Die verlorene Handschrift - Gustav Freytag

  • Wenn die Feder davon erzählt, ist es gering, wenn aber ein Mensch darin lebt, treibt es ihm den Strom des Blutes kräftig durch die Adern. (Band 1, Seite 108)


    688 Seiten, kartoniert
    Verlag: Sammlung Zenodot, Directmedia Publishing
    ISBN-10: 3-86640-323-2
    ISBN-13: 978-3-86640-323-9
    Die Erstaugabe erschien 1864 im Verlag von S. Hirzel. Leipzig
    Die lieferbare Faksimilie-Ausgabe der Erstausgabe siehe folgende Posts. Bei Amazon (und den einschlägigen Buchplattformen) finden sich zahlreiche antiquarische Ausgaben des Romans. Alle mir bekannten sowie in meinem Besitz befindlichen sind in Frakturschrift, mir ist noch keine Fassung in einer Antiquaschrift begegnet.



    Zum Inhalt (Quelle: eigene Angabe)


    Die „Helden“ dieser Geschichte sind der Herr Professor Felix Werner und der Herr Doktor Fritz Hahn, die auf der Suche nach einer verschollenen Handschrift des Tacitus sind. Einen Hinweis auf deren Verbleib hat der Professor in einem alten Bibliotheksverzeichnis für das nahe ehemalige Kloster Rossau gefunden. Die Verwicklungen beginnen, als der heutige Besitzer des Grundstücks seiner Tochter Ilse die Führung durch das Haus überläßt. Während der Professor zusehends nicht mehr so recht weiß, ob er wegen der Handschrift oder Ilse auf dem Gut ist bzw. dorthin zurückkehrt, gibt es da noch die Tochter Laura seines Hausherrn, des Herrn Hummel, der mit seinem Nachbarn, dem Vater des Herrn Doktor Fritz Hahn, aufs Heftigste verfeindet ist. Dann wird da auch noch ein Landesfürst eine gewisse dunkle Rolle spielen (es ist ja Mitte des 19. Jahrhunderts), von einem neidischen Kollegen ganz zu schweigen. Die Protagonisten sind also reichlich beschäftigt, bis sich alles fügen und das Rätsel der „verlorenen Handschrift“ endlich lösen wird.


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    Über den Autor (Quellen: Gustav Freytag Gesellschaft, Wikipedia, Autobiographie)


    Gustav Freytag wurde am 13. Juli 1816 in Kreuzburg (Schlesien) geboren. Sein Vater Gottlob Ferdinand war Arzt, seine Mutter Henriette Albertine eine geborene Lehe. Mit Unterbrechung war Gottlob Ferdinand Bürgermeister von Kreuzburg. Freytag studierte bei Hoffmann von Fallersleben und Karl Lachmann. Da er aus politischen Gründen keine Professorenstelle bekam, wurde er zunächst als Privatdozent in Breslau tätig. Ab 1848 gab er gemeinsam mit Julian Schmidt die nationalliberale Zeitschrift „Die Grenzboten“ heraus. Seine Artikel brachten ihm u. a., daß er von Preußen steckbrieflich gesucht wurde. Er ließ sich schließlich in Siebleben bei Gotha nieder, wo ihm später von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha der Hofratstitel verliehen wurde. Von 1867 - 1870 saß er für die Nationalliberale Partei im Reichstag. 1870/1871 war er als Begleiter und Berichterstatter des Kronprinzen Friedrich von Preußen im Deutsch-Französischen Krieg dabei. 1893 wurde er zur Exzellenz ernannt und erhielt den Orden Ordens Pour le mérite der Friedensklasse. Freytag war in erster Ehe mit Emilie Scholz verheiratet, die 1875 starb. Mit seiner zweiten Frau Marie Kunigunde Dietrich, von der er 1890 geschieden wurde, hatte er zwei Kinder. Im Jahre 1891 heiratete er in dritter Ehe Anna Strakosch, die er seine „Ilse“ nannte. (Quelle: „Gustav Freytag. Briefe an seine Gattin“, Berlin 1912, Vorwort von Hermance Strakosch-Freytag). Nach der Lektüre der „Verlorenen Handschrift“ wird klar, was dieser Vergleich bedeutet.


    Gustav Freytag starb am 30.4.1895 in Wiesbaden und liegt in Siebleben (heute ein Stadtteil von Gotha) begraben.


