Beiträge von Luc

    Bin schwer beeindruckt. Die ersten knapp Hundert Seiten habe ich in Rekordgeschwindigkeit gelesen. Dabei hat er der Roman psychologische Tiefe und spart auch keine gesellschaftskritischen Seitenhiebe aus.


    Die ständig wechselnden Perspektiven machen das Lesen zusätzlich leicht. Es gibt gleich drei interessante Frauen. Die Ermittlerin, Sofia und Viktoria, alle überzeugend authentisch gezeichnet. Ich glaube kaum, dass Victoria die Täterin ist.


    Ich musste mehrfach auch ziemlich schlucken bei dem Verbrechen zu Beginn. Diese ganzen Grausamkeiten, mag man sich alles gar nicht vorstellen.

    In Saskia Sarginsons Roman „Zertrennlich“ treibt das Schicksal einen Keil zwischen das Zwillingspärchen Viola und Isolte. Nein, sie sind nicht wirklich zerstritten. Isolte kümmert sich fürsorglich um die magersüchtige Schwester, die im Krankenhaus medizinisch versorgt wird. Es ist ein dunkles Ereignis aus der Vergangenheit, dass die Geschwister voneinander trennt und sie völlig verschiedene Lebenswege einschlagen lässt. Isolte arbeitet sich auf der Erfolgsspur des Lebens in London nach oben. Viola lässt sich vom Strom ihrer Unzulänglichkeiten mitreißen. Sie geht den Weg, ihrer Mutter Rose, die an ihren Aussteigerträumen verzweifelt und beim Sprung aufs sittsame Familienfestland eine Katastrophe auslöst. Denn in jenem englischen Sommer begegnen Viola und Isolte einem wilden Bruderpärchen, das sich in den Wäldern herumtreibt. Immer auf der Suche nach Abenteuern, nach einem Halt im Leben, den die Erwachsenenwelt Ihnen verweigert.


    „Zertrennlich“ wird aus den Perspektiven von Viola und Isolte heraus erzählt. Die Geschichte wirkt dadurch zu Beginn etwas sprunghaft, der spröde Erzählton von Isolte hat natürlich einen Grund tief in der Vergangenheit. Das wirkte auf mich absolut authentisch, leider allerdings auch leicht distanziert, wodurch die Bindung an das Zwillingspärchen lange Zeit bei mir nicht aufkam. „Zertrennlich“ ist ein Buch, dass man sich hinein arbeiten muss. Dann entfaltet dieses düstere Schicksals-Potpourri durchaus die gewollte Wirkung. Denn die eigentlichen Geheimnisse versteht die Autorin meisterhaft zu verstecken. Von imponierender Sprache, ausgefeilter Erzählweise und guter Beobachtungsgabe getragen.


    Allerdings mündet der Roman nach dem schwerfälligen Anfang in ein unsäglich seichtes Ende, dass ich zudem inhaltlich nicht nachvollziehen konnte. Insgesamt kein schlechter Roman. Länger im Gedächtnis bleiben wird mir das Buch allerdings nicht.

    Von dem Schluss bin ich enttäuscht. Die wundersame Genesung von Viola stößt mir säuerlich, bis kitschig auf. Überhaupt frage ich mich gegen Ende, warum sie den über alles geliebten John niemals wieder aufgesucht hat und nichts von dessen Gefängnisaufenthalt und dem Mord gewusst haben will. Bei einer derart stark gezeichneten Bindung finde ich das total unglaubwürdig. Sie muss diesen harmlosen Pubertätsschmatzer zwischen Isolte und John doch längst als das enttarnt haben, was es war.


    Der Rest wirkt dann ziemlich zusammengestoppelt auf mich, ein mehr oder weniger offenes Ende für Polly. Keine Konfrontation zwischen John und Viola. Isolte taucht bei einer Nebenveranstaltung ab, auf der sie belanglose Einsichten bekommt. Wie ich dem Klappentext entnehme arbeitet, die Autorin als Gutachterin für Drehbücher etc. Sie muss solche Schwachstellen also förmlich riechen. Eine erstaunliche Tatsache in Anbetracht dieses nicht immer nachvollziehbaren und kraftlos ausklingenden Endes. Insgesamt aber kein schlechter Roman. Rezi folgt!

