Das Buch bleibt spannend. Der Mutter-Tochter Konflikt wird eindrucksvoll geschildert. Die Autorin vermeidet es ihre Figuren in Schablonen zu pressen. Keine der auftauchenden Personen wird nur positiv oder negativ gezeichnet. Richtige Menschen also! Schöne Psychostudie über Judith, ihre Gefülswelt, ihre Zweifel, Ängste etc. nehmen einen richtig gefangen. Der Röttgen scheint mir ein ganz dubioser zu sein und dann dieser seltsame Anruf bei der Telefonseelsorge!
Beiträge von Luc
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Original von churchill
Richtig. Es gibt keine Begrenzung. Allerdings sollte man ein bisschen an einen Schokoladenadventskalender denken: Wenn so viel Schokolade drin, ist, dass man sich den Magen verdirbt, ist der Sinn des Kalenders leicht verfehlt
17. Dezember Geht klar!
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Hallo Churchill,
melde mich nach umzugsbedingter Abwesenheit bei den Eulen zurück und möchte auch eine Geschichte beisteuern, egal welcher Termin! Wie lang darf die Kurzgeschichte denn sein?
liebe Grüsse
Luc
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Farben der Schuld ist mein erster Roman von Gisa Klönne. Ein Priester wird mit einem Schwert ermordet. Zunächst ermittel Judith Kriegers Kollegen, weil die Kommissarin bei einem Einsatz einen Menschen getötet hat. In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir Bat kennen, eine junge Erwachsene, die in die Grufti Szene abgedriftet ist.
Bislang bin ich absolut begeistert von dem dichten und flüssigen Schreibstil- ja eine solche Mischung gibt es, die Klönne macht es vor. Knappe abgehackte Satzfragmente, wechseln mit Detailverliebten Beschreibungen und feiner psychologischer Analyse. Klasse!
Zudem liest sich Farben der Schuld ausgesprochen spannend. Wer ist dieser seltsame Pfarrer? Was spielt Lars für eine Rolle? Ein perfekt aufgebauter Roman, der viele amerikanische Vorbilder in den Schatten stellt.
Mich hat beim Lesen auch nicht gestört, dass ich die beiden Bände davor nicht kenne. Die Autorin versteht es kurz und bündig in die Geschichte einzuführen. Mal sehen, ob ich voll des Lobes bleibe!
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Mein Buch ist ebenfalls eingetroffen! Hat etwas gedauert, weil ich umgezogen bin. Meine neue Adresse sende ich per PN!
Liebe Grüsse
Luc
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Herzlichen Glückwunsch, Bildersturm!
hat mir gefallen...
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Blut und Barolo finde ich echt lesenswert, allerdings wundere ich mich über die zahlreichen positive Rezenssionen von "strahlend schöner Morgen". fader Beginn, verworren, schlecht erzählt. fast so schlecht wie Hector
Da fahre ich lieber drei Wochen in Urlaub, noch mal: 
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Inhalt:
Parker kehrt zurück an den Tatort seines letzten Verbrechens, um die Beute abzuholen. Das Geld ist einer verlassenen Kirche Neuenglands versteckt. Gefahr lauert überall: Ein Ex-Partner will ebenfalls an das Geld. Eine Kopfgeldjägerin verlangt einen Teil. Die Polizei steht an jeder Strassenkreuzung. Fahndungsbilder hängen in allen öffentlich zugänglichen Gebäuden. Parkers Partner McWhitney taucht mit einem Transporter auf, um das Geld abzutransportieren.
Meinung:
Zu beginn hatte ich bei "Das Geld war schmutzig" enorme Verständnisprobleme. Figuren werden eigeführt und tauchen wieder ab. Handlungsstränge werden erklärt. Bis zur fünfundzwanzigsten Seite war das Buch mehr eine Arbeitsaufgabe, als ein Lesegenuss. Richard Starks Vorgehensweise erklärt sich aus dem Projekt heraus. "Das Geld war schmutzig" ist Teil Drei einer Trilogie. Ab der sechsundzwanzigsten Seite nimmt die Story Fahrt auf. Eine glänzend geschriebene Szene, urkomisch, eine Pensionsbesitzerin klärt Parker über Details zum Überfall der letzten Woche auf, den er selbst begangen hat. Es gibt drei oder vier lustige Stellen in dem Roman, der letzte Satz des Buches ist in den Zusammenhang besonders zu erwähnen. Allerdings ist Humor nebensächlich.
