Beiträge von Rosebud

    Pygmalion-Mythos


    Galatea, Ebook von Madeline Miller by Eisele eBooks
    Göttlich antiker Feminismus.
    Hoch auf einer Klippe auf Zypern, eine Frau eingesperrt und bewacht von Schwestern und Ärzten. Ein Mann der sie täglich besucht. Sie erstarrt zu Stein und wird unter seinen Händen wieder lebendig. Der Bildhauer Pygmalion hat eine Statue geschaffen, so makellos, dass er sich in sie verliebt. Die anderen Frauen der Insel sind ihm zu verdorben, er sucht das Reine das Unschuldige. Die Göttin Venus erhört seine verzweifelten Gebete und erweckt sie zum Leben.
    Ich habe „Circe“ und das „Lied des Achill“ der Autorin der Autorin schon lange auf meinem Wunschliste, auch die ausgezeichneten Rezension haben mich neugierig gemacht, da vorliegendes Buch weniger umfangreich ist, habe ich hiermit begonnen.
    Zuerst einmal fand ich die eigentliche Erzählung sehr kurz, das Vorwort der Autorin, die Übersetzung der Ovid-Geschichte und das Nachwort des Philologen machen insgesamt mehr Text aus. Mir haben die Vor-und Nachworte gut gefallen und mich bestens informiert und zum Nachdenken angeregt, aber m.M. nach wäre es so umfangreich nicht nötig gewesen. Es gibt zu viele Wiederholungen des Geschehens. Was mich dagegen sehr begeistert hat, sind die Illustrationen von Thomke Meyer.
    Anders als in der bekannten Ovid-Ausführung bekommt hier die belebte Elfenbeinstatue einen Namen – Galatea, dafür wird ihr Schöpfer nur „Der Gatte“ genannt. Nicht alles wird hier erzählt es bleibt für die Leser Raum zur eigenen Interpretation, vor allem weil die Geschichte aus der Sicht von Galatea geschildert wird. Das Rollenspiel das „er“ bei seinen Besuchen vollzieht finde ich schon pervers. Galateas Wünsche und Sehnsüchte werden ignoriert. Die Gefühle Galateas fand ich nachvollziehbar geschildert. Miller hat damit einem Klassiker einen feministischen Touch gegeben.
    Eine neue Interpretation der mythischen Überlieferung, interessant. In guten Worten geschildert, für mich hätte es ein wenig mehr sein dürfen, der Preis dafür komplett überzogen.
    Dafür 6 Punkte und eine Lese-Empfehlung


    ASIN/ISBN:

    ASIN/ISBN: ‎ B09XFGB1M6

    Schreckliche Erinnerungen

    „Alles schaukelt, der ganze Bunker schaukelt, von Barbara Halstenberg, EBook 507 Seiten erschienen im Osburg-Verlag.
    Die letzten Kriegskinder erzählen. Wie wir Eltern und Großeltern richtig zuhören.
    Barbara Halstenberg hat die letzten Zeitzeugen, die Menschen, die den zweiten Weltkrieg als Kinder miterlebt haben, gesucht und sie gebeten über ihre Erinnerungen und Erlebnisse zu berichten. Über 100 Interviews sind hier zusammengefasst und ein erschütterndes Buch ist dadurch entstanden.
    Halstenberg hat das Buch in Kapitel zusammengefasst dadurch ist die Lektüre sehr übersichtlich.
    Jedes Kapitel ist über den Beiträgen fett gedruckt aufgeführt. Verschiedene Themen z.B. Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung oder Vergewaltigungen. Darunter als Überschrift, die Kernaussage der berichtenden Person, darunter Namen, Wohnort, Geburtsjahr und Beruf.
    Die Autorin ist Journalistin und interessiert sich für die alltäglichen Geschichten der Menschen. Und so fragte sie sich was andere Personen aus der Generation ihrer Großmutter erlebt haben. Was sie von damals noch in sich tragen. Und so begann sie in ihrem Umfeld zu recherchieren. Viele Kinder kannten damals nichts anderes als die Realität des Krieges. Ausbombung, Vergewaltigungen, Tote, Vertreibung, Hunger. Viele haben unter der NS-Erziehung gelitten. In diesem sehr wichtigen Buch kommen viele von ihnen zu Wort. Es sind die letzten Zeugen und bald wird niemand mehr da sein, der darüber berichten kann. Sie schrieb die Erlebnisse auf um den nachfolgenden Generationen die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren. Viele der Zeitzeugen bekundeten auch, dass sie Angst haben, dass sich die Geschichte wiederholen könnte. Ein wichtiges Mahnmal gegen das Vergessen. Ein Antikriegsbuch. Noch ist die Geschichte direkt durch die Erinnerungen erfahrbar. Gerade noch. Die Zeit ist knapp.

    Auch mein Vater Jahrgang 1936 hat mir viel über die Kriegszeit erzählt. Sein Schicksal hätte ebenfalls in dieses Buch gepasst. Der Kummer seines Lebens war es, seinen Vater nie mehr sehen zu können. Der ist in Stalingrad vermisst. Auch mein Vater hat oft so reagiert wie es im Buch beschrieben ist. Bereitwillig erzählt hat er eigentlich erst in seinen letzten Lebensjahren. Darüber bin ich unendlich froh.
    Die Lektüre ist nicht leicht. Unglaublich was es da zu lesen gibt, wenn ich es nicht aus den Erzählungen meiner Eltern und Großeltern gehört hätte, man hätte es nicht glauben mögen. Es ist entsetzlich grausam unheimlich ergreifend und macht den Leser traurig zumindest jedoch nachdenklich, so etwas darf nie wieder passieren und doch geschieht es immer wieder überall auf der Welt. Mir ist es nicht leicht gefallen, oft habe ich den Reader aus der Hand gelegt weil ich es einfach nicht mehr ertragen habe, mir die Tränen kamen.
    Besonders gut fand ich auch, dass die Autorin zusätzlich noch Tipps gibt, wie solche Gespräche am besten zu führen sind.
    Ein wichtiges Buch, gut geschrieben, leicht zu lesen aber nicht leicht zu ertragen. Jeder sollte dieses Buch lesen. Eine absolute Leseempfehlung und volle Punktzahl 10 Punkte.


    ASIN/ISBN: B09GG786SK

    Schwägerin oder Feindin?



    Die Schwägerin, Thriller von Sue Watson, EBook , erschienen bei Bookouture.


    Sie kennt ihr dunkelstes Geheimnis.


    Clare will die Ferien mit Dan ihrem Gatten, ihren drei Kindern und ihren Schwiegereltern in einem Ferienhaus an der Amalfiküste verbringen. Da es in der Ehe von Dan und Clare kriselt, hofft sie auf ein paar romantische Wochen im Kreis der Familie. Das Idyll wird jedoch jäh durchbrochen als Dans Bruder Jamie mit seiner gutaussehenden jungen Frau auftaucht. Von Anfang an zeigt sie Clare ihren Hass und ihre Verachtung und versucht die Familienmitglieder gegeneinander aufzubringen. Dann droht sie Clare ihr schmutziges Geheimnis ans Tageslicht zu bringen.
    Das Buch teilt sich in 38 spannende Kapitel in perfekter Leselänge. Gedanken in kursiver Schrift und Instagram Nachrichten in besonders hervorgehobener Schrift lockern das Schriftbild. Als Stilmittel hat sich die Autorin des Ich-Stils aus der Sicht Clares bedient. Der Schreibstil ist bildhaft und flüssig. Die Seiten fliegen nur so dahin.


    Schon der Prolog, ein Rückblick, hat mich gefesselt, man steckt sofort drin in diesem aufwühlenden Thriller. Ein Buch welches ich ganz besonders genossen habe, ab der Hälfte konnte ich den Reader nicht mehr aus der Hand legen, die knisternde Spannung die schon zu Beginn hoch war steigert sich zu einem fulminanten Ende, effektvoll inszenierte Wendungen haben mich ständig verblüfft. Immer wieder habe ich beim Lesen die Luft angehalten. Die zweite Hälfte des Buches habe ich bis in die frühen Morgenstunden gelesen ich musste einfach wissen, wie es endet. Die Personen werden zu Beginn umfassend eingeführt und im weiteren Verlauf hervorragend charakterisiert. Jede der Figuren handelte nachvollziehbar. Besonders Ellas Verhalten hat mich aufgewühlt und wütend gemacht, dieses intrigante Biest habe ich geradezu gehasst. Ich habe vor Wut gekocht wie Ella ihre Schwägerin ins schlechte Licht rückt. Clares frustriertes Gefühl konnte ich geradezu mitfühlen, immer wieder wurde sie von der Schwägerin manipuliert damit sie den Familienmitgliedern hysterisch erscheint. Sie wurde beleidigt und auch noch erpresst. Ich konnte abschnittsweise nicht glauben was ich da las. Ein Pageturner vom Feinsten. Dass Clares Geheimnis erst später aufkommt macht das Geschriebene zusätzlich geheimnisvoll. hier wird mit klaren und präzisen Sätzen gearbeitet


    Die Charaktere sind gut gelungen, sodass ich vom ersten Satz an eine Verbindung zu ihnen gespürt habe. Meine Lieblingsfigur war Jamie, der wohl am meisten unter der Familientragödie zu leiden hatte. Clare war mir absolut sympathisch, sie hat immer wieder versucht sich von Ella nicht provozieren zu lassen und hat bis zum Ende eine bewundernswerte Entwicklung gemacht.


