'Da gehen doch nur Bekloppte hin' - Seiten 001 - 053

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    Original von beowulf
    ?( und, das ist bei meinem Beruf die Regel als Mindestarbeitszeit.


    Bei Ärzten liegt die Durchschnittswochenarbeitszeit auch bei 56 Stunden. Bei uns bei 42 Stunden. Und ich finde, das langt auch. V.a. wenn Du glaubhaft bleiben willst, wenn Du Menschen beibringen sollst, gut für sich zu sorgen. Und für die Ihren.


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    Original von xexos


    Was ist denn das für eine irrsinnige Rechnung. Kann da eine Therapie überhaupt noch individuell sein? Das wäre ja Massenabfertigung.


    Von Therapeuten in Kliniken wird das teilweise verlangt, weshalb dort viele unglücklich sind. Klar kann man so auch Therapie machen. Und natürlich kann man auch Fluglotsen mehr Arbeitszeit aufbrummen. Ist halt bloß keine gute Idee.

  • Also bei meinen 60 Wochenstunden Arbeit ist natürlich auch der Weg zum Gericht oder das Lesen der Fortbildungszeitschriften dabei und nicht 60 Stunden Mandantenbesprechung oder Gerichtstermine, dabei würde man alsbald zum Vollpfosten werden.

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    Original von Katerina
    ... bis zu vierzig Patienten in der Woche ...


    Die Rechnung ist wirklich utopisch, aber mich würde interessieren, wie viele Patienten man tatsächlich parallel behandeln kann, damit niemand zu kurz kommt und man selbst nicht überforder ist.

  • Diese Frage möchte ich dann noch zeitbezogen ergänzen, d.h. wieviele Patiententermine in einer Woche? Hängt das für den Therapeuten auch von der Klientel ab? Also z.B. Drei Neupatienten diese Woche bedeutet zwei langzeitbehandlungen weniger? Oder wenn Maier kommt muss ich zwei Stunden Pause bis zum nächsten Patienten haben?

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    Original von Sarlascht


    Die Rechnung ist wirklich utopisch, aber mich würde interessieren, wie viele Patienten man tatsächlich parallel behandeln kann, damit niemand zu kurz kommt und man selbst nicht überforder ist.


    Zunächst mal die Statistik: Psychotherapeuten arbeiten durchschnittlich 42 Stunden in der Woche, davon machen die Patientenkontakte 68% aus, also rechnen wir mal mit durchschnittlich knapp 30 Patienten in der Woche, das wären also sechs am Tag.
    Die genauen Zahlen finde ich jetzt nicht, aber ich habe mal gelesen, dass Frauen pro Woche ein paar Patienten weniger behandeln, Männer ein paar mehr. Klar, Frauen arbeiten natürlich häufiger etwas weniger, wenn sie noch kleine Kinder haben.


    Ich hatte, als ich noch einen ganzen Praxissitz hatte (seit Juni habe ich nur noch einen halben) etwa vierzig Patienten pro Quartal parallel, weil halt manche nur noch vierzehntägig, monatlich oder nur einmal im Quartal kamen.
    Ich habe keine festen Sprechzeiten, sondern richte mich oft nach den Patienten, von denen manche (mit kleinen Kindern) nur vormittags können, manche arbeiten Schicht und können mal vormittags, mal nachmittags, und manche erst nach 17 Uhr.
    Dadurch habe ich manchmal Tage mit sieben Patienten (wobei ich nach spätestens vier Stunden eine Pause brauche), ganz selten auch mal acht, aber andere Tage mit nur vier Stunden, wo ich die restliche Zeit beispielsweise zum Berichteschreiben nutze.


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    Original von beowulf
    Diese Frage möchte ich dann noch zeitbezogen ergänzen, d.h. wieviele Patiententermine in einer Woche? Hängt das für den Therapeuten auch von der Klientel ab? Also z.B. Drei Neupatienten diese Woche bedeutet zwei langzeitbehandlungen weniger? Oder wenn Maier kommt muss ich zwei Stunden Pause bis zum nächsten Patienten haben?


    Nö, eigentlich nicht. Eine Stunde (bzw. 50 Minuten) ist eine Stunde. Natürlich gibt es mehr oder weniger anstrengende Tage, aber das ist halt so. Die Arbeit mit Patienten, die noch nicht so lange kommen, empfinde ich als anstrengender als die mit denen, die schon länger da sind, weil man an so vielen Dingen gleichzeitig arbeiten muss. Man muss sich erstmal sehr viel merken, muss ihnen zeigen, worum es hier geht, muss darauf achten, wie sie mit sich selbst umgehen usw.
    Aber den genauen Zeitplan geben wie gesagt mein Kalender und der der Patienten vor, und ich freue mich jede Woche, wenn das Puzzle wieder aufgegangen ist.

