Rebekka Frank - Spiegelland

  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Elias hat so richtig Mist gebaut, das weiß er. Er versteckt sich den Sommer über bei seiner Großmutter Catharina im Moor. Doch auch sie hütet ein Geheimnis, das alles infrage stellt, was Elias zu wissen glaubt ...

    Ein unendlich weiter Sommer, ein Vierteljahrhundert zuvor: Nach Jahren der Angst findet Catharina endlich den Mut, aus ihrer Ehe auszubrechen. Mit ihrer Tochter flieht sie in ein altes Haus im Moor. Während der Sonnentau im ersten Licht des Morgens leuchtet und die Rauchschwalben rufen, spürt sie sich zum ersten Mal wieder. Doch nichts ist wirklich sicher. Erst recht nicht, als Catharina im Moor eine Entdeckung macht, die ihren Mann auf ihre Spur bringen könnte.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Rebekka Frank wurde 1988 in Kassel geboren und wuchs auf dem Land auf, zwischen weiten Wiesen und Wäldern. Obwohl sie für ihr Studium in die Großstadt ging und dort nicht nur Theaterwissenschaft und Germanistik, sondern auch Menschen studierte, ließ die Natur sie niemals los. Bis heute ist sie ihr Inspiration und Rückzugsort, wenn sie mit ihrem Hund durch Küsten-, Marsch- oder Flusslandschaften streift. In ihren Romanen sucht sie stets nach der Verbindung zwischen der Kraft der Natur und unserem Leben. Im Zentrum ihrer Geschichten stehen die kleinen und vor allem die großen Geheimnisse, die wir alle in uns tragen, die uns voneinander fernhalten oder uns auch zusammenbringen können. Heute lebt sie mit ihrer Familie wieder in Nordhessen. Auf Instagram und Tiktok ist sie unter @rebekka.mit.k zu finden.


    Allgemeines

    Erschienen im Fischer Verlag am 1. Februar 2026 als E-Book und am 25. Februar 2026 als HC mit 560 Seiten

    Gliederung: Prolog – Roman in 86 Kapiteln – Nachwort (mit Danksagung)

    Erzählung in der dritten Person in zwei Handlungssträngen und als Ich-Erzählung im dritten Handlungsstrang

    Handlungsort und -zeit: Teufelsmoor (Nähe Bremen), 1756, 1999 und 2025


    Inhalt

    Der vierzehnjährige Elias hat nach einem selbstverschuldeten Vorfall in seinem Sportverein heftigen Ärger mit seinem Trainer und seinen Eltern. Da zuhause die Stimmung sehr schlecht ist, „flieht“ er in den Sommerferien 2025 zu seiner Großmutter Catharina (Cato), die ein altes Häuschen im Teufelsmoor bewohnt.

    In Gesprächen mit seiner Oma erfährt er, dass Cato 26 Jahre zuvor mit Elias´ Mutter, der damals zwölfjährigen Kira, ebenfalls geflohen ist. Cato hatte seinerzeit das alte Haus im Teufelsmoor von ihrer Großmutter geerbt und sich dort mit ihrer Tochter ein neues Leben aufgebaut, nachdem sie endlich aus ihrer von häuslicher Gewalt geprägten Ehe ausgebrochen war.

    Zu den Erbstücken im Haus gehört auch ein uralter Wandteppich, der offenbar Bezug auf historische Ereignisse im Teufelsmoor nimmt. Als Cato und Kira die Bedeutung des Teppichs zu entschlüsseln versuchen, stoßen sie auf eine tragische Geschichte, die sich Mitte des 18.Jahrhunderts zwischen zwei rivalisierenden Dörfern, Breddorf und Heudorf, zugetragen hat…


    Beurteilung

    Der Roman besteht aus drei Handlungssträngen, die abwechselnd und jeweils mit Cliffhangern am Kapitelende präsentiert werden. Der 1756 spielende Handlungsstrang beschreibt die Schwierigkeiten und Härten, denen sich die Torfbauern ausgesetzt sahen, als sie sich im Moor eine halbwegs sichere Existenz aufbauen wollten. Nicht nur die Umwelt- und Witterungsbedingungen, sondern auch die Konkurrenzkämpfe verfeindeter Dörfer machten ihnen das Leben schwer. Im Mittelpunkt steht die junge Aletta, die ihrem Verlobten, dem Wortführer in Breddorf, den Laufpass gibt, mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin nach Heudorf zieht und dort einen anderen Mann kennenlernt. Das will ihr Ex-Verlobter nicht akzeptieren.

    Die beiden aktuelleren Handlungsstränge (Ende 20. und 21.Jahrhundert) sind über die Protagonisten Cato, Kira und Elias eng miteinander verwoben. 1999 erlebt der Leser den Kampf von Cato um ein unabhängiges Leben mit ihrer minderjährigen Tochter mit. Ihr gewalttätiger Mann Sven, der sie isoliert und misshandelt hat, versucht sie wieder in seine Gewalt zu bekommen und ihr die Tochter zu entziehen. Die Misogynie gegenüber Frauen vor Gericht in Bezug auf Anzeigen wegen häuslicher Gewalt und Sorgerechtsprozessen wird sehr anschaulich und beklemmend geschildert.

    Cato setzt nun alles daran, ihrem Enkel ein anderes Frauenbild zu vermitteln und das früher in ihrer Familie herrschende Machtgefälle zwischen Männern und Frauen zu durchbrechen.

    Der rote Faden, der alle Handlungsstränge verbindet, ist gewissermaßen der männliche Besitzanspruch gegenüber Frauen sowie die Skrupellosigkeit, diesen auch mit Gewalt durchzusetzen. Noch 1999(!) sind Frauen den Männern in vielen Bereichen nicht gleichgestellt.

    Der Erzählstil ist sehr anschaulich und stellenweise auch extrem spannend, wenn die Hetzjagden der gewalttätigen Männer auf ihre Ex-Partnerinnen geschildert werden.

    Auch die Charakterisierung der Romanfiguren, die erst allmählich zu starken Frauen werden, ist gelungen. Im Fall von Elias wird sein Vergehen allerdings etwas zu sehr aufgebauscht, in seinem Fall liegt sicherlich keine ausgeprägte Misogynie vor, sondern eher jugendliche Unbeherrschtheit – die natürlich auch sanktioniert werden muss.

    Der Roman wartet mit schönen Beschreibungen der Moorlandschaft und interessanten Informationen über Moorleichen auf.

    Im Nachwort informiert die Autoren über Fakten und Fiktion.


    Fazit

    Fesselnd, spannend und beklemmend – sehr lesenswert!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: B0FW7N9V5T