Beiträge von Tina

    Oh, deine Frage hätte ich fast übersehen, Booklooker! Jetzt aber :-)


    Ich habe mich in das Land verliebt, als ich über die Russlanddeutschen recherchiert habe. Ich mochte schon immer Auswanderergeschichten, wollte aber kein typisches Sehnsuchtsland zum Thema machen. Mich zieht es generell mehr in den Norden und Osten. :-)


    Meine Trilogie über die Wolgasiedler (Weiße Nächte, weites Land u.a.) ist bei Weltbild erschienen. Für den letzten Band dieser Reihe bin ich zur Recherche nach St. Petersburg gefahren, wo ich in der Peter-Paul-Festung auf die dramatische Gründungsgeschichte der Stadt stieß. Vom ersten Moment an war mir klar: Diese Geschichte musst du erzählen.


    Liebe Grüße


    Martina

    Aber natürlich bin ich kein bisschen verärgert! Mir ist schon klar, dass nicht jeder mit dieser kaleidoskopartigen Erzählweise, bei der nicht ein einzelnes Liebespaar die Hauptrolle spielt, sondern eine ganze Stadt, perfekt zurechtkommt. Mir war die Multiperspektive wichtig, um aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln ein umfassendes Bild von St. Petersburg zu zeichnen.
    Umso schöner, dass du dich dennoch bis zum Schluss gut unterhalten gefühlt hast! Danke für deine hilfreichen Kommentare!


    Liebe Grüße


    Martina

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    Original von SiCollier
    Gut zu wissen, ich mag es nämlich überhaupt nicht - wie es bei der Wolga-Trilogie bei mir der Fall ist - wenn ich eine solche in verschiedenen Ausgaben (TB / HC) besitze. Dann warte ich noch so lange und tausche meine Bücher dann gegen die Schuberausgabe aus (falls das HC-Bücher sind). :-]


    Gute Plan, SiCollier! Ja, leider ist meine Wolgatrilogie (Weiße Nächte, weites Land u.a.) durch zwei verschiedene Verlage, unterschiedliche Verfügbarkeiten und die Rechtelage nur schwer in einem einheitlichen Look zu bekommen. Ich bin froh, dass Weltbild die Entscheidung getroffen hat, alles aufeinander abgestimmt noch einmal zu veröffentlichen. Den Schuber stelle ich mir dann auch ins Regal :-)

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    Original von Schwarzes Schaf


    Wird der Wodka nicht auch die ganze Zeit als "Wässerchen" beschrieben? Ich dachte die ganze Zeit, der Zar säuft Wodka so wie Wasser. :lache


    "Wodka" heißt tatsächlich "Wässerchen" - aber nein, der Zar trinkt zwischendurch tatsächlich Quellwasser, wie Rouge richtig bemerkt, um den Alkohol auszugleichen :grin


    Das ist übrigens so eine Tatsache, um die man einfach nicht herumkommt. Selbst in den seriösesten Quellen wird der Wodkakonsum der Russen benannt, und ich als Autorin muss mir dann vielleicht den Vorwurf gefallen lassen, ich greife Klischees auf :chen Nein, es ist kein Klischee, es ist belegt. Ich habe mich nicht beirren lassen und lasse sie das Zeug herunterkippen, wie es ihnen gefällt :-)

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    Original von Dreamchen
    Zoja sehe ich auch als Pulverfass das über kurz oder lang explodiert.


    Genau wie Lumos schrieb: eine tickende Zeitbombe. Ich freue mich, dass ihr das gleich richtig einschätzt.
    Zoja ist vermutlich alles andere als sympathisch - aber sie gehörte zu meinen Lieblingsfiguren. Ich mag solche zerrissenen Gestalten und schreibe gern über sie.

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    Original von Rouge


    Und das Peter so darauf bestanden hat, dass sich alle Russen europäisch kleiden, hätte ich ja auch nie gedacht. Da sind tatsächlich Russen abgeholt worden und unter Zwang europäisch angekleidet worden?? Ich kann mir vorstellen, dass sich der Zar damit nicht nur Freunde gemacht hat.


    Viele haben ihn gehasst dafür, dass er ihnen alles Russische austreiben wollte. Peter hat das in Kauf genommen, weil er fest davon überzeugt war, dass er seine Landsleute zu ihrem Glück zwingen musste. In Holland hatte er erlebt, wie die Leute aus seiner Gesandschaft in ihren Kaftanen und mit den langen Bärten von den aufgeklärten Europäern ausgelacht wurden - eine von vielen Episoden, die seinen Charakter und seine Geisteshaltung geprägt haben.

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    Original von Schwarzes Schaf
    Es wirkt so, als seien die Aufpasser total unfähig.


    Die Aufseher bekommen später noch ihr Fett weg :-) Ich fand es nicht unrealistisch, dass Erik und Helena sich treffen konnten. Erik läuft ja bespielsweise auch ohne Ketten herum, weil die Wächter ihn offenbar als harmlos einstufen.
    Die Arbeitsmoral der Soldaten, die diese Wachdienste übernahmen, war gewiss nicht die höchste: Wie so viele andere auch glaubten viele von ihnen nicht an die Visionen ihres Herrschers und hatten das Gefühl, sich für nichts und wieder nichts in dieser Sumpflandschaft abzurackern. Da kann ich mir gut vorstellen, dass der ein oder andere lieber bei einem Gläschen mit den anderen Karten gespielt hat, statt Wache zu schieben.
    Dennoch wird es ihnen der Zar nicht durchgehen lassen, wenn er merkt, dass sich der Schlendrian eingeschlichen hat :grin

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    Original von Schwarzes Schaf
    Das haben bestimmt auch einige ausgenutzt und sich ein angenehmes Leben gemacht. War die Art, von sich in der dritten Person zu sprechen, eine Eigenart der Gottesnarren oder nur eine witzige Idee von dir?