  • *in die Runde blinzel*


    Meine erste Frage gleich zum Aktuellsten: Wieso hast du den halben Kassensitz abgegeben, wenn die Frage nicht zu privat ist? :-)


    Und wieso sollen weiter Stellen abgebaut werden, wenn der Bedarf doch vorne und hinten nicht stimmt? :gruebel


    Das "Sieben in der Ausbildung" klingt, als wäre es sehr hart, nicht aus der Ausbildung geschmissen zu werden. - Dürfen Ausbilder das denn?


    Noch eine zum Beruf selber: Dürfen Patienten eigentlich den Therapeuten "tauschen"? Irgendwer meinte mal zu mir, Kassen sähen es nicht gerne, wenn jemand erst zu drei Therapeuten gehe, bevor er den richtigen für sich gefunden hat. Das fände ich schon etwas merkwürdig. :gruebel


    Und wo wir gerade bei den Patienten sind: Ich finde es persönlich sehr schade, zu sagen, dass man nur Patienten nimmt, die selbst anrufen. Ich weiß, dass ich vor vier Jahren sehr dankbar war, dass das eine Freundin gemacht hat, weil ich nämlich genau diesen Spießrutenlauf aus "Tut mir leid, ich habe keinen Platz", dreitausend Menschen mein Problem erklären UND teilweise bei Leuten landen, deren erste Reaktion einfach nur so furchtbar ist, dass man sich wünscht, sie würden ihre Zulassung verlieren, nicht durchgestanden hätte. Das hatte definitiv nichts mit meiner Motivation zu tun. :gruebel - Ich habe dann tatsächlich auch zwei Anläufe gebraucht (von der ersten Frau, zu der ich von meiner Ärztin überwiesen wurde, rede ich lieber erst gar nicht) und würde den ersten Fall als jemanden bestätigen, der mir einfach nur Angst gemacht hat. Ich vermute, er war Psychoanalytiker, so genau habe ich damals nicht hingeschaut. Jedenfalls konnte ich keine Körperbewegung ausführen, ohne, dass er meinte "Oh, Ihre Arme jetzt, das zeigt, dass Sie sich innerlich zurückziehen". Ich hatte das Gefühl, der hat mich versucht, völlig krank zu reden und das sogar in Bereichen, bei denen ich mir sicher bin, dass ich kein Problem habe O.o Aber gut, ich hatte auch schon unheimliche Zahnärzte, bei denen ich lieber gewechselt habe.


    Den "Immer sind die Eltern Schuld" Abschnitt finde ich auch sehr interessant. :gruebel Ich habe mich gefragt, ob es nicht auch sein kann, dass dieser "Glaube" dazu führt, dass mehr Eltern etwas angehängt bekommen, als sie es verdienen. - Und zwar in Kombination mit "Menschen, die immer wieder schlechte Entscheidungen treffen". Ich habe nämlich einen Fall erlebt, in dem ich absolut mitgehe, dass diejenige Leidensdruck empfindet. Allerdings aufgrund von freien Entscheidungen: Für die Liebe in ein kleines Kaff gezogen. Er bei der Marine, sie mit dem Kind zu Hause, der neue Job auch nicht das Wahre. Blöde Situation, definitiv, und wenn es sie unglücklich macht, sollte sie etwas ändern. - Aber bei der Therapie kam nicht herum, dass sie möglicherweise eine falsche Entscheidung getroffen hat. Nein, mit einem Mal wurde die Mutter angerufen: "Ich möchte nicht, dass du zu meinem Geburtstag kommst. Der Kontakt zu dir tut mir nicht gut." Und das wurde knallhart durchgezogen. Da ich die Beteiligten in dem Fall kenne, wage ich die Behauptung, dass am falschen Ende begonnen wurde. Und das die Dame den Fehler lieber bei der Mutter als bei sich gesucht hat. Vermutlich braucht jetzt die Mutter eine Therapie von dieser Erfahrung.
    Ich möchte damit nur sagen, dass ich durchaus glaube, dass manche Menschen sich auch gerne dahinter verstecken möchten, dass an ihren Fehlern andere Schuld sind.


    Umgekehrt glaube ich, dass auch Menschen, deren Kindheit super war, so niederschmetternde Erfahrungen machen können, dass es beispielsweise in einer Depression endet. Langzeitarbeitslosigkeit wäre eine mögliche Ursache.


    Was eine gute Überleitung zum Zusammenreißen ist: Auch hier glaube ich, dass es sicherlich Unterschiede gibt. Darunter würden dann "hausgemachte Probleme" fallen. z. B. unter Joblosigkeit leiden, aber sich auch nirgendwo bewerben wollen, weil alle möglichen Job jetzt nicht genau das treffen, was man sich vorgestellt hat und man eigentlich sofort mit Spitzengehalt in der besten Position und der meisten Anerkennung anfangen möchte. (Und ich verteidige wirklich oft Menschen, wenn andere meinen "na, ob der wirklich ein Problem hat". Aber es gibt Grenzen, bei denen ich dann doch den Zweiflern zustimme)
    [Auch beim Arzt gibt es eingebildete Kranke]


    Von mir selber kann ich nur sagen, dass es mir durchaus hilft, wenn mir in manchen Situationen jemand sagt: Du hast das Schlecht der Welt nicht für dich gepachtet, okay? Auch anderen Menschen passieren unschöne Dinge." - Allerdings liegt dass dann vielleicht auch schon daran, dass ich jemandem wichtig genug bin, so mit mir zu reden? Und die Beziehung zueinander gut und offen genug?