    Ein Thriller voller Spannung und Dramatik, eine absolute Leseempfehlung von mir und 10 Punkte

    ASIN/ISBN: B09NM8BD29

    Das Geheimnis der Gesandten


    Tag der Asche, Thriller von Jean-Christophe Grangé, EBook erschienen im Lübbe-Verlag.


    Im Elsass wurde ein Toter in einer Kapelle gefunden. Pierre Niemans und Ivana Bogdanovic, zwei Polizisten der Zentralstelle gegen Gewaltverbrechen. Der Tote war Mitglied einer Täufersekte, die abgesondert in einer eigenen Domäne leben. Von ihnen wird ein ganz besonderer Wein hergestellt und zur Weinlese werden auch Saisonarbeiter angestellt, so kann Ivana sich in die Gemeinschaft einschleusen um zu ermitteln. Doch eines ist ganz sicher – hier wurde ein Mord vertuscht und es geschehen noch weitere.

    Dieser Krimi ist der dritte Teil, einer Serie um die Ermittler Niemans und Bogdanovic. Das habe ich leider erst zu Beginn der Lektüre gemerkt, so bin ich auch ganz schlecht in Lesefluss gekommen. Im Laufe der Lektüre hat sich das jedoch egalisiert, denn der Autor hat aus den vorausgegangenen Teilen, die wichtigen Informationenwiederholt.
    Der Thriller teilt sich in drei Teile, die in 76 Kapitel aufgegliedert sind, der Schreibstil ist auktorial, so hat der Leser an jeder Stelle des Buches Überblick über das gesamte Geschehen. Flüssig und bildhaft geschrieben, insgesamt ist eine düstere Stimmung über der Geschichte was sicher nicht nur daran liegt, dass die Handlung im November spielt. Der Plot war m.E. sehr interessant, eine gute Story, doch leider haben mir die beiden Ermittler nicht so gefallen. Niemans ein Macho, der gerne ans Limit geht, nicht nur beim Autofahren. Sein Verhalten gegenüber weiblichen Kolleginnen hat mir nicht gefallen. Aber auch Ivana handelte nicht immer nachvollziehbar, nachdem sie das erste Mal mit knapper Not entkommen ist, begibt sie sich sofort wieder in Gefahr, dazu noch ganz alleine. Ihre Schnüffeleien erledigt sie plump und unvorsichtig. Die beste Figur war für mich Stephane Desnos, bei ihr hatte ich das Gefühl, sie ist authentisch und eine gute Ermittlerin. Lange konnte ich nicht ahnen, wer hinter den mysteriösen Morden steckt, im Laufe des Buches wurde es eher immer noch rätselhafter, erst zum Ende klärt sich der Fall, der Spannung blieb gleich bleibend hoch, die Aufklärung war logisch und nachvollziehbar. Vermutlich hätte ich die vorangegangenen Teile lesen sollen.


    Insgesamt sollte man nicht zu zart besaitet sein, um diesen Thriller zu genießen den stellenweise geht es schon sehr blutig und grausam zu. Von mir gibt es 6 Punkte.

    ASIN/ISBN: B09KXFCHND

    Udo und Adi


    Affenhitze, Kriminalroman, Kluftinger-Reihe Nr. 12 von Michael Kobr und Volker Klüpfel, 560 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag
    Die Allgäuer wussten es lange selber nicht, dass sie in der Menschheitsgeschichte eine besondere Rolle einnehmen, sie haben den aufrechten Gang erfunden.
    Das Allgäu als Wiege der Menschheit? In einer Tongrube nahe Pforzen i. Allgäu wurden die versteinerten Überreste des Urzeitaffen Udo ausgegraben. Doch auch sein Entdecker Professor Brunner wurde daselbst ermordet aufgefunden. Mit Hochdruck und bei einer geradezu mörderischen Affenhitze die zurzeit herrscht, macht sich der Interims-Polizeipräsident Kluftinger mit seinem Team daran in diesem mysteriösen Fall zu ermitteln. Wissenschaftler, die verschiedener Meinung sind, eine dubiose Sekte, sein Intimfeind Dr. Langhammer, dazu kommt noch die seltsame neue Kinderfrau seiner Enkelin, die er beschatten muss. Nein, der Klufti hat es auch in diesem Fall nicht leicht.
    Das Buch besteht aus 33 Kapiteln die in angenehme Leseabschnitte unterteilt sind. Die Zahlen über den Kapiteln sind passenderweise aus Knochen zusammengesetzt. Lokalkolorit entsteht aus mundartlichen Dialogen, auch das Setting ist bildhaft dargestellt, sodass der Leser stets alles vor dem inneren Auge hat. Die Landschaft prägt den Charakter der handelnden Figuren, das hat mir sehr gut gefallen. Situationskomik ist vorhanden und trägt zum Genuss der Geschichte bei. Zitate, Buchtitel, Gedanken und besonders betonte Worte sind kursiv hervorgehoben.
    Auch der 12. Band der Kluftingerreihe hat mich gut unterhalten, ab der Auffinde-Situation steigt die Spannung und zum Ende zu wird es sogar noch richtig aufregend. Ein Spannungsbogen wird kontinuierlich aufgebaut. Bis zum Schluss war nicht klar, wer der der Täter ist. Stellenweise jedoch hatte ich das Gefühl, dass unnötige Längen den Lesefluss stören, einige Seiten weniger hätten der Geschichte sicher gutgetan. Der Protagonist stellt sich manchmal schon ein wenig zu einfältig an, als dass man das alles noch für bare Münze halten könnte. Ein Kriminalbeamter in so einer gehobenen Position, sollte eigentlich etwas seriöser daherkommen. Aber letztendlich lieben wir unseren Klufti so. Das restliche Team der Polizeiinspektion Kempten war durchweg sympathisch, diesmal auch der Ritschie, die Ermittlungsarbeit war plausibel und hat beim Dabeisein Freude gemacht. Erheiternd natürlich die Gefechte des Protagonisten mit seinem Kurpfuscher-Hausarzt Langhammer, die aber im vorliegenden Band, leider sehr zahm daherkamen, laute Lacher sind mir dieses Mal nicht ausgekommen, die Pizzaaktion, das tölpelhafte Benehmen bei der Begegnung mit dem Landesvater und das Flohmarktgeschehen, haben mich aber schmunzeln lassen. Meine Lieblingsfigur in diesem Buch, die Frau, die den heißesten Reifen bei der Allgäuer Kripo fährt, Lucy Beer. Die Hintergrundgeschichte in diesem Fall, hat mich dafür, zu weiteren Recherchen animiert. Der Faden mit der Tagesmutter wurde ein wenig kaltherzig abgearbeitet, da hätte ich mir noch mehr lustige Situationen vorstellen können.
    Insgesamt gesehen war es nicht der beste Band der Reihe. Seriöse Ermittlungsarbeit und gleichzeitig humoristische Szenen, die nicht peinlich wirken, sind bestimmt nicht leicht miteinander zu vereinbaren, was das Autorenduo aber in vorangegangenen Teilen, schon besser hinbekommen hat. Für Klufti-Fans, zu denen ich mich zähle, eine guter neuer Fall, leider fehlte es mir an noch mehr lustigen Auftritten. Eine Leseempfehlung durchaus, der Band kann als Einzelband gelesen werden. Für alle Fans, des skurrilen Interims-Polizeipräsidenten ein Muss, von mir dafür 8 Punkte.


