Beiträge von Googol

    Das ist die falsche Shortlist. Das ist die Booker Shortlist vom letzten Jahr (nicht international, sondern englischsprachig). Douglas Stuart hat gewonnen.

    Für den International Booker 2021 sieht die Shortlist wie folgt aus:


    At Night All Blood is Black by David Diop, translated from French by Anna Moschovakis, Pushkin Press

    The Dangers of Smoking in Bed by Mariana Enríquez, translated from Spanish by Megan McDowell, Granta Books

    When We Cease to Understand the World by Benjamín Labatut, translated from Spanish by Adrian Nathan West, Pushkin Press

    The Employees by Olga Ravn, translated from Danish by Martin Aitken, Lolli Editions

    In Memory of Memory by Maria Stepanova, translated from Russian by Sasha Dugdale, Fitzcarraldo Editions

    The War of the Poor by Éric Vuillard, translated from French by Mark Polizzotti, Pan Macmillan, Picador

    Ich vermute, es ist ein inszeniertes Interview mit einer inszenierten Expertin. Die Frage 2+2=4 ist rassistisch mit der entsprechenden Antwort ist Twitter-Niveau. Aber ich kann das natürlich nur vermuten.

    Die Masche von Fox News (und ähnlichen Medien) ist relativ einfach durchschaubar. Als Linker wirst du dort vorgeführt wie ein untalentierter Nerd im Stimmbruch bei DSDS. Natürlich haben die Redakteure in erster Linie das "Krawallpotential" gesehen. Wie ich früher in diesem Thread schon schrieb: das war alles in liberalen Medien in den USA anscheinend überhaupt kein Thema. Fox News hat da Zündstoff gesehen und das Thema aufgebauscht.

    Ändert aber nichts daran, dass ich das Konzept wie bereits angemerkt problematisch finde. Zudem - und das ist zugeben vielleicht eine persönliche Interpretation von mir - glaube ich, dass sich auf der linken Seite dieser Debatte schon ein aktivistischer Cluster gebildet hat, der diese radikale Position eingenommen hat, vollkommen synchron in ihren Ansichten ist und entsprechend als Einheit auftritt. Man hätte einen beliebigen anderen Aktivisten aus dieser Gruppe in diese Fox News Sendung schicken können und sie hätten dasselbe gesagt.

    Wenn Du Dich tiefer einlesen würdest, würdest Du wahrscheinlich etwas in der Art vorfinden.

    Jetzt werd' nicht frech ;) Ich habe mir tatsächlich nicht alles, aber vieles, teilweise auch im Detail durchgelesen.

    Die Basis des Konzeptes ist eine Bewertung des aktuellen Lehrrahmenwerks "California Standards for the Teaching Profession", das aus fünf Schritten besteht (wie man Schüler einbezieht, wie man Lehrmaterial strukturiert usw.).


    Die Bewertung startet mit der These, dass "White Supremacy Culture" in allen diesen Schritten sichtbar ist und gibt Beispiele, wodurch sich das manifestiert. Das sind dann insgesamt 19 Einzelpunkte. Die meisten dieser Punkte würden isoliert, außerhalb dieses Kontextes, vielleicht auch Sinn ergeben, auch wenn sie halt sehr auf antiautoritäre, wenig auf Leistung orientierte, Methoden setzt. Die Intention, die tatsächlich auch hier sichtbar ist, benachteiligte Kinder abzuholen und zu fördern, ist eine gute Intention. Auch dass Lehrer darüber reflektieren, was sie besser machen können.


    Nun kommt der Haken an der Geschichte: jeder dieser Punkte wird rassistisch belegt bzw. mit der Kultur der weißen Überlegenheit verknüpft. Das ist dann erst einmal ein inhaltlicher Spagat. Wie bekomme ich jetzt diese Ideen damit verknüpft?

