Beiträge von Googol

    :gruebel Wie viel kann er noch kaputt machen?

    Offenbar sehr viel, wie man jetzt gerade bei der Capitol-Stürmung und der abgebrochenen Stimmenauszählung sieht. Immerhin hat Trump jetzt die Unterstützung von Pence und McConnell verloren. Für Leute wie Ted Cruz gibt es sicherlich einen bestimmten Platz in der Hölle.

    Ich bin gerade ziemlich fassungslos wie viele Menschen aktuell ins Sauerland fahren obwohl darum gebeten wird nicht mehr dahin zu kommen. Was ist bloss mit den Menschen los?

    Wäre das jetzt nicht der richtige Moment Grenzen um Touristengebiete zu ziehen und die Leute einfach nicht mehr rauszulassen? Dann haben wir alle Deppen isoliert und sind in der Deppenbefreiten Zone sicherlich bald das Virus los.

    Burning von Lee Chang-Dong ist eine Verfilmung von Haruki Murakami Kurzgeschichte Scheunenabbrennen, die in seinem Kurzgeschichtenband „Der Elefant verschwindet“. Das war mein erster Murakami, etwas mehr als zwanzig Jahre her, entsprechend wenig hatte ich mich an diese Geschichte erinnert.


    25 Seiten. Der Film geht 145 Minuten. Was ist da passiert? Ganz einfach, eine kongeniale Umsetzung, die das Genre der Literaturverfilmung beinahe neu erfindet.


    Der Film deckt die wesentlichen Motive und Szenen der Kurzgeschichte ab: Mann/Erzähler ist mit einer Frau befreundet (in der Geschichte platonisch, im Film mit romantischer Komponente). Sie arbeitet als Model, dann reist sie nach Afrika und als sie wiederkommt (und sich vom Erzähler vom Flughafen abholen lässt) hat sie einen Mann im Schlepptau, den sie auf der Reise kennengelernt hat. Der Mann entpuppt sich als eine Art Gatsby-Figur. Reich, charismatisch. Sie sind von nun ein Paar. Und irgendwann später laden die beiden sich spontan nachhause zum Erzähler ein. Als die beiden Männer alleine sind, erzählt der Freund der Frau, dass er gerne, so als Hobby Scheunen abbrennen würde (im Film werden daraus Gewächshäuser), einfach so. Tatsächlich hat er sein nächstes Objekt schon ausgesucht. Es wäre ganz in der Nähe. Es brennt aber keine Scheune in der Nähe nieder. Die Frau verschwindet spurlos.

    Was macht Lee Chang-Dong nun mit diesem Stoff? Zunächst einmal verlegt er in die Handlung von Japan nach Südkorea. Die Frau und ihr neuer Freund sind sehr nah am Originalstoff, die Hauptfigur ist aber nun jünger und unverheiratet. Überhaupt legt Chang-Dong eine psychologische Schicht über diese Figuren. In der Kurzgeschichte ist alles nur abstrakt und angedeutet, im Film haben die Figuren eine zusätzliche Tiefe. Es geht um Verlust und Neid. Die Hauptfigur leidet unter dem Verlust seiner Freundin. Die soziale Kluft wird hier noch spürbarer. Die Interaktion zwischen den beiden Männern ist extrem ambivalent und spannend.

    Chang-Dong fügt auch eigene Metaphern hinzu, die vor allem durch die Frau symbolisiert werden. Ihre Reise nach Afrika hat sie sehr beeinflusst. Sie spricht vom kleinen Hunger und vom großen Hunger und führt Hungertänze auf. So wie in einer Schlüsselszene während des Besuchs des Paares bei der Hauptfigur, als im Morgengrauen die Frau nackt zu den Klängen von Generique von Miles Davis einen Tanz vorführt. Der Filmmusik zu Fahrstuhl zum Schafott von Louis Malle. Da fragt man sich, ob das auch ein gewolltes Zitat ist. Wie Malles Meisterwerk der Nouvelle Vague ist Burning im Kern ein psychologischer Thriller, nur eben subtil und leise erzählt (wobei Burning noch einmal mehrere Spuren leiser und subtiler ist).

    In der Handlungsführung und der Auflösung (die hier nicht verraten sein soll) füllt der Film die Lücken der Kurzgeschichte.


