Der Löwe und die Königin - Susanne Stein

  • Verlag: Droemer/Knaur
    Taschenbuch, 464 Seiten, 2009


    Kurzbeschreibung:
    Berenguela, Prinzessin von Navarra, ist 25 Jahre alt, als sie erfährt, dass sie den englischen König Richard I. heiraten soll. Große Freude ruft diese Nachricht bei ihr nicht hervor, denn eigentlich hat sie nur einen Traum: Sie möchte als Ärztin kranken Menschen helfen. Doch das Schicksal will es anders und führt sie als Gattin des Königs bis ins Heilige Land. Ganz allmählich kommen sich die so unterschiedlichen Eheleute näher ...


    Über die Autorin:
    Susanne Stein arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin für Frauenzeitschriften, und als freie Autorin. Sie hat Geschichte studiert, Schwerpunkt Mittelalter, und sich immer wieder mit historischen Stoffen beschäftigt. "Der Löwe und die Königin" ist nach "Die Mätresse des Kaisers" ihr zweiter Roman.


    Meine Meinung:
    Das Personal dieses dramatischen historischen Romans ist gut bekannt: Richard Löwenherz, sein Bruder John, seine Mutter Eleonore von Aquitanien.
    Weniger bekannt ist die weibliche Heldin dieses Buches: Borenguela, Prinzessin von Navarro, selbstbewusst, schön und an Heilkunde interessiert, wird sie spöttisch auch die Kräuterprinzessin genannt.
    Bei diesem Roman darf sich der erfahrene Leser nicht daran stören, dass mal wieder eine Frau in Männerkleidern herumreist, wenn auch nur relativ kurz.


    Berenguela trifft einen verletzten Ritter, natürlich Richard Löwenherz. Er hält sie für einen Medicus, wenn auch für einen besonders schmächtigen und macht sich noch Sorgen über seine unangemessenen Gefühle für einen Mann. Doch schnell erkennt er sie als Frau.
    Berenguela ist zuerst überhaupt nicht begeistert, dass sie Richard I heiraten soll, da dass das Ende ihrer Hoffnungen auf Bau und Leitung eines Krankenhauses bedeutet.
    Als Königin, die mit soll in den Kreuzzug ins heilige Land bleibt dafür keine Zeit.
    Immerhin entwickelt sie bald leidenschaftliche Gefühle für den womenizer und Schwerenöter Richard, der eigentlich auch noch mit der Schwester des französischen Königs verlobt ist.
    Ziemlich romantisch! Dafür wird die Tiefe des Charakters von Richard Löwenherz mehr oder weniger geopfert.


    Berenguela soll zur Hochzeit nach Messina reisen. Zusammen mit einer Abtissin macht sie sich auf den Weg. Sie werden überfallen, können jedoch fliehen, und Berenguela rettet sogar wieder einmal einen verletzten Ritter, der daraufhin ein treuer Freund und zuverlässiger Gefährte wird.
    Das passt der Königin Eleonore jedoch überhaupt nicht, zumal sie in der jungen Frau Konkurrenz wittert. Sehr zum Vergnügen der Leser gibt es heftige Wortgefechte zwischen den beiden selbstbewussten Frauen. Überhaupt macht das Lesen nach gemächlichem Anfang viel Spaß, da der Roman direkt rasant wird.
    Manchmal gibt Susanne Stein vielleicht auch zu viele Ideen hinzu. Wenn dann noch ein irrer Mörder in höchsten Kreisen so ganz nebenbei überwältigt wird, wirkt das aufgesetzt.


    In dem Buch sind Karten, ein Stammbaum und ein Nachwort enthalten, in dem die Autorin noch etwas zu den Hintergründen, den Fakten und die von ihr20erfundenen Teile in der Geschichte vorbildlich erklärt.


    Ich habe zwar nicht den Eindruck, dass den bekannten Figuren mit diesem Roman wesentlich neues hinzugefügt wird, amüsant und spannend geschrieben ist er aber auf jeden Fall. Besonders die Leser von Elizabeth Chadwick und Cornelia Kempf sollten einen Blick ins Buch riskieren.

  • Zitat

    Original von €nigma
    ... und Richard ist mir nicht als womanizer, sondern eher als (verkappter?) Homosexueller bekannt.


    Über diese Homosexualität gibt es, glaube ich, keinen konsens. Über die mögliche Bisexualität werden im Buch von Susanne Stein dahingehend Anspielungen gemacht, dass Richard von Berenguela wegen ihrer knabenhaftigkeit angezogen ist. Auch als er sie schon geheiratet hat, nennt er sie noch manchmal liebevoll "meinen Medicus"!

  • Zitat

    Original von €nigma
    ... und Richard ist mir nicht als womanizer, sondern eher als (verkappter?) Homosexueller bekannt.


    Eine Unterstellung die ihren Ursprung in der anglozentristischen Geschichtsschreibung hat, die Richard ablehnend gegenüber stand weil der mehr Franzose war als es den Engländern lieb war.

  • Ich habe schon den ersten Roman der Autorin gerne gelesen, und auch ihr zweiter hat mir sehr gut gefallen.
    Herr Palomar hat eine sehr schöne, und lange Rezi geschrieben, da brauche ich nichts hinzuzufügen.


    Das meiste in dem Roman ist von der Autorin frei erfunden worden, aber das hat mir nicht den Lesespaß genommen. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, und hatte schöne Lesestunden. Der Schreibstil ist leicht und flüssig, und die Story liest sich quasi von selbst. Ein netter Roman für zwischendurch.
    Freue mich schon auf weitere Bücher der Autorin.


    Von mir gibt es 8 Punkte.