    ASIN/ISBN: 355020146X

    ASIN/ISBN: 9783746638720


    Von der Muse geküsst

    Gala und Dali, Roman von Sylvia Frank, 445 Seiten, erschienen im Aufbau Taschenbuch Verlag.
    Ein bewegender Roman über ein ungleiches Paar.
    Gala Éluard begleitet ihren Ehemann Paul nach Spanien. Dort will er einen jungen vielversprechenden Künstler treffen, Salvador Dali. Für Dali ist es Liebe auf den ersten Blick, doch auch Gala fühlt sich immer mehr zu dem unbeholfenen, schüchternen Mann hingezogen. Dennoch folgt Gala Paul wieder zurück nach Frankreich. Als Dali eines Tages, in Paris wieder auf Gala trifft, kommen die beiden zusammen und werden unzertrennlich. Sie ist seine Muse und Gala will, dass Dalis Kunst aller Welt offenbar wird.
    Ein Roman der viel mehr ist als ein Liebesroman, ist dem Autorenduo Sylvia Frank hier gelungen. Der Roman teilt sich in drei Teile, die in 38 Kapitel gegliedert sind. Da einige Kapitel mit Ort und Jahreszahl untertitelt sind, ist es leicht sich in den Zeitabläufen zurechtzufinden. Kurze und flüssige Kapitel lassen den Leser nur so durchs Buch gleiten. Die herrlichen bildhaften Landschaftsbeschreibungen, die guten Schilderungen der Personen und der flüssige Erzählstil machen das Lesen zum Vergnügen. Immer wieder war ich überrascht wie viele Seiten ich in kurzer Zeit schon wieder verschlungen habe. Das Autorenduo hat die Multiperspektive als Erzählform gewählt, abwechselnd kann man lesen, was im Kopf von Gala, bei Dali und auch bei anderen Charakteren vorgeht, zu jeder Zeit ist somit auch der Gesamtüberblick über das Geschehen gewährleistet. Gedanken, französische und spanische bzw. katalanische Phrasen, sowie Briefe sind in kursiver Schrift gedruckt und auf diese Weise deutlich gemacht.
    Die Figuren, auch die Nebenfiguren sind tiefgründig charakterisiert, die beiden Protagonisten sowieso, Galas Beweggründe und Überlegungen, Dali zu fördern und ganz groß rauszubringen waren somit gut nachvollziehbar. Besonders faszinierend fand ich die Gefühle und Gedanken die sich der Künstler beim Schaffen seiner Werke gemacht hat. Das war für mich ein Highlight im Buch. Obwohl sich die Reihe „Berühmte Paare und große Geschichten“ nennt, war die Liebesbeziehung der beiden im Buch eigentlich nicht im Vordergrund. Das Buch beschreibt den Zeitraum von 1929 – 1931. Was die beiden einander waren und wie dringend sie sich brauchten, kommt hervorragend nachvollziehbar an die Oberfläche. Gala hat mit Dali vermutlich das getan, was man „ganz groß herausgebracht“ nennt. Auch hat sie ihn oft genug zu seinen Werken inspiriert. Dass dies aus Liebe und nicht aus monetären Gründen geschah, steht fest, denn dafür, hat sie ihr Luxusleben, ihren Wohlstand und gesellschaftliches Ansehen an der Seite von Éluard aufgegeben. Die Schaffensphase der Kunstwerke habe ich gerne verfolgt und auch mit Recherchen im Internet begleitet. Die Leichtigkeit, Exzentrik und Verrücktheit Dalis hat mich fasziniert. Ich habe viel über den Künstler gelernt. Dali war, wie so manch anderer bildender Künstler, exzentrisch. Gala hat ihn geerdet und sein ganzes Leben lang inspiriert, sie ist im Buch meine Lieblingsperson.
    Ich habe dieses einfühlsame und emotionale Buch sehr genossen. Habe auch viel über den Surrealisten Dali und seine Werke gelernt und mich weiter informiert. Ein ganz großes Lob dem Autorenehepaar für die, nach eigenen Angaben, oft schwierigen Recherchen, eine Leseempfehlung und 10 Punkte

    Senor Léxico


    Einsame Entscheidung, Lost in Fuseta-Reihe Band 5, Portugal Krimi von Gil Ribeiro, Ebook, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch eBook.
    Aufregender und actionreicher Krimi. Ein Wiedersehen mit den beliebten Charakteren, dem kleinen Fischerort Fuseta an der Küste Portugals und einem neuen spannenden Fall
    Jack Brent ein englischer Tourist wurde in einem Ferienhaus an der Algarve, tot aufgefunden. Flüchtig und somit höchst verdächtig, seine Begleiterin. Es scheint eine klare Beziehungstat zu sein. Leander Lost und seine Kollegen sind jedoch ziemlich schnell davon überzeugt, dass es um einen Riesenkonzern geht, der aus Profitgier über Leichen geht. Urplötzlich befindet sich der deutsche Austauschkommissar auf der Flucht mit einer Whistleblowerin.
    Wieder einmal konnte mich Gil Ribeiro mit einem Fuseta-Krimi restlos begeistern. So nebenbei werden die einzelnen Figuren zu Anfang wieder gut eingeführt, so dass es sich so anfühlt als ob man nie weg gewesen wäre. Man merkt ganz deutlich, dass Leander in Fuseta, bei den Rosados und vor allem bei den Kollegen gut angekommen ist. Bei der Suche nach den Flüchtigen können die Kollegen hervorragend nachvollziehen, wie er handelt und denkt. Auch in diesem Fall konnte der Asperger - Autist mit seinen „besonderen Fähigkeiten“ beim Lösen des Falls wichtige Beiträge leisten. Ganz deutlich bemerkt man wie sehr ihn die Kollegen mittlerweile schätzen. Eine enorme Entwicklung hat Senor Lost da hingelegt, das ist deutlich zu spüren, deshalb ist der Protagonist auch meine „Lieblingsfigur“. Die portugiesische Lebensart und auch das Setting kamen wieder hervorragend rüber. Bildmalerisch und flüssig geschrieben, ein Lesegenuss. Lokalkolorit zur Genüge vorhanden. Die Spannungskurve steigt gemächlich aber stetig. Zum Ende hin blieb kaum mehr Luft zum Durchatmen, Schlag auf Schlag ereigneten sich die Geschehnisse, bei den vielen involvierten Personen, muss man schon gut bei der Sache sein um folgen zu können. Besonders gut gefällt mir bei den Fuseta Krimis, dass es zwischendurch immer wieder Grund zum Schmunzeln gibt, Situationskomik, nicht zuletzt wegen der liebenswerten Schwächen des Protagonisten. Der in diesem Band zugrunde liegende Fall, ist zudem sehr interessant und nachvollziehbar beschrieben.
    Auch privat läuft es für einige der Charaktere ziemlich gut, da ist wohl noch einiges zu erwarten, somit freue ich mich schon auf die nächste Folge. Alle handelnden Figuren agieren glaubwürdig.
    Ein Extra-Highlight sind die am Anfang platzierten Karten vom Setting, wenn man sich die Karten in Farbe und zoombar ansehen möchte ist dies möglich, die Internetadresse ist angegeben. Dies ist auch mit einer WLAN-Verbindung des Lesegerätes machbar. Portugiesische und auch spanische Phrasen sind kursiv dargestellt und beleben das Schriftbild. Das Geschehen geht über sieben Tage, die 37 Kapitel sind daher in sieben Teile aufgeteilt.
    Eine absolute Leseempfehlung für Fans der Reihe, ein Tipp für Einsteiger: Es lohnt sich die Serie von Anfang an zu genießen. Von mir volle Punktzahl.

    Oma Renate als Hochzeitsplanerin


    Man muss sich nur trauen, Humoristischer Roman von Renate Bergmann alias Torsten Rhode, 219 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag.


    Ihre beste Freundin Gertrud heiratet, das bedeutet jede Menge Arbeit für die Online-Omi.


    Renates beste Freundin Gertrud hat den Antrag von Gunter angenommen. Doch so richtig kommt das Ganze nicht vorwärts. Renate sieht dringenden Handlungsbedarf und greift ein. Tatkräftig plant und organisiert die Bergmannsche die Hochzeit der beiden. Reis und Taschentücher eingepackt. Es gibt jede Menge Hochzeitsspaß!
    Wieder haben mich die neuesten Erlebnisse der Online-Omi begeistert. Mit viel Witz und Charme bringt sie ihre Freundin Gertrud unter die Haube. Sie schreibt und redet wie ihr der Schnabel gewachsen ist und das finde ich sehr lustig und unterhaltsam, an nicht einmal zwei Nachmittagen hatte ich den neuesten Renate Bergmann Roman gelesen und mich dabei köstlich amüsiert, an manchen Stellen gelächelt und sogar gekichert. Z.B. bei Sätzen wie: „Ich gucke Aktenstapel XY, mit dem Rittberger-Rudi nicht gerne alleine.“ Oder auf S. 10. Wir haben nie geheiratet weil wir mussten, sondern weil wir wollten. Nicht wie diese operierten Nackedeis heutzutage, die sich einen Fußballspieler angeln, weil es mit der Schule nicht so geklappt hat.“ Unbeschwerte und lustige Unterhaltung, bildhaft und flüssig beschrieben. Die Wortneuschöpfungen von Renate haben mich auch in diesem Band wieder begeistert. Bei Fäßbock, Finstergramm und bei I-mehl, da kennt sich Oma Renate aus. Denn wenn man von ihr im Onlein was liest dann ist das alles echt, wissen se?
    Natürlich habe ich von Frau Bergmann wieder so einiges gelernt, mit Lebensweisheiten und guten Ratschlägen spart sie nicht. Mit Millenjels kenn ich mich jetzt aus und wie die „Knödelmädchen“ ticken habe ich auch verstanden. Ja Renate weiß wie der Hase läuft, sie war ja schließlich selbst schon viermal verheiratet und deshalb hilft sie ihrer Freundin Gertrud auch gerne ihre Hochzeit zu planen, nebenbei wird der ganze Hochzeitswahnsinn, der heutzutage herrscht, liebevoll auf die Schippe genommen. Dabei lernt der Leser auch so manchen Trick um Geld zu sparen, denn das Brautpaar ist nach einer Hochzeit oft so verschuldet, dass sie sich die Scheidung nicht mehr leisten können, wenn man erst mal der Hochzeitsmafia in die Finger kommt.
    Obwohl es schon der 16. Band ist, ist es nicht notwendig die Bücher in Reihenfolge zu lesen, jedes Buch steht als Einzelband für sich und kann auch so gelesen werden.