    Pollys Verschwinden ist ein dramaturgischer Hammer. :hau. Auf diese Lösung wäre ich im Leben nicht gekommen. :pille Vermutlich dürften nun einige Konflikte zwischen Frank und Rose auflodern, die eine Lawine des Schreckens zur Folge haben werden. Für mich ist allerdings noch ungeklärt, warum der Vater Polly so einfach den Zwillingen überlässt, die sich dauernd mit diesen wilden Jungs herumtreiben.


    Die Spannung hat deutlich zugenommen. Auch baut sich zwischen den Zwillingsschwestern ein Kuss-technisches Konkurrenz-verhalten auf, das ihre spätere unterschiedliche Entwicklung vielleicht mit erklären könnte. Was muss Michael dem Bruder an den Kopf geworfen haben, was John derart ausrasten lässt? Eine schicksalsträchtige Geschichte!

    Das hätte ich nun wirklich nicht gedacht. John bringt seinen Zwillingsbruder um, schwer vorstellbar. aber gut, bei dem familiären Hintergrund ist manches möglich. Was mag da nur genau geschehen sein? Und wie hängt Roses Tod mit Frank und Polly zusammen. Haben die Schwestern hintertrieben? Das sind die Fragen, die die Autorin aufwirft. So richtig fesseln tut mich das zwar nicht, aber anerkennenswert geschrieben und durchdacht ist auch diese Phase des Buches.

    Sprachlich finde ich den Roman wirklich gelungen, der spröde Erzählton ist der Geschichte angemessen. Beschreibungen und Beobachtungen sind treffend. Aber dennoch. Es muss schon ein ganz besonderes Geheimnis aus diesem Buch entschlüpfen, dass es ein echter Knaller wird. Denn ich empfinde nicht sonderlich stark mit Viola und Isolte. Diese diffuse Geheimniskrämerei soll den Leser bei der Stange halten. Klar. Aber solche Kindertraumata-Stoffe habe ich über die Jahre so oft gelesen, dass selbst drastisches nur noch Schulterzucken verursacht. Deshalb finde ich das Ganze nicht besonders spannend. Eine Sache fällt mir noch auf. Ich habe schlicht gar kein Gefühl dafür, wo die Geschichte spielt. Natürlich kenne ich den Ort. Aber das Ganze könnte eben so gut in Schweden oder in der Slowakei spielen. Spüren tue ich GB nur in homöopathischer Dosis.

    Also, in Sachen spröder Erzählton ist dieser Buchanfang eine Meisterleistung. Bei der Vergangenheit, der leicht durch geknallten Hippiemutter, die die Welt statt sich selbst ändern will, verschiedenen unglücklichen Momenten der Kindheit und irgendeinem unterschwellig gefühlten Verbrechen oder Megaunglück, auch kein Wunder. Das ist nicht, was ich mal so auf die Schnelle weg lesen könnte, dafür sind die häufigen Perspektivwechsel zu anstrengend und der Stoff zu wenig Handlungsintensiv. Auf die Menschen kommt es an, in Ihnen liegen Geheimnisse verborgen die häppchenweise dargeboten werden.


    Bis jetzt finde ich noch keine sonderliche Bindung zu dem Buch, finde es allerdings auch keinesfalls schlecht erzählt, allenfalls risikoreich, wegen der Sprunghaftigkeit. Isolte hat den Weg in die bürgerliche Sicherheit gewählt. Viola hängt in dieser Opferschleife gepaart mit falsch verstandenem Aussteigertum fest, die sich wohl auch Ihrer Mutter bemächtigt hat. Bin gespannt auf die folgenden Kapitel.... :-]

    Es scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein im Alter von sechzehn Jahren einen guten Roman zu schreiben. Stefan Bachmann ist dieses Wunder mit Einschränkungen gelungen. Mit Batholomew Kettle schickt er seinen Helden los, um die Herzen der Steampunk Fans zu erobern. Er entführt seine Leser dabei ins nach-napoleonische Zeitalter Englands, in dem sich Feen nach anfänglichen Kämpfen mit der einheimischen Bevölkerung gepaart haben. Auch Batholomew und seine Schwester Hettie sind Nachfahren von Feenwesen und Menschen.


