"Picknick am Wegesrand" (Stalker) - Strugatzki

  • Inhalt:

    Zitat

    Kosmische Besucher sind auf der Erde gelandet und hinterliessen dort verseuchte Zonen. Die Herkunft der Besucher und ihre Absichten bleiben ungeklärt, doch haben sie in den Zonen unerklärlichen Gegenstände und Phänomene zurückgelassen, die von der irdischen Wissenschaft erforscht werden. Der Protagonist, Roderick Schuchart, entwickelt sich im Verlauf des Romans vom Laboranten in der US-amerikanischen Filiale des Instituts zum >>Schatzsucher<<, der aus den Zonen ausserirdische Objekte schmuggelt und verkauft. Bei einem seiner legalen Besuche der Zone kommt sein Freund und Vorgesetzter Kirill, ein Russe, ums Leben. Daraufhin gibt Schuchart seine Arbeit im Labor auf. Bei einer illegalen Übergabe von Gegenständen wird Schuchart verhaftet. Zurück aus dem Gefängnis, versucht er mit Hilfe eines Jungen, dem Sohn seines Auftraggebers, die >>goldene Kugel<< zu finden, eine Maschine, die jeden Wunsch erfüllt.


    Das Buch wurde unter dem Titel "S.t.a.l.k.e.r" verfilmt und diente auch als Grundlage für das gleichnamige PC-Spiel (darin wurden diese Zonen aber jeweils in die Region - Tschernobyl/Pripyat verlegt).


    Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch erst als ich mich über das PC-Spiel informiert habe. Nicht weil ich es kaufen wollte (ich spiele nicht allzu viel am PC, vor allem keine Ego-Shooter), sondern weil ich mehr über den Plot wissen wollte.
    Ich bin ansonsten nicht allzu bewandert in SF Literatur (ich lese gerade mal Lem, sonst nix ;)), aber dieses Buch hat dann doch mein Interesse geweckt. Vor allem, da mir die Endzeit-Thematik generell gut gefällt.


    (Positiv) Überrascht hat mich, dass der Inhalt doch eher philosophisch ist.
    Beispielsweise fand ich die Diskussion zwischen Nunnan und Pillman, dem Wissenschaftler über den Besuch sehr spannend.
    Schade nur, dass all die in solchen Gesprächen aufgekommenen Fragen im Laufe des Buches nicht einmal im Ansatz geklärt werden.
    Ich hatte mir erhofft, dass Lem im Nachwort etwas darauf eingehen würde; tat er aber nicht wirklich.
    Und so wie die Geschichte keinen richtigen Anfang hat, hat sie auch kein richtiges Ende.



    Trotzdem würde ich es immer noch empfehlen. Vor allem, da es kein Buch ist, das viel Zeit in Anspruch nimmt; es ist wirklich sehr kurz gehalten.
    Leuten, die Endzeit-Feeling mögen wird es sicherlich gefallen.


    ASIN/ISBN: 3453321014

  • Zu diesem Buch habe ich auch eine Rezi geschrieben:


    Handlung:


    Außerirdische Besucher sind auf der Erde gelandet - und wieder verschwunden. Zurückgelassen haben sie verseuchte Gebiete, Zonen genannt. In diesen Zonen suchen Schatzjäger (Stalker) unter Lebensgefahr illegal nach Alien-Gegenständen. Einer dieser Stalker ist Roderick Schuchart, der in der Nähe einer Zone aufgewachsen ist und sich mit Schmuggel über Wasser hält. Ein älterer Stalker erzählt ihm von der Goldenen Kugel, ein angeblich wunscherfüllendes Gerät, und schlägt Roderick vor, diese Kugel zu suchen. Roderick lehnt zunächst ab, doch der Gedanke an seine Tochter, die mit einem Gendeffekt zur Welt gekommen ist, lässt ihn schließlich wieder in die Zone gehen.