    Ziel dieses Konzeptes ist, dass sich die Lehrer sich des aktuellen Rassismus in der Lehre erst einmal bewusst werden und es sich eingestehen, um dann explizit sich dann in antirassistische Lehrer zu verwandeln. Ich wage zu behaupten, dass das keine intelligente Strategie ist, um Leute ins Boot zu holen. Nicht nur in diesem Kontext, in all diesen Kontexten. Behaupteter Rassismus erzeugt erst einmal Gegenwehr. Vor allem auf dieser Detailebene (ich habe bei dieser Frage Kind X aufgerufen und nach dem Ergebnis gefragt und das war rassistisch? Dass ich mündliche Partizipation oder korrekte Resultate oder zumindest einen korrekten Lösungsweg beurteilt habe macht mich rassistisch).

    Wenn man von dieser Grundbehauptung absehen könnte, dann steckt in diesem Framework sehr viel drin, was Unterricht kreativer und inklusiver macht, aber wie viele Lehrer haben dieses Konzept nicht schon viel früher aufgegeben, weil sie nicht über diese initiale Hürde gekommen sind.

    Und jetzt stell dir vor, wenn dann eben Fox News so etwas instrumentalisiert - und genau deshalb muss man sich natürlich anmaßen können eine wissenschaftliche Arbeit bewerten zu können, weil sie ist nun einmal in der Welt und wird von Menschen aller möglichen politischen Richtung bewertet - da wird dann eine Wissenschaftlerin eingeladen, die hinter diesem Konzept steht: Dr. Anne DeLessio-Parson.

    Fox-News-Mensch: Anne, was 2+2=4 ist jetzt rassistisch? Haha.

    Dr. DeLessio-Parson: Dr. Parson, bitte. Bob, hast du das Buch gelesen, das ich dir das letzte Mal empfohlen habe (Anmerkung: über die Geschichte des Rassismus in den USA).
    Fox-News-Mensch: ja, was hat das mit 2+2=4 zu tun? Haha. Hihi

    Dr. DeLessio-Parson: Bevor ich das erkläre, können wir uns darauf einigen, dass die Lehre in den USA von systemischen Rassismus geprägt ist...
    usw. usw.

    Wäre die Sendezeit nicht schon drei Minuten später beendet gewesen und hätte sie eine Stunde zum Ausformulieren ihrer Thesen bekommen, dann wäre sie sicherlich zum nachvollziehbareren Kern ihrer Thesen gekommen. So hat sie sich und das Konzept einfach nur lächerlich gemacht. Dass sie an anderer Stelle in einer anderen wissenschaftlichen Arbeit Fleischkonsum als rassistisch beschrieben hat hat ihre Position auch nicht gerade gestärkt.

    Wissenschaft beinhaltet auch Wissenschaftskommunikation.

    Ich weiß nicht, ob ich meinen eigenen politischen Standpunkt bisher klargemacht habe. Ich bin in wesentlichen viel näher an Dr. DeLessio-Parson als an den Positionen, die Fox News vertritt. Tatsächlich streite ich mich viel häufiger mit Leuten, die mir politischer näher sind, als mit Leuten mit komplett konträren Ansichten. Wieso sollte ich mich z.B. mit einem AFD-Fan streiten? Das wäre verlorene Zeit. Was mich aber auf die Palme bringt sind Extrempositionen und schlechte Kommunikation, die die von mir vertretene politische Position schwächen.


    So viel erst mal. Bitte sag mir nicht nochmal, dass mein Beitrag zur Diskussion fragwürdig und uninformiert ist. Danke :)

    Maarten


    Nur zwei Anmerkungen noch, dann ist auch gut, weil wir drehen uns im Kreis :)


    1. Das ist auch - und vor allem - in den USA ein Thema

    2. Es wird sicherlich auch instrumentalisiert, das aber vor allem weil der Inhalt dieses Konzeptes aus meiner Sicht himmelschreiender Unsinn ist (einfach Punkteliste und das Wording im Detail anschauen. Nochmal es ist u.a. rassistisch, dass man im Mathematikunterricht auf korrekte Ergebnisse wert legt) . Rechtskonservative Medien haben es daher einfach linksliberale Positionen generell zu diskreditieren (schaut mal, was die wieder für einen Blödsinn verzapfen).