    Was mich dazu bringt: Wie macht man anderen Menschen klar, wie wichtig es ist, die mentalen Bedürfnisse anderer zu berücksichtigen? Meine ansonsten über alles geliebte Juristenfreundin schaut mich beim Kaffeetrinken an und sagt: "Sagt mal, bringt man euch das so bei, den Leuten Sätze einzuimpfen wie "Ich muss das jetzt für mich selbst tun?" Für sie war es völlig unverständlich, dass eine Sprechstundenhilfe beim Anwalt sagen kann, sie möchte keinen Kundenkontakt mehr. Ihre Seite: Die Kanzler braucht jemanden, der seinen Job macht. Da gehen solche Spezialwünsche nicht. Die Sekretärin: Nach überstandenem Krebs einfach nicht mehr so belastbar. - Und nun? Wenn jemand wegen Knien/Rücken, einen Spezialtisch braucht, ist das in Ordnung ... *seufz* Psychische Probleme in der Arbeitswelt sind wenig anerkannt. Man möchte denjenigen, auch nach langjähriger Arbeit, wohl lieber gegen ein "funktionierendes" Modell tauschen. Ich glaube, ich muss nochmal mit ihr darüber reden ...


    Und zum Schluss wieder etwas persönlicher: Gibt/gab es für dich so genannte "nicht therapierbare (oder heilbare) Fälle"? Bisher klingt es in allen Postings so, als könnte man jedem Menschen, der Hilfe will, auch helfen. (Sprich: Es kann keine dauerhaft leidenden Personen geben, die nichts daran ändern könnten, wenn sie wollten)


    Und ein kleines PS am Rande: Mir tun die Lokführer trotzdem Leid ...

  • Irgendwie hab ich die Frage erst heute morgen entdeckt (ich glaub langsam wirklich, dass ich urlaubsreif bin) und komme jetzt erst zum Antworten.


    Zitat

    Original von JASS
    Meine erste Frage gleich zum Aktuellsten: Wieso hast du den halben Kassensitz abgegeben, wenn die Frage nicht zu privat ist? :-)


    Na, das wär ja ein Ding, wenn ich hier was erwähnen würde, man sich aber nicht drauf beziehen dürfte! :-)
    Ich hatte infolge der Schreiberei in den vergangenen Jahren die Praxistätigkeit schon ein bisschen runtergefahren. Ich hab dann irgendwann mitgekriegt, dass viele Kollegen in meinem Alter (ich werd in Kürze 60) einen halben Sitz abgeben. Und da ich genau zu der Zeit von einer Kollegin angeschrieben wurde, die einen suchte, ich sie kennenlernte und nett fand, hab ich dann Nägel mit Köpfen gemacht. Was dazu führte, dass es hier auf einen Schlag zwanzig mehr Therapieplätze gab.


    Zitat

    Und wieso sollen weiter Stellen abgebaut werden, wenn der Bedarf doch vorne und hinten nicht stimmt? :gruebel


    Das war wohl ein Missverständnis, wie gesagt, teile ich mit den Sitz jetzt mit einer Kollegin, und wir können insgesamt mehr Patienten annehmen. Zu zweit kommst du halt wirklich auf vierzig pro Woche, was allein nicht machbar wäre.


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    Das "Sieben in der Ausbildung" klingt, als wäre es sehr hart, nicht aus der Ausbildung geschmissen zu werden. - Dürfen Ausbilder das denn?


    Das ist schon einige Jahre her, ich weiß nicht, wie es heute ist. Ich hoffe, Ausbilder dürfen das noch immer. Kein Mensch möchte, dass ein Elektroinstallateur einen Abschluss bekommt, der überall so dicke Fehler einbaut, dass die Leute sich gefährliche Schläge holen. Und genauso bin ich nicht der Meinung, dass jeder, der es möchte, Psychotherapeut werden sollte. Wir haben höchst selten jemandem die Bescheinigung verweigert oder ihm nahegelegt, die Ausbildung zu beenden, und wo wir das getan haben, wären wir eurer Zustimmung bestimmt sicher gewesen.
    Ich mache ein Beispiel: Eine Lerntherapeutin führt ein Übungsgespräch mit einem jungem Mann im Rollstuhl, der erzählt, dass er darunter leide, keine Partnerin zu haben. Die Antwort (und das war nicht der erste Vorfall dieser Art) lautete, er solle doch froh sein, dass er auf diese Weise Frauen wenigstens nicht all die furchtbaren Dinge antut, die Männer normalerweise Frauen so antun, wenn es um Sex geht. Sorry, aber das fanden wir einfach nur verrückt. Und das Uneinfühlsamste, was man in der Situation überhaupt von sich geben könnte.


