Kulturkampf um das Volk - Martin Wagener

  • Wenn die Menschen in Deutschland zunehmend Angst haben, ihre Meinung frei zu äußern und sich auch deshalb nicht mehr offen zu ihrem eigenen Volk jenseits anonymisierter Umfragen bekennen, ist in der Bundesrepublik etwas aus den Fugen geraten. (Seite 16)


    509 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

    2. leicht korrigierte Auflage

    Verlag: Lau Verlag, Reinbek 2024

    ISBN-10: 3-95768-228-2

    ISBN-13: 978-3-95768-228-4



    Zum Inhalt (Verlagsangabe)


    Gibt es das deutsche Volk noch? Die Frage mutet absurd an, hat aber einen wahren Kern. Die Bevölkerungspolitik der Bundesregierung ist darauf ausgerichtet, eine multikulturelle Gesellschaft zu errichten. Aus der historisch gewachsenen Kulturnation soll eine neue Willensnation werden. Umfragen zeigen, dass eine deutliche Mehrheit der autochthonen Bevölkerung dem Projekt kritisch gegenübersteht. Aus ihrer Sicht kann die nationale Identität der Deutschen nicht beliebig konstruiert werden. Vor diesem Hintergrund ist schon vor vielen Jahren ein anhaltender Kulturkampf in der Bundesrepublik entbrannt, in dem um die Deutungshoheit dessen gerungen wird, was das deutsche Volk ausmacht.

    Im vorliegenden Buch wird der Kulturkampf umfassend betrachtet. Die Ausführungen folgen einem positiven Verständnis von Volk, Nation und Vaterland – wie es von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl üblich war. Eine sachliche Diskussion des Themas ist in Deutschland gleichwohl unter den Bedingungen des Parteienstaates sowie dominierender linksliberaler Narrative und Frames schwierig. Dabei wäre eigentlich alles so einfach: Identität hat viele Facetten. Man muss nur tolerant sein.



    Über den Autor (Verlagsangabe)


    Prof. Dr. Martin Wagener hat von 1991 bis 1997 an der Universität Göttingen studiert. 2008 schloss er sein Promotionsverfahren an der Universität Trier ab, wo er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit 2009 als Juniorprofessor tätig war. Forschungsreisen führten ihn nach London, Washington D.C., Hawaii, Bangkok, Singapur, Kuala Lumpur, Peking, Taipeh und Okinawa. Seit 2012 ist er Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Politik und Sicherheitspolitik am Fachbereich Nachrichtendienste der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung (zunächst in Haar bei München, seit 2019 in Berlin). (Anm.: ob er diese Professur noch innehat, entzieht sich meiner Kenntnis.)


    Informationen im Internet:

    - Die Seite zum Buch beim Verlag (mit Leseprobe)

    - Die Webseite des Autors

    - Die Wikipedia-Seite zum Autor




    Meine Meinung


    Vor einiger Zeit las ich auf welt.de einen Kommentar mit der Überschrift „Die Bücherverfolgung“. Darin ging es um eben dieses Buch. Es wurde dort u. a. aus einem Gerichtsurteil des LG Frankfurt zitiert, daß das Buch zwar „verfassungskritisch“, aber nicht als „verfassungsfeindlich“ einzuordnen sei. Damit war meine Aufmerksamkeit geweckt.


    Das Buch ist sicherlich keine leichte Lektüre, in des Wortes doppelter Bedeutung: denn durch die (heute leider selten gewordene) äußerst gediegene herstellerische Qualität bringt es auch einiges an Gewicht auf die Waage. Inhaltlich will ich nicht viel darauf eingehen, da der Autor so ausführlich seinen Standpunkt begründet, das hier nur eine verkürzte (und damit möglicherweise sinnentstellte) Wiedergabe möglich wäre. Wer sich genauer über den Inhalt informieren will, wird das Buch schon selbst lesen müssen.