    Apropos Miles Davis: da kommen wir zu einer weiteren Schicht, die Chang-Dong dem Stoff hinzugefügt hat. Der Murakami-Fan-Schicht. Jazz-Musik: Die Musik von Miles Davis kam auch schon in der Kurzgeschichte vor (aber ein anderes Stück). Aber komplett neu im Film: Eine Katze spielt eine entscheidende Rolle, mysteriöse Telefonanrufe, man lädt sich zum Pasta-Essen ein, literarische Referenzen (Fitzgerald, Faulkner) und ein Schriftsteller als Hauptfigur. Alles typische Murakami-Elemente. Da war ein Fan am Werk.


    Zu den schauspielerischen Leistungen. Jeon Jong-Soo (die Frau) in ihrer ersten Filmrolle überhaupt (und dann durfte sie mit dem Film direkt nach Cannes). Yoo Ah-in, der junge Schriftsteller: die Passivität und die Verletztheit kann schon anstrengend sein (erwartet nicht zu viele verschiedene Gesichtsausdrücke). Und Steven Yeun in der Rolle des reichen, Porsche-fahrenden neuen Freundes der Frau. Eine sehr gute Casting-Entscheidung. Yeun ist koreanisch-Amerikaner, den man eher aus Hollywood-Produktionen kennt, und diese Internationalität macht ihn dadurch noch einmal spürbar fremder aus der Perspektive der beiden anderen, unterprivilegierten Figuren. Und ganz abgesehen davon spielt er die Rolle auch einfach verdammt gut.


    Ein unheimlich komplexer Film. Mein Film des Jahres 2020.

    (in Amazon Prime enthalten)

    ASIN/ISBN: B07SJY4XBH

    Ein neuer Film von Clint Eastwood über Richard Jewell, einen Security Guard, der nach dem Bombenanschlag im Olympiapark von Atlanta 1996 zuerst kurz als Held gefeiert wird bevor dann die lokalen Medien und das FBI ihn als Täter darstellen. Hauptdarsteller Paul Walter Hauser sehe ich hier zum ersten Mal - sehr starke Performance. Sam Rockwell gewohnt gut als Jewells unkonventioneller und lauter Anwalt. Der Film geht 130 Minuten, ist aber keine Sekunde davon langweilig.


    Irgendwie überraschend, dass dieser Stoff so lange unverfilmt blieb.


    ASIN/ISBN: B0858SSY21

    Der dritte Teil aus dem "Little Brother"-Zyklus, aber Standalone. Die ersten Seiten lesen sich schon mal gut.


    Nerdiger Techno-Thriller über eine Art Doppelagentin, die einer osteuropäischen Post-Sowjet Diktatur gleichzeitig Geschäfte mit dem dortigen Innenministerium macht und mit einer revolutionären Gruppe, die vom Innenministerium überwacht wird... Starke Cyberpunk-Vibes, aber in der Gegenwart spielend.



    ASIN/ISBN: 1838939970

    "Happiest Season": ein Weihnachtsfilm mit Kristen Stewart und Mackenzie Davis. Abby (Stewart) und Harper (Davis) sind ein Paar und kurzentschlossen lädt Harper Abby zu Weihnachten zu ihrer Familie ein. Sie sind fast dort angekommen, als Harper Abby verrät, dass ihre Familie nichts davon weiß, dass sie lesbisch ist (sie hatte Abby von ihrem vermeintlichen Coming Out erzählt). Statt dessen hat sie Abby als ihre Mitbewohnerin angekündigt, deren Eltern gerade verstorben sind...


    Der Film ist größtenteils gut geschrieben und ist bin in die Nebenfiguren gut besetzt. Gegen Ende hin wird die Auflösung dann vielleicht etwas zu "Weihnachtsfilm"-mäßig, Happiest Season ist aber trotzdem ein sehr unterhaltsamer Film.

    Wenn man diesen Ansatz nämlich zu Ende denkt, dass jede marginalisierte Gruppe von der gesamten Gesellschaft für die gesamte Kommunikation einfordert, ihr in signalisierter Form Respekt zu zollen, ein noch grausigerer Kauderwelsch dabei herauskommt.

    Aber echter Respekt nicht unbedingt. Möglicherweise sogar im Gegenteil.


