Marguerite Abouet: Aya. Band 3

  • Marguerite Abouet: Aya. Band 3
    Carlsen 2008. 126 Seiten
    ISBN 978-3551737137. 14,90€
    Illustrator: Clément Oubrerie
    Übersetzer: Kai Wilksen
    Vom Verlag empfohlen für: 14-15 Jahre


    Verlagstext:
    Eine der schönsten Graphic Novels der vergangenen Jahre findet ihren Abschluss: Ein drittes und letztes Mal hebt sich der Vorhang für AYA, Marguerite Abouts und Clément Oubreries »Alltags-Dramolett, das von den kleinen Leuten in der ivorischen Metropole Abidjan erzählt. Man liebt sich, streitet sich, versöhnt sich. Alles ist möglich und nichts so, wie es scheint.« (Süddeutsche Zeitung) Schwungvoll und gewohnt pointenreich steigert sich AYA zu einem turbulenten Finale: Nicht nur die Wahlen zur »Miss Stadtteil« stehen vor der Tür, aus denen alle Mädchen in ihrem Bekanntenkreis als Siegerin hervorgehen möchten, sondern auch Ayas quirlige kleine Geschwister... von deren Existenz sie bisher nicht das Geringste geahnt hatte. Sollte ihr Vater etwa ein Doppelleben führen?! Und zu allem Überfluß sind da auch noch die chaotischen Liebschaften ihrer Freundinnen Bintou und Adjoua, die Aya den letzten Nerv rauben. Wie gewohnt sprüht die von Lesern und Kritik gleichermaßen geliebte Graphic Novel vor afrikanischer Lebenslust, und lässt trotz der sich überschlagenden Ereignisse doch Raum für nachdenklich-kritische Zwischentöne.


    Zum Inhalt:
    Im Jahr 1980 rüstet sich Youpougon für einen Miss-Wettbewerb. Schneider Sidiki steht der Schweiß auf der Stirn; denn seine kleine Werkstatt wird von den Mädchen des Stadtviertels belagert, die auf ihr Kleid warten. Beim Schönheitswettbewerb treffen westliche Schönheitsideale auf traditionelle afrikanische Vorstellungen von der Attraktivität rundlicher Frauen. Ayas Familie ist schockiert vom Auftauchen der langjährigen Geliebten von Vater Ignace, die demonstrativ ihre beiden Kinder zurücklässt, damit sie ihre älteren Geschwister kennenlernen. Ignace wird von Jeanne unter Druck gesetzt, die Vaterschaft anzuerkennen. Ingnace kann zwei Familien gar nicht unterhalten und verlässt sich reichlich blauäugig darauf, dass seine Frau Fanta ihn wegen seines Lebenswandels schon nicht vor die Tür setzen wird. Aya zeigt sich empört und verlangt von ihrer Mutter, sich Ignaces Verhalten nicht länger bieten zu lassen. Ayas Freundinnen sind erheblich konservativer eingestellt; sie finden, es sei das Los der Frauen, untreue oder faule Männer zu ertragen.


    Grégoire, ein junger Mann, für den Bintou schwärmt, hängt untätig zu Hause rum. Im zweiten Band hatte er Bintou gegenüber noch den wohlhabenden Lebemann gemimt, der die Frau seines Lebens sucht. Grégoires Mutter würde lieber sehen, dass er zum Arbeiten zurück nach Frankreich geht und sie weiter finanziell unterstützt. Dass in Frankreich nicht alles so toll ist, wie Grégoire die Daheimgebliebenen glauben lässt, kann man sich leicht vorstellen. Bintous Vater Koffi (die Väter der Mädchen sind ebenfalls miteinander befreundet) will sich eine zweite Frau nehmen, die im Alter seiner Tochter ist. Seine Chancen stehen schlecht, da seine Frau einen größeren Teil zum Haushaltseinkommen beiträgt als er und gut ohne ihn auskommen könnte.


    Das Begräbnis eines "jungen Mannes, der nach kurzer Krankheit starb" in Bonaventure Sissokos Verwandtschaft könnte auf die Aids-Problematik deuten. Hervé, Bintous unbedarfter Cousin, der von der pfiffigen Aya Unterstützung in praktischen Angelegenheiten des Alltags erhält, zeigt in diesem Band unerwartete Qualitäten als zukünftiger Geschäftspartner Adjounas. Auch Inno, der Frisör, hat private Probleme und überlegt, nach Frankreich auszuwandern.


    Fazit:
    Im dritten Band der Reihe wird das Konfliktpotential in afrikanischen Familien deutlich, wenn Männer Kinder zeugen, für deren Unterhalt sie sich nicht zuständig fühlen und Frauen die Erwerbs- und Haushaltsarbeit weitgehend allein leisten. Die Last der Söhne, den Vorstellungen ihrer Väter von einem würdigen Nachfolger zu entsprechen, zeigt sich am Beispiel Moussas. Grégoire sieht sich der Erwartung gegenüber, seiner Familie regelmäßig Geld aus dem Ausland nach Hause zu senden. Auch der Bonustrack im Anhang hat Konflikte in afrikanische Großfamilien zum Thema. Dass die Betroffenen ihre Situation nicht so optimistisch sehen, wie Marguerite Abouét es uns in ihrer Erläuterung glauben macht, haben uns kurz zuvor noch die verschiedenen Schicksale in ihrer Graphic Novel gezeigt. Das Personenverzeichnis vorn im Buch (mit Portraits!) hat mir geholfen, fünf Familien zahlreiche Kinder und Partner richtig zuzuordnen. Trotz charakteristischer Frisuren der Frauen und unterschiedlichen Stadien der Kahlheit bei den Männern ist das nicht einfach. In die Handlung dieses 126 Seiten umfangreichen Bands sind mehrere Rückblenden eingeschoben. Liebevolle Details der Roben afrikanischer "Mamas" und außergewöhnliche Frisuren der jungen Frauen, sowie die von Abouet gewohnten schlagfertigen Dialoge werden sicher nicht nur jugendliche Leser ab 14 begeistern, für die der Verlag diese Reihe empfiehlt.


    In französischer Sprache sind bereits Band 4, 5 und 6 der Reihe erschienen.