    Eingeteilt ist das Werk in sechs Haupt-Abschnitte, die da lauten:

    I. Kulturkampf

    II. Nationale Identität

    III. Das Bundesamt für Verfassungsschutz

    IV. Rechte, Rechtspopulisten und Rechtextremisten

    V. Zur Durchsetzung einer neuen Nation

    VI. Schleichwege zum Chaos


    Irritierend fand ich (und im Buch gibt es zahlreiche Beispiele), daß es heute anscheinend gefährlich werden kann, vom Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen. Auch Kritik an staatlichen Stellen (die, sieht man sich im Land um, oftmals gerechtfertigt ist) scheint - gelinde ausgedrückt - unwillkommen zu sein. Dabei dachte ich bisher, daß Meinungsfreiheit und das Recht auf Kritik zum grundsätzlichen Wesen der Demokratie zählen (wie auch, daß eine Regierung abgewählt werden kann). Offensichtlich gibt es da inzwischen Einschränkungen, die ich in einem freiheitlichen Rechtsstaat so nicht vermuten würde.


    Besonders ist mir aufgefallen, daß der Autor Begriffe sehr ausführlich und gründlich definiert - etwas, was in der heutigen Zeit eher selten geworden ist. Denn „rechts“ wird automatisch mit „rechtsextrem“ gleichgesetzt, beim „Kampf gegen Rechts“ geht es gegen alle und alles, was nicht links ist. Da war es wohltuend (wenngleich sicherlich manchmal auch etwas anstrengend) seitenlange Definitionen zu Begriffen zu lesen, die - so will es mir scheinen - oft nur noch als Schlagworte verwendet werden. Denn „rechts“ ist eben gerade nicht „rechtsextrem“. Und Begriffe wie z. B. Identität / Nation / Vaterland lassen nicht unbedingt auf einen gewissen politischen Standpunkt schließen - zumal der Begriff „Vaterland“ sogar in der offiziellen deutschen Nationalhymne vorkommt (genauer: drei Mal „deutsches Vaterland“).


    Das Buch ist im Wesentlichen auf dem Stand von 2020, also noch vor der „Ampel“. Erschreckenderweise beschreibt der Autor fast schon bis ins Detail den (seinerzeit) kommenden Aufstieg der AfD, ohne die Partei oder eine bestimmte politische Richtung auch nur zu erwähnen. Einfach „nur“ dadurch, indem er exakte Zustandsbeschreibungen und Analysen des politischen Denkens und Handelns der „etablierten Parteien“ gibt. Diese verfolgen immer mehr ihre eigene Agenda ohne Mehrheitsmeinungen in der Bevölkerung zur Kenntnis zu nehmen oder gar zum Maßstab des politischen Handelns zu machen. Zwischen Politik und Bevölkerung findet so eine zunehmende Entfremdung statt, was sich irgendwann (meiner Meinung nach sehr bald) in entsprechenden Wahlergebnissen niederschlagen wird.



    Mein Fazit


    Eine Darstellung aus konservativer Sicht, weshalb eine zwangsweise herbeigeführte multikulturelle Willensnation auf lange Sicht nicht bestehen kann. Besonders haben mir die vielen exakten Begriffsdefinitionen gefallen, die einen Beitrag dazu leisten, Diskussionen zu versachlichen.



    ASIN/ISBN: 3957682282

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Ich musste gerade lachen, als ich das Bismarckbild sah, nachdem ich die Buchvorstellung gelesen hatte. Als Massenmörder Hitler vor Napoleons Sarkophag stand, meinte er: "Wäre er noch da, stände ich jetzt nicht hier."

    Ähnliches dachte ich eben über Bismarck. "Wäre er noch da, stände es besser um das Land." Iss freilich nur 'ne alberne Gedankenspielerei. :lache

  • eine zwangsweise herbeigeführte multikulturelle Willensnation auf lange Sicht nicht bestehen kann. Besonders haben mir die vielen exakten Begriffsdefinitionen gefallen, die einen Beitrag dazu leisten, Diskussionen zu versachlichen.