    Tom/Maarten, für die interessante Diskussion noch einmal vielen Dank. Trotzdem auf Dauer auch eine anstrengende Diskussion, wieso ich mich auch daraus zurückziehen möchte.


    Ich finde Tom bringt es hier gut auf einen Punkt. Man kann noch so wohlwollend einer Gruppe gegenüber stehen, noch so sehr "Ally" sein wollen (noch einmal 'tschuldigung gegenüber den Leuten, die meinen, dieser Begriff wäre wirklich der problematische Kern dieser Diskussion...), aber um einen Begriff aus der Softwareentwicklung zu verwenden: diese Bottom-up Sprachsteuerung skaliert nicht. Cis bekomme ich noch hin, aber wenn jede marginalisierte Gruppe ihr eigenes Vokabular mitbringt dann funktioniert es nicht mehr. Ich würde da dann tatsächlich auch von der Seite aus mehr Realitätsempfinden erwarten. Es bedarf da irgendwie ein besseres herantasten dieser Gruppen an den Mainstream. Gibt es Begrifflichkeiten, die man wieder verwenden kann mit welchen sparsameren Mitteln komme ich zur Gleichstellung? Um auch da wieder in die Informatik abzudriften: KISS (Keep it simple and stupid). Wenn etwas zu komplex wird ist es zum Scheitern verurteilt.


    Dass ich allerdings gleichzeitig auch viele Probleme auf der Gegenseite sehe, die eine wirkliche Akzeptanz und Gleichstellung erschweren, das habe ich durch meine Kommentare versucht darzustellen. Wenn auch eher mit beschränktem Erfolg.


    Cis bekomme ich noch hin, aber Ally oder was das war hat mich echt fertig gemacht. Eine wirkliche Erklärung habe ich immer noch nicht gefunden.


    "Ally" hatte ich verwendet. Verbündeter halt.

    Ein Begriff der im Gegensatz zu "cis", "trans" nun wirklich keine besondere Rolle spielt und keine offizielle Bedeutung hat. Wollte dich wirklich nicht damit "fertig machen" ;)

    The Assistant, ein Film von Kitty Green (Buch und Regie), der dieses Jahr auf der Berlinale in der Panaroma-Sektion zu sein. Es wird ein Tag aus dem Leben von Jane gezeigt, einer Assistentin in einer Filmproduktionsfirma in New York. Erst seit fünf Wochen im Job, überarbeitet. Sie ist die, die im Büro morgens das Licht anmacht und sie ist auch fast die letzte Person, die am Abend das Büro wieder verlässt. Nur fast, denn ihr Boss empfängt gerne nächtliche Besuche.

    Das ist ein Film über die Me2-Thematik, speziell in der Filmindustrie. Extrem nah an der Hauptfigur, sehr ruhig, sehr subtil. Der Film lebt von seinen langen, ruhigen Einstellungen und wer einen konventionell spannenden Film sucht ist hier falsch (da wäre zu dieser Thematik vielleicht Bombshell empfehlenswerter). Den Boss sieht man nie, auch sieht man die Belästigungen nicht. Alles passiert hinter verschlossenen Türen oder gebuchten Hotels.


    Die Frustration in einer solch toxischen Arbeitsatmosphäre gefangen zu sein wirkt universell auf ist auch andere berufliche psychologische Situation anwendbar. Da geht der Film über seine spezielle Thematik hinaus und ist universell lesbar. Speziell bzgl. Me2 ist der Film messerscharf.

    Julia Garner in der Hauptrolle mit einer sehr guten Leistung.


    ASIN/ISBN: B08FP4QHM4

    "Diversität und Transgender' als Aktivist(!)"


    lässt die von Dir angeführte Interpretation eigentlich nicht zu.
    Außer eben bewusst negativ. Aber das geht sowieso immer.


    Ich glaube nicht, dass das 100%ig stimmt. Wenn wir über benachteiligte Gruppen reden und jemand seine Benachteiligung öffentlich thematisiert, dann ist man doch automatisch ein Aktivist. Es muss auch möglich sein, Menschen für ihre Handlungen zu kritisieren. In vielen berechtigten Fällen ist das kein Selbstzweck, sondern ist durch eine Art persönlicher Dringlichkeit motiviert.


    Und es wäre auch schlimm, wenn das nicht eine vollkommen legitime Form der Kommunikation wäre.