Parker gleicht eher einer abgeschossenen Pistolenkugel auf dem Weg ins Ziel. Nichts und niemand kann ihn davon abbringen. Darin liegt bereits ein Kritikpunkt begraben. Der Krimi ist ohne Frage spannend, der Schreibstil mitreissend, nüchtern, sachlich, glasklar und präzise. Aber ich hatte nie wirklich den Eindruck dass die Flucht schief gehen könnte. Parker ist mir zu eindimensional. Er ist ein harter, cleverer Bursche, mehr lernen wir von ihm nicht kennen. Vielleicht habe ich in der Vergangenheit einfach zu vieler dieser Helden kennen gelernt, meist sicher auf der Polizeiseite. Richtig befriedigend finde ich die Figurenzeichnung nicht. ich könnte mir jedoch vorstellen, dass Richard Stark auf eine bestimmte Zielgruppe innerhalb der männlichen Leserschaft abzielte, die er zweifellos auch getroffen hat.
Bemerkenswert sind die raschen kompromisslosen Schnitte und Perspektivwechsel innerhalb der Geschichte. Nicht alle sind gelungen. Meist sind sie formidabel ausgeführt. Mrs. Bartlett, die Trooper, Stark springt mühelos in den nächsten Charakter. Für jeden, der einen handlungsreichen, spannenden Krimi lesen will ein Genuss. Parker ist der in Buchform gedruckte Gegenpol zum melancholischen Schweden Krimi. Jedem das Seine!
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Inhalt :
Der dreissigjährige Sascha trifft im Krankenhaus auf eine schnarchende Oma, die ihn beim onanieren stört : Frau Ella. Beide haben ein Augenproblem.Weil sie gegen ihren Willen in Vollnarkose operiert werden soll, entführt sie Sascha kurzerhand in seine Wohnung. Frau Ella, im Sauber machen von Wohnungen bestens bewandert, mit Darmproblemen geschlagen, die nicht immer lautlos enden, staunt über Saschas Lebensgewohnheit. Filterkaffe trifft Latte macchiato. Frau Ella trifft aber auch auf einen unsichern, liebeskranken, modernen Mann, der mit seiner Umwelt eigentlich nichts anzufangen weiss. Dessen Heimat, dass irgendwie, irgendwo, irgendwann ist. Ellas Einfachheit fasziniert ihn. Zusammen mit seinem vermögenden Freund Klaus bereisen sie Frau Ellas Vergangenheit auf dem Lande. Alles könnte in Ordnung kommen, wenn Sascha seine Ex-Freundin wiederbekommen könnte, vermutet Frau Ella. Ihr Wunsch ist Lina, Saschas Ex-Freundin, Befehl, sie taucht aus Spanien auf. Alsbald findet sich Ella überflüssig und marschiert lotterhaft bekleidet in den Stadtpark ! Kapitelweise wird einmal aus Sicht von Frau Ella, dann aus Sicht von Sascha erzählt.Meinung :
Frau Ella ist ein Buch der leisen Töne, auch wenn manchmal laut gefurzt wird, findet sich kein brachialer Klamauk, sondern ein feinsinniger, geistreicher Humor. Die Ausgangslage, den Generationskonflikt hat grosses Potential. In der Form habe ich darüber noch kein Buch gelesen. Überraschend, dass Florian Beckerhoff, die Kapitel, die aus Frauensicht geschrieben sind besser gelungen sind, als die Sascha Kapitel. Ich fand die Ella Kapitel streckenweise sehr amüsant zu lesen. Endlich mal wieder ein Autor mit einer Botschaft, warmherzig und kritisch, was den Egoismus der städtischen Freigeister angeht. Hervorragende Philosophische Textstellen finden sich ebenso, wie tragische Momente, wenn man Ellas Vergangenheit denkt. Mir hat das Buch wirklich imponiert. Es ist schlicht strukturiert und bezieht seine Spannung einzig und allein aus der Frage, ob Sascha mit Ella wahnsinnig wird, oder den Wert des Lebens kennen lernt, der bis dahin hauptsächlich aus Linas prachtvollen Titten bestand. Ganz löst der Roman die Frage nicht auf. Sasche hätte eine Spur überspitzer dargestellt werden müssen. Bei seinem Freund Klaus dagegen wird bei der Dialogen manchmal grotesk überzeichnet. Schwer zu verstehen, worum es in seinen Aussagen im eizelnen geht. Eine weitere Schwäche ist die Schlussphase, der Park, die letzte Szene, die Geschichte hätte einen knalligeres Ende verdient gehabt. Insgesamt ein gelungener, sehr unterhaltsamer Roman mit einem etwas besseren Ende hätte es ein Sternchen mehr gegeben. -
Versuche es einmal mit T.C. Boyle und "Wassermusik"
Ein fabelhafter Roman!

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Herzlichen Glückwunsch, Churchill!