    Ich finde Tom fasst die grundsätzliche Problematik eigentlich perfekt zusammen.


    Zur Geschichte der Mathematik: wie Breumel bereits anmerkte so war es bei mir auch. Mathematikunterricht war kein Geschichtsunterricht, sondern war neutral. Oder wirkte vielleicht neutral aus der privilegierten Perspektive. Selbst Formeln, die nach Mathematikern benannt wurden, hat man kaum personalisiert.

    Ich kann nur spekulieren, aber ich glaube man kann dieses "ethnomathematische" Framework aus Oregon nur verstehen aus den gesellschaftlichen Kontext in den USA heraus. Ich bezweifele, dass es hier wirklich so speziell um Mathematik geht, sondern wohl eher grundlegender wie man benachteiligte Gruppen stärker fördert, wie man Selbstbewusstsein etc. schafft. Da es ja auch um sehr spezielle Gruppen geht (mit vorwiegend schwarzen oder lateinamerikanischen Wurzeln) geht es da ja auch nicht wirklich darum mathematische Geschichtsverfälschung zu korrigieren. Ob da jetzt ein Grieche oder ein Araber etwas erfunden hat - egal, ich brauche für jeden Schüler personalisiert Bezugspersonen, die man mit der Gruppe, mit der man sich identifiziert, verknüpfen kann. Das wird auch möglich sein, nur verschiebt sich dann die Priorität dann irgendwann zu sehr weg vom eigentlichen Thema - den Kindern Mathematik beizubringen.

    Ich kann mich auch schwer so in entsprechende Minderheiten reindenken, um zu begreifen wieso so eine Bevormundung (korrekte Antworten sind nicht mehr so wichtig, keine Leistungsnachweise, Gruppen- statt Einzelarbeit) die Position stärken soll. Wirkt eher für mich wie: liebes Minderheiten-Mädchen, ich helfe dir jetzt, in dem ich dich erstmal für dumm halte.

    Meine naive Idee in dem Fall: parallel zum Mathematik-Unterricht guten Informatik-Unterricht, quasi als angewandte Mathematik. Da dann auch gerne mit einem geschichtlichen Anteil: den Leuten auch gerne Ada Lovelace, Katherine Johnson, Alan Turing etc. vorstellen...

    Maarten

    "Lediglich ein pädogisches Konzept" ist eine starke Untertreibung. Ja, ich weiß, dass es auch hierzulande pädogische Konzepte gibt, die vom Ansatz in eine ähnliche Richtung gehen, aber folgendes Beispiel:


    Lehrer fragt: Was ist 2+2?

    Timmi: 5


    Wenn jetzt ein Lehrer nach diesem Konzept Timmi mitteilt, dass das nicht stimmt, missachtet er nicht nur ein pädogisches Konzept, sondern fördert die weiße rassische Überlegenheit. Er ist ein Rassist. Das ist ein Unterschied zu den aktuellen "Rand-Standards" in Deutschland.


    Und das war ja nur ein Ausschnitt aus diesem Framework. Nach dem Konzept ist es auch rassistisch keine Mathematiker aus den genannten Minderheiten (Schwarze, Latinx etc.) in den Mittelpunkt zu stellen. Also statt des Satz des Pythagoras, weil weißer Mann, dann eben... ja, ich weiß nicht genau was statt dessen. Nach Leistung zu beurteilen ist auch blöd - gut, erst einmal ein pädagogisches Konzept, das in die von dir genannte Richtung geht, aber es geht ja darüber hinaus, das Framework sagt nach Leistung zu beurteilen wäre rassistisch. Sich melden, vor der Gruppe zu antworten... alles rassistisch und motiviert aus einem System der "White Supremacy".


    Wenn nun konservative Medien das "grob falsch" auslegen und sagen, dass 2+2=4 nicht mehr gültig wäre, dann tun sie das deshalb weil die Leute, die dieses Konzept erarbeitet haben, eine solche extreme Steilvorlage geliefert haben. Und das war genau mein Punkt. Wenn man etwas so übertreibt wie in diesem Fall dann tut man der Sache keinen Gefallen. Man bittet fast darum ins lächerliche gezogen zu werden. Und das in den USA auch sehr stark geschehen (FOX News direkt mit Schaum vorm Mund) während liberale Medien das Thema kaum angesprochen, vermutlich aus Scham.