    Informationen im Internet
    - < Klick > das sagt Wikipedia
    - < Klick > Informationsseite über die Gustav-Freytag-Gesellschaft e. V.
    - < Klick > (M)eine Informationsseite im Aufbau über Gustav Freytag
    - < Klick > - Gustav Freytag beim Projekt Gutenberg
    - < Klick > - die Biographieseite auf Ostdeutsche-Biographie.de




    Meine Meinung


    Mit durchaus gemischten Gefühlen ging ich nach fünfzehn Jahren daran, dieses Buch wieder einmal zu lesen. Aber der Sorge, wie das Buch auf mich wirkt, ob die Erinnerung verklärt, hätte es nicht bedurft. Denn jetzt, da ich es beendet habe, steht so fest wie der Bielstein, auf dem das Gutshaus steht, dem Ilse entstammt: das ist mein Lieblingsbuch. Seit meiner Jugend bis heute. Und wohl auch bis ans Ende meiner Tage. Beruhigt kann ich die jetzt zum Lesen verwendeten Ausgaben ins Gustav Freytag Regal zurückstellen in dem sicheren Bewußtsein, daß ich sie von dort bald wieder zur erbaulichen Lektüre herausziehen werde.



    In künftigen Zeiten wird, wie man hört, auf dem Erdball eitel Freude und Liebe sein. (Band 1, Seite 26) Nun, man hat offensichtlich falsch gehört, denn wenn man es genau nimmt, hat sich seit damals (der Roman spielt um 1850/1860) so viel nun auch wieder nicht geändert. Wenn man bei so mancher Schilderung der Marotten des Adels einfach ein paar Begriffe austauschen würde, würde es heute immer noch passen. Zähes Ringen um Sitzordnung und Protokoll etwa sind auch heute noch an der Tagesordnung.


    Erstaunt hat mich des öfteren, wie kritisch teilweise der Adel beschrieben wird. Ich bin jetzt nicht so bewandert in den Zensurvorschriften jener Zeit (so es sie denn gab, wovon ich aber ausgehe), doch bei der einen oder anderen Stelle habe ich mich über die (aus damaliger Sicht) große Offenheit bzw. Kritik gewundert. (Z. B. im Kapitel 1 des Dritten Buches, Ilse und der Erbprinz.)


    Immer wieder gibt es Stellen, an denen sich der Erzähler direkt an die Leser wendet, und des öfteren gibt es die eine oder andere humorvolle Szene; von einer solchen sei hier ein Beispiel gegeben.
    (Achtung: Massiver Spoiler fürs Ende. Das ist so zwar recht bald absehbar, dennoch die Spoilerwarnung.)


    Die Handlung selbst umfaßt mehrere Jahre und ist teilweise in einem nicht genannten deutschen Duodezfürstentum angesiedelt. Die Universitätsstadt des Professor Werner scheint jedoch nicht zum Herrschaftsgebiet des Fürsten zu gehören. Das wird genauer jedoch nicht ausgeführt, auf jeden Fall kann man ungehindert zwischen den Orten reisen. Ich meine wirklich reisen, nicht, wie heute im ICE, ans Ziel rasen. Eisenbahn gab es im fraglichen Gebiet noch nicht, also war man auf Pferdekutschen - und auch auf seine eigenen Füße angewiesen. Überhaupt erhält man eine recht gute Vorstellung vom Leben damals. Nur sollte man im Hinterkopf behalten, daß Freytag hier kein Bild der Gesamtgesellschaft zeichnen wollte, sondern sich für diesen Roman die Welt der Gelehrten sowie (im Teil, der in der Residenz spielt) die der Fürsten beschränkt hat. Hinzu kommt das (gehobene) Bürgertum in Gestalt der Familien Hahn und Hummel. Dabei wird zwangsweise vieles ausgeblendet. Es ist ein Unterhaltungsroman,, kein deprimierendes Drama, das alles Negative seiner Zeit aufzeigen soll.


    Die Protagonisten sind nicht nur, weil ich das Buch zum x-ten Male gelesen habe, in meinem Kopf zum Leben erwacht. Vor meinem Auge lief förmlich ein Historienfilm ab. Ich habe die Menschen in ihren alten Kleidern und einfachen Wohnungen ohne Strom und Zentralheizung vor mir gesehen, wie sie die sich ihnen stellenden Aufgaben meistern mußten. Bis in den Nebenrollen hinein gut besetzt, wie etwa die Rollmaus oder der Magister Knips, den ich in seiner gerissenen Unterwürfigkeit mehr als einmal im Staub habe vor mir liegen sehen, dabei überlegend, wie er sein Gegenüber übervorteilen kann und ich mich ihn in Gedanken ob seiner Bosheiten verwünschen hörte. Lediglich die Eltern des Doktor Hahn blieben etwas blaß. Man merkt, daß sich hier niemand in eine alte Zeit zurückversetzt hat, sondern jemand schrieb, der eben selbst in dieser Zeit, mit diesem Umständen gelebt hat.


