Abbas Khider - Der letzte Sommer der Tauben

  • Klappentext

    Noah ist vierzehn Jahre alt und Taubenzüchter. Eines Tages flattern seine geliebten Tiere unruhig durch die Lüfte, über der Stadt kreisen die Helikopter des Kalifats. Noah erlebt einen Sommer voller Umbrüche. Für seinen Vater muss er Frauenkörper auf Produktfotos schwärzen, sein älterer Bruder steigt zum Leiter einer Sicherheitsbehörde auf, seine Mutter und seine Schwester dürfen nicht mehr allein aus dem Haus – und bald schon steht das Leben seiner Tauben auf dem Spiel.


    Über den Autor

    Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Mit 19 Jahren wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Nach der Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland und studierte Literatur und Philosophie in München und Potsdam. 2008 erschien sein Debütroman »Der falsche Inder«, es folgten die Romane »Die Orangen des Präsidenten« (2011) und »Brief in die Auberginenrepublik« (2013).


    Mein persönliches Fazit

    Der 14 jährige Noah genoss bisher gemeinsam mit seiner Familie ein Leben voller Freiheiten. Bunte Kleider, freie Wahl von Hobbys und Berufen, die Selbstverständlichkeit einer freien Schulbildung, Cafés als Treffpunkte, Musik und Filme. Jetzt schwärzt Noah im Bekleidungsgeschäft seines Vaters auf den Verpackungen die abgedruckten Frauen. Nur die Augen dürfen sichtbar sichtbar sein. Nach der Ausrufung des Kalifats ist nicht mehr wie bisher, das Leben ist stark eingeschränkt.

    Noahs einziger Lichtblick sind seine Tauben. Auf dem Dach seines Onkels züchtet er wunderschöne Tauben. Pflegt sie hingebungsvoll, beobachtet sie sehr genau und kennt jede ihrer einzelnen Eigenschaften. Und wenn Noahs Tauben aufsteigen, schickt er seine Träume und Wünsche mit ihnen in den Himmel.


    In kleinen Episoden erzählt Abbas Khider seine Geschichte. Noahs Tauben sind dabei ein zentraler Punkt in der Erzählung. Noah kann über sie seine Gefühle ausdrücken, sie sind Symbol und Metapher zugleich.

    Mich hat dieses kleine Buch sehr beeindruckt. Es ist ein leises Buch. Der Stil ist ruhig und aus der Sicht eines Kindes, das versucht die Welt und seine neuen Regeln zu begreifen. Unheimlich berührend und erschütternd, mit immer wieder aufblitzenden Prisen von Humor, das aber auch traurig zurücklässt.


    ASIN/ISBN: 344628222X

  • Leben im Irak



    Abbas Khider zeigt uns wieder die Grausamkeiten seiner früheren Heimat.

    In seinem Roman, Der letzte Sommer der Tauben, lässt er den 14jährigen Noah erzählen. Die politischen Ereignisse lassen uns ja schon in den Nachritten aus dem Irak erschüttert zurück.

    Noah sieht viel, wenn er durch die Stadt stromert, aber auch da ist er schon nicht ganz frei. Jeder muss aufpassen was er sagt, überall kann die Sittenpolizei zugreifen.

    Am Ende dürfen nicht einmal mehr Tauben auf dem Dach gehalten werden.

    Abbas Khider zeigt in seinen Romanen immer wieder diese Gräuel an. Da scheint es ja auch nie so richtig besser zu werden. Überhaupt die Frauen sind gefährdet. Sie dürfen nicht mehr in ihren Berufen arbeiten und nicht einmal mehr alleine auf die Straße gehen.

    Der Roman lässt mich wieder erschüttert und ratlos zurück.

    Trotzdem muss ich seine Romane immer wieder lesen. Ich gebe eine Leseempfehlung.