    Dass das missbraucht oder übertrieben wird, da sind wir 100%-ig d'accord, denke ich.


    Wie gut dass wir nicht auf Twitter sind, denn ich denke das was du zu Labels sagst könnte man auch bewusst negativ interpretieren. Weil: "Diversität und Transgender" hat man sich als einer entsprechenden Minderheit zugehöriger nun einmal nicht selbst auf die Stirn gepappt, sondern man ist damit geboren. Nun ist man in der Position, glaube ich, eher darauf angewiesen sich größer zu machen oder laut zu sein. Und dann gibt es ja noch das SJW Label, das ja auch aufgestempelt wird, u.a. eben auch in Morgans Blogpost. Aber ja, natürlich bleibt ein Label wie "transphob" länger und stärker haften. Aber das ganze ist nun einmal keine Einbahnstraße.


    Ich würde ja fast behaupten, dass das ganze Thema Political Correctness ein Scherbenhaufen ist. Gefühlt wird jeder Diskurs von den jeweils lautesten Stimmen beherrscht und oftmals kommt es mir auch so vor als ob bestimmte Menschen einfach von Natur aus auf Krawall gebürstet sind und dass das Thema für das sie aktiv sind eigentlich total sekundär ist.


    Nur muss man diese Auswüchse von beiden Seiten betrachten, finde ich. Wie oft hat man den Spruch "ja, das darf man ja nicht mehr sagen, aber..." gehört und wie oft fragt man sich, ob das jetzt wirklich aus demokratischer Sorge oder eigenen Shitstorm-Erlebnisse gefüttert ist oder ob das nicht eher eine passiv-aggressive Einleitung ist irgendeinen Unsinn, möglicherweise gar verletzenden Unsinn, von sich zu geben.


    Und auf der anderen Seite hat man dann die Moralapostel, die am lautesten sind. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich vor Jahren einen Tweet einer Aktivistin gelesen hatte, wo sie sinngemäß fragte, ob die (also so die Gegenposition) denken würden "das wäre alles nur ein Spiel" und ich mich dabei ertappte, ja manchmal scheint es so.


    Nun kommt ja Morgan aus der SF und ich habe die letzten mindestens 5 Jahre oder so der Genre-Entwicklung verschlafen, aber damals gab es einen sehr großen Diversitäts-Push im Genre und zumindest zu dem Zeitpunkt fand ich das auch als durchaus angemessen. Nicht in jeder Extremform, die damals auch schon sichtbar war, aber die Gegenfront bestand da teilweise wirklich aus Leuten, die alle Klischees der "alten weißen Männer" abtickten. Damals waren die jeweiligen Repräsentanten John Scalzi (links) und Vox Day (rechts, ultra-rechts eher). Da war es relativ klar wie ich mich dann eher positionieren würde.

    Und nun habe ich heute zufällig mal wieder eine neue SF-Kurzgeschichte gelesen "The Bookstore at the End of America" von Charlie Jane Anders. Aus einer Anthologie der besten SF Stories des Jahres. Vielleicht schreibe ich eine Rezi dazu. Die Geschichte schafft es aus meiner Sicht sehr gut die Auswüchse beider Lager herauszustellen (es geht darum, dass Kalifornien die Union verlässt, und um einen Buchladen mit zwei Eingängen, der direkt auf der Grenze liegt. Auf der einen Seite gibt es konservative Literatur, auf der anderen Seite progressive Literatur. Es eskaliert zu einem militärischen Konflikt als der kalifornische Präsident dem amerikanischen Präsidenten zu Ostern eine gute Sonnenwende statt Frohe Ostern wünscht. Und dieser brüskiert ein Schimpfwort für Schwule gegen ihn in seiner Antwort darauf verwendet).

    Frauenrechte sind für Menschen wie Rowling und Moore offensichtlich auch Lebensthemen. Auch diesen gegenüber gilt Ally.
    Wenn es dann in Shitstorm und Zensur umschlägt, wird es zu offensichtlich zu einem Lebensthema für Morgan. Eigentlich für jeden von uns.