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    Noch eine zum Beruf selber: Dürfen Patienten eigentlich den Therapeuten "tauschen"? Irgendwer meinte mal zu mir, Kassen sähen es nicht gerne, wenn jemand erst zu drei Therapeuten gehe, bevor er den richtigen für sich gefunden hat. Das fände ich schon etwas merkwürdig. :gruebel


    Du kannst auch noch mitten in der Behandlung den Therapeuten wechseln. Wenn du merkst, es geht gar nicht, kann es ja nicht im Sinn der Kasse sein, trotzdem weiterzumachen. Bei den sogenannten Probegesprächen ist das Verhandlungssache mit der Kasse. Wenn man sich drei hintereinander anguckt und jedesmal das volle Kontingent ausschöpft (fünf Sitzungen), bis man merkt, der isses nicht, fragt sich die Kasse zu recht, ob man das nicht schon etwas früher hätte merken können und was das denn werden soll.


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    Und wo wir gerade bei den Patienten sind: Ich finde es persönlich sehr schade, zu sagen, dass man nur Patienten nimmt, die selbst anrufen. Ich weiß, dass ich vor vier Jahren sehr dankbar war, dass das eine Freundin gemacht hat, weil ich nämlich genau diesen Spießrutenlauf aus "Tut mir leid, ich habe keinen Platz", dreitausend Menschen mein Problem erklären UND teilweise bei Leuten landen, deren erste Reaktion einfach nur so furchtbar ist, dass man sich wünscht, sie würden ihre Zulassung verlieren, nicht durchgestanden hätte. Das hatte definitiv nichts mit meiner Motivation zu tun. :gruebel - Ich habe dann tatsächlich auch zwei Anläufe gebraucht (von der ersten Frau, zu der ich von meiner Ärztin überwiesen wurde, rede ich lieber erst gar nicht) und würde den ersten Fall als jemanden bestätigen, der mir einfach nur Angst gemacht hat. Ich vermute, er war Psychoanalytiker, so genau habe ich damals nicht hingeschaut. Jedenfalls konnte ich keine Körperbewegung ausführen, ohne, dass er meinte "Oh, Ihre Arme jetzt, das zeigt, dass Sie sich innerlich zurückziehen". Ich hatte das Gefühl, der hat mich versucht, völlig krank zu reden und das sogar in Bereichen, bei denen ich mir sicher bin, dass ich kein Problem habe O.o Aber gut, ich hatte auch schon unheimliche Zahnärzte, bei denen ich lieber gewechselt habe.


    Andererseits, diese erste(n) Sitzung(en), das Kennenlernen, das kann einem ja auch keine Freundin abnehmen, oder habe ich Dich missverstanden?
    Und ja, erstmal muss natürlich eine Beziehung aufgebaut werden, bevor ich solche Sachen wie die Körperhaltung ansprechen würde. Die Kunst besteht darin, nicht für sich zu behalten, was man als Therapeut wahrnimmt, aber es immer so rüberzubringen, dass der Patient sich nicht bloßgestellt fühlt.
    Ich hatte so eine Sache gerade heute, ich hatte eine Patientin, bei der ich noch im Flur gleich auf den ersten Satz eingegangen bin, den sie gesagt hat. Das habe ich auch nur getan, weil ich sie schon einige Zeit kenne. Ich war dann noch mal kurz in meinem Büro und habe gemerkt, dass das trotzdem etwas voreilig war. Ich habe ihr das dann auch gesagt, dass ich verstehen könnte, wenn sie sich jetzt über mich ärgert und dass ich das auch nicht unberechtigt finden würde. Wir haben dann über meine Beobachtung nochmal gesprochen, es stellte sich heraus, dass ich etwas tatsächlich missgedeutet hatte. Es war aber trotzdem wichtig gewesen, dass ich es angesprochen hatte, denn durch ihre Sicht habe ich eine neue Seite an ihr kennengelernt.


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    Den "Immer sind die Eltern Schuld" Abschnitt finde ich auch sehr interessant. :gruebel Ich habe mich gefragt, ob es nicht auch sein kann, dass dieser "Glaube" dazu führt, dass mehr Eltern etwas angehängt bekommen, als sie es verdienen. -


    Wobei ich ja sage, die Eltern sind nicht schuld, sondern sie machen es, so gut sie es können. Und bei den Eltern mancher meiner Patienten würdet ihr euch auch die Haare raufen.


