Europa muss sich darauf vorbereiten, es auf absehbare Zeit mit einem autoritären Amerika zu tun zu haben. (Seite 181)
Zum Inhalt (eigene Angabe)
Dieses Jahr feiern die USA ihr 250-Jahr-Jubiläum und 250 Jahre Demokratie. Nach nur einem Jahr der Regierung Trump könnte das allerdings das letzte Jahr als Demokratie sein, denn mit ungeahnter Konsequenz baut er den Staat nach seinen Vorstellungen und denen der Heritage-Foundation um. Die Gewaltenteilung wird infrage gestellt und teilweise aufgehoben, der Kongreß planmäßig umgangen, das Bildungssystem nach seinen Vorstellungen verändert, Unternehmen und Medien „auf Linie“ gebracht.
Was bedeutet dies in der Praxis für die USA - und was für uns in Europa? Worauf müssen wir uns einstellen? Das Buch liefert umfassende Antworten.
Über die Autorin
Cathryn Clüver Ashbrook wurde 1976 in Wiesbaden geboren. Sie hat in den USA sowie in London u. a. Europäische Politik und Öffentliche Verwaltung studiert. Sie arbeitete als
Journalistin für CNN, für Roland Berger und die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik; seit 2022 ist sie für die Bertelsmann-Stiftung tätig.
Informationen im Internet:
- Der Wikipedia-Eintrag zur Autorin
Meine Meinung
Nach der Lektüre dieses Buches mußte ich mich erst einmal aus der Schockstarre befreien, in welche es mich versetzt hatte. Das kann doch nicht wahr sein, was ich da gelesen habe? Und doch passiert das, was die Autorin detailliert beschrieben hat, jeden Tag aufs Neue - und jeden Tag stirbt ein Teil dessen, was bis zu Trump die USA waren und ausgemacht hat.
Ich habe noch Erinnerungen an den 4. Juli 1976, als die USA das Bicentennial feierten und ich mit amerikanischen Freunden die aus diesem Anlaß gebotene Show auf der Frankfurt Rhein Main Air Base miterleben durfte. Und nun, fünfzig Jahre später, wird das, was damals gefeiert wurde, offiziell vom amerikanischen Präsidenten und seinen Gefolgsleuten mit Füßen getreten und zerstört. Es werden zwar in bester amerikanischer Tradition Wild West Methoden eingesetzt - aber nicht um eine freie Gesellschaft zu schaffen, sondern um eine solche zu zerstören. Und sich vor allem selbst zu bereichern, wie und wo es nur geht. So hat Trump seinen persönlichen Wohlstand im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit von 4 auf 7,1 Milliarden Dollar gesteigert (vgl. S. 177).
Sehr gründlich und strukturiert beschreibt Ashbrook, wie Trump und seine Gefolgsleute systematisch vorgehen, um den Staat nach ihren Vorstellungen umzubauen, Opposition zum Schweigen zu bringen, Institutionen und Behörden zu unterwandern und „umzudrehen“, die eigene Macht und die von wenigen Tech-Unternehmen zu festigen. Den Masterplan hierfür hat die Heritage-Foundation schon vor Jahren geschrieben. Den Plan, den Trump angab nicht zu kennen. Seltsamerweise geht er exakt nach genau diesem Masterplan vor. Zufall oder Absicht?
Die Autorin geht auch auf das Umfeld ein, das mit zu diesem Wandel beiträgt. Beispielsweise das Claremont-Institute. Dieses beruft sich u. a. auch auf die Staatsphilosphie von Carl Schmitt, der ein enger Berater der NSDAP war und seinen Antisemitismus mit seinem Antiliberalismus begründete. J. D. Vance sieht in diesem Institut seine intellektuelle Heimat (vgl. S. 103).
Zwei kritische Anmerkungen seien mir jedoch noch gestattet. Die eine sind die Ausführungen der Autorin zum „Fall“ Brosius-Gersdorf; da stimme ich nicht mit ihr überein; es war richtig, daß sie keine Richterin am Bundesverfassungsgericht wurde. Die andere bezieht sich auf die herstellerische Seite des Buches. Es ist gewißlich sehr gediegen produziert: fester Pappband, Fadenheftung, Farbschnitt. Nur der Satzspiegel - ich weiß nicht, ob der avantgardistisch, modern oder einfach nur auffällig sein soll. Auf jeden Fall erschwert er das Lesen auf eine solch drastische Weise, wie ich es bisher noch nie in einem Buch erlebt habe. Eine (für mich) normale Lesehaltung ist nicht möglich, da der Satzspiegel bis 5mm an den Seitenrand heranreicht - beim üblichen Festhalten an der Seite der Finger den Text also teilweise verdeckt. Da gibt es noch Lern- und Verbesserungsbedarf beim Verlag.
Das Buch ist sehr konzentriert und Eines auf das Andere aufbauend verfaßt, weshalb ich hier nichts weiter vom Inhalt wiedergeben möchte. Bei aller gebotenen Sachlichkeit ist es gut verständlich geschrieben, so daß man eine sehr gute Vorstellung von dem, was derzeit in den USA vor sich geht, erhält. Im letzten Kapitel geht die Autorin auf Folgen für Europa und Anzeichen dafür, wie die MAGA-Bewegung hier Fuß zu fassen versucht, ein.
Mein Fazit
In wahnsinnigem Tempo baut Donald Trump die USA in Richtung einer Autokratie (mit Anzeichen einer Kleptokratie) um. Sachlich und fundiert schildert die Autorin diesen Prozeß, seine Herkunft, seine Ursachen und seine Folgen für Amerika wie auch für uns in Europa. Ein überaus lesenswertes Buch, will man diese Entwicklungen in ihrer ganzen Tiefe und Konsequenz verstehen.
Biliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe
210 Seiten, gebunden
Reihe: Auf den Punkt
Verlag: Christian Brandstätter Verlag, Wien 2026
ISBN-10: 3-7106-0932-1
ISBN-13: 978-3-7106-0932-9
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ASIN/ISBN: 3710609321 |