    Wir können uns alle darauf einigen, dass es eine gute Idee ist, Mathematik Minderheiten zugänglich zu machen, Mathematik für Mädchen attraktiver zu machen etc.


    Klingt doch schon ganz anders, oder?


    Ich habe mir mal ein Dokument von dieser Seite angesehen. Direkt das erste: Stride 1. Mit vollem Titel:


    "A Pathway to Equitable Math Instruction

    Dismantling Racism in Mathematics Instruction

    Exercises for educators to reflect on their own biases to transform their instructional practice"

    Das erste Kapitel hat den Untertitel: "Dismantling White Supremacy in Math classrooms".

    "We see white supremacy culture show up in the mathematics classroom even as we carry out our professional responsibilities outlined in the California Standards for the Teaching Profession (CSTP). Using CSTPas a framework, we see white supremacy culture in the mathematics classroom can show up when: "

    Ich bin auf Seite 6 und habe da schon x-mal "White Supremacy" gelesen. Und als Lehrer werde ich darum gebeten über meinen Rassismus zu reflektieren.


    Und jetzt kommt es, was ist das erste Beispiel für White Supremacy in der nachfolgenden Liste:


    "The focus is on getting the “right” answer"


    Das in Frage zu stellen ist ein kreativer Lehransatz für die Mathematik, ok. Aber das als Beispiel für die Auswüchse der weißen Überlegenheit? Hallo?

    Die folgenden Punkte machen teilweise Sinn, teilweise weniger, manchmal gleiten sie ins Groteske. Sorry. Da bin ich raus. Theoretisch mag das ne gute Idee sein, aber wie das vermittelt wird und was da in den Mittelpunkt gestellt wird ist absurd.


    Auch ein Bill Gates steckt sein Geld auch mal in Blödsinn.

    Im Grunde sind Dinge wie Code Reviews oder Anforderungsdefinition einfach Arbeitsprozessschritte. Die sind natürlich für sich einzeln nicht rassistisch, homophob oder was auch immer, sie können aber wie alle Arbeitsschritte in allen anderen Branchen auch zweckentfremdet werden, um jemanden zu mobben oder zu benachteiligen. Bei Code Reviews geht das ganz gut: ich überlade einzelne Entwickler mit Kommentaren, verweigere Approvals aus Nichtigkeiten, ich beleidige, tagge Vorgesetzte, dass sie das peinliche Arbeitszeugnis und die Kommentare sehen... Aber die Menschen sind da jeweils das Problem, nicht die Werkzeuge. Extrem-Aktivisten würden aber schon diese Werkzeuge als ein Problem definieren (wie rassistisch, homophob oder was auch immer, dass man es überhaupt einführt).

    Die "Math is racist" Diskussion habe ich anders als Maarten wahrgenommen. Das an schlechteren Prüfungsergebnissen festzumachen würde ja vielleicht sogar noch Sinn ergeben, aber das war noch um einige Ecken schwurbliger:

    Zitat

    "The concept of mathematics being purely objective is unequivocally false, and teaching it is even much less so," the document for the "Equitable Math" toolkit reads. "Upholding the idea that there are always right and wrong answers perpetuate objectivity as well as fear of open conflict."


    Es wird also die Objektivität von Mathematik in Frage gestellt und mit dieser These sind entsprechende Wissenschaftler vom konservativen Sender FOX durch den Kakao gezogen worden. 2+2=4 wäre rassistisch?


    Der Hintergrund dabei ist ja eigentlich auch, dass Mathematik natürlich objektiv ist, aber dass die Frage wie Mathematik angewendet wird nicht zwingend objektiv ist. Also gerade wie man mit Statistiken umgeht, speziell in den USA im Kontext von Rassenfragen, und dann kommt man schon eher zu tatsächlichen Problemfeldern...