    Von mir 10 Punkte.

    ASIN/ISBN: 3548064787

    Der Mensch in seinem Wahn


    Engel des Todes, Historischer Kriminalroman von Thomas Ziebula, 384 Seiten, erschienen im Wunderlich Verlag.
    Das schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.
    Leipzig im März 1920, Reichswehrsoldaten haben die Regierung in Berlin für abgesetzt erklärt. In Leipzig, wie in vielen deutschen Städten, kommt es zu blutigen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Putschisten. Während in Leipzig, Anarchie und Aufruhr herrscht, muss Kriminalinspektor Paul Stainer und seine Kollegen von der Wächterburg, auch noch eine grausame Mordserie aufklären. Enthauptete Leichen und die aktuelle politische Lage bringen Stainer an die Grenze seiner Kräfte.
    Der aktuelle Fall schließt unmittelbar an das Ende des zweiten Teils an, es war wirklich leicht ins Buch zu kommen. Lesefluss hat sich unmittelbar eingestellt. Starke Stilmittel hat der Autor gewählt. Mir hat es besonders gefallen, dass gleich zu Beginn ein Gedicht meines Lieblingsdichters Rilke abgedruckt ist. Auf Seite 122, erscheinen kursiv hervorgehoben und zur Handlung auch sehr passend, einige Verse aus Schillers „Lied von der Glocke“. Das Werk umfasst 43 spannende Kapitel, die einen auf den Inhalt hinweisenden Titel tragen. Die Handlung beschreibt gleichzeitig die Dauer der Kämpfe des Kapp-Putschs und ist somit in 5 Teile aufgeteilt, die mit Datum versehen sind. Diverse Schriften beleben das Gesamtbild, eine Freude zu lesen und leicht zu differenzieren. Tageszeitungsartikel gedruckt in Fraktur, Telegramme in markanter Schrift, Behandlungsprotokolle kursiv abgebildet. Ziebula hat die auktoriale Schreibweise gewählt, zu jeder Zeit an jeder Stelle im Buch konnte somit die Gesamtübersicht gewahrt werden. Hilfreich waren die Abbildungen der Karte von Leipzig in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, so konnte ich die Straßenkämpfe und auch die Bewegungen des Täters immer mitverfolgen. Erfreut haben mich auch wieder veraltete Wörter die ich von meinem Uropa noch kenne, Gaslaterne Grammophon, Blitzbeutel zum Fotografieren, Bügelverschlüsse an Getränkeflaschen, da passt einfach alles, Zeitkolorit der Weimarer Republik, historisch authentisch, schafft Atmosphäre und zeugt von aufwendigen Recherchen. Gerade das macht die Stainer-Krimis für mich so interessant.
    Der Einstieg ins Buch war sehr politisch und hat mich zu weiterem Stöbern im Netz über den Kapp-Putsch und die politischen Zusammenhänge veranlasst. Als dann die Mordserie begann, stieg die Spannung und endete in einem fulminanten Showdown. Bei Ziebula bekommt man nicht nur spannende Krimis sondern auch Geschichtsunterricht. Die jeweilige Auffinde-Situation bedarf schon „abgebrühte“ Leser. Ganz besonders beeindruckt haben mich die Kapitel aus Tätersicht, ganz tief lässt uns der Autor hier in die Seele des Mörders blicken. Die Figur von Paul Stainer und sein privates Umfeld halten auch wieder unerwartete Überraschungen bereit. Der Verlust seiner Frau und auch die posttraumatischen Belastungsstörung sind noch lange nicht verarbeitet und die Beziehung zu seinem unmöglichen Vater könnte nicht schlechter sein. Gerne würde ich erfahren wie es in Stainers Leben weitergeht.
    Mir hat der 3. Fall wieder sehr gefallen und mich bestens unterhalten. Es ist möglich „Engel des Todes“ als Einzelband zu lesen, aber wieso sollte man sich die vorangegangenen Teile entgehen lassen. Lese- und Kaufempfehlung für die gesamte Reihe. Zehn Punkte.

    Was ist mit Maries Mutter?


    Das verschlossene Zimmer, historischer Roman von Rachel Givney, EBook erschienen im Lübbe-Verlag.
    Die Menschen sehen nur, was sie sehen wollen.
    Krakau 1939, ein Krieg droht. Immer schon sehnte sich Marie nach ihrer Mutter, an die sie sich nur undeutlich erinnern kann. Sie ist von ihrem Vater aufgezogen worden. Eines Tages bricht sie in das verschlossene Zimmer ihres Vaters ein und immer mehr verschärft sich der Wunsch, zu erfahren was mit ihrer Mutter geschehen ist. Ihr Vater, Dominik Karski, ist ein hervorragender Arzt und kümmert sich aufopferungsvoll um Marie. Doch als sie erwachsen wird, sehnt sie sich immer mehr nach ihrer Mutter. Bald wird Marie klar, dass ein großes Geheimnis ihre Familie betrifft.
    Das Buch ist in 19 Kapitel gegliedert. Jedes Kapitel trägt eine das Kapitel zusammenfassende Überschrift. Ort und Datum sind angegeben, das ist sehr hilfreich, denn die Erzählung umfasst zwei Zeitebenen, die schwierige Zeit nach dem ersten großen Krieg und die Zeit die die Geschehnisse 1939 in Krakau beschreibt. Der Erzählstil hat mir gut gefallen, die Sprache war flüssig und angenehm, durch die bildhafte Erzählweise hatte ich das Setting immer perfekt vor Augen. Die ausführlichen medizinischen und chemischen Erklärungen sind interessant und zeugen für eine umfassende Recherche.
    Durch das aufregende Geschehen, gleich zu Beginn des Buches, hat sich bei mir unmittelbar Lesefluss eingestellt. Viele Szenen sind so spannend erzählt, dass ich das Buch nur ungern aus der Hand legen wollte. Leider hat sich mir schon viel zu früh das Geheimnis um Maries Mutter erschlossen, sodass die Auflösung am Ende für mich nicht überraschend war. Viel mehr hat mich das Schicksal der Frauen in der Zeit nach dem ersten großen Krieg und das der Juden in Krakau so sehr betroffen gemacht. Die Figuren sind wirklich gut beschrieben und die Autorin lässt ihre Leser ganz tief in die Seele der Akteure blicken, trotzdem war mir Marie nicht sympathisch, manchmal dachte ich wie naiv sie agiert und handelt( z.B. ihr Alleingang in Lemberg). Dabei kam im Buch gut rüber wie klug sie eigentlich ist. Intelligenz kann keine Lebensklugheit ersetzen. Wie Domek das Geheimnis in all den Jahren vor seiner Tochter verbergen konnte, das zweifle ich stark an. Trotzdem war Dominik Karski für mich die beste Figur im Buch. Sein Schicksal, auch das was im Buch nicht mehr beschrieben wird hat mich sehr stark betroffen gemacht. Ben Rosen, Maries Geliebter ist eigentlich nur blass geblieben, diese Figur hätte sicher auch mehr zu bieten gehabt.
    Einige Stellen im Buch haben mich zweifeln lassen, ob Marie bei der Aufnahmeprüfung zum Studium, die ihr gestellten Aufgaben ohne Chemieunterricht so gut beantworten konnte, das glaube ich schlichtweg einfach nicht. Aus eigener Erfahrung, als Sportschützin weiß ich auch, dass Schießen diszipliniertes und fleißiges Training voraussetzt, das kann man nicht aus einem Buch, das man einmal gelesen hat lernen. An solchen Stellen im Buch habe ich schon sehr mit der Autorin gehadert. Die Fäden die ins Leere laufen z.B. die Geschichte von Daniel Blumberg lassen mich unbefriedigt zurück. Auch das Ende ist mir viel zu offen, schade.
    Am meisten haben mich jedoch die Parallelen zum aktuellen Krieg im beinahe selben Gebiet traurig gemacht. Ich habe Probleme dieses Buch zu bewerten, und entscheide mich für 6 von 10 möglichen Sternen.

