Bachmann-Preis 2015

  • Der Bachmannpreis ist wieder in Gange. Heute lasen die ersten Autoren und Autorinnen.


    Leider konnte ich den ersten Tag nicht live verfolgen, da ich arbeiten musste, aber man kann Portraits, Lesungen und Jurydiskussionen im Internet noch ansehen.


    Den ersten Text, den ich gesehen habe, war der von Valerie Fritsch und der hatte schon mal gute Ansätze.
    Von der Jury wurde der Text überwiegend positiv aufgenommen.


    Das Portrait war übrigens auch ganz ungewöhnlich!


    Über die Autorin:
    Valerie Fritsch, 1989 in Graz geboren, wuchs in Graz und Kärnten auf. Nach ihrer Reifeprüfung 2007 absolvierte sie ein Studium an der Akademie für angewandte Photographie und arbeitet seither als Photokünstlerin. Sie ist Mitglied des Grazer Autorenkollektivs plattform. Publikationen in Literaturmagazinen und Anthologien sowie im Rundfunk. 2011 erschien ihr Debütroman Die VerkörperungEN bei Leykam. Sie lebt in Graz und Wien. Winters Garten ist ihr erster Roman im Suhrkamp Verlag.

  • Saskia Hennig von Lange las einen Text mit Titel Hierbleiben
    Auch dieser Text hat erkennbar Qualität.
    Außerdem liest Saskia Hennig von Lange ausgezeichnet.


    Die Jury war anfangs teilweise sehr kritisch, doch dann entwickelte sich die Diskussion kontrovers.


    Spontan habe ich mir einen älteren Roman der Autorin bestellt.




    Über die Autorin:
    SASKIA HENNIG VON LANGE, geboren 1976, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt. Sie studierte Angewandte Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte und forscht und arbeitet an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Für ihr Debüt »Alles, was draußen ist« erhielt sie 2013 den Wortspiele Literaturpreis und den Rauriser Literaturpreis 2014

    http://www.saskiahennigvonlange.de/

  • Nora Gomringer las schon gestern. Ihr Text heißt «Recherche»,.


    Ich hatte die Autorin diese Jahr auf dem Lyrikfestival Poetry-on-the-road gesehen und war daher entsprechend gespannt auf ihre Prosa.


    Zu Handlung: In einem Haus gab es eine Tragödie. Was passierte mit dem 13jährigen Tobias? Die Autorin Nora Bossong versucht zu recherchieren und befragt mehrere der Einwohner.
    Das gibt Gelegenheit zu Perspektivwechseln beim Erzählen, was Gomringer geschickt nutzt. Innere Gedankengänge und äußere Dialoge werden kombiniert
    Die Art ihres Vortrags prägt den Text mit. Der Text hat Rhythmus und ist alles andere als langweilig.
    Ich denke, Nora Gomringer hat eine gute Chance auf einen der Preise.



    Über die Autorin:
    Nora Gomringer, geboren 1980 in Neunkirchen, studierte Germanistik und Anglistik und ist Autorin und Spoken-Word-Poetin. Sie hat bereits mehrere Lyrikbände und Audio-CDs veröffentlicht.

  • Ich habe jetzt auch angefangen mir zeitversetzt die Lesungen anzuschauen und habe mich dabei an der Reihenfolge von Herrn Palomar orientiert.


    Zunächst zum Ambiente: kommt mir alles sehr minimalistisch und klein vor. In den 90ern gab es noch doppelt so viele Jury-Mitglieder und alles wirkte viel größer und farbenfroher.


    Valerie Fritsch tue ich vielleicht Unrecht: mein erster Text und ich muss erst einmal in einen literarischen Groove kommen und dieser Text schafft das nicht so ganz. Eher beschränkt in seinem Ansatz (da stimme ich Hubert Winkels zu), ja, einfühlsam geschrieben, aber auch zu berechnend in der Themenwahl: ein einfühlsamer Mensch über einen behinderten Mensch, das kommt dem Klischee eines erfolgreichen Bachmannpreistext etwas zu sehr. Aus meiner Sicht fällt auch dieses Mal eine Jury darauf hinein.


    Den Beitrag von Saskia Hennig von Lange fand ich da schon wesentlich besser. Sehr viel Bewegung, Körperwahrnehmung und Selbstreflexion. Eine interessante Erzählperspektive. Ingesamt ging der Text mehr Risiken ein, ob das Experiment vollständig gelungen ist, darüber lässt sich streiten, aber immerhin hat der Text etwas versucht.


    Und wie immer sind die Meinungen von Frau Feßmann und mir konsequent diametral entgegengesetzt.

  • Jürg Halter las heute als erster Autor.


    Der leicht melancholische Text ist nicht einfach zu konsumieren.
    Einige Momente lassen aufhorchen, doch schnell ist man von der monotonen Vortragsweise wieder eingelullt.



