Der 21. Dezember von Johanna
Die Mädchen und ein Glühweinseeliger Weihnachtsmann
Mathilde und Juliana saßen zu zweit mit Kakao vor ihrem geliebten Kamin.
„Mir ist doch ein bißchen langweilig,“ seufzte Mathilde: „Madita und Marianne sitzen jetzt gemütlich im Weihnachtsmärchen und amüsieren sich.“
„Aber, Du wolltest doch diesmal nicht mit, weil Du meintest mit zehn Jahren zu alt dafür zu sein.“ Erinnerte Juliana sie
„Ja, ich weiß“ murrte Mathilde:“ Aber nun hätte ich eben doch Lust und mir ist gerade so langweilig.“
„Na gut, ich habe da eine Idee“, erwiderte Juliana: „Was hältst Du davon, wenn wir die beiden abholen und dann zusammen über den Weihnachtsmarkt gehen? Lecker Lebkuchen essen?“
„Auja, super Idee, gebrannte Mandeln holen wir uns aber auch noch“, rief Mathilde begeistert.
Und schon zogen die beiden Mädchen los Richtung Theater
Derweil saßen Madita und Marianne im Weihnachtsmärchen und genossen die Atmosphäre des Theater und verfolgten gebannt das Stück - die Schneekönigin - auf der wunderbar dekorierten Bühne.
Als sie hinterher vor die Tür traten, freuten sie sie riesig darüber, Juliana und Mathilde zu sehen und waren begeistert von ihrem Vorschlag, dem Weihnachtsmarkt einen Besuch abzustatten.
Gemeinsam stürzten sich dann ins Getümmel und besorgten sich erst einmal einen heißen Kakao.
Plötzlich hörten sie hinter sich eine ihnen doch wohlbekannte Stimme: „Na, Ihr lieben Mädchen, was macht Ihr denn hier? Das finde ich ja schön, Euch hier zu treffen.“
Juliana drehte sich überrascht in die Richtung der Stimme: „Was machst du denn hier auf dem Weihnachtsmarkt, lieber Weihnachtsmann? Hast Du keine Angst, daß Du erkannt werden könntest?“
Marianne jubelte, als sie ihren alten Freund, den Weihnachtsmann, entdeckte und auf Maditas Gesicht machte sich ein freudiges Strahlen breit.
„Ach was“, antwortete dieser: „Guckt doch mal, wie viele Leute hier herumlaufen, die sich so verkleidet haben und aussehen wollen wie ich – wenn sie natürlich auch nicht so gut aussehen. Das merken die Leute nie, daß ich der echte Weihnachtsmann bin .
Ich hatte so große Lust darauf mal etwas zu machen, was die Menschen immer so anpreisen und scheinbar lieben. Und wo, wenn nicht hier, wo ich kaum auffalle, könnte ich mich besser unter die Menschen mischen?“
Mathilde rief begeistert: „Das ist ja super, daß wir Dich hier treffen. Komm, wir zeigen Dir alles. Die Lebkuchen mußt Du unbedingt probieren, die sind richtig lecker.“
So schlenderten sie gemeinsam mit dem Weihnachtsmann gemütlich über den Markt und hielten ihn an, mal die Lebkuchen und die gebrannten Mandeln zu naschen und hatten zusammen viel Spaß.
Als sie auf einmal vor einer Menschentraube standen, die sich vor einem Stand gebildet hatte, wollte der Weihnachtsmann auch hier unbedingt probieren. „Da stehen so viele Leute, das muß einfach etwas Gutes sein“, sinnierte er.
„Bist Du sicher, daß das eine gute Idee ist?“ fragte Juliana besorgt. „Das ist Glühwein, heiß gemachter süßer ekliger Wein, der schmeckt überhaupt nicht.“
„Ach was“, erwiderte der Weihnachtsmann. „Guck doch mal, wie viele Menschen das trinken, dann kann mir das ja kaum schaden. Das riecht so lecker und ich muß das jetzt einfach probieren.“
Und schon besorgte er sich einen Becher des Glühweins ohne daß die Mädels ihn davon abhalten konnten.
