Beiträge von Luc

    Die Perspektivwechsel kommen richtig gut. Ich bin sowieso ein Fan von Kurzkapiteln. Boris ist der Haudrauf-Russe vom Dienst und jagt dem verlorenen Schatz nach. Der Engländer wird sicher später noch eine tragende Rolle spielen. Betty hat Geheimnisse, alle haben Geheimnisse, nur Paul und Vera wirken normal. Ein spannender Aufbau!

    Also erste einmal: Hut ab vor der Umschlaggestaltung! In letzter zeit hatte ich nichts vergleichbar Gutes in Händen. Ansonsten bin ich gefesselt von dem Buch. Gleich zu beginnt kommt mächtig Spannung auf und die Charaktere kommen sehr wirklichkeitsnah rüber, mit all den kleinen Zufällen konfrontiert, die in einem Unterhaltungsroman Platz haben. So wird die junge Jüdin Eva ausgerechnet von einem Canaris Jünger aus der Frontstadt Paris gerettet und darf daraufhin die Reise in den Orient antreten. Im Zug will sie ihren Gönner Carol zur Rede stelle, der sie schmählich im Stich gelassen hat. Da ist eine Menge Zündstoff im Orient Express und eine exklusive Gesellschaft voller Geheimnisse. Sehr fein geschrieben. Hoffe, es geht in dem Stil weiter!

    Für Augenblicke lässt Cheryl Hansen die Tochter allein und das Unfassbare geschieht. Das Kind verschwindet aus dem Leben der Mutter. Der Polizist Frank Decker weiß was zu tun ist, das Grauen zieht die Routine der üblichen Verdächtigungs- und Ermittlungsrituale nach sich, die oft für Decker in der Erkenntnis münden Zeuge eines familiären Konfliktes geworden zu sein. Doch hier ist alles anders. Die Polizei sucht die gesamte Umgebung, ohne Ergebnis ab und plötzlich wird ein anderes Kind tot aufgefunden.


    Schnell scheint klar zu sein, dass es keine Verbindungen zwischen den Fällen gibt. Hailey Hansen bleibt verschwunden. Ein Gesicht, ein Vermissten-Foto, ein Schicksal, dass Frank Decker keine Ruhe mehr lässt. Da sich seine Ehe sowieso gerade in Auflösung befindet hält en Mann nichts mehr in Lincoln, Nebraska. Überzeugt davon, dass Hailey noch lebt, reist er los, um das Mädchen aufzuspüren. Und tatsächlich, die Aussage einer Frau gibt ihm Hoffnung auf der richtigen Fährte zu sein. Der Weg führt in nach New York, mitten in die Welt der Schönen und Reichen, einer Stadt der Träume, die sich manchmal in Alpträume verwandeln.


    Wie in einem dahin rasenden Zug kam ich mir mit dem Buch Missing. New York vor. Don Winslows Kurzkapitel-Stakkatostil, seine Fähigkeit praktisch sofort Spannung aufzubauen und bis zum Schluss durchzuhalten machen den Roman zu einer süffigen Lektüre für zwischendurch. Ein Burger King Erlebnis mit Wiedererkennungswert, weil man die prägnant erschafften Charaktere allesamt schon einmal gelesen oder gesehen zu haben glaubt. Was nicht gegen das Buch spricht, es aber in eine Ecke der Vorhersehbarkeit drücken, die den schreibtechnischen Fähigkeiten des Autors widersprechen.


    Denn zweifellos ist Don Winslow ein Großer seines Fachs. Die im Grunde schwere Kost der Kindesentführung wird mit einer Leichtigkeit ans Tageslicht gehoben, wie es selten zu finden ist. Eine schneidend präzise Sprachfertigkeit zeichnet den Mann aus und man fühlt tatsächlich mit dem verschleppten Kind mit, dass sich an einen Spielzeuggaul Namens Magic klammert, wie an eine Rettungsboje. Frank Decker ist ein Sympathieträger auf den kleine verletzte Seelen hoffen können, der Mann lässt dich nicht im Stich. Wollen wir hoffen, dass es solche Menschen tatsächlich gibt. Ich glaube ja daran. Insgesamt ein glänzend durchkomponierter Thriller mit Gütesiegel. 8 von 10 Punkten

    Die Auflösung finde ich gelungen. Den Modefuzzi musste man sowieso auf dem Schirm haben, bei der Ähnlichkeit, die Shea mit dem Opfer hatte.