    Meine Meinung:


    Ich hatte schon einiges über dieses Buch gehört, war mir aber nicht sicher, was mich erwartete. Aliens vielleicht, Äktschn etc. Aber darum geht es in "Picknick am Wegesrand" gar nicht. Es geht um Menschen und ihren Umgang mit den Folgen des "Alien-Besuches", und natürlich geht es um die Zone selbst. Ein gruseligerer Ort als diese Zone ist mir noch in keinem Buch untergekommen. Gänsehaut ist beim Lesen garantiert.


    Der Schluß ist sehr offen, darüber war ich im ersten Moment ein wenig enttäuscht. Die Enttäuschung hat aber nicht lange angehalten, dafür war meine Begeisterung einfach zu groß. Ein düsteres, beklemmendes, geniales Buch.


    ***
    Aeria

  • Zitat

    Original von Sansonnet
    Das Buch wurde unter dem Titel "S.t.a.l.k.e.r" verfilmt und diente auch als Grundlage für das gleichnamige PC-Spiel (darin wurden diese Zonen aber jeweils in die Region - Tschernobyl/Pripyat verlegt).


    Na ja, der Filmtitel war "Stalker" (also ohne Punkte), und der Film selbst (von Andrej Tarkowskij) zählt heute zu den ganz großen Klassikern des World Cinema. Für Mainstream-Schauer ist der aber nichts, da sich Tarkowskij auf eine philosophische Reflexion menschlicher Existenz konzentriert und "klassische" Unterhaltungs- oder Actionelemente weitestgehend auslässt. Das Spiel wiederum reduziert den Roman ja dann wieder fast nur auf genau diese. ;-)

    Der Macintosh ist katholisch: das Wesen der Offenbarung wird in einfachen Formeln und prachtvollen Ikonen abgehandelt.
    Jeder hat das Recht auf Erlösung.
    (Umberto Eco)

  • Arkadi & Boris Strugatzki - Stalker

    (auch erschienen unter dem Titel "Picknick am Wegesrand")

    Übersetzer: David Drevs


    Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Neuausgabe Edition (13. Dezember 2021)

    Sprache ‏ : ‎ Deutsch

    Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten

    ISBN-10 ‏ : ‎ 3453321014

    ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453321014

    Originaltitel ‏ : ‎ Пикник на обочине


    Inhalt (Quelle: Amazon-Buchbeschreibung):


    Red Shewhart ist ein Stalker, ein Glücksritter, der illegal immer wieder in die Sperrzone eindringt, in der einst die Aliens gelandet sind. Dort spürt er die Hinterlassenschaften der Außerirdischen auf, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Niemand weiß, wie diese Artefakte funktionieren und wozu sie einmal gedient haben. Manche von ihnen bergen tödliche Gefahren, während andere die Unsterblichkeit versprechen. Red und sein Freund Kirill suchen nach einem ganz besonderen Gegenstand, der sie so reich machen wird, dass sich die Stalker nie wieder ins Sperrgebiet wagen müssen. Doch die Zone gibt ihre Geheimnisse nicht so einfach preis ...


    Autoren (Quelle: Amazon)


    Arkadi (1925–1991) und Boris (1933–2012) Strugatzki zählen zu den bedeutendsten und erfolgreichsten russischen Autoren der Nachkriegszeit. Ihre Romane sind nicht nur faszinierende Parabeln über die Stellung des Menschen im Universum, sondern auch schonungslose Abrechnungen mit Ideologiegläubigkeit und Personenkult. Etliche ihrer Texte durften in der Sowjetunion nicht erscheinen. Inzwischen hat die Gesamtauflage ihrer Werke die fünfzig Millionen überschritten, sie wurden in über dreißig Sprachen übersetzt. Viele ihrer Romane wurden verfilmt – Andrei Tarkowskis Adaption von »Picknick am Wegesrand« unter dem Titel »Stalker« gehört zu den Klassikern der Filmkunst.