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    Und zwar in Kombination mit "Menschen, die immer wieder schlechte Entscheidungen treffen". Ich habe nämlich einen Fall erlebt, in dem ich absolut mitgehe, dass diejenige Leidensdruck empfindet. Allerdings aufgrund von freien Entscheidungen: Für die Liebe in ein kleines Kaff gezogen. Er bei der Marine, sie mit dem Kind zu Hause, der neue Job auch nicht das Wahre. Blöde Situation, definitiv, und wenn es sie unglücklich macht, sollte sie etwas ändern. - Aber bei der Therapie kam nicht herum, dass sie möglicherweise eine falsche Entscheidung getroffen hat. Nein, mit einem Mal wurde die Mutter angerufen: "Ich möchte nicht, dass du zu meinem Geburtstag kommst. Der Kontakt zu dir tut mir nicht gut." Und das wurde knallhart durchgezogen. Da ich die Beteiligten in dem Fall kenne, wage ich die Behauptung, dass am falschen Ende begonnen wurde. Und das die Dame den Fehler lieber bei der Mutter als bei sich gesucht hat. Vermutlich braucht jetzt die Mutter eine Therapie von dieser Erfahrung.
    Ich möchte damit nur sagen, dass ich durchaus glaube, dass manche Menschen sich auch gerne dahinter verstecken möchten, dass an ihren Fehlern andere Schuld sind.


    Dazu kann ich natürlich nichts sagen.
    Ich hatte tatsächlich auch (selten, aber kommt vor) schon den Fall, dass Patienten ihre Eltern als ziemlich herzlos und uneinfühlsam darstellten und ich das, wenn sie mir die entsprechenden Situationen geschildert haben, nicht wirklich nachvollziehen konnte, sondern der Meinung war, dass man das auch ganz anders deuten kann. Das war in den Fällen für die Patienten eher entlastend, weil sie sich nicht mehr unwichtig und ungeliebt fühlen mussten. Wir haben dann darüber gesprochen, wie sie es schaffen können, nicht mehr mit dem "Kinderblick" in den Kontakt zu gehen, zum Beispiel daheim vom ihrem Leben zu erzählen, das den Eltern total fremd ist und die deshalb dazu auch nicht viel sagen können (und dann wieder enttäuscht zu sein), sondern die Sache selbst in die Hand zu nehmen, beispielsweise mit den Eltern zusammen Dinge zu machen, die früher gemeinsam schön waren, anstatt sich drüber zu ärgern, dass die Eltern bisher die Dissertation in Kunstgeschichte noch nicht gelesen haben, die man geschrieben hat (wenn die da nur Bahnhof verstehen würden).


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    Umgekehrt glaube ich, dass auch Menschen, deren Kindheit super war, so niederschmetternde Erfahrungen machen können, dass es beispielsweise in einer Depression endet. Langzeitarbeitslosigkeit wäre eine mögliche Ursache.


    Da greift dann die Resilienz, die Widerstandsfähigkeit gegen seelische Krisen, und die hat m.E. schon was damit zu tun, was einem mitgegeben worden ist. Ob ein Langzeitarbeitsloser die Lebenseinstellung hat: Die Welt ist grundsätzlich ein Ort, auf dem ein Platz für mich ist, ich muss ihn nur finden. Oder ob ich schon immer so unwichtig war, dass meine Grundeinstellung ist: Mich braucht kein Mensch. Das führt dann zu unterschiedlichen Umgehensweisen mit der gleichen Situation.


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    Was eine gute Überleitung zum Zusammenreißen ist: Auch hier glaube ich, dass es sicherlich Unterschiede gibt. Darunter würden dann "hausgemachte Probleme" fallen. z. B. unter Joblosigkeit leiden, aber sich auch nirgendwo bewerben wollen, weil alle möglichen Job jetzt nicht genau das treffen, was man sich vorgestellt hat und man eigentlich sofort mit Spitzengehalt in der besten Position und der meisten Anerkennung anfangen möchte. (Und ich verteidige wirklich oft Menschen, wenn andere meinen "na, ob der wirklich ein Problem hat". Aber es gibt Grenzen, bei denen ich dann doch den Zweiflern zustimme)
    [Auch beim Arzt gibt es eingebildete Kranke]


    Klar, aber da fängt es für mich erst an, spannend zu werden. Warum gehen Menschen mit der gleichen Situation völlig unterschiedlich um? Da reicht mir die Erklärung, Leute seien halt unterschiedlich, eben nicht aus. ;-)


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    Von mir selber kann ich nur sagen, dass es mir durchaus hilft, wenn mir in manchen Situationen jemand sagt: Du hast das Schlecht der Welt nicht für dich gepachtet, okay? Auch anderen Menschen passieren unschöne Dinge." - Allerdings liegt dass dann vielleicht auch schon daran, dass ich jemandem wichtig genug bin, so mit mir zu reden? Und die Beziehung zueinander gut und offen genug?


