. Das ist es nicht, worüber wir jetzt reden müssen.“


    Sie nahm die große Weihnachtsdose mit den Ausstechförmchen in die Hand. „Das alles hier hat mich viele Jahrzehnte begleitet. Ich habe mit euch und für euch gebacken, habe gekocht, Papas Geschäftsfreunde bewirtet und, ihr kennt mich, ich habe mich kein einziges Mal über die viele Arbeit beschwert.“


    Sie fing den irritierten Blick ihres Jüngsten auf. Seine Frau hatte den Blick gesenkt. „Nein, es hat mir keinen Spaß gemacht. Euer Vater hat erwartet, dass ich all dies mache, und ich habe mich gefügt.“


    „Aber du hättest doch —“.


    „Ich möchte nicht über die Vergangenheit sprechen, sondern über meine Zukunft. Lasst mich bitte weiterreden. Ich werde nie wieder für eine Feier backen, auch nicht für das kommende Weihnachtsfest. Meine Backformen und die kleinen Backutensilien hier gebe ich heute an euch weiter. Möget ihr neue Traditionen beginnen. Wenn ihr demnächst Kinder haben solltet, denkt daran, ihnen ein brauchbares Vorbild zu sein. Vielleicht werden sie sich eines Tages dankbar daran erinnern, wie ihr mit ihnen in der Küche gestanden habt. Das Rezept für die Zimtplätzchen und alles andere, was ich jemals gebacken habe, findet ihr in dreifacher Ausfertigung. Die Backformen teilt ihr jetzt bitte einigermaßen gerecht untereinander auf. Als Geschwister solltet ihr das ohne meine Hilfe hinbekommen.“


    Niemand rührte sich. Nur Basti, der immer schon schneller war als seine Brüder, schnappte sich drei große Pakete und drückte sie seiner Frau in die Hand. Elli hob eine Augenbraue.


    „Während ihr, meine Söhne, mit dem Verteilen beschäftigt seid, habe ich noch ein paar Worte für euch, meine Schwiegertöchter. Überlegt euch bitte reiflich, welchen Weihnachtstraditionen ihr folgen wollt. Möchtet ihr die nächsten Jahre und Jahrzehnte in der Adventszeit an jedem Wochenende backen, Plätzchensorten ausprobieren und Kuchen für eine lange Serie an Schulbasaren und Pfadfindertreffen stiften so wie ich? Möchtet ihr Weihnachten und am Tag davor endlose Stunden in der Küche stehen? Oder soll eure Zukunft anders aussehen? Ich will euch nicht vorschreiben, was ihr tun sollt. Ich bitte euch nur, heute darüber nachzudenken.“


    Noch immer rührte sich niemand. Elli nahm ihren Mantel und ihre Handtasche. „Ich gehe jetzt und komme in zwei, drei Stunden wieder. Bis dahin: Ihr wisst, wo sich meine Vorräte befinden, und wenn die Getränke nicht reichen, ist Nachschub im Keller. Nutzt bitte die Zeit ohne mich zum Nachdenken und zum Reden. Was das kommende Weihnachtsfest angeht: Meine Küche steht nicht mehr zur Verfügung, für alles andere bin ich offen.“


    „Mama, das kannst du doch nicht machen! Und wohin gehst du überhaupt?“


    „Meine Lieben, ich habe mir heute endlich erlaubt, das zu tun, was ich schon immer tun wollte. Wohin ich gehe? Ich habe einen Platz in meinem Lieblingscafé reserviert. Der Kuchen dort ist vorzüglich und es tritt eine Pianistin auf, die Weihnachtslieder spielt. Darauf freue ich mich sehr.“


    Elli zog die Haustür fest hinter sich zu. Sie hatte es geschafft.




  • Der 23. Dezember von Breumel


    Dorothea allein zu Haus


    Morgen war Heiligabend. Was traditionell am Tag davor zu Verkehrschaos, Einkaufswagenrennen, gestressten Eltern, ebenso gestressten Paaren und allgemeiner Hektik führte.


    Auch Dorothea begann den Tag mit Einkaufen. In aller Ruhe schob sie ihren Einkaufswagen durch die Gänge. Es sollte lecker sein, etwas Besonderes, aber sie wollte nicht lange in der Küche stehen. Und es war dieses Jahr nur für sie, also musste sie keine Rücksicht auf „ess ich nicht“, „mag ich nicht“, „vertrag ich nicht“ oder „nicht für die Kinder“ nehmen. Ihre Schritte führten sie in die Tiefkühl-Abteilung. Knusperente für den Backofen, das klang doch gut. Und dazu Speckböhnchen und Kartoffelgratin. Einfach alles in den Backofen, passende Timer stellen, und kein Aufwand. Als Vorspeise würde sie sich Büffelmozzarella mit Tomaten und frischem Basilikum machen, und zum Nachtisch gab’s Eis mit Rumtopf. Den hatte sie im Frühjahr angesetzt und noch reichlich im Keller.


    Am ersten Weihnachtsfeiertag war sie eingeladen, bei ihrer besten Freundin. Sie war auch eingeladen worden, mit ihnen Heiligabend zu feiern, aber das hatte Dorothea dankend abgelehnt. Das festliche Essen am ersten Weihnachtsfeiertag würde sicher nett werden, aber auf Familie, Geschenke und Weihnachtslieder hatte sie keine Lust.


    Blieb noch der zweite Weihnachtsfeiertag. Vielleicht Fisch? Pasta mit Garnelen war immer lecker. Oder doch Lachs im Blätterteig? Im Tiefkühlschrank war noch Platz, also nahm sie kurzerhand beides mit.