„Mmhm, das Zeug ist aber lecker“ murmelte der Weihnachtsmann: „Da hole ich mir gleich noch einen.“ Kaum gesagt, schon stand er mit einem weiteren Becher des süßen Heißgetränks vor den Mädchen.
Die Mädchen sahen schon leicht besorgt aus und als der Weihnachtsmann sich den dritten Becher gönnte, machten sie sich ernsthaft Sorgen.
Nach dem Vierten passierte es dann, der Weihnachtsmann wurde immer fröhlicher, lachte laut und begann zum Schrecken der Mädchen auch noch zu tanzen.
„Jou, ich schätze mal, er ist ein büschen betüddelt und verträgt den Glühwein nicht so gut“, meinte Juliana lakonisch.
„Hmm, wie bekommen wir ihn denn bitte jetzt nach Hause?“ fragte Madita besorgt.
„Einfach wird das nicht“ antwortete Juliana, „Aber irgendwie schaffen wir das schon.“
Während sich die Mädchen beratschlagten, wie sie jetzt weiter vorgehen sollten, bemerkt Marianne plötzlich: „ Er ist weg, der Weihnachtsmann ist weg. Hat sich einfach davon geschlichen. Wie sollen wir ihn denn jetzt in dem Getümmel wiederfinden?“
„Schade, daß wir kein Pferd hier haben, dann würde ich über den Markt reiten und den Weihnachtsmann bestimmt ganz schnell finden.“ Sagte Mathilde eher so nebenbei.
„Ha, ich habe eine Idee“, rief da Madita enthusiastisch: „Versuch doch mal, ob Du auf Rudolph reiten kannst. Vielleicht erlaubt er es Dir ja, Du kannst ja gut reiten“
„Super Idee, einen Versuch ist es auf jeden Fall wert“, antwortete Mathilde.
Schnell gingen sie an den Rand des Marktes, wo in einem kleinen versteckten Winkel der Schlitten des Weihnachtsmannes mit Rudolph stand, der gemütlich vor sich hin kaute.
Als er die Mädchen sah, erhob er erfreut seinen Kopf und nickte ihnen zu. Sie hatten ja nun schon einige Abenteuer zusammen erlebt.
Mathilde strich ihm über den Hals und fragte ihn, ob er es erlauben würde, wenn sie kurz mit ihm über den Markt reiten würde, da sie den Weihnachtsmann verloren hätten, und ihn nun suchen müßten.
Langsam bewegte Rudolph seinen Kopf, was die Mädchen als Zustimmung werteten.
Vorsichtig stieg Mathilde auf Rudolph und griff nach seinem Zaumzeug.
Ein paar Schritte, Rudolph trabte kurz an und plötzlich begann er sich zu erheben und flog mit Mathilde auf dem Rücken los über den vollen Weihnachtsmarkt.
Mathilde jauchzte laut los. Reiten konnte sie ja, das taten sie und Madita regelmäßig, aber geflogen war sie bisher nie und sie genoß es richtiggehend.
Die anderen standen staunend und mit offenen Mündern da und sahen zu, wie sie langsam in der Höhe entschwanden.
Aus der Luft suchte Mathilde den Weihnachtsmann und dann, an einer Bühne die Karaoke Auftritte anbot, sah sie ihn schließlich und traute ihren Augen und Ohren nicht.
Da war der Weihnachtsmann, auf der Bühne stehend mit dem Mikrophon in der Hand und inbrünstig Weihnachtslieder intonierend.
Kurzerhand gab sie Zeichen an die drei Schwestern, wo sie hinkommen sollten.
Rudolph und Mathilde landeten unbemerkt hinter der Bühne, die Vier trafen sich und Juliana meinte: „Wie bekommen wir ihn denn jetzt von dort wieder herunter?“
„Ich hab da so eine Idee“, kam es da von Marianne.