    Ich denke auch, das kommt absolut drauf an, wer das sagt. Wenn es jemand ist, von dem man weiß, dass er einem prinzipiell wohlmeinend gegenübersteht, bringt einen das zum Nachdenken oder ist sogar tröstlich. Bei jemandem, den man eh nicht ab kann, empfindet man das Gleiche als grob und verletzend.


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    Was mich dazu bringt: Wie macht man anderen Menschen klar, wie wichtig es ist, die mentalen Bedürfnisse anderer zu berücksichtigen? Meine ansonsten über alles geliebte Juristenfreundin schaut mich beim Kaffeetrinken an und sagt: "Sagt mal, bringt man euch das so bei, den Leuten Sätze einzuimpfen wie "Ich muss das jetzt für mich selbst tun?" Für sie war es völlig unverständlich, dass eine Sprechstundenhilfe beim Anwalt sagen kann, sie möchte keinen Kundenkontakt mehr. Ihre Seite: Die Kanzler braucht jemanden, der seinen Job macht. Da gehen solche Spezialwünsche nicht. Die Sekretärin: Nach überstandenem Krebs einfach nicht mehr so belastbar. - Und nun? Wenn jemand wegen Knien/Rücken, einen Spezialtisch braucht, ist das in Ordnung ... *seufz* Psychische Probleme in der Arbeitswelt sind wenig anerkannt. Man möchte denjenigen, auch nach langjähriger Arbeit, wohl lieber gegen ein "funktionierendes" Modell tauschen. Ich glaube, ich muss nochmal mit ihr darüber reden ...


    Die meisten Situationen kann man kaum beurteilen, wenn man die Beteiligten nicht kennt, deshalb kann ich, ohne den Kontext zu kennen, da wenig dazu sagen. Vielleicht war die Angestellte immer schon sehr anspruchsvoll, und die ansonsten sehr verständliche Forderung lässt jetzt ein schon vorher bis zum Rand gefülltes Fass überlaufen? Oder Deine Freundin ist so im Dauerstress, dass kein Spielraum für Extrawünsche von egal wem ist, so nach dem Motto "Ich kann mir auch keine Sonderwünsche leisten?"


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    Und zum Schluss wieder etwas persönlicher: Gibt/gab es für dich so genannte "nicht therapierbare (oder heilbare) Fälle"? Bisher klingt es in allen Postings so, als könnte man jedem Menschen, der Hilfe will, auch helfen. (Sprich: Es kann keine dauerhaft leidenden Personen geben, die nichts daran ändern könnten, wenn sie wollten)


    Bei den klassischen Psychotherapiepatienten, also denen, die motiviert sind, kann man tatsächlich sehr häufig helfen. Die, bei denen sich auch nach langer Zeit noch sehr wenig getan hat, sind zum Glück in der Minderheit und gehen einem dann aber oft noch sehr lange nach.
    Aber manchmal verhakt sich in der therapeutischen Beziehung was so ungünstig, dass es nicht mehr geht.
    Zum Beispiel, wenn eine Patientin kommt und über Mobbing auf der Arbeit klagt, man aber insgeheim bei sich findet, dass der Chef vielleicht nicht der beste ist, aber auch kein Extremmonster, und wenn man dann noch erfährt, dass die Patientin auch bei bisherigen Arbeitsstellen immer wieder die gleichen Probleme hatte. Wenn sie die Zusammenhänge irgendwann auch sehen kann, bereit ist, sich das anzugucken, kann man was verändern. Wenn sie darauf beharrt, die Welt sei schlecht, unbedingt will, dass man ihr eine Bescheinigung schreibt, es sei ihr nicht zuzumuten, dort weiter zu arbeiten und dann vielleicht noch möchte, dass man in einem Arbeitsgerichtsprozess zu ihren Gunsten aussagen soll - dann wird die weitere Zusammenarbeit schwierig bis unmöglich. Und man muss damit leben, dass sie unzufrieden weggeht und von bösen Therapeuten erzählt, die den Menschen auch nicht helfen. Anstatt sich wie gesagt anzugucken, woher es kommt, dass jeder (auch der Therapeut) irgendwann ihr Feind wird.


    Zitat

    Und ein kleines PS am Rande: Mir tun die Lokführer trotzdem Leid ...


    Mir auch! Aber trotzdem muss man wohl damit leben, dass das eine der ganz tragischen Situationen ist, wo es keine "Schuld" gibt.

  • Nee, die Fragen nerven mich gar nicht! Ich hab das Buch ja gerade geschrieben, weil ich gern Fragen beantworte!


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    Original von JASS
    Das meinte ich gar nicht. :-) Ich habe vor ein paar Monaten an einer Petition teilgenommen - Es ging darum, dass wohl Stellen abgebaut werden sollen, obwohl der Bedarf so hoch ist. Das ist mir so unverständlich. :gruebel


    Ah, das meintest Du. Da geht es wohl um die Tatsache, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen freiwerdende Sitze aufkaufen wollten und man den Verdacht hatte, die sollen dann nicht mehr besetzt werden. Z.Zt. behaupten sie, nein, da müsse man sich gar keine Sorgen machen. Aber das muss man natürlich weiter beobachten.


