Dave Cousins: Fünfzehn kopflose Tage [13 bis 16 Jahre]

  • Dave Cousins: Fünfzehn kopflose Tage
    Verlag: Freies Geistesleben 2015. 288 Seiten
    978-3772527784. 17,90€
    Vom Verlag empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre
    Originaltitel: 15 Days Without a Head
    Übersetzerin: Anne Brauner



    Verlagstext
    Wie weit kann man gehen, um die eigene Familie zusammenzuhalten? Laurence, 15 Jahre alt, geht jedenfalls ziemlich weit und manövriert sich dabei in eine Reihe grotesk-komischer Situationen – nicht zuletzt, weil sein kleiner Bruder fest davon überzeugt ist, ein bissiger Hund zu sein … Laurence Roach wünscht sich eigentlich nur ein normales Leben, doch das ist schwer, wenn die Mutter eine depressive Alkoholikerin ist. Als sie eines Abends nicht mehr nach Hause kommt, erzählt er niemandem davon – aus Angst, er und sein Bruder Jay müssten sonst in Pflegefamilien. Er täuscht vor, seine Mutter sei noch da, zieht sich ihre Kleider an und verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen. Abend für Abend schleicht er zudem in die Telefonzelle und gibt sich in der Live-Sendung des lokalen Radiosenders für seinen verstorbenen Vater aus, um seinen geheimen Traum zu verwirklichen. Nach zwei Wochen, in denen sich die beiden Brüder mit einem Minimum an Geld und Essen durchschlagen, entdeckt Laurence endlich eine Spur von seiner Mutter. Aber jetzt fangen die Schwierigkeiten erst richtig an …


    Der Autor
    Dave Cousins ist in Birmingham in einem Haus voller Bücher und Alben aufgewachsen. Nachdem er sich von seinem Kindheitstraum, Astronaut zu werden, verabschiedet hatte, studierte er Kunst in Bradford, spielte in einer Band und zog später nach London. In den zehn darauffolgenden Jahren war er auf Tournee, nahm Platten auf und wurde beinahe berühmt. Seine Schriftstellerkarriere begann, als er sich mit zehn Jahren an einem Drehbuch versuchte. Seitdem schreibt er Songs, Gedichte und Geschichten. Tagsüber arbeitet er in einer Designagentur, abends oder in den Mittagspausen schreibt er.


    Inhalt
    Der Mutter von Laurence und Jay ist alles zu viel geworden, sie ist verschwunden und hat ihre Kinder allein zurückgelassen. Seit dem Tod ihres Mannes leidet sie an Depressionen und hat begonnen zu trinken. Für die Kinder war die Situation zu Hause am schlimmsten, wenn kein Geld da war und die Mutter keinen Alkohol kaufen konnte. Laurence musste sogar schon morgens vor der Schule auf der Putzstelle der Mutter für sie einspringen, wenn sie nicht aus dem Bett kam. Laurence erzählt in Ichform, wie er aus Angst vor dem Jugendamt 15 Tage lang versuchte, seinen sechsjährigen Bruder zu betreuen, damit nur niemandem auffällt, dass die Kinder sich selbst überlassen sind. Zusätzlich zu der Belastung, vor Jay und der Außenwelt die Fassade zu bewahren, verfolgt der Fünfzehnjährige die bizarre Idee, bei einem Radioquiz in mehreren Runden eine All-Inclusive-Reise zu gewinnen und seine Mutter damit zur Rückkehr zu bewegen. Bisher wissen jedoch weder Laurence noch die beiden Arbeitgeber der Mutter, wo sie ist.


    Die Probleme der Jungen bleiben nicht lange unentdeckt, einem von Laurence Lehrern fällt auf, dass der Junge immer müde ist; und ein Blick auf seine Schuluniform wird mit Sicherheit verraten, dass in der Familie schon länger keine Wäsche mehr gewaschen wurde. Doch Laurence Angst vor der Sozialarbeiterin mit dem Klemmbrett macht es ihm unmöglich, Erwachsenen zu trauen und ihre Hilfe anzunehmen. Ein Lichtblick in seiner Situation ist die Begegnung in der Schulbibliothek mit Mina, die einen klaren Standpunkt vertritt: die Mutter der Jungen ist krank und kann ihren Alltag nicht mehr bewältigen. Mit Minas Hilfe nimmt Laurence die Spur seiner Mutter auf. Gleich mehrere Fragen sorgen für Spannung: Was ist inzwischen mit der Mutter passiert? Wird Laurence die erträumte Reise gewinnen? Kann er die aufmerksame Nachbarin abwimmeln, die darauf dringt, endlich selbst mit seiner Mutter zu sprechen? Wie wird sich seine Beziehung zu Mina entwickeln?


    Fazit
    Dave Cousins schildert in Form einer spannenden Abenteuergeschichte die klassische Situation einer Familie, die in einer Notsituation aus Angst vor dem Jugendamt mit allen Kräften versucht, die Fassade zu wahren. Die Depression der Mutter ist Auslöser des Konflikts, spielt während Laurences Abenteuer jedoch eher eine Nebenrolle. Durch Mina erfährt Laurence die Unterstützung einer Gleichaltrigen, eine wichtige Erfahrung für einen Jugendlichen, der von Erwachsenen noch keine Hilfe annehmen kann.


    7 von 10 Punkten