Beiträge von Seinfeld

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    Original von arter
    Dazu tragen zugegebenermaßen für mich ausgesprochenen Segel-Muffel auch ganz subjektiv die ausführlichen Schilderungen der seglerischen Aktivitäten inklusive Wetter-Probleme beim September-Johannes bei. Ich wollte eigentlich jetzt den Schiffseigner kennen lernen.


    Ja, so ging es mir auch. Die Kapitel 21 und 23 sind nicht schlecht per se, allerdings bremsen sie doch etwas die Spannung. Das Unwetter fand ich unnötig, wobei es natürlich schon eine gewisse Ironie aufweist: Johannes überlebt die menschliche Katastrophe in den Höhlen Afghanistans und wird nun beinahe von einer kleinen Naturkatastrophe umgebracht.


    Hervorragend gefielen mir aber die Kapitel rund um die Vorbereitung und Befreiung der Soldaten. Hier ist das Buch wirklich verdammt stark geschrieben und lässt einen nicht mehr los. Zumal auch wieder ein Bezugspunkt auf die Selbstzweifel von Johannes in Bezug auf seine Mission hergestellt wird (Seite 197):


    "Dann denk eben nicht so viel", murmelte er, "sondern mach Deine Arbeit. Und mach sie gut. Sonst sterben wieder Leute..."


    Ich bin gespannt wie alle Fäden nun in den letzten Kapitel zusammenlaufen.

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    Original von PMelittaM
    Alles in allem ein guter Thriller, nicht der ganz große Wurf, aber doch so, dass ich die weiteren Romane auch lesen möchte. Ich mag die beiden Ermittler und ich glaube der Autor weiß, wovon er spricht ...


    Ja, ich werde die anderen Romane auch lesen. Zum Ende hin sind mir Hunter und Garcia doch deutlich sympathischer geworden, das hätte ich so eigentlich nicht mehr vermutet.

    Ein wahrlich aufregender Abschnitt! Als gelungene Grundlage für den Spannungsaufbau ist hier natürlich diese klaustrophobisch anmutende Atmosphäre auf dem Segelboot zu benennen: Es ist Nacht, die Lichter auf dem Boot sind erloschen und Johannes kann sich nur noch auf sein Gehör verlassen. Hilfe von außerhalb ist in absehbarer Zeit keine zu erwarten, denn der Engländer wurde vermutlich bereits ausgeschaltet.


    Keine guten Bedingungen für Johannes, der sowieso schon unter seinen Panikattacken leidet. Dazu diese latente Bedrohung: Johannes hört die Killer, sieht sie aber bis zum Schluss nicht. Erst mit dem Beginn seines Gegenangriffes bekommen die Täter ein Gesicht und er hat nun definitiv die Gewissheit, dass er am Flughafen tatsächlich schon verfolgt wurde.


    Auch die Story rund um Jamal entwickelt sich prächtig: Seine Vorbereitungen für seinen, nennen wir es mal Putsch, laufen auf Hochtouren und seine Figur ist in der Tat tiefgründiger als man zunächst erahnen konnte.


    Die Entführung der Bundeswehrsoldaten ist sehr bitter, aber auch erschreckend realistisch beschrieben.


    Anbei noch ein Absatz (Seite 97), der mir sehr gut gefallen hat, weil er kurz und prägnant die gesamte deutsche Afghanistanpolitik zusammenfasst:


    Vor zwei Wochen hatte auch die Bundeswehr wieder drei Todesopfer zu beklagen.
    Wofür?
    Johannes zuckte zusammen. Gefährliche Frage.
    Nicht jetzt!


    Es ist in der Tat eine heikle und gefährliche Frage, auf die es auch keine wirklich passende Antwort gibt. Afghanistan versinkt in Korruption und Habgier, der Westen schaut zu. Antworten bekommt man keine, Stichwort: "Nicht jetzt!"


    Unbequeme Angelegenheiten werden leider allzu oft zur Seite geschoben.
    Und je länger man darüber nachdenkt, desto mehr macht einen diese Frage vermutlich verrückt.

    Ich habe die ersten sieben Kapitel nun auch gelesen und bin begeistert, bislang ist das Buch ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Ich muss zugeben, dass ich als absolute Landratte nichts mit dem Segeln anfangen kann und daher etwas skeptisch war. Ich finde es daher gut, dass der Segelausflug wohl als "Mittel zum Zweck" zu verstehen ist, der Beginn einer brisanten politischen und menschlichen Tragödie. Ich bin sehr gespannt wie sich die Geschichte entwickelt.