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    Ooookay. :wow Das ist wirklich ... Ich finde generell, dass "seien sie doch froh" Aussagen von einem Therapeuten verboten gehören, wenn jemand gerad etwas schildert, unter dem er leidet. Das kann man sicher mal tiefen drinnen denken, aber sagen sollte man es nicht ...


    Aber nur ganz, ganz tief drinnen. ;-) Und dann sollte man sich am Riemen reißen und gucken, woran es liegt, dass man dem Patienten gerade nicht folgen kann.


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    Ich hätte gedacht, dass genau die Probegespräche weniger problematisch wären. :gruebel Liegt das daran, dass durch das Stellen des Antrags auf Therapie (der kommt erst nach den Probegesprächen, richtig?) so etwas wie eine "Bestätigung" erfolgt, dass eine Therapie angebracht ist und die Kasse das dann entspannter sieht? Bei drei Mal nur Probegespräch kann sie das jedoch nicht ersehen.


    Ja, das könnte sein, klappt aber sicher auch nicht allzu oft. Wenn man mitten in der Behandlung den Therapeuten mehrfach wechselt, wird das die Kasse auf alle Fälle nicht lang mitmachen. Abgesehen davon, dass Therapeuten auch etwas hellhörig werden, wenn sie mitkriegen, dass der Patient schon mehrere Behandlungen abgebrochen hat. Und wenn das dann noch damit einhergeht, dass sie spüren, sie kriegen auch keinen rechten Kontakt zu ihm, werden sie die Behandlung gar nicht erst beginnen.


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    Das Problem war, dass er mir auch nicht geglaubt hat. :-) Auf mein: "Ich habe keine Prüfungsangst" [Ich weiß nicht mal, wie wir auf das Thema gekommen sind] meinte er: "Jeder hat Prüfungsangst. Dann verdrängen Sie das nur". Und mein "Mir ist hier einfach kalt" hat er auch versucht, wieder hintergründig zu analysieren. A la "Sie empfinden die Therapie als kalt". Das fand ich verwirrend, nicht hilfreich und wie ein Projizieren seiner Weltsicht/ Theorien auf mich.


    Einer meiner Ausbilder hat mal gesagt: Eine Deutung ist immer eine Grenzüberschreitung. Natürlich kann man auch deuten. Aber wie gesagt muss zum einen die Beziehung entsprechend sein und man muss zum anderen klarmachen, dass das ein Angebot ist, das auch abgelehnt werden kann. Wenn meine Patienten sagen: Nein, ich glaube, das ist es nicht, dann glaube ich ihnen auch.


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    Da reichen schon die Eltern mancher Freunde ... Also denkst du nicht, dass es sein könnte, dass vielleicht mancher Therapeut etwas schnell eine Erklärung bei den Eltern sucht?


    Ich suche ehrlich gesagt die Erklärung fast immer dort. :-)
    Wir sind keine Nestflüchter, sondern darauf angewiesen, dass wir in den ersten Lebensjahren grundlegende Dinge über uns und die Welt lernen. Und ich denke, dass überwiegend die Menschen in Psychotherapie kommen, die wichtige emotionale Erfahrungen nicht machen konnten, oder die Dinge gelernt haben, die ihnen jetzt im Weg stehen.


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    Kann nicht auch Resilienz eine "Abnutzung" haben, wenn viele negative Erfahrungen wie ständige Bewerbungsablehnungen kommen? Bzw. wie sieht es da damit aus, dass Ressourcen vorhanden sein müssen? (Okay, Coping wäre natürlich eine Ressource) Ich erinnere mich, dass bei Kindern oft entscheidend für ihre Resilienz, trotz ungünstiger familiärer Beziehungen, ist, ob es neben der Familie auch noch andere wichtige Bezugspersonen gibt. z.B. eine nette Erzieherin.


    Ganz genau. Das hatte ich hier in irgendeinem Thread bei der Frage erwähnt, dass doch auch viele Menschen bei gleich ungünstigen Bedingungen eine gute Entwicklung machen, und da meinte ich, dass dann oft ein schützender Einfluss von außerhalb der Kernfamilie da war.


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    Aber hat nicht jede Eigenschaft eine Normalverteilung in der Bevölkerung? ;-) Ich frage mich mehr, ob du das dann in jedem Fall für "therapiewürdig" hältst. Sprich: Muss man herausfinden, was diese Person blockiert, oder sollte sie einfach die Zähne zusammen beißen und sich hinsetzen, weil einem aversive Dinge wie Bewerbungen und sich hocharbeiten keiner abnehmen kann? Nochmal anders gesagt: Hast du die Theorie, dass dann immer etwas dahinter steckt (wie eine Blockierung), an dem man arbeiten sollte?