    Gefährlicher Aberglaube


    Bei den Tannen, Südtirol-Krimi von Lenz Koppelstätter, EBook, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch ebook.
    Commissario Grauner und seine Crew ermitteln in ihrem siebten Fall.
    Eine berühmte Gourmetkritikerin kommt bei einem Essen in einem weltbekannten Restaurant im Sarntal ums Leben, auch ihre beiden Hunde die sie vom Essen kosten ließ, sind tot. Da denkt man natürlich zuerst an die Köchin. Hedwig Löchler, Nachfahrin einer berühmt-berüchtigten Hexen-Dynastie wird beschuldigt. Vor allem von den Dorfbewohnern, die auf sie und ihre weiblichen Ahnen schon seit Jahrhunderten eine regelrechte Hexenjagd veranstaltet haben. Soll hier eine uralte Rechnung beglichen werden? Commissario Grauner und sein Team begeben sich diesmal im Sarntal auf Spurensuche.
    Das Buch beschreibt vier Tage des Geschehens, beginnend vom Tod der Kritikerin, bis zur Aufklärung des Falls, die einzelnen Tagesabschnitte sind in lesegerechte Kapitel aufgeteilt. Italienische Phrasen, Zeitungen, Lieder oder Handschriftliches sind kursiv gedruckt. Ein Zeitungsinterview ist fett gedruckt deutlich gemacht, das belebt das Schriftbild und erleichtert das Verständnis.
    Am Anfang des Buches gibt es Karten, sie bilden das Gebiet ab, in dem ermittelt wird. Da dies am Lesegerät immer etwas umständlich und auch undeutlich sein kann, fand ich die angegebene Internetadresse sehr hilfreich. Dort kann die Karte zoombar und in Farbe angesehen werden. Trotzdem ist es einfacher mit abgedruckten Karten in der Printversion.
    Das Geschehen setzt direkt nach Ende des letzten Bandes ein, deshalb konnte ich ins Geschehen direkt einsteigen. Lesefluss hat sich unmittelbar eingestellt. Das Wiedersehen mit den liebgewordenen Figuren war schön, leider war mein Favorit Ispettore Saltapepe nicht von Anfang an mit von der Partie. Eine große Stärke von Koppelstätter ist, seine Charaktere ganz tief zu charakterisieren, das macht sie sympathisch und man kann sich hervorragend mit ihnen identifizieren. Die familiären Entwicklungen im Hause Grauner genieße ich. Besonders gut gefallen haben mir die Abschnitte, bei denen die inquisitorische Hexenjagd in Südtirol beschrieben wurde. Gruselig und spannend beschrieben auch die mittelalterlichen Treffen der Kräuterfrauen auf der hohen Reisch.
    Die Zutaten zu einem spannenden Kriminalfall wurden hervorragend gelegt. Das Milieu der Sterneköche und Restaurantkritiker, der alten mysteriösen Dorffehden und mittelalterlicher Aberglauben, das alles in wilder Natur, in dunklen Wäldern und tiefen zerklüfteten Schluchten. Doch leider bin ich in diesem Fall ein wenig außen vor geblieben, hatte ich das Gefühl. Ich konnte die einzelnen Ermittlungsstränge einfach nicht so richtig miteinander verbinden, immer wieder musste ich zurückblättern weil ich dachte, dass ich etwas dazwischen ausgelassen habe, besonders wenn die Akteure in aufregende Situationen verwickelt wurden, z.B. die Erlebnisse Tappeiners in der Burg und in der Schlucht, sind für mich undurchschaubar. Die Auflösung war nahezu unspektakulär. Dafür bei meiner Bewertung einen Punkt Abzug.
    Trotz allem habe ich diesen Südtirol-Krimi wieder genossen, ein Ziel für den nächsten Südtirolurlaub habe ich auch schon ausgemacht, die „Stoanernen Mandln“ im Sarntal möchte ich unbedingt sehen. Von mir 8 von 10 möglichen Sternen.

    Unmögliche Protagonistin


    Herzgräber, Thriller von Jen Williams, Ebook, erschienen im Fischer Ebook-Verlag
    Eine Reise in die Vergangenheit
    Heather muss den Nachlass ihrer Mutter Colleen regeln, die freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Sie findet Briefe die ihre Mutter von einem verurteilten Serienmörder aus dem Gefängnis erhalten hat. Was verbindet Colleen mit dem roten Wolf Michael Reave?
    Das Buch ist in 47 Kapitel aufgeteilt und besteht aus mehreren Erzählsträngen. Zum einen die Kapitel aus der Vergangenheit aus der Sicht von Michael, sein Werdegang beginnend in der Kindheit, diese Abschnitte sind mit „Früher“ überschrieben. Der andere, der Hauptstrang aus der Sicht von Heather, auf den Spuren ihrer Mutter, dazwischen im ersten Drittel des Buches, aus Opfersicht erzählt. Zum Ende nähern sich der Vergangenheitsstrang und der Gegenwartsstrang an. Trotzdem hatte ich anfangs Probleme in die Geschichte hineinzufinden.
    Insgesamt gesehen hat mich der Thriller jedoch so gar nicht erreicht. Mit der Ausführung und dem Erzählstil hatte ich Mühe, die Erklärungen waren mir zu oberflächlich und vage, zu viel ist nicht erklärt worden, der Rest waren Grausamkeiten. Zum Ende hatte ich das Gefühl in Blut zu waten. Unlogisch und nicht nachvollziehbar der Plot, dem spirituellen Anteil konnte ich sowieso schlecht folgen. Ich kann mir z.B. ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass ein inhaftierter Serienmörder beim Hofgang Besucher empfangen darf. Den Schluss fand ich so hanebüchen, dass ich beinahe noch auf den letzten Seiten abbrechen wollte.
    Am meisten genervt hat mich jedoch die Protagonistin, dumm und leichtsinnig, ständig ignoriert sie Beweise, dass irgendjemand in ihrer Wohnung zugange war, obwohl sie mit einem Polizisten befreundet ist, erzählt sie ihm nichts davon. Stundenlang rennt sie tölpelhaft, mit einem Messer durch den Wald um ihrer Freundin zu helfen, begibt sich selbst in Gefahr, statt die Polizei zu alarmieren. Selbst wenn sie keinen Handyempfang hat, wäre es sicherer gewesen, sich dahin zu begeben, wo man telefonieren kann. Wenn sie draußen verdächtige Geräusche hört, geht sie bei Nacht und Nebel raus um nachzusehen, so dumm ist wirklich niemand, das hat mir die Spannung nicht gesteigert, sondern Kopfschütteln gebracht. Die letzten Seiten habe ich schnell gelesen um es hinter mich zu bringen, schade denn der Grundgedanke hätte durch aus Potential gehabt. Auch mit dem Ende war ich nicht zufrieden, zu viele Fragen sind offen geblieben. Schade um die investierte Lesezeit.
    Von mir keine Leseempfehlung und vier Punkte für die Idee. Gut gedacht ist nicht immer gut gemacht.

    ASIN/ISBN: ‎ 342321984X

    Fräulein Weber


    Die Dorflehrerin, Roman von Bettina Seidl, EBook, erschienen bei dtv.


    Eine beherzte junge Frau und eine Liebe, die nicht sein darf.


    Antonie Weber ist in einem Waisenhaus aufgewachsen, bei den Englischen Fräulein in München erhält sie durch eine glückliche Fügung die Ausbildung zur Lehrerin. Ihre erste Stelle tritt sie 1911 in Tannau im Berchtesgadener Land an. Abneigung und Misstrauen machen ihr das Leben schwer, doch bald findet sie Freunde und auch Menschen die ihr vorurteilsfrei entgegenkommen. Für sie ist der Lehrberuf eine Berufung. Doch mit ihren neuen Lehrmethoden eckt sie bald an. Ihre Schüler sind ihr schnell zugetan und ihr Unterricht macht schon bald große Fortschritte. Langsam kommen ihr auch die Tannauer entgegen und betrachten die junge Lehrerin als Gewinn für die kleine Gemeinde. Einer liegt ihr ganz besonders am Herzen, doch das Lehrerinnenzölibat steht zwischen ihnen. Wird sich Antonie für die Liebe oder für ihre Berufung entscheiden?
    Ganz begeistert hat mich dieser schöne Roman, schnell war er gelesen, der flüssige Erzählstil und die bildmalerische Erzählweise haben mich von der ersten Seite an gefesselt und nicht mehr losgelassen. Zusammen mit der Protagonistin erlebt der Leser, das Leben in einem kleinen Bergdorf, Anfang des 20. Jahrhunderts, im Berchtesgadener Land. Geburt und Tod, Unglücke und Feste im Jahreskreis sind hier mitreißend beschrieben, Dorftratsch, Vorurteile ein herzensguter Pfarrer alles vorhanden was mein Leserherz höher schlagen ließ. Wie hart das Leben zu der Zeit in den Bergen war, aber auch wie schön es dort sein kann ist äußerst gefühlvoll beschrieben. Die Beschreibung der Landschaft hat mich direkt in die Bergwelt versetzt, besonders gut gefallen hat mir der Ausflug an den Königssee, ganz genauso habe ich es auch erlebt. Die einzelnen Kapitel haben eine Überschrift, die das Geschehen kurz zusammenfasst. Die lebendigen Dialoge haben mir Freude gemacht. Die Figuren sind tief gezeichnet, sind authentisch. Ich konnte mich unbedingt mit ihnen identifizieren. Viele Figuren sind mir lieb geworden, haben mich begeistert. Pfarrer Bichler, Magda, Monika, Helene und ganz besonders die Schützlinge von Antonie. Ich habe sie beim Lesen direkt vor meinen Augen gehabt. Gundi, Hias die kleine und die große Anna. Alle habe ich liebgewonnen und sie nur ungern gehen lassen, für mich hätte das Buch noch viele Seiten haben mögen.
    Auch den Schluss fand ich wunderschön, deshalb war auch Antonie meine Lieblingsfigur, tapfer stark und aufrecht. Ihren Unterricht zu verfolgen hat mir große Freude gemacht. Dass es das Lehrerinnenzölibat gab, wusste ich, doch dass es bis in die 1950er Jahre andauerte war mir nicht bewusst. Hat sich eine Lehrerin für eine Ehe entschieden, dann musste sie ihren Beruf aufgeben und verlor ihren Beamtenstatus und den Anspruch auf ihre Pension.