    Aber dabei belässt es Don Winslow nicht, viele sind in den Fall verwickelt, die Mafia, alter amerikanischer Geldadel, Clay, Gaines, die Mafia und Russo. Mich haut zwar die Person Frank Decker noch nicht richtig vom Hocker, aber eine gewisse Zuneigung zu dem Kerl verspüre ich schon. :grin

    Jetzt geht es endlich nach New York. Ins Herz des Verbrechens, wie uns die Werbung zum Buch verspricht. Und tatsächlich legt das Buch hier, was die Figurenzeichnung angeht deutlich zu. Shea und Clay finde ich interessante Charaktere. Sie, ein junges Model, dass der der verschwundenen Hailey erstaunlich ähnlich sieht. Er, ein schwer einzuschätzender kreativer Kopf, der Wochenenden in den Hamptons verbringt, um sich ganz seiner Schöpfung- Shea zu widmen.


    Einige Beschreibungen haben mir außerordentlich gut gefallen. Dieser degenerierter Haufen Menschen in Clays Villa... Shea legt es bei Decker darauf an, sie ist undurchsichtig, wie Clay. Decker bekommt Druck durch einen Bullen, der freiberuflich für Clay arbeitet. Die ganze düstere Seite der Stadt kommt nun zum Vorschein.


    Noch habe ich keine Ahnung, wie das alles zusammenhängt. :gruebel


    Aber Shea muss der Schlüssel zu Haileys Verschwinden oder Auffinden sein. Davon bin ich inzwischen überzeugt!

    Brittanys Mörder ist ein schmieriger Typ, ohne Gewissen. Aber Gaines hat nichts mit Hailey Verschwinden zu tun. Dann legt Decker Knall auf Fall seine Dienstmarke auf den Schreibtisch, um das Mädchen auf eigene Faust zu suchen, was mir eine Spur zu abrupt rüberkommt, weil ich die Motivation nicht ganz nachvollziehen kann. Aber gut, die Ehe geht anscheinend in die Brüche.


    Hailey wird derweil mental umgepolt, von nun an soll sie Mandy heißen. Viele Monate reist Decker durch die USA um das Kind zu finden. Er will schon aufgeben, als ihn ein Anruf aus der Lethargie des Scheiterns reißt. Eine Frau ist sich sicher Hailey gesehen zu haben. tatsächlich- er hat eine Spur und sie führt ihn zu einem alten Hippie Pärchen. Er ahnt nicht, wie nah er der Lösung des Falls ist.


    Den Spannungsaufbau finde ich wirklich gelungen. Don Winslow hat einen herrlichen Schreibstil. Er drückt mächtig aufs Tempo und würzt das Ganze mit treffsicheren Vergleichen.

    Ein Kind verschwindet in Lincoln, Nebraska. Der Polizist Frank Decker kann zu nächst einmal gar nichts ausschließen. Die Mutter hatte früher ein Alkoholproblem, der dunkelhäutige Vater ist längst über alles Berge, die Tochter ist wie vom Erdboden verschluckt. Ein Mord ist wahrscheinlich. Als ein weiteres Mädchen verschwindet weisen alle Verdächtigungen in eine Richtung. Auffallend ist der packende Schreibstil, die ungemein knappen Kapitel, die mich gleich in die Geschichte eingesogen haben. Die kleinen Einschübe, aus der Sicht des Opfers geschrieben verraten noch nicht viel, bringen aber zusätzlich Spannung. Schon weil es sich bei der Vermissten, um eine kleines Kind handelt. Frank Decker ist ein zupackender Bulle mit den üblichen Privatproblemen. Wohin die Reise mit ihm gehen wird, muss sich noch zeigen. Ein solider Einstieg in den Roman.