    Was mir noch aufgefallen ist: Johannes personalisiert die Katze und versucht sie krampfhaft zu beschützen, vor allem denkt er immer wieder an sie. Meines Erachtens geht das weit über Empathie oder Altruismus hinaus und ist bereits eine Form des egoistisch motivierten Hilfeverhaltens. Johannes sieht in der Katze wohl eine neue Chance, die Rolle des Beschützers zu übernehmen. Also genau das was er bei den Kindern nicht geschafft hat.

    Chris Carter: Der Vollstrecker


    Ein Priester wird geköpft, seiner Leiche ein Hundekopf aufgesetzt. Eine Frau verbrennt bei lebendigem Leibe in einem verlassenen Haus. Eine weitere wird an den Füßen aufgehängt und in ihrer eigenen Badewanne ertränkt. Detective Robert Hunter und sein Kollege Garcia sind auf der Jagd nach einem brutalen und gewissenlosen Killer. Ein Killer ohne Erbarmen, der weiß, was seine Opfer am meisten fürchten.

    Sam Bourne: Tag der Abrechnung


    Direkt vor dem Gebäude der Vereinten Nationen wird ein Attentäter erschossen. Dann der Alptraum: der Tote war ein unschuldiger Mann und zudem ein Überlebender des Holocaust. Der Anwalt Tom Byrne soll die Familie in England beruhigen und einen Skandal für die UN vermeiden. Doch der alte Mann war nicht so harmlos, wie es scheint. Tom entdeckt eine geheime Bruderschaft, die seit über sechzig Jahren weltweit für mysteriöse Todesfälle verantwortlich ist. Es geht um die letzten Täter des Zweiten Weltkrieges und der Tag der Abrechnung ist jetzt erst da. Der brisante Thriller um eine Verschwörung, die es wirklich gab: von Bestsellerautor Sam Bourne.

    Chris Carter: Der Kruzifix-Killer
    ISBN: 9783548281094
    Ullstein Taschenbuch, 480 Seiten, 9.95 €


    Über den Autor:
    Chris Carter, geboren 1965, studierte in Michigan forensische Psychologie und beriet viele Jahre die Staatsanwaltschaft. "Der Kruzifix-Killer" ist sein Debütroman.


    Inhalt:
    Er kennt keine Gnade. Er tötet grausam. Und er ist teuflisch intelligent. Los Angeles: Die Leiche einer wunderschönen Frau wird gefunden, zu Tode gequält und bestialisch verstümmelt. Keinerlei Spuren. Bis auf ein in den Nacken geritztes Kreuz, ein Teufelsmal: das Erkennungszeichen eines hingerichteten Serienmörders. Detective und Profiler Robert Hunter wird schnell klar, dass der Kruzifix-Killer lebt. Er mordet auf spektakuläre Weise weiter. Und er ist Hunter immer einen Schritt voraus - denn er kennt ihn gut. Zu gut.


    Rezension:
    Chris Carter widmete seinen Debütroman dem großen Gebiet der Serienmörder. Im Gegensatz zu vielen Autoren, die ausschließlich als Trittbrettfahrer auf diesem Gebiet werkeln, studierte Carter tatsächlich forensische Psychologie und weiß somit, worüber er schreibt. Diesen akademischen Hintergrund merkt man allerdings zu selten, oftmals verliert sich der Autor in unbedeutenden Dialogen oder Nichtigkeiten. Hin und wieder findet man dann aber doch ein paar Abschnitte über die forensische Psychologie, beispielsweise wenn Detective Hunter den Unterschied zwischen einer multiplen Persönlichkeitsstörung und Schizophrenie erläutert, welche auch hierzulande immer wieder fälschlicherweise gleichgesetzt wird. Schade, dass Chris Carter nicht öfters solche wissenschaftlichen Einblicke gewährt, sie hätten prima zur spannenden Story gepasst.