    Ich möchte eine unbedingte Leseempfehlung für dieses herrliche Buch aussprechen und vergebe gerne 10 Punkte.

    Mythos Diana


    Diana, die Königin der Herzen, Romanbiografie von Julie Heiland, Ebook, Ullstein Ebooks.
    5. Teil der Reihe „Ikonen ihrer Zeit“
    Am 30. Geburtstag des britischen Thronfolgers flirtet die damals 17jährige Lady Diana Spencer mit Prinz Charles. Ein Erlebnis, das ihr Leben für immer verändern wird. Drei Jahre später steht sie an seiner Seite in der St. Paul's Cathedral, es ist die Hochzeit des Jahrhunderts. Doch Charles liebt sie nicht, das strenge Protokoll des britischen Königshauses fällt ihr schwer und die königliche Familie akzeptiert sie nicht. Dennoch hat sie es geschafft als „Königin der Herzen“ in die Geschichte einzugehen.
    Das Buch gliedert sich in 2 Teile, aufgeteilt in 64 Kapitel. Im Prolog erfährt der Leser, wie Diana am Tag ihrer Scheidung, auf die vergangenen Jahre zurückblickt. Im ersten Teil erscheint sie als naives gutgläubiges Mädchen, das stumm leidet. Der zweite, der längere Teil berichtet über ihre Versuche sich zu emanzipieren, auch ohne Charles glücklich zu sein. Das Buch ist auf die Biografie „Diana. Ihre wahre Geschichte in ihren eigenen Worten“ von Andrew Morton aufgebaut. In Rückblicken wird ihr Leben als Prinzessin von Wales geschildert. Die Erinnerungen sind aus der Sicht Dianas geschrieben, ergreifende bzw. anrührende Dialoge machen das Buch lebendig, kursiv sind Filmtitel, Lieder, Schlagzeilen Gedanken etc. dargestellt, das belebt das Schriftbild und erleichtert die Lektüre.
    Eine Geschichte, die jeder kennt und viele berührt. Julie Heiland hat sie flüssig erzählt, es ist mir gelungen in kürzester Zeit das gesamte Buch zu lesen, ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Im Nachwort betont die Autorin, das ihr Roman auf wahren Begebenheiten beruht, dass sie Zeitungsberichte und verschiedene Biografien hinzugezogen hat. Es handelt sich um eine fiktionale Erzählung und alle Dialoge sind frei erfunden. Das konnte ich einfach nicht abschütteln, insgesamt doch recht klischeehaft. Ich bin jedoch überzeugt, dass sich die wahre Geschichte so zugetragen haben könnte. Mir hat die Prinzessin in ihrem goldenen Käfig immer nur leidgetan, nicht nur bei der aktuellen Lektüre. Ihre Ehe und Scheidung, sowie ihren tragischen Tod habe ich als Zeitzeugin mitverfolgt. Die Romanfigur Diana ist von J. Heiland hervorragend charakterisiert worden, ob es ihrem wirklichen Wesen nahekommt ist schwer zu beurteilen. Vor ihrem Engagement für soziale Projekte und ihrer Rolle als Mutter habe ich Respekt. Die Romanfigur habe ich zutiefst bedauert und mit ihr gelitten. Berührt hat mich die Szene als Diana ihre Feindin Camilla, anstatt sich selbst, auf Familienfotos gesehen hat, wie real sich das aktuell gestaltet finde ich gruselig. Die Einstellung der Königin und der gesamten Familie, in dieser Angelegenheit, finde ich einfach nur scheinheilig, wenn man bedenkt warum Eduard VIII. abdanken musste. Noch eine Stelle die mir die Gänsehaut den Rücken hinablaufen ließ, war der Satz mit dem Dianas Schwiegervater, Prinz Philip ihr drohte: „Keine Frau verlässt das Haus Windsor mit dem Kopf auf ihren Schultern.“ Das möchte ich gerne unkommentiert stehen lassen. Im wahren Leben bin ich kein Freund der 2. Frau von Prinz Charles, auch in diesem Buch ist sie keine Sympathieträgerin, doch die Figur die ich im vorliegenden Buch am wenigsten leiden konnte ist Prinz Charles, egoistisch, böse und emotionslos. Vermutlich hätte er die Psychiater die er Diana empfohlen hat, selbst aufsuchen sollen.
    Immer wieder hatte ich bei der Lektüre ein „Groschenromangefühl“. Wer dieses Buch liest, weil er die wahren Begebenheiten wissen will, ist hier absolut fehl am Platz, derjenige sollte eher eine Biografie lesen. Trotzdem fühlte ich mich nett unterhalten. Von mir 6 Punkte.

    Tortenschlacht

    Die Magie von Schokolade, Roman von Lucie Castel, Ebook erschienen bei Piper ebooks.
    Durch eine Erbschaft findet Catalina die große Liebe.
    Catalina ist eine großartige Zuckerbäckerin, doch durch Intrigen verliert sie die Liebe und ihre Patisserie in der Bretagne. Als ihr korsischer Großvater stirbt, erbt sie dort einen kleinen Laden, sie beschließt kurzerhand, ein neues Leben auf Korsika zu beginnen. Voller Elan stürzt sie sich in die Arbeit um die neue Patisserie in Schwung zu bringen. Dies wird leider durch eine uralte Familienfehde erschwert. Ihrem Lokal gegenüber stehen die Leute vor der Chocolaterie Castelli Schlange, die gehört dem Spross der verfeindeten Familie Luca Castelli. Kann die Liebe alle Grenzen beseitigen?
    Eine Geschichte die mir das Lesen ziemlich versüßt hat, ständig war von leckeren Kuchenkreationen und raffinierten Schokoladenschöpfungen zu lesen. Von diesen Szenen in Küche und Backstube hätte ich mir viel mehr gewünscht. Die Autorin schreibt in einem frischen und fröhlichen Stil, schlagfertige Dialoge beleben das Werk, da konnte ich mitunter nur schmunzeln. Das Highlight als Cousin Marc-Antoine einen Hund wiederzubeleben versuchte. Sätze wie: „Der Scheuerlappen. Der meiner Mutter als Hund dient, schnüffelt begierig an meinem Bein.“
    Lucie Castel hat ihren Roman im Ich-Stil verfasst, abwechslungsweise aus der Sicht der beiden Hauptfiguren Catalina und Luca. Deshalb sind die 34 Kapitel die das Buch umfasst, auch mit dem jeweiligen Handlungsort überschrieben. Sie wechseln sich so geschickt ab, dass man nicht aus dem Lesefluss gerissen wird.
    Leider ist die Autorin auf das Setting kaum eingegangen, etwas Lokalkolorit hätte ich mir schon gewünscht, die Handlung hätte an jedem x-beliebigen Ort stattfinden können. Auch sind die Charaktere blutleer und blass geblieben, gerade die Gedankengänge von Luca hätten mich brennend interessiert. Ich konnte mich mit der Protagonistin nicht identifizieren. Alle andern Akteure blieben mir leider auch fremd. Sie handelten nicht immer nachvollziehbar. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass die Geschichte an einigen Stellen einfach ein paar erklärende Seiten mehr nötig gehabt hätte. Das Potential zu einer mitreißenden Romanze wäre da gewesen. Alles in allem jedoch habe ich mich ganz gut unterhalten gefühlt. Ein Satz der mich nachdenklich gemacht hat: „Die Zukunft galoppiert voran, ohne sich umzudrehen, nie fängt man sie ein. Und unterdessen vergeht die Zeit und nimmt das Leben unserer Liebsten mit sich.“(S.11)
    Eine eingeschränkte Empfehlung, für ein paar entspannte Lesestunden, ohne Dramatik und großes Kino. Von mir 3 Punkte


    ASIN/ISBN: 3851794540

    Edit: ISBN ergäänzt, damit das Cover angezeigt wird. Gruß Herr Palomar

    Tat das Joch weh?