    Mein Leseeindruck:


    Ich habe dieses Buch zum ersten Mal in den 1980er-Jahren gelesen. An den Inhalt konnte ich mich heute kaum mehr erinnern, etwas besser noch an Bilder aus dem Film von Andrei Tarkowski. Deshalb fiel mir das Titelbild dieser Neuauflage auch so ins Auge und weckte mein Interesse, das Buch in der neuen Übersetzung zu lesen.


    Beim Lesen hatte ich tatsächlich das Gefühl, die Geschichte in Schwarz-Weiß-Bildern vor mir zu sehen, die Sprache wirkt etwas altmodisch. Das ist vermutlich ein Qualitätsmerkmal der Übersetzung, denn im Original erschien das Buch 1972, also passt das gut. Außerdem werden im Buch sehr viele Zigaretten geraucht ...


    Man wird als Leserin mitten in die Geschichte hineingeworfen und tappt zusammen mit den Protagonisten ziemlich ahnungslos hindurch. Wenn ich mir den Hintergrund vor Augen führe, ist das sehr nah an der Realität. Man stelle sich die Situation einmal vor: Aliens landen für kurze Zeit auf der Erde, fliegen bald danach wieder weiter und hinterlassen eine verwüstete Landschaft voller tödlichem Müll. Man weiß nicht, wer sie waren, warum sie kamen oder gingen und welche Eigenschaften ihre Hinterlassenschaften haben. Man weiß nur, dass viele Menschen in dieser kurzen Zeitspanne ums Leben kamen und noch weitere danach an seltsamen Krankheiten starben. Und in dieser Welt, in der man überhaupt nichts weiß außer, dass man sehr schnell tot sein kann, leben die Figuren dieser Geschichte.


    Genauso offen wie der Anfang ist auch das Ende. Anders wäre es auch unglaubwürdig.


    Die Figuren sind eher schablonenhaft, nicht sehr tief charakterisiert und man erfährt nicht sehr viel über sie. Aber das stört überhaupt nicht, denn die Vergangenheit der Personen ist durch den Besuch der Aliens und deren Zerstörungen bedeutungslos geworden. Es geht ums Weiterleben "danach".


    Mich hat dieser Roman erneut fasziniert und teilweise erschüttert, wenn auch vielleicht nicht mehr so wie beim ersten Lesen.


    Diese Buchausgabe enthält einiges Zusatzmaterial:


    Ein sehr interessantes Vorwort von Wladimir Kaminer, in dem er seine Eindrücke vom Buch und vom Film schildert, und von den Klimmzügen, die gemacht werden mussten, um an zeitgenössische Literatur in der Sowjetunion zu kommen.


    Ein bewegender Kommentar von Boris Strugatzki selbst, in dem er etwas zur Entstehung des Romans erzählt und von den teilweise demütigenden Überarbeitungen und Kürzungen, die vorgenommen werden mussten, damit das Buch überhaupt erscheinen durfte. "Amoralisches Verhalten der Figuren", "vulgäre Sprache" oder "Darstellung von physischer Gewalt" konnten dabei sehr problematisch sein.


    Auszüge aus dem Arbeitstagebuch der beiden Autoren - damit konnte ich weniger anfangen, es war mir etwas zu kryptisch und stichworthaft.


    Die Erzählung "Die Wunschmaschine", auf der der Film von Andrei Tarkowski beruht. Die hat an sich nicht so viel mit dem Roman zu tun, erläutert aber die Lebensumstände "danach" noch einmal sehr gut.


    Und zum Schluss ein Nachwort von Elisabeth Bösl und David Drevs: "Stalker - Ein multimediales Phänomen". Hier gehen die Kommentatoren darauf ein, wie der Roman andere Künstler inspiriert hat und bis heute noch inspiriert.


    Wenn man sich für den Roman interessiert, ist diese neue Heyne-Ausgabe auf jeden Fall ein echter Gewinn.


    ASIN/ISBN: 3453321014