Sie hüpfte auf die Bühne, sang kurzerhand im Duett mit dem Weihnachtsmann und die Zuschauer waren begeistert.
Unter lautem Applaus versuchte sie ihn anschließend behutsam von der Bühne zu bugsieren.
„So, nun aber fix zum Schlitten und ab nach Hause mit ihm“, sagte da Juliana.
Kaum hatten sie mühsam den Weihnachtsmann in den Schlitten verfrachtet, überlegten sie, wie sie nun weiterkommen sollten.
„Hm, mit GPS kommen wir hier nicht weit, denke ich mal“ , konstatiert Juliana, die gerade ihren Führerschein machte und sich ein wenig aus kannte:„Das hat hier wohl keinen Empfang, da wir ja in die Höhe müssen. Halt fliegen statt fahren, kein Wunder, daß die Daten da noch nicht enthalten sind.“
Da begann der Weihnachtsmann von hinten Rudolph Anweisungen zu geben, ok, wenn man es denn Anweisungen nennen konnte. Es klang dann doch leicht verwaschen und kam nicht ganz deutlich herüber, dann aber glitt der Schlitten los und stieg in die Höhe.
Aber, was war das, schon nach kurzer Zeit ging es wieder abwärts.
Die Mädchen staunten, als unter ihnen plötzlich gleich wieder viele Lichter erschienen und reger Trubel herrschte.
„Das ist ja gar nicht das Weihnachtsmann-Refugium“, rief Juliana entrüstet: „Das ist der Lübecker Weihnachtsmarkt.“
Der Weihnachtsmann kicherte leise vor sich hin.
Kurz darauf das gleiche Spiel, nur daß sie nun über dem Kieler Weihnachtsmarkt schwebten.
Der Weihnachtsmann hielt sich den Bauch vor Lachen und fand das sehr komisch.
Die Mädchen aber waren langsam genervt .
Kurzerhand schickten sie Marianne zum Weihnachtsmann auf die Rückbank, auf daß sie ihn ablenken solle. „Sing ihm am besten etwas vor, das kannst Du doch gut“, meinte Mathilde noch zu ihr.
Glücklicherweise brauchte Marianne nur zwei Lieder, schon schnarchte der Weihnachtsmann vor sich hin.
Schließlich bemerkte Madita, daß Rudolph unruhig wurde und schon ganz kirre wirkte ob der so sehr merkwürdigen Anweisungen des Weihnachtsmannes.
„Wollen wir nicht mal versuchen, ob wir es schaffen Rudolph dazu zu bekommen, von alleine nach Hause zu fliegen? Er kennt den Weg bestimmt auch selbständig.“ Rief sie dann.
Sie sprach Rudolph direkt an und bat ihn, ob er nicht alleine den Weg ins Weihnachtsmann Refugium finden könne.
Das ließ sich das mittlerweile doch sehr verwirrte und entnervte Rentier nicht zweimal sagen, so froh war es, endlich eine vernünftige Anordnung zum bekommen. Er drehte den Kopf herum, zwinkerte Madita zu und los ging es. Ab in die Höhe, direkten Kurs zum Weihnachtsmann Refugium.
Endlich dort angekommen, eilten schon die Wichtel heran, halfen den Mädchen, den schlafenden Weihnachtsmann aus dem Schlitten zu holen und bugsierten ihn ins Bett.
Nicht, ohne noch schnell in die Küche zu eilen, einen wichtelsamen Trunk zu brauen, von dem sie hofften, ihn damit wieder auf die Beine zu bekommen.
Als der Weihnachtsmann dann später mit dröhnendem Kopf erwachte, sprach ihn eine bekannte Stimme an.
„Na, möchtest Du einen Glühwein zum Frühstück?“ neckte Marianne ihn.
Der Weihnachtsmann guckte gequält und verzog schmerzhaft das Gesicht: „Geh mir ab, das brauch ich kein zweites Mal.“
Marianne grinste nur frech und nahm sich einen Keks und die Mädchen lachten in sich hinein.