    Dieses Jahr war sie zum ersten Mal an Heiligabend alleine. Die Kinder waren aus dem Haus und wohnten am anderen Ende Deutschlands. Sie würde sie in ein paar Tagen besuchen, wenn der Weihnachtstrubel vorbei war. Nicht, dass sie Weihnachten nicht mochte – sie hatte sogar ihren künstlichen Baum vom Dachboden geholt. Diesen würde sie nachher aufstellen, mit der Lichterkette versehen, und mit Kugeln und Ornamenten behängen. Sie liebte das Licht des Weihnachtsbaums und bedauerte es jedes Jahr, wenn sie ihn wieder abbauen musste.


    Die Adventszeit war immer etwas Besonderes für sie. Die Lichterketten, die Weihnachtsmärkte, das Aussuchen der Geschenke, der Glanz in den Augen nicht nur der Kinder – sie liebte die Vorweihnachtszeit! Und sie freute sich auf Heiligabend. Nur eben anders dieses Jahr.


    Schwupps – ein Piccolo landete in ihrem Wagen. Sie trank selten Alkohol, und auch eher wenig, aber ein Glas Sekt zur Einstimmung durfte es sein. Und noch eine Schachtel guter Pralinen für später? Warum nicht. Plätzchen hatte sie noch, sowohl gebacken, als auch gekauft oder geschenkt bekommen.


    Mandarinen und Orangen wanderten ebenfalls in ihren Wagen. Und ein Schüsselchen Blaubeeren. Im Gegensatz zu den Erdbeeren – wo kamen denn die um diese Jahreszeit eigentlich her? – schmeckten diese und waren bezahlbar. Vitamine waren schließlich wichtig.


    Wurst und Käse gönnte sie sich von der Frischetheke. Und ein Päckchen Räucherlachs für das Weihnachtsfrühstück. Jetzt noch Brot, ein gutes Sauerteigbrot würde sich lange genug halten. Und zum Lachs und für den Notfall eine Packung Toastbrot. Dann musste sie morgen früh nichts mehr holen.


    Fehlte sonst noch etwas? Klopapier? Aber seit Corona hatte sie immer eine volle Packung auf Vorrat. Ein schneller Blick auf die Einkaufsliste im Handy – die konnte sie wenigstens nicht vergessen – brachte auch keine neuen Erkenntnisse. Also auf zur Kassenschlange!


    Für die SB-Kassen hatte sie eindeutig zu viele Artikel im Einkaufswagen, aber egal – sie hatte es heute nicht eilig. Auch wenn die Kassenschlangen bis zu den Eistruhen reichten. Also räumte sie alles aufs Band und wieder ein, zahlte, wünschte dem Kassierer frohe Feiertage, und schob ihre Einkäufe zum Auto. Dort packte sie alles in zwei Taschen – eine für gekühltes, die andere für ungekühlte Artikel – und schob den Wagen zurück ins Gestell. So leer, wie es dort aussah, war noch richtig viel los im Supermarkt.


    Daheim verräumte sie ihren Einkauf, und dann setze sie eine schöne Kanne Tee auf. Zeit für eine Pause! Ein paar Plätzchen wanderten auf einen Teller, und dazu eine Mandarine. Schließlich trug sie alles ins Wohnzimmer. Zu guter Letzt schlüpfte sie in Jogginghose und Sweatshirt. Sie würde jetzt einen Weihnachtsfilm schauen, ein Nickerchen machen (vielleicht auch schon während des Films), und die Ruhe genießen. Wieso glaubten eigentlich alle, Weihnachten allein zu Haus wäre etwas Trauriges? Dorothea war glücklich und zufrieden und hatte fest vor, ihr ganz privates Weihnachten zu genießen!

  • Der 24. Dezember von churchill


    Kinder


    Es ist doch nur ein kleines Kind geboren.

    In einer Krippe liegt es. Einem Stall.

    Ein ziemlich trost- und hoffnungsloser Fall.

    Ein Leben startet und scheint schon verloren.


    Auch heute wird so manches Kind geboren.

    In Charkiw, Donezk, Gaza, Tel Aviv.

    Die Not ist Wegbegleiter. Angst sitzt tief.

    Die Welt hat gegen Kinder sich verschworen.


    Drei Kinder durften wir dies‘ Jahr begleiten.

    Eines zog weiter. Eines ging zurück.

    Das dritte wartet noch aufs kleine Glück.

    Auch hier im Land sind‘s keine leichten Zeiten.


    Vom ersten Kind hör‘ ich sein helles Lachen.

    Das zweite kletterte auf jeden Baum.

    Das dritte weint und redet oft im Traum,

    um morgens froh und munter aufzuwachen.


    Drei Kinder. Arglos. Mutig. Voll Vertrauen.

    Drei Kinder sind auf Zeit bei uns zu Haus.

    So ungewiss sieht ihre Zukunft aus.

    Ach, könnten sie getrost nach vorne schauen …


    Einst ist da ja ein kleines Kind geboren,

    das unsre Welt dann doch verändert hat.

    Gebor‘n in einer winzig kleinen Stadt,

    war es als Friedensbringer auserkoren.


    Begleite euch dies‘ Kind auf allen Wegen,

    Euch Kinder in der Welt und auch euch drei.

    Vertraut auf Gott! Er liebt euch, steht euch bei,

    macht hell das Dunkel, schenkt euch seinen Segen.