Julia Korbik: How to be a Girl. Stark, frei und ganz du selbst [ab 13 Jahre]

  • Julia Korbik: How to be a Girl. Stark, frei und ganz du selbst

    Gabriel Verlag in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH 2018.160 Seiten

    ISBN-10: 3522305094

    ISBN-13: 978-3522305099. 14,99€

    Vom Verlag empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre


    Verlagstext

    Ratgeber für Mädchen ab 13 Jahren. Mit jeder Menge Listicles, Tipps und Porträts von Vorbildern.

    Hast du dich schon mal gewundert, warum es Regeln gibt, die scheinbar nur für Mädchen gelten? Willst du gerne mehr über Bodyshaming, Selfcare und Gleichberechtigung erfahren? Findest du Mädchen und Frauen, die ihr eigenes Ding durchziehen, spannend? Dann bist du hier genau richtig!

    Mit Kurzporträts von historischen und aktuellen Vorbildern, Checklisten und Anleitungen (Wie erkenne ich alltäglichen Sexismus? Wie kann ich dem Konsum-Wahnsinn entkommen?) und Einblicke in die Welt der Jungen.


    Die Autorin

    Julia Korbik wurde 1988 im Ruhrgebiet geboren und lebt heute als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie schreibt vor allem über Popkultur und Politik aus feministischer Sicht. Korbik hat in Deutschland und Frankreich Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Journalismus studiert. 2014 erschien "Stand Up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene", 2017 "Oh, Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten". Korbik ist nicht nur überzeugte Feministin, sondern auch überzeugte Europäerin: Mit dem Team von cafebabel.com zeigt sie, wie junge Leute Europa täglich leben.


    Inhalt

    Ein „echtes Mädchen“ soll gepflegt, gestylt, enthaart und geschminkt sein – kurz, den Anforderungen anderer Menschen entsprechen. Rollenzuschreibungen ordnen dem weiblichen Geschlecht ein genormtes Aussehen und Verhalten zu. Wenn das biologische Geschlecht einmal nicht spontan zuzuordnen ist, z. B. weil ein Baby gelb oder grün gekleidet ist, reagieren andere oft gereizt. Das Mädchen-Sein sieht Julia Korbik dagegen nicht als Erfüllung fremder Erwartungen, sondern als Lernprozess, in dem eine Jugendliche selbst entdeckt, wie sie sein will und was ihr guttut.


    Wie du es machst, machst du es als Mädchen falsch. Wer Rollenerwartungen unreflektiert erfüllt, wird in Ruhe gelassen, wer mit Rollen experimentiert, muss sich abfällige Kommentare anhören und entscheidet sich damit für ein anstrengendes Leben. Dass für Frauen (anders als für Männer) in jeder Hinsicht Doppelstandards gelten, zieht sich ab hier wie ein roter Faden durch das Buch. Diese widersprüchlichen Erwartungen will Julia Korbik als Hindernisse von Gleichberechtigung entlarven. Normen zu erkennen und die eigene Reaktion auf das Verhalten anderer zu durchschauen sollen Leserinnen ab 13 von der Autorin lernen.


    Der Mädchenratgeber stellt Frauenbilder infrage, die durch Serien und Werbung vermittelt werden, und macht deutlich, dass jedes Mädchen Teil des Problems ist, wenn sie selbst lästert, zickt und andere Mädels heruntermacht. Mit dem Girl Hate müsse Schluss sein, so die Autorin, Mädchen müssten ihr passiv-aggressives Verhalten ändern und lernen, sich Verbündete zu suchen.


    Unterbrochen von eingeschobenen Kurzbiografien mutiger Frauen aus verschiedenen Epochen, setzt die Autorin sich mit dem Körperbild junger Frauen, dem Body Shaming, Slut Shaming, mit Sexualität, sexualisierter Gewalt, Mobbing, aber auch mit jugendlicher Depression in der Pubertät auseinander. Leider fehlt gerade dem Kapitel über das Frauenbild in sozialen Medien die solide Basis, weil Korbik zwar behauptet, dass Instagram-Fotos häufig mit riesigem Aufwand im Studio entstehen und anschließend mit Photoshop unrealistisch verfremdet werden, die Behauptung aber nicht an Beispielen demonstriert. Als Mutter weiß ich zwar zu schätzen, dass eine junge Autorin als neutrale Person Kritik an bestehenden Frauenbildern übt, die Kritik kann mich inhaltlich jedoch nicht überzeugen. Die Annahme vieler Jugendlicher, dass Influencer in Sozialen Medien doch sooo authentisch seien, bleibt also weiter zu entkräften ...


    Auf einen historischen Rückblick auf die Frauenbewegung folgt die Ermutigung, selbst aktiv zu werden, sich öffentlich zu äußern und sich evtl. für Politik zu interessieren. Am wichtigsten ist mir als Mutter die Botschaft, dass jede junge Frau mit ihrem Verhalten selbst Teil von diskriminierenden Strukturen ist; und auch der Info-Kasten mit Zahlen zur weltweiten Ungleichheit von Frauen auf S. 89 hat mich angesprochen.


    Das Cover im Metallic-Look zeigt m. A. nach keine Diversität in den Frauenporträts, der im Alltag sichtbare Bevölkerungs-Anteil von Afroamerikanern und Asiaten fehlt. Das Bild signalisiert, weißes, europäisches Aussehen sei die Norm. Die Zusammenstellung der Frauenbiografien im Buch dagegen zeigt diverse Nationalitäten, Altersgruppen und Religionen.


    Fazit

    Die Autorin will ihre jungen Leserinnen ermutigen und zu neuen Fragen inspirieren. Julia Korbiks Botschaften kann ich nur unterstützen, allerdings hätte ich bei feministischen Büchern stets gern eine niedrigere Schwelle, damit sie nicht nur sprachlich versierte Gymnasiastinnen, sondern alle Mädchen erreichen. Dazu gehört ein möglichst verständlicher Wortschatz und ein Aufbrechen einiger Textwüsten durch Zwischenüberschriften. Wer das Buch spontan aufschlägt, möchte vor dem Weiterblättern sicher gern auf einen Blick sehen, um was es auf der entsprechenden Seite geht.


    8 von 10 Punkten


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