    Hallo, Googol.

    Man muss natürlich auch ein wenig zwischen den Zeilen lesen können. ;)

    Diesen Aspekt verstehe ich nicht. Macht es eine Misshandlung besser oder schlechter, wenn sie in der Gegenwart geschieht oder "nur" in der Vergangenheit erfolgt ist? Sollen sich die Opfer kirchlich organisierter sexueller Gewalt nicht so haben, schließlich ist es ja vorbei?


    Ok sorry, wegen Punkt 1, bzgl. Vergangenheit vs. Gegenwart: das macht keinen Unterschied was das persönliche Trauma angeht, aber schon einen Unterschied wie man das aktuell gesellschaftlich einordnet, oder? Im Sinne von, geht es darum etwas aufzuarbeiten oder auch darum weiterhin aktuelle Missstände zu korrigieren. Wobei "kirchlich organisiert" natürlich unter aktuell fällt. Ich hatte eher den Eindruck beim Lesen deiner Ausführungen es ginge um explizit Dinge, die man früher für angemessen hielt, heute aber nicht mehr.

    Mal angenommen, ich wäre als Kind misshandelt worden.
    ...

    Vielleicht verdeutlicht dieses kleine Gedankenspiel meinen Standpunkt, was mich sehr freuen würde. Habt einen schönen Tag - und seid friedlich zueinander.

    Das ist zwar alles für mich nachvollziehbar, in der Praxis hat dieses Gedankenspiel nur zwei Schwächen, die einem um die Ohren fliegen würden, wenn man es anbringen würde, wenn man gerade mit tatsächlich Betroffenen sprechen würde.

    Hypothetisch vs. selbst erlebt

    Trauma aus Vergangenheit vs. Gegenwart

    Also z.B. im Gespräch mit einem Afroamerikaner, der sich über seine/ihre aktuellen rassistisch-motivierten Probleme in den USA identifiziert. Ich habe grundsätzlich erst einmal Sympathie und Verständnis für diese Standpunkte. Im Fall Rijneveld/Gorman finde ich das persönlich alles stark übertrieben und während ich früher in diesem Thread zu Richard Morgan und J.K. Rowling und dem Thema Transsexualität Stellung genommen habe, habe ich in der Zwischenzeit selbst etwas praktische Erfahrung gesammelt... Und zwar mit "Tech Twitter". Also Softwareentwicklern oder sonstigen Leuten aus der "Tech" Industrie, die sich auf Twitter austauschen und wo, wie ich festgestellt habe, Identitätspolitik auch extrem verankert ist. Es gibt große Probleme mit Rassismus und vor allem Sexismus in dieser Branche. Für mich ist das Hauptproblem weiterhin diese extreme Tendenz zur Übertreibung und zur Aufgeregtheit. Es ist mitunter unmöglich über praktische Probleme zu reden (Beispielsweise: Pipeline-Probleme: wie kann ich 50% Frauen einstellen, wenn sie nur 10% der Bewerber ausmachen etc.). Statt dessen ist jeder einzelne Aspekt der Arbeit eines Softwareentwicklers rassistisch: Code Reviews, ungenaue Anforderungen usw. Ich wurde als "White Supremacist" beschimpft, weil ich das mit Code Reviews (also einer Methode einer Art Peer Reviews) etwas relativieren wollte.

    Oder eben die neuste Idee aus den USA, dass Mathematik rassistisch wäre. Es gibt also eine Gruppe Aktivisten, die so maßlos übertreiben, dass sie die Arbeit von anderen, eigentlich gleichgesinnten Aktivisten, mit ins lächerliche ziehen.

    3 Übersetzer für 710 Wörter.


    Wow.


    Übertragen auf einen Roman wären das 300 biografisch ausgewählte Übersetzer für einen durchschnittlich langen Roman.


    Es handelt sich hier um ein gesellschaftlich/politisch bedeutendes Gedicht. Aber das ist ne Hausnummer...