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Die unsichtbaren Stimmen
Im Mittelpunkt des Romans stehen drei Frauenschicksale. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt ein Familienepos in der Erzähltradition bekannter südamerikanischer Autoren. Isabell Allende und "Das Geisterhaus" fallen mir dazu ein. Beginnend bei Parajita, die von einem Baum ins Leben fällt, über ihre Tochter Eva, die als Dichterin das Argentinien der Perons erkundet, zu Salome, der Idealistin, deren Gerechtigkeitsempfinden sie in die Foltergefängnisse der herrschenden Diktatur Uruguays führt. An dieser Abfolge ist bereits zu erkennen, dass die Autorin den Pfad des Mythischen rasch verlässt und ihre Protagonistinnen alsbald durch die profane Realität des Alltags begleitet.
Parajita :
Ignazio, ein Gondelbauer aus Venedig heiratet kaum in Uruguay angekommen, die resolute Parajita, bald holen ihn die Dämonen der Vergangenheit ein, Alkoholmissbrauch, Schläge für Parajita sind die Folge.
Der Einstieg des Buches ist kompliziert geschrieben, eine Vielzahl von Namen, Zeitsprünge beherrschen die Seiten, ohne das ein vernünftiger Grund für diese Vorgehensweise ersichtlich wird. Es folgt eine spannungsarme geschriebene Phase in Venedig. Die Autorin braucht knapp siebzig Seiten, bis sie sich warm geschrieben hat. Ab der Begegnung zwischen Parajita und Ignazio pulsiert die Geschichte, die ausgezeichneten sprachlichen Fähigkeiten, der Autorin kommen zum Tragen, faszinierende Vergleiche und verspielte Bildern voller Eindringlichkeit prägen den Schreibstil.
Als Ignazio Parajita in Montevideo verlässt, sind es ihre Kräuter- und Gesundheitskenntnisse, die eine kleine Familie am Leben erhalten. Bis auf dieses Intermezzo bleibt Parajita allerdings in den gesellschaftlichen Verhältnissen hängen und übernimmt bald wieder ihren alten Platz, als sich der Mann zurückmeldet.
Eva :
Parajitas Tochter Eva wird von einem Bekannten Ignazios im Kindesalter missbraucht. Sie findet Trost im Schreiben von Gedichten, sucht die Nähe von Künstlern und verlässt bald mit Andres das Land, um in Argentinien ihr Glück zu suchen.
Eine interessante Ausgangslage. Geschickt fischt die Autorin durch den Aufbau der Figuren nach weiblichen Publikum. Es sei ihr gegönnt. Sie schreibt flüssig, fantasiereich, farbig, ausufernd, philosophisch, tiefgehend, manchmal schwülstig trivial, alles in einem Buch. Nur dürften viele Leser von der emotionalen Leere, der Protagonistinnen wenig angesprochen sein. Oft wird die Motivation der handelnden Personen unzureichend dargelegt oder einfach weggelassen. Bis zu diesem Zeitpunkt des Romans stellen sich massenweise Fragen, nach dem wieso und warum. Wie gerne hätte ich erfahren, weshalb ausgerechnet Eva, die Freiheitsliebende wieder zurück ins Haus ihrer Eltern zieht und es vorzieht im familiären Mittelmass zu versinken. Ich habe den Verdacht, dass sie letztendlich dort aus mangelhaften konzeptionellen Gründen landet. Die unsichtbaren Stimmen wurde an manchen Stellen sichtbar zusammengeschustert. Schade! Aus der Figur hätte die Autorin viel mehr machen können. Wie schon bei Parajita wird die Frauenfigur auf halber Strecke aufgegeben.
Männer spielen in den Kapiteln eine traurige Rolle, sie kommen überwiegend, als Vergewaltiger, Machos und Schwächlinge vor. Positive Männerrollen gibt es lediglich für Künstlernaturen oder Männern, die sich später in Frauen umwandeln lassen. Dazwischen gibt es nichts zu bestaunen, ein bestimmter Frauentyp, ein klarer Männertyp, das Muster zieht sich durch den Roman.
Salome :
Für mich die dicke Überraschung am Ende. Endlich entsteht bei mir eine emotionale Bindung zu einer Hauptfigur, die flammende Idealistin Salome stürmt unerbittlich in ihr Unglück, schliesst sich gegen Ende der sechziger Jahre einer Untergrundbewegung an und landet im Foltergefängnis.Sprachlich überaus gelungen, zieht Salome sofort in den Roman und spuckt einen am Ende atemlos aus. Während mir die vorherigen Kapitel konstruiert erscheinen, wirkt Salome lebensecht, eingebunden in ihre Zeit, plastisch in ihrer Naivität und bis in ihre Lebensmitte nachvollziehbar. Auch hier Schwächen im logischen Bereich, das Teenager Waffenlager unter dem Bett einrichten können dürfte Wunschdenken der Erfinderin sein. Trotz der Fehler fühlte ich mich gut unterhalten, was ich vor allem auf den lebhaften Schreibstil der Autorin zurückführe.