    Jeanette Kihlbergs Ermittlungen in einer Mordserie stocken, bis der Horror weitergeht und ein Geschäftsmann auf brutale Weise regelrecht abgeschlachtet wird. Ein Täterprofil muss her. Zum Glück kennt Jeanette Kihlberg die Psychologin Sofia Zetterlund, deren Hilfe, die im Dunklen tappende Polizisten, in Anspruch nimmt. Immer wieder taucht der Name Victoria Bergmann auf. Doch die Frau scheint, wie vom Erdboden verschluckt. Und in Sofia Zetterlund gären Dinge, die die Normalität schwedischer Ikea Gemütlichkeit sprengen und ins Herz des Grauens führen.


    „Narbenkind“ spielt sich, wenn man mal von dem üblichen Krimigedöns absieht, auf zwei Ebenen ab. Da geht es zunächst, um Kindesmissbrauch, der in aller Brutalität und Realitätsnah geschildert wird. Täter, die ihren Nachwuchs zu Gebrauchsgegenstanden erklären und nach Lust und Laune schlagen, vergewaltigen und ausnutzen. Ihre Ehefrauen wirken, wie reine Staffage, tragen aber durch wegsehen maßgeblich Schuld an den Ereignissen, die sie nach Jahrzehnten mit aller Härte wieder einholen.


    Die zweite Erzählebene bildet ein psychologisches Verwirrspiel der Sonderklasse. Die seelische Zersplitterung der Opfer, lässt nur die Flucht in multiple Persönlichkeitsstrukturen zu, eine Schutzburg, in der das Opfer zum Täter mutiert. Oder kommt der Mörder aus einer ganz anderen Ecke der Vergangenheit? Im Grunde ist das erst ganz am Ende des Buches zu durchschauen. In der Romanform habe ich persönlich noch nichts Ähnliches zu dem Thema gelesen. Manchmal gibt es Filme zu dem Thema, aber nie mit dieser brachialen Intensität, die von einer waghalsigen Konstruktion getragen wird, von der wir wohl erst nach dem dritten Teil wissen, ob sie wirklich trägt. In „Narbenkind“ ist äußerst vielschichtig angelegt. Selbst die ermittelnde Kriminalbeamtin macht eine interessante Entwicklung durch, die ich phasenweise allerdings für eine dicke Spur zu dick aufgetragen empfand. Ansonsten ein richtig guter Thriller.

    Ich staune. Ich staune. Madeleine ist Victorias Tochter und meuchelt alles was ihr in die Quere kommt. Sie übertrifft ihre Mutter noch an Kaltblütigkeit. Für mich ist manches eine Spur zu dick aufgetragen. Was Gao in der Geschichte macht erschließt sich mir bislang noch nicht. Und unsere Jeannette tapert ziemlich peilungslos umher, wo die Lösung ihr praktisch direkt vor die Nase gehalten wird. Nun ja. Das kann man alles machen. Fürwahr eine waghalsige Konstruktion. Und die gequälten Mädchen aus denen Monster werden? Das hat was. Natürlich.

    Ich sehe schon kurz davor mir Namenslisten zu schreiben, so verwirrend viele Menschen mit abnormen Neigungen tauchen auf. Die meisten scheinen allerdings direkt Victoria entsprungen, die auch noch Mutter zu sein scheint oder habe ich da was missverstanden? Victoria finde wirklich sehr interessant beschrieben. Diese Figur vermag mich zu fesseln. Bei Jeanette bin ich mir manchmal nicht sicher, ob die Autoren eventuell über das Ziel hinausschießen. Müsste sie sich nicht viel schneller und vehementer auf die Spuren von Sofia setzen? Die Spannung bezieht der Roman hauptsächlich aus dem Verwirrspiel und der Entwicklung Victorias, alles andere ist dem untergeordnet. Bei mir funktioniert das soweit.