    Gut gemeint, geht aber x Nummern zu weit. Das war ja Gormans Wahl (oder zumindest die ihres Teams) und ich denke man war froh so eine renommierte Autorin als Übersetzerin gewonnen zu haben.


    Ich fand Gormans Beitrag bei Bidens Amtseinführung stark. Beim Superbowl fand ich ihren Beitrag schon relativ flach. Aber egal. Das ist sprachlich und inhaltlich jetzt auch nicht so komplex, dass es einer nicht jungen schwarzen Slam-Poetin möglich ist eine gute Übersetzung hinzubekommen.


    Und der Quatsch skaliert doch überhaupt nicht. Wenn jetzt in jedem Land es ein solch aufwendiges Bewerbungsverfahrungen startet, dann dauert es Jahre und Jahrzehnte bis diese Übersetzungen erscheinen. Hat damit irgendjemand etwas gewonnen?


    Und selbst wenn die perfekten Übersetzerinnen gefunden werden. Seit wann schenkt man Übersetzern überhaupt Beachtung? Wenn es sich in diesem Fall ändert: sehr gut, aber gewöhnlich ist das ein Name im Kleingedruckten. Ruhm und Sichtbarkeit ist da eh nicht drin.

    Zu den vorangehenden Kommentaren. Es werden immer alle ein Buch lesen dürfen. Nur im worst case eben nur nicht Teil des Veröffentlichungsprozesses sein oder es rezipieren, es bewerten oder Teil einer Preisjury sein.

    Wir reden über 50 Minuten im deutschen TV, in dem über Literatur diskutiert wird. Da mag man nicht zu sehr draufhauen. Das ist ein Luxus. Was wäre die Alternative? 50 Minuten mehr Sendezeit für Horst Lichter? Trotz Kritikpunkten habe ich die Sendung also mit Gewinn gesehen.


    Von den vorgestellten Büchern fand ich zwei interessant, eines uninteressant und 1984 Zeit, die ich lieber einem aktuellen Buch gewidmet gesehen hätte. Die Diskussionsqualität war so ok. Es geht sicherlich besser.


    Diesen Sendungen wird ja gerne verkopfter Elitarismus vorgeworfen (ich denke Dieters Kritik geht tendenziell in diese Richtung), aber tatsächlich finde ich das Literarische Quartett sogar am wenigstens verkopft im Vergleich zu den Sendung mit einem ähnlichen Format (Literaturclub, Lesenswert Quartett, Buchzeit). Das meine ich nicht wirklich als Kompliment.

    Wie bereits angemerkt sind hier alle Kritiker hauptberuflich Schriftsteller. Das kann funktionieren, solche Gäste bereichern auch Kritikerrunden, aber wieso ausschließlich (und das ist seit einer ganzen Weile festes Prinzip dieser Runde mit manchmal auch nicht guten Beispielen. Schlink funktioniert für mich als Kritiker im TV zum Beispiel überhaupt nicht). Ich finde hauptberufliche Kritiker haben durchaus eine Existenzberechtigung ;)

    Wenn wir uns an die vorletzte Sendung erinnern: da hatten wir eine Profi-Tennisspielerin und eine Kabarettistin in der Runde, die beide mehr zufällig gerade ihre literarischen Debüts vorgelegt haben, aber vor allem publikumswirksam unverkopft daherkamen.

    Dazu kommt bei Thea Dorn noch dieses Bestreben irgendwie politisch, wenigstens subtil provozieren oder lenken zu wollen. Dorn und Zeh sehr kritisch bzgl. der Corona-Maßnahmen (Dorns Wahl von 1984 ja auch irgendwie weil es aus dieser Perspektive gerade so zeitgemäß erscheint, und auch zu Zehs Corpus Delicti und Fragen zu Corpus Delicti passt). Lewitscharoff mit ihrer Dresnder Rede. Und letztes Mal halt die rechtskonservative Kunstfigur Lisa Eckhart. Hatte die nicht auch noch Hoeullebecq als Buch mitgebracht?


    Also insgesamt interessant, aber auch sehr verkrampft. Literaturclub & Co finde ich aktuell wesentlich besser.

