John Grisham - Die Jury

  • Im Prinzip habe ich nichts gegen juristische Themen. Schließlich liebe ich Bücher von Michael Connelly, speziell die Haller-Bücher.
    Aber bei Grisham ist es anscheinend extrem juristisch detailiert, oder liege ich falsch?
    Wenn dann wirklich jeder Grisham so detailiert wie "Die Jury" ist, lasse ich in Zukunft lieber die Finger von seinen Werken. :-)

    :lesend"Labyrinth - Elixier des Todes: Agent Pendergast 14" von Douglas Preston & Lincoln Child


    "Wenn man liebt, sind Pockennarben so hübsch wie Grübchen."

  • Zitat

    Original von Ciryatan
    Aber bei Grisham ist es anscheinend extrem juristisch detailiert, oder liege ich falsch?


    Er ist selbst Jurist und schreibt davon, was er selber gut kennt. Mal mehr, mal weniger detailliert. :grin


    Zitat

    Wenn dann wirklich jeder Grisham so detailiert wie "Die Jury" ist, lasse ich in Zukunft lieber die Finger von seinen Werken. :-)


    Nein, "Die Jury" ist meiner Erinnerung nach bei den Details einzigartig. Die anderen Romane behandeln auch Rechtsthemen bzw. die handelnden Personen sind in irgendeiner Art Juristen (Anwälte, Richter) und sind sicherlich interessant zu lesen.
    Aber ich finde es echt schwer, die ein spezielles zu empfehlen. Vielleicht liest du dir einfach die Kurzbeschreibungen und die Rezis durch und schaust, was dich am meisten anspricht.


  • Alles klar. Danke für die Tipps.

    :lesend"Labyrinth - Elixier des Todes: Agent Pendergast 14" von Douglas Preston & Lincoln Child


    "Wenn man liebt, sind Pockennarben so hübsch wie Grübchen."

  • Die 10-jährige Tonya Hailey wird von 2 Männern brutal vergewaltigt. Ihr Vater Carl Lee sinnt auf Rache und erschießt die beiden Täter, als diese aus dem Gericht geführt werden sollen. Jake Brigance, ein recht junger Anwalt, übernimmt die Verteidigung von Carl Lee. Doch wird er eine Chance haben? Denn schließlich ist Carl Lee schwarz, der Richter, die Jury und der Staatsanwalt aber weiß...


    Unglaublich, aber wahr: "Die Jury" war mein erster Roman von John Grisham. Schon länger kenne ich die Verfilmung des Buches und habe nun auch die Vorlage gelesen. Begeisterung hat das Werk nicht bei mir ausgelöst, aber es ist ein solider, gut geschriebener Gerichtsthriller.


    Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man sowohl dem Anwalt Jake, als auch Carl Lee oder auch den Anhängern des Ku-Klux-Klans. Diese Mischung empfand ich als sehr gelungen, da man so den Fall von allen Seiten betrachten konnte.


    Die Verhandlung über Carl Lee nimmt nur einen sehr geringen Platz im Roman ein. John Grisham verwendet viel Zeit darauf zu zeigen, wie es überhaupt zu dem Verbrechen kam. Das fand ich sehr gut. Allerdings verwendet er auch enorm viel Zeit darauf zu zeigen, wie korrupt, schlecht und verdorben das Justizsystem im Süden der USA ist. Da werden Jurymitglieder bestochen, Akten ohne Einverständnis gesichtet und gesoffen bis zum Umfallen. Auch wenn Grisham aus der Branche kommt und das Buch nun auch schon gut 20 Jahre alt ist, fand ich so manche Beschreibung arg übertrieben. Teilweise waren Jake und seine Anwaltskollegen gar nicht mehr nüchtern und traten teilweise sogar vor Gericht leicht angetrunken auf. Zwar sagt man, dass Übertreibung anschaulich mache, doch das war zu viel des Guten.


    Die Zusammenhänge, die zu verschiedenen Verbrechen und Vorfällen geführt haben, fand ich sehr gut herbeigeführt und beschrieben. Hier merkt man sehr deutlich, dass der Autor sich in dem Gebiet meisterhaft auskennt.


    Das Ende war für mich, da ich den Film kenne, nicht mehr überraschend, allerdings führt im Roman eine andere Vorgehensweise zum Urteil als im Film. Und ich muss zugeben, dass mir der Romanausgang um einiges realistischer erscheint.


    Der Stil von John Grisham ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist unaufgeregt, sachlich und leicht distanziert. Daher fiel es mir auch schwer, mich mit den Figuren zu identifizieren.


    Fazit: auch nach 20 Jahren ist der Roman lesenswert, aber für mich kein Meisterwerk.

  • Nachdem das zehnjährige afroamerikanische Mädchen Tonya brutal vergewaltigt wurde, deren dreht Vater Vater Carl Lee durch und knallt die beiden weißen Täter vor dem Gerichtssaal ab. Es klingt nach einer Affekthandlung, aber Carl Lee hatte die Tat Tage vorher seinem Anwalt Jake Brigance gestanden. Dieser muss nun versuchen, vor Gericht für dessen Freiheit zu kämpfen. Was gar nicht so einfach ist: Der Ku-Klux-Klan warnt ihn zuerst und versucht anschließend mehrmals, Jake und seine Familie zu ermorden. Schließlich muss sogar die Nationalgarde anrücken, um in der Kleinstadt Clanton in Mississippi für Ordnung zu sorgen. Auch vor Gericht wird Jake mit unzähligen Problemen konfrontiert.

    Die ersten Kapitel, in denen das Verbrechen an Tonya geschildert wurde, waren nur schwer zu ertragen. Als Vater kann ich Carl Lee durchaus verstehen und habe umso mehr auf einen Freispruch für ihn gehofft. Den Anwalt Jake Brigance vor Gericht zu begleiten, war sehr interessant und zu keiner Zeit langweilig. John Grisham ist mit seinem Debütroman ein sehr bemerkenswertes Werk gelungen, das auch nach über dreißig Jahren nichts von seiner Brisanz eingebüßt hat.