    Das habe ich mir ausgedacht, und ja, das fand ich auch witzig :-) Es führte zu sehr missverständlichen Dialogen. Seine merkwürdige Sprache soll Kostja zusätzlich charakterisieren.

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    Original von Eliza08
    Der Zar ist eine eindrucksvolle Persönlichkeit, ein Mann voller Widersprüche und mit Charisma. Ich bin sehr gespannt wie er die Geschicke seiner Stadt lenken will.
    .


    Während meiner Recherchen war ich auch hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Faszination. Ja, ein Mann mit Charisma - und auf jeden Fall ein Jahrhundert-Genie.

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    Original von SiCollier
    Gestutzt habe ich nur, daß zwischen der vom Zaren verwendeten niederländischen und der deutschen Form Hin und Her gesprungen wird.


    Das ist auch in meinen Recherchequellen so. Generell heißt es, dass die Stadt "am Anfang" St. Pieterburch hier, später St. Petersburg.

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    Original von Dreamchen
    Ob er dabei wirklich einen steigenden Lebensstandard für sein Volk im Sinn hatte oder vielleicht doch eher nur von den europäischen Herrscherhäusern als gleichwertig anerkannt zu werden, was ich eher vermute.


    Ich bin gespannt, welches Urteil du über ihn am Ende des Romans fällst ;-)

    Du bist ja flott unterwegs, Schwarzes Schaf! Klasse! Und ja, da hast du einen unbeabsichtigten Spoiler entdeckt ;-)


    Dass Paula und Willem den Tod des Hundes verschweigen, habe ich als etwas wie ein Jugendgeheimnis angelegt. Es spielt später noch eine Rolle :-) Sie wollen eben nicht, dass andere ihre Trauer um das tote Tier nicht ernst nehmen und es als eine Bagatelle abtun. Sie fühlen sich vereint in ihrem Schmerz.

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    Original von Lumos
    Mir gefällt das Buch nach wie vor gut, für mich vielleicht einen Hauch zu beschreibungslastig. Gerade wenn es um den Zaren geht, habe ich den Eindruck, dass besonders viel Rechercheinformation einfließt. Im Prinzip begrüßenswert, aber gegen ein bisschen mehr Action hätte ich nichts einzuwenden :-).


    Immer ein Balance-Akt beim Plotten. Mir ist die Aktion sehr wichtig, aber besonders bei diesem Roman wollte ich auch, dass die LeserInnen nach dem letzten Kapitel ein bisschen mehr über Peter den Großen, seine Erfolge und seine Niederlagen wissen.

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    Original von Schwarzes Schaf


    Kostja ist generell ein unberechenbarer Charakter, den kann ich noch gar nicht einschätzen. So ganz klar ist mir die Bedeutung eines Gottesnarrs noch nicht geworden. Auch google spuckt keine hilfreichen Ergebnisse aus.
    Insgesamt fühle ich mich - trotz des Vertrauens des Hundes - eher unwohl in seiner Gesellschaft.


    Kaum einer in meinem Roman ist nur gut oder nur böse. Ich denke, du wirst auch auch noch Kostjas gute Seiten kennenlernen.
    Die Russen hielten Narren für ein Sprachrohr Gottes, deswegen begegneten sie den scheinbar "geistig Zurückgebliebenen" mit höchstem Respekt. Normalerweise. Es sei denn, sie waren heillos betrunken :lache


    Ich mag solche schrägen Gestalten in meinen Romanen. Sie bekommen immer einen Ehrenplatz :grin

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    Original von Booklooker
    Das ist übrigens mein erstes Buch von dir, (Mar)Tina :-]


    Edit: Darf ich fragen, welches dein liebstes Buch (außer dem aktuellen) von dir ist? Ich brauche einen zukünftigen Lesetipp :-)


    Da muss ich nicht lange nachdenken: "Weiße Nächte, weites Land". Es handelt von der Auswanderung der Deutschen nach Russland im 18. Jahrhundert auf Einladung von Katharina der Großen. Wenn dir "Die Stadt des Zaren" gefällt, gefällt dir auch mein Buch über die Wolgasiedler. Zu diesem gibt es übrigens bei Weltbild auch noch zwei Folgebände ("Dunkle Wälder, ferne Sehnsucht" und "Weiter Himmel, wilder Fluss"). Hier bei den Büchereulen gab es Leserunden zu allen drei Titeln.
    Die Trilogie wird es 2018 als Sonderedition im Schuber geben.

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    Original von Booklooker


    Ich bin mir noch nicht so sicher, was ich vom Zaren halten soll. Auf eine Art ist er sehr interessant, weil er Grips hat, auf der anderen Seite ist er so grausam. Aber vermutlich ist das die damalige Zeit.


    Ich fürchte, ihr werdet noch öfter zwischen Sympathie und Abneigung schwanken :lache Zar Peter ist schwer zu fassen: in seiner Grausamkeit ein Kind seiner Zeit, in seinem Genie, seinem Wissendurst, seinem Fortschrittsglauben seiner Zeit weit voraus.