    Da geht jetzt aber einiges durcheinander. Jeder hat seine Agenda und sein Thema. Frauenrechte haben erst einmal nichts mit Transrechten zu tun. Tatsächlich können sie sich in bestimmten Ausprägungen sogar widersprechen ("wie können die sich nur Frauen nennen, die gehören nicht zu uns."). Das Rowling in bestimmten Bereichen vielleicht auch positiv aktiv ist, schließt nicht aus, dass sie in anderen Bereichen negativ übers Ziel hinaus schießt.


    Auch "Diversität". Bitte nicht einfach flächendeckend da Fleißsterchen verteilen, weil ein Autor vielleicht einmal einen positiven schwulen Charakter geschrieben hat. Selbiger kann vielleicht andere Minderheiten blöd finden.


    Ich - als Einzelperson, nicht als Teil eines Mobs - nehme mir die Freiheit Provokateure auch Provokateure zu nennen, und das als auch als deren "Lebensthema" zu identifizieren. Geil, ich habe gerade mal wieder ne Bombe gezündet... Ich habe keinerlei Mitleid für jemanden, der einen Shitstorm erlebt, der einen Shitstorm erbettelt.


    Ich habe zugegeben keine Ahnung was zu Morgans Twitter-Verbannungs geführt hat, aber seine verlinkte Replik darauf ist in seiner Form, nach meiner eigenen persönlichen Meinung, und mich da jetzt bitte nicht in die Cancel Culture-Ecke drängen, einfach menschenverachtener, verletzender Mist, der vollkommen unnötig ist.

    Ich respektiere übrigens deine Meinung. Umgekehrter Respekt wäre auch total super. Du musst doch zugegen, dass sich über den Begriff "Ally" lustig zu machen, vollkommen unnötig ist, oder?

    Die Frage: "Bin ich transphob, wenn ich anmerke, dass nur Frauen eine Gebärmutter haben?" bringt den Ansatz der Aufgeregtheit durchaus auf den Punkt.


    Ich denke es geht trotzdem um Nuancen und Kontext. Es ist ein Unterschied, ob ich eine persönliche Meinung kommuniziere oder ob ich zusätzlich mir der Konsequenzen schon direkt bewusst bin.


    Beispiel: Der Satz "nur Frauen haben eine Gebärmutter" ist logisch. Ich mag Logik. Der Satz ergibt also für mich Sinn.


    Nun treffe auf der Straße auf eine Trans Frau und schreie in ihre Richtung: "Nur Frauen haben eine Gebärmutter!". Ergibt das Sinn? Nein. Gleicher Satz, in einem anderen Kontext, nur geäußert um zu verletzen oder zu provozieren.


    Wenn nun z.B. ein Autor sich wiederholt so in dieses Thema versteift und das immer wieder von sich gibt dann wirkt das irgendwann eben tatsächlich pathologisch transphob. Das ist eben ein Spektrum. Ich erwähnte Ben Shapiro. Einzelne seiner Aussagen mögen Sinn ergeben. Die Präsentation und seine Verbissenheit wirken aber pathologisch. Da muss man auch erwidern können: Hey, geht's noch? Was ist dein Problem?

    Um zu erklären aus welcher Ecke ich komme: ich möchte ein "Ally" sein und ich möchte vor allem Menschen nicht darin behindern oder sie verurteilen zu tun und zu lassen was sie wollen. Sich mit einem Geschlecht zu identifizieren, das nicht das original biologische ist, ist legitim.


    Trotzdem ist es auch kein Wunder wieso wir jetzt ausgerechnet in dieses Thema Transgeschlechtlichkeit abgeglitten sind. Kein Thema scheint in diesem Zusammenhang so schwierig und aufgeladen wie dieses. Ich mag auch nicht, dass ich gefühlt mich durch tausenden Seiten von Texten und Abkürzungsverzeichnissen arbeiten zu müssen, um nicht in einen Fettnapf zu treten. Wenn irgendeine Minderheit oder Gruppe einen PR-Berater bräuchte, dann definitiv diese, denn das nervt tatsächlich manchmal. Wieso muss ich mich z.B. CIS nennen, nur weil das Teil dieser speziellen Sprachlogik ist. Und das ist noch die einfachste Abkürzung. das reicht zum Mitreden noch nicht aus. Ich bin ebenso ein Freund der Wissenschaft. Extremfälle wie, dass ein Trans Mann in ein Krankenhaus eingeliefert wird unbedingt wie ein biologischer Mann behandelt werden will, ist verrückt und lebensgefährlich. An der Stelle behandelt man tatsächlich eine biologische Frau.