    Gerade da der Weg in Therapie oft nicht so einfach ist, kommen eigentlich keine Leute, die sich nur zusammenreißen müssten.
    Mal außerhalb der Therapie betrachtet: Wenn eine Freundin mir am Telefon erzählen würde, dass sie gar keine Lust hat, das oder das zu tun, würde ich als Freundin einfach damit reagieren, dass ich sagen würde: Auf Mädel, beiß die Zähne zusammen, da musste durch.
    Wenn sie mir immer wieder erzählt, dass sie etwas Wichtiges großräumig umkreist, aber sich nicht dranmacht, würde ich sie schon animieren zu gucken, woran das liegt.


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    Ich meinte das mehr allgemein. :-) Irgendwie ist es nicht leicht, Menschen begreiflich zu machen, dass ein psychisches Leiden ebenso seine Berechtigung zur Fürsorge hat wie ein Rückenleiden. Gerade bei Menschen, die nie selbst so fühlen würden (z. B. aufgrund ihrer Resilienz)


    Das ist etwas, das ich nie begreifen werde. Wenn man sagt: Der Arzt hat mir erzählt, ich hätte eine Entzündung am (lateinisches Wort), am Übergang zwischen (lateinisches Wort) und (lateinisches Wort), dann guckt einen jeder mitleidig an. Da hat der Fachmann gesprochen, also stimmt das. Nur bei der Psyche hält sich jeder für einen Spezialisten und hat gute Ratschläge parat, auch wenn er null darüber weiß, wie die Psyche funktioniert und was sie krank macht.


    Zitat

    Ich meinte eigentlich Fälle, bei denen am Ende eine Diagnose steht, die als "chronisch" gilt. Unheilbare Depression oder Borderline oder so etwas. Wo damit zu rechnen ist, dass der Patient, egal, wie gewillt er ist, sein Leiden mehr oder weniger behalten wird. - Beispielsweise gibt es Depressive, die sich TMS oder Elektroschocktherapie "antun", weil nichts anderes hilft. In so eine Richtung hatte ich gedacht.
    Nochmal auf den Punkt gebracht: Glaubst du eher, dass diese Personen dann doch nicht bereit sind, an sich zu arbeiten, irgendwo tief drinnen? Oder, dass es Patienten gibt, die etwas einfach nicht verarbeiten können, egal, wie sehr sie wollen bzw. bei denen sich der Zustand trotz aller Bemühungen einfach nicht verbessert.


    Natürlich gibt es sehr schwere psychische Störungen, wie es sehr schwere körperliche Erkrankungen gibt. Ich habe mich nur auf die "klassischen" Psychotherapiepatienten bezogen. Die Patienten mit den schweren Störungen kommen in der Regel nicht zu uns, und diese Frage müsste dann ein Psychiater beantworten.

  • Zitat

    Original von JASS
    Und zum Schluss wieder etwas persönlicher: Gibt/gab es für dich so genannte "nicht therapierbare (oder heilbare) Fälle"? Bisher klingt es in allen Postings so, als könnte man jedem Menschen, der Hilfe will, auch helfen. (Sprich: Es kann keine dauerhaft leidenden Personen geben, die nichts daran ändern könnten, wenn sie wollten)


    Einmal falsches Knöpfchen gedrückt und schon ist alles wieder weg ... Aber noch mal:
    Ich habe über diese Frage diese Woche noch mal nachgedacht und wollte noch mal die Untersuchung der Uni Leipzig zitieren, was Therapieerfolg betrifft.
    Gerade bei Suizidalität sieht es zum Glück sehr gut aus, auch bei Depressionen, Ängsten und manchen Suchtformen.
    Bei Magersucht ebenfalls (86% gebessert, 12% nicht oder im Gegenteil), bei Übergewicht dagegen sieht es eher nicht berauschend aus (37% gebessert, 64% Prozent nicht oder im Gegenteil). Letzteres deutet für mich (ebenso wie die Tatsache, dass Diäten nur in 3% der Fälle erfolgreich verlaufen) darauf hin, dass wir ebenso wie die Ärzte in diesem Bereich noch ziemlich im Dunkeln tappen.


    Und noch was anderes aus meiner persönlichen Erfahrung: Schwierig mit dem Therapieerfolg ist es auch mit Patienten, die das Verstandenwerden gern mitnehmen, die aber jedesmal einen leeren Gesichtsausdruck bekommen, wenn ich ihnen (und ihr könnt euch drauf verlassen, dass ich das in verständlicher Form tue) erkläre, wie was bei ihnen funktioniert. Und die das einfach nicht interessiert. Lass die Alte schwätzen, denken sie dann offenbar, ich klink mich wieder ein, wenn ich weiter über die Welt schimpfen darf. Wer so wenig Neugier darauf hat, wie die Welt funktioniert, wie andere funktioneren, wie man selbst funktioniert - dem kann ich oft auch nur schwer helfen.