    Apropos Spannung: Die Geschichte des Duos um Detective Hunter und dessen jungen Kollegen Garcia, welches sich auf die Jagd nach dem Kruzifix-Killer begibt, bietet eine hervorragende Spannungskurve, ohne dabei aber einen allzu intensiven erzählerischen Tiefgang zu erreichen. Stattdessen setzt Chris Carter auf detaillierte Beschreibungen der Tatorte und Foltermethoden des Killers, was einerseits zwar sehr realistisch wirkt, andererseits als Stilmittel aber schon zu oft in diesem Genre verwendet wurde.


    Detective Hunter selbst kommt als Hauptfigur nur schwer in Gang, was vor allem daran liegt, dass er so ziemlich jedes nur erdenkliche Klischee eines Ermittlers erfüllt. Einerseits ist er ein versierter Taktiker, ein allwissender Experte über die menschliche Seele und ein wahrer Bücherwurm, andererseits hingegen leidet er unter Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und natürlich am obligatorischen übermäßigen Alkoholkonsum. Es fehlt eigentlich nur noch das eigene Detektivbüro und wir wären wieder in den 40er Jahren angekommen. Garcia bleibt als Sidekick anfangs etwas blass, weil er sich ebenso wie Hunter zu vorhersehbar verhält. Erst im späteren Verlauf wird seine Figur interessanter. Die restlichen Ermittler agieren weitgehend als Statisten, nur der Captain des Reviers und der zuständige Gerichtsmediziner dürfen zwischendurch immer wieder einmal das Rampenlicht betreten.


    In einer Nebenstory erleben wir den Drogenkönig und Zuhälter D-King, der in der Unterwelt von L.A. auf der Suche nach dem Mörder eines seiner leicht bekleideten Mädchen ist. Zwangsläufig wird auch Detective Hunter in diese Geschehnisse miteinbezogen, was vor allem am Ende noch zu einigen brisanten Entwicklungen führt. In diesem Kontext wird auch immer wieder versucht, Fragen nach Moral und Anstand in die Geschichte einfließen zu lassen. Darf man als Leser Mitleid mit Kriminellen haben, die auf noch üblere Weise von anderen Kriminellen fertig gemacht werden? Ist ein Dealer oder Mörder in seinem Inneren vielleicht doch zu Empathie fähig? Leider werden diese Fragen vom Autor nur unzureichend angeschnitten, da es den Charakteren am notwendigen Tiefgang mangelt, um sich in sie hinein zu versetzen.


    Am Ende bleibt somit nur die von mir bereits angesprochene Spannungskurve, welche das Buch lesenswert macht. Nach jedem Kapitel fragt man sich einfach unweigerlich, wie es wohl weitergeht und das ist ja in letzter Konsequenz auch der Sinn eines gut geschriebenen Thrillers. Das blutige Finale nähert sich nach jedem Abschnitt auf eine bedrohliche Art und Weise und irgendwie will man ja dann auch endlich wissen, wer der Mörder ist. Mit etwas Kombinatorik weiß man das zwar schon nach der knappen Hälfte des Buches, aber es bleibt dann ja immer noch die Suche nach dem Motiv.


    Fazit: "Der Kruzifix-Killer" ist ein kurzweiliges, interessantes und aufregendes Buch, welches leider auf jeglichen Tiefgang verzichtet, dafür aber eine umso spannendere Geschichte bietet.


    8 von 10 Punkte

    Überraschung, Überraschung... Isabella ist also wirklich die Mörderin. Naja, war vorhersehbar. Dennoch waren auch die letzten 80 Seiten gut zu lesen, vor allem weil auch die Nebenstory mit D-King noch verdammt heftig wurde. Leider versuchte Chris Carter hier nochmal eine Diskussion rund um Moral zu starten. Darf Hunter wirklich einfach so gehen? Hat man als Leser Verständnis für einen Drogendealer der plötzlich einen auf Moralapostel macht? Das ganze wird zu oberflächlich behandelt um wirklich eine nachhaltige Diskussion zu starten.
    Die Auflösung am Ende ist ganz ordentlich, typische Rachestory eben.
    Nur, was soll die Schwangerschaft von Brenda/Isabella noch am Ende? Wollte der Autor nochmal Emotionen beim Leser aufrütteln? Hätte er sich sparen können.
    Insgesamt ist das Buch nettes Thriller-Fastfood, leicht zu lesen, durchgängig spannend. Tiefgang im Großen und Ganzen aber Fehlanzeige. Rezension folgt noch, aktuell würde ich wohl um eine Wertung von 8 Punkten tendieren.