    Aber nur weil die lautesten Stimmen da häufig Unsinn erzählen, heißt das ja nicht dass man die Gruppe als Ganzes verurteilen oder einschränken sollte. Entsprechend würde ich auch nicht auf die Idee kommen diese obigen, eher kritischen, Gedanken täglich in die Welt herauszuschreien. Es ist nicht mein Lebensthema. Und wenn es ein unbeteiligter zu seinem Lebensthema trotzdem macht, dann läuft da irgendwas schief...


    Und nein, "canceln" würde ich niemanden der genannten Personen...

    Für die, die nicht wissen, wie ich zu Richard Morgan stehe. Es ist schwierig einen Autor zu finden, der mehr für Diversität steht, als er.


    Also ich weiß nicht... Grundsätzlich stimme ich mit euch überein was die Gefahren und Auswüchse von "Cancel Culture" angeht, aber es gibt nun einmal auch Autoren, oder Künstler oder andere öffentliche Personen allgemein, die das geradezu bewusst anziehen und ihre politische Unkorrektheit geradezu zelebrieren. Nun habe ich Morgans Karriere die letzten 10 Jahre oder so nicht weiterverfolgt, aber damals als das Science Fiction Genre generell diverser wurde, hatte er auch schon die Tendenz eben mal einen rauszuhauen und Eskalationen geradezu zu provozieren.

    Und wenn ich dann jetzt diesen Link öffne und das lese was er zu Trans Menschen sagt. Ja, da stimme ich in bestimmten Punkten auch zu (Biologie als Fakt), aber das ist doch in einer so offensichtlich provozierenden Art und Weise sortiert, wo dann die Extrembeispiele besonders herausgestellt werden, dass ich das Endresultat tatsächlich als problematisch und transfeindlich einstufen muss. Und belegt wird das mit Googled das doch mal. Ja leider glaube ich, dass die meisten Dinge tatsächlich passiert sind, nur weiß ich nicht ob das den Regelfall entspricht und somit als Argument herhält.


    Ähnlich bei J.K. Rowling. Arme, verfolgte Erfolgsschriftstellerin. Ihre einzelnen Beiträge kann man teilweise lesen und denken, ok, kann man so schreiben. Aber was bringt Leute dazu sich so in ein Thema einzufuchsen, das sie ja eigentlich gar nicht tangieren sollte, und da immer und immer wieder reinzuhauen. Im Extremfall landet man dann irgendwann beim Ben Shapiro Niveau und der ist nun wirklich durchgeknallt (einfach mal nach Shapiros "Actress Ellen Page Declares She is a Man Named Elliot" YouTube suchen und staunen - Morgan kommt diesem Niveau schon sehr nah).

    Bleibt noch die Frage, ob bei vier Staffeln das Thema nicht mehr als erschöpfend gedreht und gewendet wurde?

    Arztserien sind ja so konzipiert, dass sie theoretisch endlos fortgesetzt werden können.

    In Staffel 4 geht es jetzt relativ viel um Covid und die sozialen Umstände drumherum. Ich finde den Vergleich von Tom zu House interessant: in Staffel 4 gibt es eine Storyline, wo es darum geht neue Interns aus einer größeren Gruppe von Kandidaten auszuwählen. Das war in House ähnlich. Dass aber jetzt z.B. ein Autist junge Ärzte anleiten und führen soll, das ist schon ein interessanter neuer Aspekt, der in den vorherigen Staffeln noch nicht behandelt wurde. Ich sehe also durchaus noch Potential für weitere Staffeln.

    Kann er wirklich so viel mehr Stimmen geholt haben als 2016? Nach diesem jahrelangen Desaster?
    Vielleicht ist es aber auch nur unsere europäische Sicht und er ist wirklich so beliebt dort drüben?
    Ich kann es einfach überhaupt nicht nachvollziehen...

    2016 haben ihn halt einige Idioten gewählt. Ich finde es durchaus plausibel, dass er durch aggressive Mobilisierung eben noch mehr Idioten dazu gebracht ihn zu wählen (ggf. Nichtwähler aus 2016). Und selbige tangiert das vierjährige "Desaster" nun überhaupt nicht. Die einzigen, die das gestört hat, sind Demokraten, die ihn ohnehin nicht gewählt hätten. Seine Wähler sahen in diesem Desaster ja gerade den Vorteil...