    Unwert – der Weg des Kirschenmädchens, historischer Roman von Yasmin Alinaghi, EBook herausgegeben von Tinte & Feder.
    Storyteller X Award-Gewinnerin Yasmin Alinaghi erzählt über den Mut, in schwerer Zeit, das richtige zu tun. Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit.
    Die 13jährige Käthe lebt mit Onkel und Tante auf einem Obstwein-Gut in Hessen, ihr Vater der sich nach dem frühen Tod der Mutter dem Alkohol ergeben hat ist in einer Heilanstalt. Als der Onkel zur Wehrmacht eingezogen wird, kümmert sich der „raffgierige“ Vater der jungen Bäuerin um den Hof. Der Erntehelfer den er schickt, vergeht sich immer wieder an dem Kind. Im Bestreben sich den Hof anzueignen, überredet er seine Tochter, diese Übergriffe zu melden, zusammen mit dem hiesigen Amtsarzt, einem fanatischen Nazi-Anhänger gerät Käthe dadurch in die Fänge der braunen Schergen und findet sich vor dem Erbgesundheitsgericht wieder. So wird Käthe ein Opfer von Intrigen, gepaart mit einer abscheulichen Ideologie
    Die Kapitel sind mit Jahreszahlen und einer Überschrift markiert, die Überschrift hat mich des Öfteren auf den darauffolgenden Text neugierig gemacht. Die Autorin erzählt flüssig und sehr bildmalerisch, ich konnte mir die beschriebenen Personen, sowie das Setting sehr gut vorstellen. Einige Szenen sind in hessischer Mundart wiedergegeben, die die Dinge mit deftigen Ausrücken und Worten beim Namen nennen. (z. B. Piesel-Liesel). Liedtexte, Briefe, Auszüge aus Patientenakten etc. sind kursiv gedruckt und deutlich hervorgehoben. Anfangs musste ich oft schmunzeln, doch das Lachen ist mir im Verlauf der Erzählung schon bald im Hals steckengeblieben. Einige Szenen fand ich unfassbar grausam und ein beklemmendes Gefühl hat sich eingestellt. Immer öfter musste ich beim Lesen innehalten, besonders das unglaublich grausame Verhalten, des Stabsarztes Dr. Trabert hat mir die Tränen in die Augen getrieben.
    Das Schicksal der jungen Käthe hat mich tief betroffen zurückgelassen, das Mädchen hat mir unsäglich leidgetan. Da sie nur 3 Jahre in die Schule gehen durfte, war es ein Einfaches, ihr ein gewisses Maß an Schwachsinn zu unterstellen. Sehr treffend hat ihr Lehrer bei der Gerichtsverhandlung ausgesagt, dass dies dann auch auf die Hälfte seiner Schüler zutreffen müsste, dies ist den Lebensumständen der damaligen Zeit zuzuschreiben. Besonders auf die Bildung von Mädchen wurde damals kein Wert gelegt. Niemals hätte ich gedacht, dass im 3. Reich auch Menschen, die weder durch Religion, Rasse oder ihrer Sexualität diskriminiert wurden, so behandelt wurden. Die Autorin hat es geschafft jeden einzelnen Charakter in ihrer Geschichte lebendig werden zu lassen. Interessant fand ich z.B. die Figur des Metzgerssohn, bei dem sich deutlich abgezeichnet hat, wenn man einflussreichere Eltern hat, kann man ruhig auch dumm sein. Die beiden rothaarigen Krempel Zwillinge haben mich oft zum Lachen gebracht. Meine absolute Lieblingsfigur jedoch war der Arzt Friedhelm Karges, der Beweis, dass es auch in dieser dunklen Zeit der deutschen Geschichte Menschen gab, die aufrichtig, mitfühlend und ohne auf das eigene Wohlergehen zu achten, völlig selbstlos, sich gegen die Ungerechtigkeit und für die Menschlichkeit entschieden haben und zu helfen versuchten. Die Figur Carl Ott dagegen ist ein gutes Beispiel dafür wie tief ein Mensch durch Geiz, Neid und Hass zu sinken bereit ist.
    Das Buch hat mich bestürzt, nachdenklich gemacht und wird wohl noch lange in meiner Erinnerung bleiben. Im Anschluss habe ich es im Freundes- und Bekanntenkreis empfohlen, es hat einige Diskussionen und Gespräche darüber ausgelöst. Selbst das Nachwort hat mich noch betroffen gemacht. Nähere Infos sind auf der Homepage der Autorin einzusehen.
    Eine absolute Leseempfehlung und von mir 10 Punkte.

    Rosalie gegen das Ullsteinimperium


    Die Ullsteinfrauen und das Haus der Bücher, Gesellschaftsroman von Beate Rygiert. Ebook erschienen im Ullstein-Verlag.
    Einer der bedeutendsten deutschen Verlage und seine heimlichen Heldinnen.
    Rosalie Gräfenberg, die geschiedene Frau des berühmten Gynäkologen Emil Gräfenberg, ist eine erfolgreiche Journalistin und die beste Freundin der Schriftstellerin Vicky Baum. Bei einem Empfang lernt sie den Generaldirektor des Ullstein-Verlag´s, Dr. Franz kennen. Er verliebt sich sofort in die schillernde und kluge Rosie und macht ihr nach kurzer Zeit einen Heiratsantrag. Auch Rosalie fühlt sich zu dem, um etliche Jahre älteren, Mann hingezogen. Die Ehe der beiden steht jedoch unter keinem guten Stern, den die intellektuelle und emanzipierte Frau ist der Familie des Verlegers ein Dorn im Auge. Durch eine Intrige versuchen die Ullsteins einen Keil zwischen die beiden zu treiben.
    32 Kapitel umfasst der Roman, die in angenehme Leselänge unterteilt sind. Als Stilmittel hat die Autorin die auktoriale Erzählweise gewählt, jedes Detail und das gesamte Geschehen kann dadurch von allen Seiten erfasst werden. Bildhaft und flüssig geschrieben, hat es mich Seite um Seite gut unterhalten. Erfrischende Dialoge beleben die Lektüre. Buchtitel, Schlagzeilen und die Namen von Zeitungen sind kursiv hervorgehoben. Historische Begebenheiten und fiktive Geschehnisse sind interessant und glaubhaft miteinander verwoben. Kein Bruch in der Logik ist erkennbar.
    Alle Figuren handeln authentisch und nachvollziehbar. Sie sind gut beschrieben und so echt, wie man ihnen nur im wahren Leben begegnen kann. Tiefe Verbundenheit z.B. mit dem Tippfräulein Lili und ihren Angehörigen hat sich sofort eingestellt. Zeitkolorit ist genügend vorhanden und zeugt für eine hervorragende Recherchearbeit.
    Spannung baut sich gleichmäßig auf, das Ende jedoch ist fulminant gestaltet, obwohl ich es mir anders gewünscht hätte, dies ist den tatsächlichen Ereignissen zuzuschreiben. Man kann sich die geschriebenen Szenen mühelos vorstellen und ist sich stets bewusst, dass die Handlung sich tatsächlich so zugetragen haben könnte. Immer wieder sind historische Persönlichkeiten aufgetaucht, Brecht, Einstein und die Dietrich machten die Story interessant. Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten, immer wieder habe ich mir im Netz die Bilder und die Geschichte der historischen Personen angesehen und nach der Lektüre recherchiert. Einen guten Einblick ins Verlagsgeschehen ermöglicht der Roman zusätzlich, was ich ganz besonders zu schätzen weiß.
    Ich genieße aktuell Bücher die in der Zeit zwischen den beiden großen Kriegen spielen, gerade die Stärke der Frauen und der Kampf um Selbstbestimmung, wird auch hier wieder gut dargestellt. Ein Buch welches ich trotzdem nicht nur Frauen empfehlen möchte, ich fühlte mich gut unterhalten und vergebe 8 Punkte. Ein besonderes Lob für die Covergestaltung der Printausgabe.

    Ein ewiges Bauwerk

    Die Brücke der Ewigkeit, Historischer Roman von Wolf Hector, 608 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag.
    Die Prager Karlsbrücke über die Moldau, im 14. Jahrhundert erbaut, verbindet die Prager Altstadt mit der Kleinseite. Sie ist ein Wahrzeichen der Stadt und gehört zu den nationalen Kulturdenkmälern.
    Prag 1342. Der halbwüchsige Otlin macht in einer katastrophalen Situation einen Schwur, er verspricht Gott, für die Errettung seiner Mutter eine Brücke über die Moldau zu bauen, eine Brücke für die Ewigkeit. Wie durch ein Wunder werden er und seine Mutter aus den aufgewühlten Fluten der Moldau errettet und Jahre später kommt er als Baumeister nach Prag zurück um sein Versprechen einzulösen, doch viele Probleme beim Bau und etliche Feinde erschweren das Vorhaben. Die Brücke jedoch steht bis heute.
    Das Werk besteht aus 4 Büchern die in überschaubare Kapitel gegliedert sind. Jedes Kapitel ist mit dem Ort und einer Jahreszahl gekennzeichnet und trägt einen zusammenfassenden Titel. Eine vorne abgedruckte Karte die Prag im 14. Jahrhundert darstellt, hat mir die Wege der agierenden Personen in der Stadt bildhaft vermittelt, sehr hilfreich waren auch das Personenverzeichnis und die Zeittafel auf den Anfangsseiten, die ich immer wieder zum besseren Verständnis aufgeschlagen habe. Historische Personen sind mit einem * markiert. Besondere Ausdrücke und Wörter sind im Glossar im Anhang zum besseren Verständnis, erklärt. Geschrieben im auktorialen Stil, wodurch die Geschehnisse von allen Seiten betrachtet werden können. Die bildhafte und flüssige Erzählweise haben die Seiten nur so dahinfließen lassen. Spannung wurde schon zu Beginn durch die Flutkatastrophe aufgebaut und zieht sich durch das gesamte Buch. Der Spannungsbogen war sehr hoch und wurde, durch zum Teil fast gruselige Szenen, immer noch gesteigert. Das verblüffende Ende konnte ich nicht vorhersehen und hat mich sehr überrascht. Was im Roman Fiktion oder wahres Geschehen ist, ist schwer zu beurteilen, es könnte aber auf alle Fälle so passiert sein. Ich kann dem Autor nur eine hervorragende Recherchearbeit bestätigen, er hat seinen Roman bestens in die belegten historischen Tatsachen eingepasst.
    Alle Personen sind charaktertief gezeichnet, glaubhaft und authentisch, jedoch nicht immer sympathisch. Besonders die Bösewichte wie Marian von Zittau oder Rudolph von Straßburg haben mich begeistert, mysteriös und aufregend, natürlich die Sternendeuterin Ricarda Scorpio, eine sehr gut angelegte Figur. Mit seinen Sympathieträgern Jan Otlin, Rübelrap und auch Maria Magdalena geht der Autor nicht gerade schonend um. Die grausamen und harten Lebensumstände im Mittelalter, besonders für Frauen, sind in diesem Roman hervorragend dargestellt. Ich habe die Lektüre genossen, ein Buch das man nicht aus der Hand legt, bevor die letzte Seite gelesen ist. Die Handlung wird nicht mit Nebensächlichkeiten aufgebläht. Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen die Rückblicke sind so gut platziert, dass man nicht aus dem Lesefluss gerissen wird. Kein Wort zu viel, keine unnötigen Ausführungen die vom überaus spannenden Plot ablenken.
    Von mir eine unbedingte Leseempfehlung, für Leser die historische Romane mit wahrem Hintergrund schätzen, die Lektüre hat mich zu weiterführenden Recherchen zum Bau der Prager Karlsbrücke veranlasst, 10 Punkte, volle Punktzahl.