    :gruebel Wie viel kann er noch kaputt machen?

    Offenbar sehr viel, wie man jetzt gerade bei der Capitol-Stürmung und der abgebrochenen Stimmenauszählung sieht. Immerhin hat Trump jetzt die Unterstützung von Pence und McConnell verloren. Für Leute wie Ted Cruz gibt es sicherlich einen bestimmten Platz in der Hölle.

    Ich bin gerade ziemlich fassungslos wie viele Menschen aktuell ins Sauerland fahren obwohl darum gebeten wird nicht mehr dahin zu kommen. Was ist bloss mit den Menschen los?

    Wäre das jetzt nicht der richtige Moment Grenzen um Touristengebiete zu ziehen und die Leute einfach nicht mehr rauszulassen? Dann haben wir alle Deppen isoliert und sind in der Deppenbefreiten Zone sicherlich bald das Virus los.

    Burning von Lee Chang-Dong ist eine Verfilmung von Haruki Murakami Kurzgeschichte Scheunenabbrennen, die in seinem Kurzgeschichtenband „Der Elefant verschwindet“. Das war mein erster Murakami, etwas mehr als zwanzig Jahre her, entsprechend wenig hatte ich mich an diese Geschichte erinnert.


    25 Seiten. Der Film geht 145 Minuten. Was ist da passiert? Ganz einfach, eine kongeniale Umsetzung, die das Genre der Literaturverfilmung beinahe neu erfindet.


    Der Film deckt die wesentlichen Motive und Szenen der Kurzgeschichte ab: Mann/Erzähler ist mit einer Frau befreundet (in der Geschichte platonisch, im Film mit romantischer Komponente). Sie arbeitet als Model, dann reist sie nach Afrika und als sie wiederkommt (und sich vom Erzähler vom Flughafen abholen lässt) hat sie einen Mann im Schlepptau, den sie auf der Reise kennengelernt hat. Der Mann entpuppt sich als eine Art Gatsby-Figur. Reich, charismatisch. Sie sind von nun ein Paar. Und irgendwann später laden die beiden sich spontan nachhause zum Erzähler ein. Als die beiden Männer alleine sind, erzählt der Freund der Frau, dass er gerne, so als Hobby Scheunen abbrennen würde (im Film werden daraus Gewächshäuser), einfach so. Tatsächlich hat er sein nächstes Objekt schon ausgesucht. Es wäre ganz in der Nähe. Es brennt aber keine Scheune in der Nähe nieder. Die Frau verschwindet spurlos.

    Was macht Lee Chang-Dong nun mit diesem Stoff? Zunächst einmal verlegt er in die Handlung von Japan nach Südkorea. Die Frau und ihr neuer Freund sind sehr nah am Originalstoff, die Hauptfigur ist aber nun jünger und unverheiratet. Überhaupt legt Chang-Dong eine psychologische Schicht über diese Figuren. In der Kurzgeschichte ist alles nur abstrakt und angedeutet, im Film haben die Figuren eine zusätzliche Tiefe. Es geht um Verlust und Neid. Die Hauptfigur leidet unter dem Verlust seiner Freundin. Die soziale Kluft wird hier noch spürbarer. Die Interaktion zwischen den beiden Männern ist extrem ambivalent und spannend.

    Chang-Dong fügt auch eigene Metaphern hinzu, die vor allem durch die Frau symbolisiert werden. Ihre Reise nach Afrika hat sie sehr beeinflusst. Sie spricht vom kleinen Hunger und vom großen Hunger und führt Hungertänze auf. So wie in einer Schlüsselszene während des Besuchs des Paares bei der Hauptfigur, als im Morgengrauen die Frau nackt zu den Klängen von Generique von Miles Davis einen Tanz vorführt. Der Filmmusik zu Fahrstuhl zum Schafott von Louis Malle. Da fragt man sich, ob das auch ein gewolltes Zitat ist. Wie Malles Meisterwerk der Nouvelle Vague ist Burning im Kern ein psychologischer Thriller, nur eben subtil und leise erzählt (wobei Burning noch einmal mehrere Spuren leiser und subtiler ist).