    So, Staffel 5 von This is Us hat jetzt begonnen. Bei Amazon Prime ist jetzt die erste Doppelfolge verfügbar.


    Ohne dass das ein großartiger Spoiler sein sollte: das ist die erste Serie, die ich jetzt sehe, in der Corona ein allgegenwärtiges Thema ist. Direkt in der ersten Szene geht es direkt los. Sollte es irgendwelche Trump-Fans oder Querdenker unter This is Us Zuschauern geben, dann wird diese Staffel sicherlich irritieren.


    Wobei ich mich zugegeben auch erst daran gewöhnen muss. Genauso wie mit der Thematisierung der Tötung von George Floyd. Das ist alles zwar gut integriert, nur ändert das irgendwie den Ton der Serie. Ich kann mich nicht erinnern, dass überhaupt irgendwann in der Serie politisches Zeitgeschehen eine Rolle spielte. Es werden zwar große gesellschaftliche Themen behandeln (wie z.B. Rassismus generell), aber immer eher allgemein abstrakt als spezifisch: wurde irgendwann mal Trump erwähnt oder z.B. Charlottesville? Dass sich das jetzt ändert ist jetzt narrativ leicht inkonsistent, aber trotzdem wird weiterhin Premium-Serienkost geliefert.

    Hier ein Artikel aus der Süddeutschen dazu: Verlag trennt sich von Monika Maron.

    Ich hatte mich auch schon gefragt wieso man hier von einem Rausschmiss spricht oder gar Cancel Culture:

    Zitat

    Schriftsteller sind keine Angestellten der Verlage, in denen ihre Bücher erscheinen. Verträge bestehen über einzelne Bücher. Sie müssen immer neu geschlossen werden, und manchmal werden sie es eben auch nicht. Man kann sich trennen.


    Gewöhnlich sind Verlage ja so etwas wie (gewollte) Gatekeeper - eine Art Qualitätskontrolle: die Autoren müssen einen traditionellen Publikumsverlag erst einmal davon überzeugen, in ein abgeliefertes Buchmanuskript zu investieren. Manchmal erscheint es mir als würde diese Qualitätskontrolle für besonders alteingesessene und etablierte Autoren nicht mehr gelten. Sie können abliefern was sie wollen. Möglicherweise über Jahrzehnte. Das muss nicht unbedingt immer eine gute Idee sein und ich glaube irgendwo in einem Interview gelesen zu haben, dass sie die Autorin ja quasi schützen wollten. Das mag hart klingen, aber ja, vielleicht ist das auch die Aufgabe eines Verlags.

    Der Artikel sagt aber auch (und da wird dann der Verlag doch kritisiert):

    Zitat

    Und einem Verlag wie S. Fischer wäre es absolut zuzutrauen, diesem Werk einen würdigen, möglicherweise auch kommentierenden Ort zu geben. Dass er es nicht mehr schafft, dieser Verantwortung für das Werk einer solch bedeutenden Autorin nachzukommen, ist kein gutes Zeichen für das literarische Leben in Deutschland.

    Ich nehme inzwischen die Literaturnobelpreisträger eher emotionslos zur Kenntnis. Der Preis ist einfach viel zu aufgeladen.


    Ich bin sowohl Murakami- als auch Atwood-Fan, und beide wären würdige Preisträger, aber an Murakami glaube ich nicht (nicht ansatzweise passt er ins Beuteschema der Jury - da könnte man genauso gut ein Nobelpreis für Stephen King und Neil Gaiman fordern) und wäre es Atwood geworden, wäre meine Reaktion vermutlich ein leichtes Gähnen gewesen. Ja verdient, aber wie originell, hat sie gefühlt nicht schon 27 Booker-Preise gewonnen? Beide könnten sich den Nobelpreis auch schön an die Wand hängen, aber sie sind ja schon weltweit bekannt, verfilmt und omnipräsent. Ja, vielleicht gebührt er diesen Autoren trotzdem vorrangig, aber wäre dann der Literaturnobelpreis nicht irgendwann komplett bedeutungslos wenn man ihn an Anzahl verkaufter Bücher ausrichtet?