    Genau auf diese Mischlingskinder scheint es eine unbekannte Dame abgesehen zu haben. Gleich neun Minderjährige geraten in die Fänge der pflaumenfarbenen Frau. Bald kämpft Batholomew Kettle um sein Leben und er findet einen nicht gerade imposanten Mitstreiter. Den Politiker Arthur Jelliby, dessen Wesenszüge vor allem aus Faulheit, nur nicht auffallen wollen und leichter Trotteligkeit bestehen, stößt König Zufall auf die sonderbaren Machenschaften eines hochrangingen Gegenspielers. Jelliby will weder die Welt verändern, noch für das Gute kämpfen, ein Nickerchen tut es eigentlich auch. Doch einmal in der Bredouille entwickelt er Kämpferqualitäten, in diesem ziemlich düster angelegten Buch.


    Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mit dem Roman warm geworden bin, was vor allem der anfänglich sehr schwarzen Grundstimmung und den bestenfalls rudimentär angerissen Hauptfiguren lag, die erst relativ spät Bindungspotenzial entfalten. Dabei hat Stefan Bachmann mehrere starke Waffen auf seiner Seite, eine extrem ausgeprägte Fantasie, die nur so Funken schlägt. Eine bilderreiche Sprache, die temporeich durch das Geschehen führt und einen feinen Wortwitz, der das finstere Industrie-Setting bisweilen konterkariert. Das Buch liest sich einfach gut. Dazu kommt eine solide Story, die allerdings wenig Innovation liefert und die Welt erfahrener Genre Leser nicht aus den Angeln hebt.


    Ich muss auch gestehen, nicht immer alles in dem Buch verstanden zu haben. Manchmal verliert sich der Autor im Detail und verliert Spannung und Figurenzeichnung aus dem Auge. Persönlich hat mich der Schluss enttäuscht, einfach weil er viel offen lässt. Aus gutem Grund, ein zweiter Teil wird bald erscheinen. Mag er Stefan Bachmann noch besser gelingen. Bis dahin: Hut ab, vor seiner Leistung!


    7 von 10 Punkten

    Ich habe das ganze Buch mit gemischten Gefühlen gelesen. Das gilt auch für dieses offene Ende. Natürlich musste das so kommen. Im Herbst erscheint wohl der zweite Teil der Geschichte. Über Zufälle in solchen Büchern lässt sich trefflich streiten. Ich kann darüber hinweg lesen. :rolleyes


    Was ich als viel negativer empfunden habe ist die mangelnde Bindung, ja Distanz zu den Menschen, die ich über weite Strecke gespürt habe. Da liegt einiges im Argen. Fesselnd dagegen ist Schreibstil. Da steckt richtig Schreibfreude drin und die hat mich mitgezogen, wenn auch nicht eingesogen, wenn Ihr versteht, was ich meine. ;-)

    Ich bin immer noch am überlegen, welche Rolle die Mischlingskinder eigentlich spielen sollen. Bislang ist das der beste Abschnitt in dem Buch. Endlich bekomme ich Bezug zu den handelnden Personen und rase durch den Roman. :-)


    Auf die Sache mit Jack Box wäre ich nie gekommen. Immerhin kapiere ich jetzt, wie es zu dem seltsamen Buchcover gekommen ist. :rofl

    Langsam komme ich besser in die Geschichte. Mr. Jelliby will bloß keinen Ärger, wenn je ein Mensch aus der Komfortzone musste, dann dieser leicht trottelige Zausel. Inhaltlich lasse ich mich jetzt durch den Roman treiben. ich habe keine Ahnung, wohin das ganze laufen soll. :gruebel


    Melusine finde interessant (schöner Name) und diese Mischlingskindergeschichte ist einfach nur grausam. :rolleyes

    Ich bin nicht sonderlich gut in die Geschichte gekommen. Das Ganze wirkt auf mich noch sehr rätselhaft, ja düster und die Protagonisten bleiben mir irgendwie fern. Da will bei mir keine rechte Bindung entstehen, allerdings gefällt mir die flüssige Schreibe und diese ganze merkwürdige Welt, die da vor meinen Augen entsteht, wenn ich auch Mühe habe mein Feenbild revidieren zu müssen.


