DDR Bücher aus der "Kompass"-Reihe

  • Guten Abend!
    Bin gerade bei ebay über alte DDR Bücher aus der Kompass-Reihe gestoßen. Der einen oder anderen Eule sind diese Bücher bestimmt bekannt. Habt ihr solche gelesen?
    Manche Titel hören sich echt nicht schlecht an und sind an sich bestimmt unterhaltsam. Was meint ihr?

  • Die Kompass-Bücher sind eine Taschenbuchreihe des Verlags Neues Leben. Das war der Verlag der FdJ, gegr. 1946. War ein guter und erfolgreicher Verlag, mit einem sehr vielfältigen Programm, das meiste Geld schöpfte allerdings die SED ab.


    Die Kompass-Tbs sind eine preiswerte Reihe unterhaltender Literatur. Die Bücher kosteten zwischen 1,50 und 1,80. Dickere ein wenig über 2 Mark, aber eher selten.
    Ich weiß nicht genau, ab wann sie erschien, es gab am Ende ein paar Hundert Bändchen.
    Schwerpunkt sind Abenteuer, Krimis, Science Fiction. AutorInnen sind meist aus der DDR oder sog. befreundeten Staaten.
    Ob es einer gefällt, hängt vom Buch ab. Ich besitze eine Handvoll, ich finde sie spannend, aber ich lese gerne Bücher aus der DDR. KOMPASS besitze ich tatsächlich wenige, weil ich Abenteuer/Science Fiction wenig lese.


    Das Problem dabei ist das 'preiswert', also billig. Sie sind einfachst gebunden, der Umschlag ist kaum dicker als die Seiten.
    Die Bindung selbst ist gut, aber alterentsprechend meist 'schief gelesen'. Der Umschlag reißt leicht ein.
    Das Papier ist 'schlecht', sprich vergilbt (das ist bei unseren älteren auch nicht anders).
    Die Umschlag-Gestaltung ist klasse. Moderne Illustrationen, bunt, künstlerisch, aussagekräftig.


    Muß man ausprobieren. Vom Kauf in großen Mengen rate ich eher ab, wenn man nicht ausgesprochen Liebaberin/Sammlerin ist. Besser, mal das eine oder andere ausprobieren.


    Teuer dürfen sie auch nicht sein, es existieren noch beträchtliche Mengen.
    Allerdings kann das bei einzelnen Exemplaren anders sein. Ich weiß nicht, ob es darunter inzwischen Sammlerstücke gibt. Hängt vom Genre ab. Vielleicht müßte man ein Sci-Fi-Forum konsultieren bei Einzelfällen.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Danke magali!


    Ja die Titel "Das Mädchen Rosemarie" oder "Das Mädchen aus Perpignan" und deren beiden Coverbilder sind irgendwie interessant und ich würde gern mehr über die Handlung wissen. Aber da sprech ich vielleicht mal den Verkäufer an.
    Glaube das ist nicht Science Fiction. Hört sich jedenfalls vom Titel her nicht so an.
    Schlimme Sachen können da ja nicht drin stehen sondern ehe sozialistische Themen :)

  • Majorana, ich muß mich bei Dir bedanken, Du hast mir grad eine Wissenslücke gestopft. Mir war bis dato nicht klar, daß auch die Jugendbücher in der Kompass-Reihe erschienen. Ich kenne sie nur in der gebundenen Ausgabe, von denen besitze ich ein paar Dutzend.


    'Das Mädchen aus Perpignan' von Dagmar Budniok handelt von der ca. 18, 19jährigen Héloise, aus einer wohlhabenden Familie. Sie kommt grad aus der Klosterschule, ist ein bißchen rebellisch und vor allem sauer mit ihrem Vater, weil sie sich abgeschoben fühlte. Sie flüchtet sich in eine romantische Liebe mit einem jungen Mann, der nach Abenteuer duftet, er redet viel von Freiheit und Besitzlosigkeit und lebt das, was man sich in den frühen 70ern unter Hippie-Leben vorstellt.
    Dann aber stolpert Héloise unversehens in die poltische Realität jener Tage, Spanien unter Franco, die Unterdrückung der Basken, die Auseinandersetzung Faschismus-Kommunismus. Sie muß herausfinden, wer was womit ernst meint und wo sie sie selbst in diesem Zwiespalt steht. Ihr Verhältnis zu ihrem Liebsten und zu ihrer Familie muß sie natürlich auch klären.


    Ich fand's komplex, anspruchsvoll, die Sprache hin und wieder etwas altmodisch für heutige Begriffe, aber nicht so, daß es richtig störte. Und der Einband ist lila! Mit einem tanzenden Pärchen in gelb und rot. Psychedelisch. :grin


    Ich mag die Jugendbücher vom Verlag Neues Leben ausgesprochen gern, weil sie grundsätzlich anspruchsvoll sind. Es geht immer darum, daß sehr junge Menschen, Jungen wie Mädchen, einen Platz im Leben finden. Die Entscheidungen sind nie leicht, nie ist etwas ideal, das Leben ist immer voller Probleme, Lösungen sind nur vorübergehend gültig, es muß immer diskutuiert werden. Fehler machen gehört dazu.
    Die Arbeitswelt ist ganz wichtig, etwas, das in Jugendbüchern aus dem Westen fast völlig fehlte. In denen geht es vor allem ums Privatleben.


    Liebesgeschichten sind in den Neues-Leben- Jugendbüchern wichtig, weil Sozialbeziehungen als grundlegend angesehen werden und deswegen auch diskutiert/vorgestellt werden. Aber es geht keineswegs in erster Linie um Paarbildung.
    Im Gegenteil enden die Geschichten häufiger als nicht damit, daß die Hauptperson allein auf dem mühsam erkämpften Platz steht und selbständiger als zuvor den nächsten Schritt im Leben weitergehen kann. Hin und wieder auch mit einem Baby im Arm, das ist auch ein wichtiges Thema der Reihe.
    Ich empfehle die Jugendbücher gern, man muß sie halt mit offenen Augen lesen.



    'Das Mädchen Rosemarie' klingt mir nach dem Roman über Rosemarie Nitribitt. Von?? Kuby??
    Habe ich nie gelesen, aber ich kenne den Film. :grin


    Ich wußte nicht, daß das auch als Kompass erschien.




    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus


  • Ja genau, Lila und sie hat einen orangenen, er einen Roten Pulli an :-)





    Zitat

    Original von magali
    'Das Mädchen Rosemarie' klingt mir nach dem Roman über Rosemarie Nitribitt. Von?? Kuby??
    Habe ich nie gelesen, aber ich kenne den Film. :grin


    Ich wußte nicht, daß das auch als Kompass erschien.




    Ja das ist von Erich Kuby

  • Ich habe "Das Mädchen aus Pergpignan" vorgestern zu Ende gelesen und es war unterhaltsam. Aber wirklich etwas altmodisch geschrieben, aber das ist ja auch normal, denn das Buch ist von 1973 :)


    Das mit der Arbeitswelt, dass diese vor allem wichtig ist im Leben, kommt bei diesem Buch besonders hervor muss ich sagen. Passte ja auch sehr zu kollektiven Idealogie.


    Falls noch mehr Eulen mal die Bücher aus der Kompass-Reihe gelesen haben, würde ich mich freuen, eure Meinungen zu lesen.