Kampf gegen Windmühlen
Der Retter der Mütter, historischer Roman von Péter Gárdos, Ebook, Hoffmann & Campe-Verlag.
20 Kapitel zum Teil mit Ortsangaben und Jahreszahlen.
Ignaz Semmelweis (1818 – 1865), praktizierte als Gynäkologe und Geburtshelfer in der 1. Geburtshilflichen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien. Dort starben viele Mütter nach der Entbindung an Kindbettfieber. Semmelweis hat sich zur Aufgabe gemacht, die Gründe für diese schreckliche todbringende Krankheit zu suchen. Erst als ein befreundeter Arzt sich bei einer Obduktion in den Finger schneidet und letztendlich an den gleichen Symptomen, wie die betroffenen Mütter stirbt, ahnt er, dass hier ein Zusammenhang bestehen muss. Er vermutet Leichengift, denn das Wissen um Bakterien gab es noch nicht. Erschreckend wird ihm bewusst, dass die Ärzte selbst mit ihren eigenen Händen den Tod zu den Müttern bringen. Er veranlasst sofortige Desinfektion mit Chlorkalklösung. Doch neidische und missgünstige Kollegen zweifeln seine Theorien an. Die unangenehmen Waschungen setzen sich nicht durch, obwohl doch diese Hygienemaßnahmen für sich sprechen. Über dieses Anrennen gegen Windmühlen, und die Selbstverherrlichung vieler Kollegen, verliert Semmelweis schließlich den Verstand. Diesem Umstand ist auch sein nicht genau geklärter, früher Tod zuzuschreiben. Erst posthum wurde ihm die Würdigung und Anerkennung seiner Theorie zuteil, er gilt heute als Pionier der antiseptischen Medizin und wird verdient als „Retter der Mütter“ bezeichnet.
Ich fand dieses Buch sehr fesselnd. Medizingeschichte kann mich immer begeistern. Anfangs fand ich Semmelweis sympathisch und strebsam, leider konnte er sich nicht durchsetzen. Seine Theorie konnte er einfach nicht überzeugend darlegen. Die Überheblichkeit der Ärzte, weil sie eine andere Meinung nicht akzeptieren können, die ihrer eigenen Überzeugung widerspricht, dass sie die Schilderungen oder Symptome von Patienten nicht akzeptieren wollen, dieses „Halbgott in Weiß- Gehabe“ ist hier hervorragend beschrieben. Der spätere Semmelweis mit seinen seltsamen Launen, hat mich enttäuscht, leider. Warum Stolz so einen abgrundtiefen Hass auf Semmelweis hatte, wurde mir auch gar nicht so richtig klar, ich vermute, dass es hauptsächlich der blanke Neid war. Semmelweis‘ Ende wird im Roman etwas anders dargestellt als bisher beschrieben, da hätte mich schon interessiert ob Gárdos bei seinen Nachforschungen auf nähere Hinweise gestoßen ist. Eine gründliche Recherche von ihm, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Autor hat sich gut in die medizinischen Fakten und historischen Zusammenhänge eingearbeitet und hat es hervorragend geschafft, sie auch für Laien verständlich darzulegen.
Die Figuren sind lebensecht charakterisiert, Gefühle werden glaubhaft und nachvollziehbar geschildert. Das Buch hat mich sehr bewegt. Wer mehr über den Vater der Hygiene auf unterhaltsame Art herausfinden will, sollte dieses Buch lesen.
Von mir 9 Punkte
![]() |
ASIN/ISBN: 3455020283 |