    Über den Autor:
    Jürg Halter, geb. 1980 in Bern; Studium an der Hochschule der Künste Bern. Dichter und Performer. Neben Gedichten schreibt Halter auch Essays und Kolumnen. Unter dem Namen Kutti MC ist er als Rapper bekannt. Halter hatte zahlreiche Auftritte an Literaturfestivals in Europa, Russland, den U.S.A. und Afrika. Veröffentlichungen (Auswahl): »Ich habe die Welt berührt«, Gedichte (Ammann Verlag, 2005), »Nichts, das mich hält«, Gedichte (Ammann Verlag, 2008), »Sprechendes Wasser«, Kettengedicht mit Shuntaro Tanikawa (Secession Verlag für Literatur, 2012). Halter lebt in Bern. www.juerghalter.com

  • Anna Baar las einen Ausschnitt aus ihrem nächsten Monat erscheinenden Roman Die Farbe des Granatapfels.


    Der vorgetragene Text enthüllt interessante Potenziale.
    Ich hätte schon Lust, den ganzen Roman zu lesen.



    Über die Autorin:
    Anna Baar ist 1973 in Zagreb geboren, sie lebt in Klagenfurt und liest auf Einladung von Stefan Gmünder.
    Kindheit und Jugend verbrachte sie in Wien, Kärnten und auf der Insel Bra
    . Studierte u.a. Publizistik, Slawistik und Theaterwissenschaften in Wien und Klagenfurt. Seitdem freiberufliche Arbeit für Auftraggeber aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst.


    Kurzbeschreibung des Romans:
    Sommer für Sommer findet ein Mädchen sich fernab seiner österreichischen Heimat auf einer dalmatinischen Insel in der Obhut der Großmutter, nur einen Steinwurf vom Meer entfernt unter dem Blätterdach der Mandelbäume im Lärm der Zikaden. Es hat etwas Paradiesisches und ist zugleich doch auch das Andere, Fremde. Hier die archaische Inselwelt eines Fischerdorfs im Mutter- und Großmutterland, wo man Marschall Tito und seinen Partisanen huldigt und den Sieg über die Deutschen feiert, während die abermals über das Land kommen, diesmal willkommen - als zahlende Touristen. Dort das bürgerliche, behütete Leben in einer österreichischen Provinzhauptstadt (Vaterland), in der sich der nationalsozialistische Bodensatz lange hartnäckig hält und Jugoslawen hauptsächlich als Gastarbeiter in Erscheinung treten. In diesem Roman geht es um Identitätsfindung, Entfremdung, um das Heranwachsen zwischen zwei Kulturen und Kindheitsschauplätzen, nämlich der archaischen Inselwelt in Kroatien und der österreichischen Welt. Es geht auch um die geschlechtliche Identität, um die Widersprüchlichkeit der Erwartungen, Anforderungen und Zumutungen und um die Zugehörigkeit zu Muttersprache und Vatersprache und um die Großmuttersprache.

  • Bis 15.00 Uhr kann man beim Publikumspreis abstimmen:


    Edit: fehlerhaften Link entfernt!


    Hier kann man auch den besten Juror wählen:


    Jurorabstimmung


    Zur Auswahl stehen die sieben Jurorinnen und Juroren des Bachmannpreis‘ 2015: Meike Feßmann, Stefan Gmünder, Klaus Kastberger, Sandra Kegel, Hildegard Elisabeth Keller, Juri Steiner und Hubert Winkels


    Ich tendiere zur Zeit zu Hildegard Keller, da einige ihrer Anmerkungen mir bei den Texten hilfreich einleuchteten. Aber erst einmal den ganzen Bewerb abwarten.[

  • Teresa Präauer las einen affigen Text, der von der Jury sehr positiv aufgenommen wurde. Jetzt gibt es schon mehr gute Texte als Preise.


    Über die Autorin:
    Teresa Präauer, geb. 1979, lebt in Wien, schreibt und zeichnet. Sie hat in Berlin, Salzburg und Wien Germanistik und Malerei studiert. 2012 erhielt sie den aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosadebüt, ihren Roman »Für den Herrscher aus Übersee« (2012).

  • Auch der letzte Text scheint Chancen auf den Bachmannpreis zu haben.


    Dana Grigorcea las einen Romanauszug.
    Der Roman erscheint am 19. August 2015.



    Über die Autorin:
    DANA GRIGORCEA, geboren 1979 in Bukarest, studierte Deutsche und Niederländische Philologie in Bukarest und Brüssel. Ihr erster Roman Baba Rada. Das Leben ist vergänglich wie die Kopfhaare erschien 2011 im KaMeRu Verlag und wurde mit der Schweizer Literaturperle 2011 ausgezeichnet. Grigor- cea wurde mit Werkbeiträgen von Stadt und Kanton Zürich bedacht. Nach Jahren in Deutschland und Österreich lebt sie mit Mann und Kindern in Zürich.


    Kurzbeschreibung des Romans:
    Lustvoll überschäumende Erzählkunst. Eine Bank wird überfallen und in der Folge die Angestellte Victoria vom Dienst beurlaubt, um ihr traumatisches Erlebnis zu verarbeiten. Eben erst in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, nutzt sie die Zeit, um das Bukarest ihrer Kindheit, aber auch der Gegenwart zu erkunden. Sie begegnet der alten Näherin auf ihrem Podest, dem Bankräuber, ihrem ehemaligen Liebhaber und dem Sohn der ermordeten Nachbarn wieder, während sie im heißesten Sommer seit Jahren im Cabrio durch die Stadt fährt mit ihrem gegenwärtigen Freund, der ihr einen Heiratsantrag macht.