Dieser Text hier ist ein ...
Ach, ihr könnt es wahrscheinlich nicht mehr ertragen, diesen Schmafu noch einmal zu lesen.
Wenn ihr wollt, guckt nach nebenan. Es gibt Hanf-Kekse.
Pass auf wo du hintrittst
Patrick saß vor dem Fernseher. Nicht bewusst, nicht geplant - einer dieser Abende eben. Der Tag hing noch in ihm, der Dachboden auch.
Der Staub. Das Knacken. Dieses Flüstern.
Es war ruhiger als sonst. Das Bier in seiner Hand wurde langsam warm. Das Kommentatorengerede langweilte sich im Hintergrund über sich selbst. Er stellte die Flasche ab. Nahm wieder einen Schluck. Eigentlich blickte er noch nicht einmal richtig hin.
Fußball lief.
Gerade bahnte sich ein Zweikampf an. Ein Spieler trat einem anderen ungeschickt auf den Fuß. Der Fernseher stöhnte kurz auf bevor die Kommentatoren sich auf ein »unglücklich erwischt« einigen konnten.
Patricks Augen wurden für einen Augenblick glasig. Das war einer dieser Momente, in denen sein Großvater immer zu schimpfen begonnen hatte. Nicht böse. Mehr empört. Laut genug, als könnten die Spieler ihn hören.
»Pass auf, wo du hintrittst!«
Der Satz stand plötzlich wieder so klar im Raum, dass Patrick fast meinte, ihn wirklich gehört zu haben. In diesem mürrischen Ton, als hätte jemand den frisch gewischten Boden entweiht. Und doch vorsichtig genug, um kleine Enkel am Schoß nicht zu sehr zu beunruhigen.
Für einen winzigen Moment meinte Patrick, dieses »Old Spice« riechen zu können.
Aber da war noch etwas anderes. Dieses Flüstern vom Dachboden am Nachmittag.
Dieses scharfe, hastige: »Pass auf!«
Patrick wiederholte es im Kopf. Einmal. Noch einmal. Und wie von selbst ergänzte sich der Rest.
Nicht als Gedanke. Mehr wie eine Erinnerung an einen Tonfall.
»Pass auf, wo du hintrittst.«
Genauso hatte er es immer gesagt. Bei jedem Spiel. Bei jeder Szene, in der jemand stolperte. Sogar dann, wenn es gar nichts mit Hintreten zu tun hatte.
Ein halbes Schimpfen. Ein halbes Lachen.
Patrick lehnte sich ein Stück zurück. Das Spiel lief weiter. Irgendwo fiel ein Tor. Er merkte es kaum.
Stattdessen ging ihm der Dachboden nicht mehr aus dem Kopf. Dieser Schritt nach vorn. Dieses plötzliche Innehalten. Und dann dieses Brett.
Der Schreck saß ihm jetzt noch leicht im Nacken. Nicht die Sorge, dass ein Schritt weiter tödlich hätte enden können. Sondern das Unheimliche daran, wie nah diese Stimme gewesen war.
In der Erinnerung war es gar nicht mehr so bedrohlich. Nur noch nah.
Patrick nahm noch einen Schluck, stellte die Flasche ab. Der Fernseher redete weiter.
Irgendwie war es enger im Wohnzimmer geworden. Nicht unheimlich. Eher so, wie früher.
Er setzte sich in Opas alten Sessel – und schaute wieder zum Bildschirm.