    Schade, dass er den Versuch zur Versachlichung schon im Klappentext mit der großen Legende von der "zwangsweise herbeigeführten multikulturellen Willensnation" ad absurdum führt. Eine echte Versachlichung der Debatte würde Deutschland tatsächlich helfen, wird aber leider aus meiner Sicht von keiner Seite ernsthaft angestrebt. Mit Vernunft und Rationalität scheint man weder Leser noch Wähler zu begeistern. :(

    "Wie kann es sein, dass ausgerechnet diejenigen, die alles vernichten wollten, was gut ist an unserem Land, am eifrigsten die Nationalflagge schwenken?"
    (Winter der Welt, S. 239 - Ken Follett)

  • Legende von der "zwangsweise herbeigeführten multikulturellen Willensnation"

    Inwiefern ist das eine Legende? Ist es nicht genau das, was seit 2015 passiert: man will immer mehr Menschen aus fremden Kulturkreisen aufnehmen, „Nebeneffekte“ wie steigende Kriminalität oder Antisemitismus werden dabei billigend in Kauf genommen oder gleich ganz ignoriert.


    Mehr will ich dazu nicht schreiben, wir werden doch auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Viel besser als ich hat dies je könnte gestern Don Alpohonso in seiner Kolumne mit dem Titel "Brutal, aber ehrlich. Vielleicht hat Trump doch recht“ auf welt.de geschrieben und für meine Begriffe die Richtigkeit der Argumentation dieses Buches bestätigt. Hier der Link , allerdings ist das hinter der Bezahlschranke.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Inwiefern ist das eine Legende? Ist es nicht genau das, was seit 2015 passiert: man will immer mehr Menschen aus fremden Kulturkreisen aufnehmen, „Nebeneffekte“ wie steigende Kriminalität oder Antisemitismus werden dabei billigend in Kauf genommen oder gleich ganz ignoriert.



    Wieso erst seit 2015? Selbst der von Dir mit einem "positiven Verständnis von Volk, Nation und Vaterland" geehrte Konrad Adenauer hat bereits darum geworben, Menschen aus fremden Kulturkreisen aufzunehmen. Die Legende ist aus meiner Sicht nicht, daß wir Ausländer aufnehmen, sondern daß wir das tun, weil die Politiker das eigene Volk austauschen wollen.


    In Deutschland leben aktuell laut statistischem Bundesamt 12 Mio Menschen ohne deutschen Pass, eingebürgerte Migranten noch gar nicht mitgerechnet. Wenn wir die, wie von der AfD gefordert, ausweisen, werden wir tatsächlich die Zeiten von Bismarck wiederhaben mit einer 72 Stunden Woche und sieben Werktagen pro Woche, bei der nur am Sonntag vormittag frei ist für den Kirchgang.


    Und daß wir in Zeiten von Kriegen überall auf der Welt gerade aufgrund der deutschen Geschichte die Pflicht haben, zu helfen, sahen auch schon die CDU-Kanzler seit Adenauer so.


    Es gibt aus meiner Sicht also durchaus nachvollziehbare Gründe für die Aufnahme von Ausländern. Hier wurde nicht "zwangsweise" etwas herbeigeführt wie die Amerikanisierung nach dem zweiten Weltkrieg, sondern aus verschiedenen Gründen Zuwanderung ermöglicht. Sicherlich gab es hierbei Fehler, aber solange wir nicht mal Konsens darüber haben, daß die Leute hier bleiben werden, scheint man in der Politik auch nicht darüber sprechen zu wollen, wie es mit der Integration weitergehen soll. Denn das ist der Punkt, über den sich die Politiker meines Erachtens viel mehr Gedanken machen sollten.


    Selbstverständlich sind Kriminalität noch Antisemitismus große Probleme, aber beide Punkte sind auch unter in Deutschland geborenen leider weit verbreitete Phänomene (übrigens in beiden Fällen unabhängig vom politischen Spektrum). Ich unterscheide hier zwischen Kriminellen und Nichtkriminellen und nicht zwischen Deutschen und Ausländern (analog beim Antisemitismus).

    "Wie kann es sein, dass ausgerechnet diejenigen, die alles vernichten wollten, was gut ist an unserem Land, am eifrigsten die Nationalflagge schwenken?"
    (Winter der Welt, S. 239 - Ken Follett)