Mini-LR: John Boyne - Der Junge im gestreiften Pyjama

  • Je näher ich dem Ende kam, desto mehr hoffte ich, ich würde mich mit meiner Ahnung irren. Der Autor hat es dennoch durchgezogen. Und ich finde, es war das einzig passende Ende. Grausam, auf den Punkt, aber nur so kann man die Leserschaft wachrütteln.

    Ja, wobei die Meinungen ja durchaus auseinandergehen. Soweit ich weiß, stand nicht bei allen Ausgaben dabei, dass es eine Fabel ist. Viele haben sich dann darüber aufgeregt, dass das alles sehr naiv dargestellt und der Holocaust quasi verniedlicht worden sei. Das ist natürlich ein Stück weit ein Tanz auf der Rasierklinge, den der Autor da betrieben hat, aber bei mir hat es genauso "eingeschlagen", wie er beabsichtigt hat.


    Deine Anmerkungen zum Oberleutnant: Wenn es wirklich so ist, wie du vermutest, und sein Vater jüdsich war, dann wäre das natürlich heftig. Ich weiß nicht, inwiefern man mit fortschreitender Kriegszeit bei der SS noch den Ariernachweis erbringen musste (denn das wäre ihm ja definitiv nicht möglich gewesen), aber es wäre irgendwie typisch, dass er aufgrund dieses Damoklesschwertes über seinem Haupt umso brutaler und rücksichtsloser vorgeht. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ein Vater einfach politisch "unbequem" war und Brunos Vater, der ja offenbar hervorragende Kontakte hatte, nach dem Vorfall beim Abendessen den richtigen Personen gesteckt hat, dass der Oberleutnant politisch unzuverlässig ist. Meine um Gerechtigkeit bemühte Fantasie wünscht sich, dass er an die Ostfront versetzt wurde und er in russische Gefangenschaft kam.

    SUB 200 (StartSUB 203)


    :lesend Frank McCourt - Die Asche meiner Mutter
     :lesend Bernard Cornwell - Sharpes Gefecht
     :lesend Christoph Marzi - Lycidas (Hörbuch)


    SUBWette 1. Runde (5/10)

  • Meine um Gerechtigkeit bemühte Fantasie wünscht sich, dass er an die Ostfront versetzt wurde und er in russische Gefangenschaft kam.

    An der Ostfront war er ja. Gretel hat doch diese Karte in ihrem Zimmer hängen und steckt jeden Tag die Nadeln um. Da die deutschen Zeitungen höchstwahrscheinlich nicht über das Vorrücken der alliierten Truppen berichtet haben, wird sie wohl die Ostfront immer angepasst haben. Und so, wie sie in den Oberstleutnant verschossen ist, kann das nur bedeuten, dass der junge Mann an die Ostfront musste. Vielleicht sogar nach Stalingrad. Dann waren seine Tage eh gezählt. Ich glaube nicht, dass man einen politisch wackeligen Soldaten irgendwo in die hinteren Reihen gesteckt hat.

  • Auf den Gedanken das mit Gretel zu assoziieren, bin ich nie gekommen. Guter Gedanke! Für Stalingrad dürfte es zeitlich nicht gereicht haben, das war ja schon Anfang 1943. Und Bruno ist es ein 34er Jahrgang, wird sind also auf jeden Fall schon zu Beginn des Buches im Jahr 1943.


    Was wohl am Schluss aus Brunos Vater geworden ist? Ist er auch in Ungnade gefallen, weil er seinen Pflichten nicht mehr nachging? Strafbataillon, Ostfront?

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  • Echt nicht? Für mich war das mit Gretel irgendwie offensichtlich. Siehst, so unterschiedlich nimmt man Details wahr.

    Stalingrad war früher? Ich sollte mir nochmal die Chronologie angucken. Ich könnte zwar Hitlers Helfer runterbeten, aber bei genauen Daten offenbaren sich meine Lücken. Weia.


    Ich glaube, Brunos Vater ist am Tod seines Sohnes zerbrochen. Für mich las es sich so, dass die gesamte Familie zerbrochen ist. Die Mutter alkoholkrank, der Sohn tot und der Vater über den Tod seines Sohnes verrückt geworden. Vielleicht haben sie den Kommandanten aufgrund seiner Stellung irgendwo in ein Büro verfrachtet, bis der Krieg vorbei war? Ostfront wäre doch sehr hart gewesen für einen Mann seiner Stellung.