    Und eine Fantasie hat dieser junge Autor..., ich habe mich gerade gefragt, ob mir Zweige statt Haare stehen würden. :grin


    Ansonsten ein solider Einstieg!

    Ultralange Buchtitel sind schwer im Kommen. Da bildet „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ keine Ausnahme. Ich habe mich nicht abschrecken lassen, also ran an die knapp 500 Seiten, geschrieben von einem aufgehenden Stern im Buchautorenhimmel. Gavin Extence erschafft mit Alex Woods einen wunderlichen jungen Mann, der vor Wissbegierde sprüht, nachdem ihn ein Meteoritenteilchen am Kopf verletzt hat. Ein göttlicher K.O. Schlag. Quatsch, Alex hat es nicht so mit Gott. Im Gegenteil, er erkennt im Zufall den Lenker aller Schicksale und fragt sich unter anderem: Gibt es ein Leben nach dem Tod?


    Der altkluge Bursche liegt zwei Wochen lang im Koma und lernt anschließend alles über das Universum und noch mehr über das Leben. Denn die Medien lieben die Geschichte von Alex Wood, einem Jungen, dem ein Meteorit um die Ohren geflogen ist. Kaum weniger wunderlich, wie der Sohn ist Mutter Woods. Die Tarot kartenlegende Esoterikerin sagt den Zusammenprall nachträglich voraus, als der gerechtigkeitsverliebte Alex einen neuen Bekannten kennenlernt.


    Der Kriegsveteran Mr. Peterson tritt mit der Bärbeißigkeit eines Südstaatenamerikaners in das Leben von Woods, wie ihn seine prügelnden Mitschüler abschätzig schimpfen. Mr.Peterson ist nach seinen Vietnam Einsätzen zum Pazifismus konvertiert und pflegt drei besondere Leidenschaften. Er raucht leidenschaftlich gerne Marihuana, teilt sein Geld mit Amnesty International und liest Romane von Kurt Vonnegut. Die dritte Leidenschaft übernimmt Alex. Er gründet die "Säkulare Kirche des Kurt Vonnegut" und entschließt sich die Menschen klüger zu machen. Physiker oder Astronom zu werden. Doch langsam gleitet sein alternder Freund in eine Krankheit ab, aus der es nur einen Ausweg gibt, jemand drückt den Exit Hebel um.

    Tragikomisch. Das Wort trifft diesen glänzend erzählten Roman am Besten. Gavin Extence lässt mit Alex Woods einen hochbegabten Außenseiter mit fotografischem Gedächtnis, sonderbaren Sicht und Handlungsweisen und Hang zu älteren lebensklugen Personen auferstehen, den man einfach gerne haben muss, in seiner Asperger Syndrom Nähe. Ich habe mich oft weggeschmissen vor Lachen und meine Augen haben sich in Windeseile an einem Wochenende durch das Buch gefressen, das voller Lebensweisheit und Sinnfragen steckt.


    Ein pulsierender Textstrom, der wie sein erzählender Held bisweilen den Faden verliert, ohne jemals langweilig zu werden. Das Meisterstück an Fabulierlaune und biegt gegen Ende auf ein Thema ab, dass in Unterhaltungsromanen selten zu lesen ist und selbst dieses sensible Terrain beackert der Debütant Gavin Extence mit der Könnerschaft gestandener Schriftsteller Größen.


    Mehr verrate ich jetzt nicht. Ein rundum gelungener Roman, den ich gerne weite empfehle!