Beiträge von Luc


    Die Stelle mit dem Stadtplan auswendig lernen hat mich an das Asperger Syndrom denken lassen. Für Asperger ist das auswendig lernen von Stadtplänen aufgrund ihrer fotografischen Gedächtnisses mitunter keine große Sache, mit dem Sprachen lernen verhält es sich ebenso. Denn Asperger sind die Könige des Kopieren-Einfügen Prinzips. :lache


    Außerdem bereiten sie Reisen mit einer für Normalsterblichen ungeheuer großen Detailgenaugkeit und Ausdauer vor. :grin Auch die Naivität unseres Protagonisten, seine Leistungsfähigkeit, der Hang zur Mathematik, Physik, und dem Weltall sprechen dafür. Es gibt eine Menge Indizien, die dafür sprechen.


    Aber im Grunde tut dieses Etikett bei diesem herrlichen Roman nichts zur Sache. Die Denk-und Handlungsweisen sprechen für sich selbst und lassen einen emotional unreifen, altklugen und alles hinterfragenden Protagonisten erstehen, der mir das Wochenende versüßt und mein Herz erwärmt hat. :-)


    Darauf kommt es an. Spekulieren muss erlaubt sein. ;-)


    Vielleicht weiß, der Autor selbst nicht über wen er da geschrieben hat. :rofl

    Jetzt läuft alles auf das Thema Sterbehilfe hinaus. Darauf wäre ich gar nicht unbedingt gekommen, obwohl der Autor ja früh die Urne ins Spiel bringt. Tragische und komische Begebenheiten durchziehen weiterhin diesen ganzen Roman. Das ist eine Geschichte die mir wirklich zu denken gibt. Nahrung für Seele und Geist!


    :respekt

    Durch dieses Buch kann man fliegen! Tragisches, wie die Schlägerei im Bus und das verlieren des Romans, wechselt sich mit ungeheuer witzigen Elementen ab. Mr. Petersons Hang zum Pazifismus scheint auf unseren Helden abzufärben. Zu meiner Schande muss auch ich gestehen niemals etwas von Kurt Vonnegut gelesen zu haben. Ein starkes Buch, bis jetzt!

    Also ich habe ziemlich oft schmunzeln müssen, bei diesem Einstieg, die Tarot-Karten legende Mutter, die das Unglück eines Meteroiteneinschlages nachträglich voraussagt, fand ich zum wegwerfen komisch. :lache


    Unser Held ist ein heller Kopf. Er hat eine besondere Sicht auf die Menschen, die viel Dummes enthüllt. Bislang gefällt mir das Buch ausgesprochen gut.

    Der Roman „Als wir unsterblich waren“ von Charlotte Roth spielt auf zwei Zeitebenen. Bei der Maueröffnung 1989 drängelt eine von Neugierde und Bierseligkeit geleitete Menschenmenge die Ostberliner Studentin Alexandra mitten in die Arme von Oliver aus dem Westteil der Stadt. Es ist, wie könnte es anders sein, Liebe auf den ersten Blick. Doch die Wende konfrontiert Alexandra gleichzeitig mit der Vergangenheit ihrer Großmutter, die den Traummann der Enkelin irgendwoher zu kennen scheint und einen Herzinfarkt erleidet.


    Der weitaus umfangreichere Teil des Romans beginnt kurz vor dem 1. Weltkrieg mit einer ganz ähnlichen Figurenkonstellation, wenn es auch zur gegenseitig bekundeten Liebe noch ein Weilchen hin ist. Die junge Paula und der charismatische Clemens träumen von einer gerechteren Welt und finden in der Frauen- und Arbeitnehmerbewegung und der erstarkenden SPD eine Heimat. Doch der Krieg frisst seine Kinder und die Nackriegs-Ära, jene goldenen Zwanziger, die wohl nur für begüterte Kreise halbwegs auszuhalten gewesen sein müssen, erweist sich als eine Sackgasse, die Liebe zum Randgeschehen verkommen lässt. Verrat, Brutalität und Dummheit scheinen zu obsiegen.


    Dass sich ein Roman ausgerechnet diese wahrlich unrühmliche Epoche deutscher Geschichte und der Proteste einer heute längst erschlafften Volkspartei, der SPD, widmet, verdient ein Lob. Soviel Chuzpe muss eine Autorin erst einmal haben. Und tatsächlich gelingt es Charlotte Roth den Leser in die Kaiserzeit zu entführen und mitfühlen zu lassen, beim Hungern, revoltieren, töten, retten und feiern. Die wenigen Passagen, an der Westfront fand ich außergewöhnlich gut geschrieben. Negativ aufgefallen sind mir die etwas schablonenhaft wirkenden Figuren, wie ins Korsett eines Unterhaltungsromans gepresst, der mehr Wahrheit einfach nicht verträgt. Auch konnte ich nicht immer alle Handlungs- und Denkweisen nachvollziehen. Die Kohlköpfige Wendezeit dient als reiner Stichwortgeber und um die Vergangenheitsgeschichte mit einer fulminanten Überraschung aufzulösen. Aber das sind relativ leichte Schwächen, die dramaturgisch nicht ins Gewicht fallen.


