Kerry Brown: Die Welt des Xi Jinping: Alles, was man über das neue China wissen muss

  • Kerry Brown: Die Welt des Xi Jinping: Alles, was man über das neue China wissen muss

    Verlag: S. FISCHER. 160 Seiten

    ISBN-10: 3103974167

    ISBN-13: 978-3103974164. 16€


    Verlagstext

    Xi Jinping – der mächtigste Mann in China seit Mao – höchste Zeit zu wissen, was er denkt!

    Er ist der mächtigste Mann der Welt: Chinas Staatschef hat eine Machtfülle erreicht wie vor ihm nur Mao Zedong, er ist Staatschef auf Lebenszeit. Sein »Gedankengut für das neue Zeitalter des Sozialismus chinesischer Prägung« ist die neue Leitlinie, Kritik an Xi gilt als verfassungswidrig. Sicher ist: Xi Jinping wird nicht nur China in den nächsten Dekaden lenken und leiten, er wird unser aller Zukunft bestimmen. Höchste Zeit also, uns mit seiner Sicht auf die Welt vertraut zu machen!

    Der langjährige China-Experte Kerry Brown erklärt kompakt auf 160 Seiten, was und wie Xi Jinping denkt: wie er die Armut bekämpfen, den Klimawandel abwenden, mittels Big Data, die Überwachung vervollständigen will, und was er von China erwartet – und wie weit er gehen würde, um dieses zu verteidigen. Kurz: alles, was wir über das neue China und seinen Herrscher Xi Jinping wissen müssen.


    Der Autor

    Kerry Brown ist Professor für Sinologie und Direktor des Lau China Institute am King’s College in London und Mitglied des Chatham House. Er hat über 30 Jahre in China gelebt und gearbeitet, u.a. als Erster Sekretär der Britischen Botschaft in Peking. Regelmäßig schreibt er u.a. für »Times Literary Supplement«, »The Observer« und »Foreign Affairs«. Er hat bereits einige Bücher über das gegenwärtige China geschrieben.


    Inhalt

    Kerry Brown hat seine kurze Biografie des chinesischen Staatschefs Xi Jinping punktgenau zum 19. Parteitag im Oktober 2017 veröffentlicht und musste sie im Anschluss gleich ergänzen um die Information, dass dort Xi der Stolperstein einer Amtszeitbegrenzung aus dem Weg geräumt wurde. „Alles, was man über das neue China wissen muss“, kann Brown auf knapp 150 Seiten natürlich nicht vermitteln, was man von der Person Xi erwarten kann, dagegen schon. Brown geht der Frage nach, was Xi zurzeit zum mächtigsten Mann macht, was ihn von Mao und Xis Vorgängern Jiang und Hu unterscheidet und was Chinas wachsende Mittelklasse von ihrem Präsidenten zu erwarten hat. Brown charakterisiert Xi als ausgesprochenen Glückspilz, der in seiner Jugend nichts falsch machte und dessen Karriere es selbst nicht schadete, dass sein Vater Verbündeter Maos war. Xis Abordnung zur Landarbeit erwies sich sogar als Bonus. Sein Amt wird ihm heute von den Bürgern gegönnt, weil leidvolle Zeiten in seiner Jugend eine emotionale Bindung zu ihm schaffen und weil er es auf einem entbehrungsreichen Weg erarbeitet hat. Ein höchst interessanter Abschnitt in Xis Biografie ist seine Zeit als Gouverneur der Provinz Fujian, als er bereits Ehrgeiz und strategisches Denken zeigen konnte. Beim Thema Fujian hätte ich erwartet, dass Brown als China-Experte wenigstens kurz Xis Netzwerk analysiert aus jener Zeit, in welchen Branchen seine Kontakte heute Einfluss haben und in welche Staaten deren Familien Wurzeln durch Auswanderung ausgestreckt haben. Diese „guanxi“ wären ein einleuchtendes Beispiel gewesen, wie das Land funktioniert.


    Um das moderne China zu verstehen sind neben der o.g. Frage, wo eine Person herkommt, das Anerkennungsbedürfnis des Landes wichtig, das aus der nie verwundenen Schmach resultiert, sich von anderen Ländern schlecht behandelt zu fühlen. Der Autor listet jene Themen auf, an denen sich erst noch zeigen muss, ob Xi tatsächlich die Macherqualitäten zeigen wird, die von einem ehemaligen Gouverneur zu erwarten sind: Die Spannungen zwischen Staat und Markt lösen, Eindämmung der Korruption, Umwelt und Gesundheit, Überalterung, der anspruchsvollen Mittelschicht Sicherheit für ihre Vermögenswerte schaffen, Rechtssicherheit für ausländische Investoren, der Stadt-Land-Konflikt und die dringende Reform des Rechtssystems. Laut Brown zeigt Xis Rede auf dem zitierten Parteitag bisher erst die Traumwelt eines Landes, das die gesetzten Ziele noch nicht erreicht hat.


    Fazit

    Das Layout des Buches macht beim Lesen keine Freude, hervorgehobene Daten und biografische Eckpunkte hätten das Lesen erleichtert. Dass ein Autor mit Browns Veröffentlichungshistorie außer der Fundstelle des Redetextes auf nur zwei Veröffentlichungen verweist (eine davon stammt von ihm) und keine Quellen angibt, finde ich etwas dünn. Browns Ansatz, das China der Gegenwart aus dem Lebenslauf und der Persönlichkeit seines Präsidenten zu erklären, hat mich überzeugt, er hätte dabei gern stärker in die Tiefe gehen können.


    8 von 10 Punkten