    Magda und der Frauenmörder


    Polizeiärztin Magda Fuchs - Das Leben, ein großer Rausch, 2. Teil der Polizeiärztin Serie vom Autorenehepaar Helene Sommerfeld, Ebook, erschienen bei dtv.
    Die große Polizeiärztin - Saga, Berlin mitten in den goldenen Zwanzigern
    Die junge verwitwete Polizeiärztin Magda Fuchs hat in Berlin Fuß gefasst. Und als sich ihr eine Chance bietet eine eigene Praxis zu eröffnen, greift sie zu. Die Inflation nimmt zu, Brot kostet Milliarden und Menschen transportieren das Geld in Säcken. Ein Messerstecher tötet oder verletzt junge Frauen, Magda und Kuno machen sich auf die Jagd nach dem Täter. Celia Fahrland fühlt sich immer mehr zum schwerreichen Edgar hingezogen, kommt sie bei ihm vom Regen in die Traufe? Die junge Doris arbeitet weiter an ihrer Karriere, und kommt dadurch in große Schwierigkeiten. Wie gestaltet sich das Leben der drei Frauen in diesen schicksalsschweren Zeiten?
    Die Fortsetzung, der Polizeiärztin hat mir noch besser gefallen, als der erste Teil, wie nahe Glück und Glamour, aber auch bittere Not und Elend beieinanderliegen, diese Beschreibung ist dem Autorenpaar im 2. Teil, noch besser gelungen. Das Selbstbewusstsein der neuen Generation, ganz besonders der Frauen ist schillernd, ernüchternd und detailgetreu dargestellt. Man steckt sofort drin in diesem aufwühlenden Buch, denn die Handlung setzt unmittelbar an der Stelle ein, an der Teil 1 endete. Die Autoren haben als Stilmittel schnelle Szenenwechsel verwendet, die Erzählung geschieht in auktorialer Erzählweise, das führt zu schnellerem Lesen, der Überblick über die Handlungen ist jederzeit gewährleistet. Die einzelnen Kapitel sind unter einer, den Inhalt beschreibenden Überschrift, zusammengefasst. Für die bessere Übersicht der Charaktere ist am Buchanfang ein Personenregister platziert, in dem die wichtigsten Personen aufgeführt sind, das ist äußerst hilfreich. Die einzelnen Figuren sind wie aus dem Leben gegriffen beschrieben, menschliche Innenansichten und Beweggründe sind gut herausgearbeitet und absolut nachvollziehbar. Das Elend z.B. ist so gut beschrieben, dass es dem Leser fast greifbar vorkommt. Gerade die Gegensätze im Buch, zum einen die unvorstellbar reiche und einflussreiche Familie Hinnes. Zum anderen das Not und Elend z.B. der Kriegerwitwen die sich verkaufen müssen um ihre Kinder zu ernähren, die unglaubliche Armut hat mich absolut betroffen gemacht.
    Gute Recherchearbeit, liegt diesem Buch zugrunde, die politischen und gesellschaftlichen Fakten sind authentisch, Lokalkolorit ist reichlich vorhanden. Dem Ehepaar Sommerfeld ist es hervorragend gelungen mit Worten Atmosphäre zu schaffen, das ist mit ein Grund warum ich diese Bücher so schätze. Auch aus medizinischer Sicht, gibt es keinerlei Unklarheiten.
    Sämtliche Figuren haben eine Entwicklung durchgemacht, die Beweggründe ihrer Handlungen waren stets nachvollziehbar, meine Lieblingsfiguren Magda und Ina, die Fürsorgerin, moderne Frauen der damaligen Zeit. Die Rolle der Frau, in den zwanziger Jahren, wird hier vom Duo Sommerfeld grandios dargelegt.
    Mir hat es sehr viel kurzweilige Freude bereitet, dieses Buch zu lesen, ich war in der Handlung und konnte das Buch kaum aus der Hand legen, auch endet die 2. Folge wie auch schon der Vorgängerband mit einem heftigen Cliffhanger, die Zeit bis zur Fortsetzung wird mir lang werden.
    Eine absolute Leseempfehlung, nicht nur für Teil 2, sondern auch für den Vorgängerband, dazu von mir 10 Punkte.

    Die Ewigen



    In ewiger Freundschaft, Taunus-Krimi von Nele Neuhaus, E-Book erschienen im Ullstein-Verlag.
    Der 10. Fall für Pia Sander und Oliver von Bodenstein.
    In diesem Fall ermitteln Pia Sander und ihr Chef Oliver von Bodenstein, im renommierten Frankfurter Literaturverlag Winterscheid, die ehemalige Programmleiterin Heike Wersch ist verschwunden, in ihrem Haus finden sich Blutspuren und die Hinweise auf eine Straftat, im Obergeschoss den verwirrten alten Vater dehydriert und angekettet. Ist die Vermisste überstürzt verreist, oder liegt ein Verbrechen zugrunde? Sie wollte den Verlag verlassen und deshalb hat sie einen ihrer Autoren wegen Plagiatsvorwürfen ans Messer geliefert, deshalb wurde ihr vom Verlag gekündigt. Als die Vermisste tot aufgefunden wird und ein weiterer Verlagsmitarbeiter getötet wird, beginnen Sander und von Bodenstein zu ermitteln. Sie stoßen auf ein seit Jahrzehnten gehütetes Geheimnis, ist das der Grund für die Morde, wird es noch weitere Opfer geben?
    Das Buch ist in sieben Kapitel aufgeteilt, für jeden Tag der Ermittlungen eines. Wochentag und genaues Datum ist darüber vermerkt. Besondere Worte in Großbuchstaben und französische Phrasen und Buchtitel in kursiver Schrift beleben das Schriftbild. Die Geschichte lebendig zu erzählen ist der Autorin sehr gut gelungen, da sie als Stilmittel die auktoriale Erzählweise verwendet. Der Überblick ist für den Lesenden jederzeit gewahrt. Mit lebendigen und überzeugenden Dialogen, liest sich das Buch sehr flüssig. Da im Buch sehr viele Charaktere beschrieben werden, war mir das Personenregister am Anfang immer wieder hilfreich. Eigene Buchtitel der Autorin sind raffiniert in die Geschichte eingearbeitet.
    Der Einstieg ins Buch ist mir außerordentlich leicht gefallen, der Spannungsbogen wird kontinuierlich aufgebaut. Der Plot konnte mich sofort fesseln, Spannend und klug konstruiert, führte mich die Autorin immer wieder auf die falsche Fährte. Die Aussagen der zahlreichen Charaktere über die Geschehnisse 1983 haben jedoch immer wieder andere Situationen indiziert und die Mutmaßungen der Ermittler wechselten ständig, das war mir irgendwann ehrlich gestanden einfach zu viel und der Fall kam lange nicht voran. Das effektvoll inszenierte furiose Ende jedoch war voller Spannung. Die Geschehnisse im privaten Bereich, besonders bei Oliver von Bodenstein fand ich toll beschrieben und ebenfalls sehr spannend. Da will ich unbedingt den Nachfolgerband lesen. Über das Verlagswesen habe ich viel Interessantes erfahren, das hat mir ebenfalls gut gefallen. Die Ermittlercrew kenne ich aus den Vorgängerbänden, ich freue mich immer wieder an ihrem Leben teilzuhaben und ihre Entwicklungen zu verfolgen. Alle Akteure sind gut charakterisiert sie handeln authentisch. Meine Lieblingsfigur Oliver von Bodenstein der charismatische Ermittler, seine private Geschichte war mein Highlight im Buch.
    Mir hat der Jubiläumsband gut gefallen, leider hat der Mittelteil Schwächen, das spannende Ende jedoch konnte mich wieder entschädigen, insgesamt 8 Punkte und eine Leseempfehlung.