    Das Buch ist klug durchdacht, inhaltlich sehr unterhaltsam, glänzend recherchiert und informativ, ohne sich in geschichtlichen Details zu verheddern. Weitere Stärken sind der gefühlvoll prägnante Schreibstil und die anhaltende Spannung bis zum Schluss.

    Nun bin ich durch. Bis auf diese Clemens-Oliver Konstellation habe ich das Ende ziemlich genau vorausgesehen. So richtig hochgeschlagen sind meine Gefühle bei dem Buch nicht. Thema fand ich interessant, die Schreibe ist absolut überzeugend. Muss mal in Ruhe überlegen, wo für mich eigentlich die Schwachpunkte lagen. Insgesamt aber ein gutes Buch.

    Erwartungsgemäß gerät jetzt für Paula, die Beziehung zu Clemens ins Schlingern. Mit den beiden konnte es ja nun nichts werden, wenn ich Nachwendezeit richtig verstanden habe. Paula müht sich daran ab Clemens auf den Karriere Pfad zurückzuführen, der seiner herausragenden Persönlichkeit entspricht und treibt damit den Geliebten wohl von sich fort. Immerhin bleibt sich Manfred treu.


    Diese zeit zwischen den Kriegen war für die Menschen in Berlin damals sicherlich kaum weniger hart, als die Kriegszeit. Die goldenen 20er eben. :lache


    Der Roman läuft sauber in der Spur. ich finde das alles sehr gut durchdacht und lesenswert. Hoffentlich finde ich in den kommenden Stunden Zeit den Schluss zu lesen.

    Clemens kehrt in die Heimat zurück. Zunächst schaut alles gar nicht so schlecht aus. Der Kaiser dankt ab. Eine Republik entsteht. Gegen Clemens werden Hetzartikel geschrieben. Die Italien Reise wird wohl ein einmaliges Ereignis in Paulas Leben bleiben. Ich denke, bald wird das richtig tragisch. Mir gefällt das Buch mit jedem Abschnitt besser!

    Der sinnlose Wahnsinn des 1. Weltkriegs ist richtig gut geschildert. Das Paulas Vater hier zufällig auf Clemens trifft ist ein schöner Zufall, der allerdings einen stark negativen Touch erhält, weil Papi seiner passiven Jammerlappenrolle treu bleibt und den aktiven Clemens ins Zwielicht einer verdorbenen Persönlichkeit rücken muss. Die starke Frauen Geschichte mitten in Berlin gefällt mir ebenfalls. Das ist alles stimmig und interessant erzählt.

    Was ich jetzt schon einmal sagen kann ist, dass mir 1989 weniger Lesefreude bereitet, als 1914. Harry ist wirklich eine interessante Figur; mir hat es aber auch Clemens angetan, dessen Eltern wohl ziemlich genau jenem bürgerlichen Brei aus Unfreiheit, Geldgier und Dummheit entstammen, die gerne ganze Völker gegeneinander aufhetzen. Alexandra kommt mir etwas diffus rüber. So ein Theater mit Oliver zu veranstalten, obwohl er sicher nichts für Momis Infarkt kann. Gut, es ist über lange Zeit ihre einzige Bezugsperson gewesen, ist schon klar, aber ein bisschen mehr Hirnschmalz hätte ich ihr schon zugetraut. Und dann, dieser Arzt, der Alexandra rät die Momi entschlafen zu lassen, ich bin da hin-und hergerissen, ob ich das der Figur so ganz glauben kann. Momi kann noch nicht loslassen. Das finde ich interessant, klingt ein bisschen esoterisch, gibt dem Buch aber auch noch eine schöne Note! Bin gespannt, wohin die Geschichte laufen wird!

    Jetzt läuft die Geschichte richtig rund!


    Ich bin jetzt neugierig auf das das Schicksal von Paula und Clemens. Für Harry, den Juden, der zwischen allen Stühlen sitzt, sehe ich rabenschwarz. Hoffentlich wandert der Mann aus, bis der Kriegs- und Nazispuk vorüber ist. Ich grüble sowieso verschärft darüber nach, wer in diesem Spiel Momi sein könnte, komme aber nicht drauf.

    Oma Momi nennte ihre Enkelin Süppchen, weil ihr Alexandra eingebrockt worden ist. Das ist eine liebenswerte Idee. ich habe so vierzig, fünfzig Seiten gebraucht, bis ich mit Geschichte und Menschen warm geworden bin.


    Ich mag die Ausgangslage, den Mauerfall, eine neue Beziehung, mitten in Berlin, die offensichtlich an eine gaaanz alte Geschichte anknüpft. Es hat also eine Zeit gegeben, in denen Arbeitnehmerrechte mit Füssen getreten wurden. :grin


    Ich bin sowieso ein Freund ernste Stoffe unterhaltsam zu verpacken. Bin schon gespannt, wie es weitergeht.