    EDIT: Meine Rezension ist fertig

    Tiësto :anbet (für alle die keine elektronische Musik hören: Diesen DJ gibt es wirklich und er ist wirklich so gut wie im Buch beschrieben)


    Oha, D-King hat also die DVD bekommen. Für einige Personen wird es sicherlich kein gutes Ende geben...


    Und ich bin einmal gespannt, woher Hunter den Besitzer vom Fitness-Studio kennt.


    Fazit: Die Seiten 327-400 haben mir richtig gut gefallen. Sehr viel Ermittlungsarbeit und viele Befragungen (sowohl von der Polizei als auch von D-King/Jerome). Dazu wird der Kreis zum Anfang des Buches auf eine sehr spannende Art und Weise geschlossen.

    Auf Seite 260 sagt Isabella:


    "Das Ding, das du da gezeichnet hast. Das hab ich schon mal gesehen. Ich dachte, es müsste irgendwas bedeuten."


    Das kann einfach kein Zufall mehr sein. Spätestens hier ist klar, dass Isabella zumindest Kontakt zum Killer hat. Oder sie ist es selbst. Ihre Erläuterungen ab Seite 270 untermauern die These, dass sie Hunter einfach nur etwas vormacht und ihn gewaltig an der Nase herumführt.


    Müsste ich mich jetzt schon auf einen Täter festlegen, meine Wahl fällt eindeutig auf Isabella.

    Hmm... Isabella arbeitet also an der Uni im Biomedizinischen-Labor und der Killer kennt sich mit Biomedizin aus. Das schreit doch geradezu nach einer Verbindung... vielleicht ein Arbeitskollege? Oder macht sie mit dem Killer sogar gemeinsame Sache?


    Der ermordete Anwalt kannte den Killer von den SM-Partys. Die Art und Weise wie er verstümmelt wurde passt also zu dieser sexuellen Komponente... ich will jetzt noch nicht vorschnell urteilen, aber irgendwie wird das gerade alles recht vorhersehbar.


    Nichtsdestotrotz liest sich das Buch wirklich gut und flüssig. Spannend ist es auch - bislang bin ich zufrieden.

    Ich lese gerade ebenfalls für die Leserunde:


    Zitat

    Original von xexos
    ebenso Leserunde


    Hat er bei seinem letzten Einsatz in Afghanistan, den er selbst nur knapp überlebte, zwei unschuldige Kinder getötet? Johannes Clasen kann sich an die Minuten, die sein Leben scheinbar für immer zerstört haben, nicht erinnern: Kongrade Amnesie. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus hofft er, auf einem Segeltörn in der Ägäis seinen Frieden zu finden. Doch kaum in der Türkei angekommen, wird er dort von Unbekannten verfolgt. In einer abgelegenen Bucht kommt es schließlich zum Kampf auf Leben und Tod zwischen ihm und seinen geheimnisvollen Gegnern. Erneut muss er sein Leben riskieren und dabei erkennen, dass er einen erbarmungslosen Feind hat, dessen mächtiger Arm vom Hindukusch bis an die Ägäisküste reicht

    So, jetzt wird es interessant. Hunter und Garcia wirken mittlerweile um einige Ecken sympathischer als in den vorangegangenen Kapiteln, vor allem Garcia scheint ja richtig aufzublühen (beispielsweise bei seiner Attacke gegen JJ).


    Was mir ebenfalls gefällt: Die Beschreibungen des rechtsmedizinischen Institutes. Das wirkt einfach alles authentisch ohne diesen Übertriebenen "CSI-Faktor". Und man merkt, dass der Autor Chris Carter forensische Psychologie studierte. ENDLICH wird in einem Roman einmal klargestellt, dass entgegen aller weitläufigen Meinungen eine Schizophrenie keine multiple Persönlichkeitsstörung ist. Da freut sich mein Psychologie-Studenten-Herz. :grin


    Mit Culhane gibt es nun natürlich auch noch den obligatorischen bestechlichen Cop. Ich bin gespannt wie weit er mit seinen Ermittlungen für Jerome und D-King kommen wird, auf der richtigen Spur ist er ja bereits.


    Ob der angebliche Bootsunfall von Scott noch aufgelöst wird? Das wäre definitiv noch interessant zu wissen was damals wirklich passierte.