    In der Handlungsführung und der Auflösung (die hier nicht verraten sein soll) füllt der Film die Lücken der Kurzgeschichte.


    Apropos Miles Davis: da kommen wir zu einer weiteren Schicht, die Chang-Dong dem Stoff hinzugefügt hat. Der Murakami-Fan-Schicht. Jazz-Musik: Die Musik von Miles Davis kam auch schon in der Kurzgeschichte vor (aber ein anderes Stück). Aber komplett neu im Film: Eine Katze spielt eine entscheidende Rolle, mysteriöse Telefonanrufe, man lädt sich zum Pasta-Essen ein, literarische Referenzen (Fitzgerald, Faulkner) und ein Schriftsteller als Hauptfigur. Alles typische Murakami-Elemente. Da war ein Fan am Werk.


    Zu den schauspielerischen Leistungen. Jeon Jong-Soo (die Frau) in ihrer ersten Filmrolle überhaupt (und dann durfte sie mit dem Film direkt nach Cannes). Yoo Ah-in, der junge Schriftsteller: die Passivität und die Verletztheit kann schon anstrengend sein (erwartet nicht zu viele verschiedene Gesichtsausdrücke). Und Steven Yeun in der Rolle des reichen, Porsche-fahrenden neuen Freundes der Frau. Eine sehr gute Casting-Entscheidung. Yeun ist koreanisch-Amerikaner, den man eher aus Hollywood-Produktionen kennt, und diese Internationalität macht ihn dadurch noch einmal spürbar fremder aus der Perspektive der beiden anderen, unterprivilegierten Figuren. Und ganz abgesehen davon spielt er die Rolle auch einfach verdammt gut.


    Ein unheimlich komplexer Film. Mein Film des Jahres 2020.

    (in Amazon Prime enthalten)

    ASIN/ISBN: B07SJY4XBH

    Ein neuer Film von Clint Eastwood über Richard Jewell, einen Security Guard, der nach dem Bombenanschlag im Olympiapark von Atlanta 1996 zuerst kurz als Held gefeiert wird bevor dann die lokalen Medien und das FBI ihn als Täter darstellen. Hauptdarsteller Paul Walter Hauser sehe ich hier zum ersten Mal - sehr starke Performance. Sam Rockwell gewohnt gut als Jewells unkonventioneller und lauter Anwalt. Der Film geht 130 Minuten, ist aber keine Sekunde davon langweilig.


    Irgendwie überraschend, dass dieser Stoff so lange unverfilmt blieb.


    ASIN/ISBN: B0858SSY21

    Der dritte Teil aus dem "Little Brother"-Zyklus, aber Standalone. Die ersten Seiten lesen sich schon mal gut.


    Nerdiger Techno-Thriller über eine Art Doppelagentin, die einer osteuropäischen Post-Sowjet Diktatur gleichzeitig Geschäfte mit dem dortigen Innenministerium macht und mit einer revolutionären Gruppe, die vom Innenministerium überwacht wird... Starke Cyberpunk-Vibes, aber in der Gegenwart spielend.



    ASIN/ISBN: 1838939970

    "Happiest Season": ein Weihnachtsfilm mit Kristen Stewart und Mackenzie Davis. Abby (Stewart) und Harper (Davis) sind ein Paar und kurzentschlossen lädt Harper Abby zu Weihnachten zu ihrer Familie ein. Sie sind fast dort angekommen, als Harper Abby verrät, dass ihre Familie nichts davon weiß, dass sie lesbisch ist (sie hatte Abby von ihrem vermeintlichen Coming Out erzählt). Statt dessen hat sie Abby als ihre Mitbewohnerin angekündigt, deren Eltern gerade verstorben sind...


    Der Film ist größtenteils gut geschrieben und ist bin in die Nebenfiguren gut besetzt. Gegen Ende hin wird die Auflösung dann vielleicht etwas zu "Weihnachtsfilm"-mäßig, Happiest Season ist aber trotzdem ein sehr unterhaltsamer Film.