    Puh, dieser Abscnitt hat es ganz schön in sich. Ich finde ihn wesentlich spannender, als die Passage davor. Wer hier in bestialischer Weise meuchelt, hat sich mir noch nicht erschlossen. Zunächst war ich sicher davon ausgegangen, dass Victoria am Werke ist. Aber diese zweihändige Anstreicherin auf Kriegspfad könnte auch ein anderes armes Geschöpf sein, dem nun die Sicherungen durchbrennen. Alles sehr brutal und widerwärtig, für meinen Geschmack. Nach diesem Roman muss ich dringend einmal etwas Pippi Langstrumpfmässiges aus Schweden lesen, damit ich nicht zu glauben beginne, der hohe Norden bestünde nur aus durchgeknallten Irren. Der Name Viggo Dürer hat es mir ja angetan. Ist natürlich auch ein Unmensch.

    Das ist mit Abstand die ruhigste Passage der beiden Bände. Wenig handlungsintensiv, dennoch durchaus spannend, weil jetzt ziemlich tief die Persönlichkeit von Victoria-Sofia ausgeleuchtet wird. Schöne Idee, die Psychopathin von polizeilicher Seite zur Aufklärung der Mord und Vermissten fälle heranzuziehen. Eine Frau sucht hier in doppelter Hinsicht sich selbst. Gut dargestellt das sonderbare Verhältnis Vater-Victoria Verhältnis und das duckmäuserische Weggucken, der Frau Mama. Die Männer bekommen hier reihenweise ihr Fett weg. Pädophile, Vergewaltiger, abwesende Väter, kriminelle Staatsanwälte. Na ja, die Frauen sind auch nicht viel besser. Jeanette gewinnt für mich an Konturen. Bislang bin ich ganz zufrieden mit dem Gelesenen, wenn auch nicht überschwänglich glücklich!

    So, jetzt habe ich auch begonnen. Grundsätzlich bin ich gut in die Geschichte gekommen. Was nach dem Schluss von Teil 1 eigentlich auch zu erwarten war. Die Spannung wird gleich wieder mit hinüber genommen, von der ersten Seite weg. Problematisch finde ich allerdings, wie lax Jeanette zu Beginn mit Sofia umgeht. Eine Polizistin müsste meiner Meinung nach mit mehr Sorgfalt arbeiten und misstrauischer agieren. Wie die Blitzschlags-Geschichte in die Ermittlungen passen wird sich sicherlich noch zeigen. Seltsamer Zufall. Die Entwicklung Victoria-Sofia finde ich interessant, wobei mir Gao, wie unheilvoller Henker für die Zukunft vorkommt. Und Sofia schlägt im Krankenhaus gleich wieder zu.

    Liebe Büchereulen,
    acht Jahre bin ich nun bei den Büchereulen, habe Rezensionen geschrieben, beim Kurzgeschichtenwettbewerb mitgemacht und den Jahreswettbewerb einmal gewonnen. Ich habe mich fleißig bei Leserunden beteiligt, so ziemlich jeden Tag das Forum aufgesucht und dennoch verspüre ich heute so etwas wie Lampenfieber. Denn nun steht der Seitenwechsel an. Mein erster Roman ist vor wenigen Tagen im E-Book Format erschienen.


    Inhalt:
    Auf Bitten seiner Schwester kehrt der beruflich frustrierte Rico Steiner nach sieben Jahren auf den elterlichen Biobauernhof im Süden Frankreichs zurück, um seinen verschwundenen Vater zu suchen. Nach seiner Ankunft umgarnt ihn seine Exfreundin Sandrine Lasalle. Als Ricos Lebensgefährtin aus Düsseldorf anreist, eskaliert die Situation.


    Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit beginnt. Rico begegnet seinem Jugendfreund Bertrand, der im Rollstuhl dahinvegetiert. Weil er sich mitschuldig an dessen Schicksal fühlt, verspricht ihm Rico, ihre aufgelöste Musikband Perdu für einen Auftritt wieder aufleben zu lassen. Eine alte Wunde bricht auf: Warum hat er seine Karriere als Künstler aufgegeben?


    Über Eulenreaktionen zu dem Buch würde ich mich sehr freuen!
    Liebe Grüße
    Luc