    Es blitzt bisweilen eine uns inzwischen ungewohnte und ferne Ethik und Moral auf, die der eine oder andere belächeln und einer lange vergangenen Zeit angehörig betrachten mag. Auch sei erwähnt, daß das Menschen- und Rollenverständnis nicht das des 21., sondern das der Mitte des 19. Jahrhunderts ist. Andererseits, vielleicht läuft heute deshalb so viel aus dem Ruder, eben weil es keine solche standhafte Moral, keinen solchen Ehrbegriff mehr gibt, der den Menschen als Leitschnur dienen kann. Vielleicht ginge es uns heutigen doch besser, hätte man nicht alles auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen und manches, vielleicht in modifizierter Form, behalten.


    Freytags Romane zählen mit zu den sog. „Professorenromanen“. Über die Definition bei Wikipedia mag man geteilter Meinung sein, zumal wir Texte von damals nur mit heutigem Verständnis und Hintergrundwissen lesen können, nicht mit den Augen und den Voraussetzungen der Zeitgenossen. Andeuten will ich damit, daß des öfteren in inneren Monologen oder in Dialogen (teilweise weitläufige) Erklärungen von Entwicklungen und Sachverhalten eingeschlossen sind. Ich selbst hatte damit wie auch dem bisweilen etwas veralteten Stil keinerlei Probleme; half es mir doch im Gegenteil, mich vollends in die Welt der Protagonisten zu versetzen, wie ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr so intensiv in eine Buchwelt abgetaucht bin.


    Als ich jetzt, nachdem ich das Leseende immer wieder hinausgezögert, um länger dort verweilen zu können, den Roman schließlich doch beendet habe, schloß ich ihn ruhig, zufrieden und in heiterer Stimmung wie schon lange kein Buch mehr. Die Rätsel sind gelöst, die Protagonisten haben ihre Bestimmung gefunden, die Familienverhältnisse sind geklärt, der Mond mag wieder ruhig über dem Stadtwald scheinen. Ich weiß nur eines: daß es nicht wieder fünfzehn Jahre dauern wird, bis ich mich erneut auf die Suche begebe. Die Suche nach der verlorenen Handschrift.



    Kurzfassung:


    Verwicklungen in der Gelehrten- wie der Gefühlswelt der Protagonisten ergeben so manches Knäuel, das aufgedröselt werden mußt, bevor es zu einem guten Ende kommen kann. In (für uns heutige) bisweilen etwas altertümlicher Sprache, die das Flair einer untergegangenen Epoche lebendig werden läßt, eine Geschichte aus der Welt der Gelehrten und der Fürsten in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mein absolutes Lieblingsbuch.



    Denn zuletzt ist in jedem Leben etwas Ehrwürdiges, wie oft es auch durch wunderliche Zutat verdeckt ist. (Band 1, Seite 125)



    Alle Seitenangaben beziehen sich auf die hier abgebildete Ausgabe:
    Gustav Freytag: Die verlorene Handschrift. Mit 40 Originallithographien von Otto H. Engel. Verlag Th. Knaur Nachf., Berlin und Leipzig 1923 (in 2 Bänden)


    Edit hat die bibliographischen Angaben ergänzt sowie (06.02.2012) fehlerhafte Links berichtigt.
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  • Die verlorene Handschrift, Bd. 1 - Gustav Freytag


    Ursprünglich ist der Roman in drei Teilbänden erschienen. Diese sind als Faksimilenachdruck lieferbar, hier der erste.



    Inhalt


    Erstes Buch
    Zweites Buch bis einschließlich Kapitel 4


    Ich bin glücklicher Besitzer einer Erstausgabe. Die ist zwar etwas lädiert und wohl schon mehrfach gelesen. Doch so eine Erstausgabe ist schon etwas Besonderes. Auf dem Vorsatz des ersten Bandes befindet sich eine Widmung, geschrieben in Budapest im Jahre 1905. Und so unscheinbar sehen die Bücher aus:
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  • Die verlorene Handschrift, Bd. 2 - Gustav Freytag


    Hier der Faksimilienachdruck des zweiten Bandes mit dem



    Inhalt


    Zweites Buch, Rest
    Drittes Buch
    Viertes Buch bis einschließlich Kapitel 4
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    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Die verlorene Handschrift, Bd. 3 - Gustav Freytag


    Hier der Faksimilienachdruck des dritten Bandes mit dem



    Inhalt


    viertes Buch Rest
    Fünftes Buch
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    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

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