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Über die massiven Ungereimtheiten in jedem Kapitel habe ich am Schluss kaum noch Gedanken gemacht. Bei Salome war es auch nur relativ wenig, die Waffengeschichte sicher. Insgesamt war ich schon erstaunt über diese Fehleransammlung inhaltlicher Art. Babyjane hat den die Konstruktion des Romans als "zusammengeschustert" bezeichnend, dem möchte ich mich anschließen. Ich werde dazu noch eine längere Kritik verfassen.
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Salome kommt ins Gefängnis und bringt Victoria zur Welt. Die Autorin erzählt die Schrecklichkeiten des Gefängnisalltages gefühlvoll und wahrhaftig. Salome kommt frei und zieht zurück in das Haus ihrer Grosseltern, mehr will ich nicht verraten, nur dass ich den gesamten Teil einfach grossartig erzählt finde. Voller treffender Vergleiche, spannend, emotional, sprachlich gigantisch ausgeführt. Ich bin echt von den Socken! Welch ein Schluss!

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Original von mankell
Ich hatte auch Glück und bekomme "Frau Ella".![:-]](https://www.buechereule.de/images/smilies/pleased.gif)
da haben wir etwas gemeinsam!
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Dieser Teil des Buches hat mich richtig aufgewühlt. Salome entwickelt sich zu einer Idealistin, die für Gerechtigkeit in ihrem Heimatland eintritt. Spannend der Gegensatz zu ihrer Mutter, die Uneindeutigkeit in Person. Salome wächst über sie hinaus. Salome fasst sich ein Herz und nimmt den bewaffneten Kampf gegen den Imperialismus, die Armut und für den Sozialismus auf. Die Autorin geht in dem Kapitel in die Vollen. Wieder gelingt es ihr eindrucksvoll eine Kindheit mit überbordender bilderreichen Sprache zu schildern. Ihr Bruder wird ein unterkühlter Wissenschaftler, dem die Armen herzlich wenig bedeuten. Eva, ganz Künstlerin bleibt nach allen Seiten offen.
Noch einmal hat Artigas einen herrlichen Auftritt, als er nach Cuba abdampft und die dortige Revolution unterstützt. Salome, von seinemm Beispiel angespornt will die Welt verändern und gerät an die Tupamaros, eine Widerstandsbewegung. Der konflikt zu ihrer Mutter eskaliert, als sie sich weigert ein Studium aufzunehmen. Stattdessen arbeitet sie in der amerikanischen Botschaft, um den Feind auszuhorchen. Sie verliebt sich in Tinto, der bei einem Anschlag gefangen genommen wird. Das alles wird sehr spannend und temporeich geschrieben. Die jungen Leute wirken symphatisch und etwas naiv, in ihrer Begeisterung. Salome kommt unheimlich lebendig rüber. An diesem Teil habe ich eigentlich keine Kritikpunkte anzubringen.
Ich bin schlicht begeistert! Einfach fantastisch erzählt und siehe da: endlich kommen Emotionen rüber. Ich fühle mit. Das Geschehen geht mir nahe. Sogar die Zerrissenheit Evas wird hier spürbar für mich. Der Text glüht, bis Salomes Leben brennt, Tinto gefoltert wird und sie in Gefangenschaft gerät.
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So ist es mit den Vorstellungen, die man sich macht, häufig werden sie enttäuscht. Zu Beginn dieses Abschnitts richtet sich Eva häuslich ein. Ich hatte gehofft sie würde die neu gewonnene Freiheit des finanzielen Auskommens dazu nutzen sich als Schriftstellerin zu etablieren. Im Gegenteil: Eva wird passiv und kümmert sich um die Familie.
Die Perons tauchen auf, Che Guevara, ich mochte den gesellschaftlichen Schwenker. Eva bekennt in einer kniffligen Situation Farbe und hilft einem Bekannten gegen die herrschende Klasse Argentiniens. Das sie dies ohne Gedanken an das mögliche Schicksal ihrer Kinder tut ist nicht unbedingt nachvollziehbar. In diesem Roman wimmelt es von solch kleinen Ungereimtheiten. Man kann dies immer irgendwie begründen. Dieses Mal schieben wir ihre Handlung mal auf den Mut der Dichterin. Nur wo ist der eigentlich im Alltag? Da bleibt sie ein harmloses Mütterchen. Nun gut.
Die Familie flieht nach Uruguay, alles ganz nett erzählt, alles andere als herausragend, will ich damit sagen. Mich wundert hier warum sie überhaupt unbedingt nach Montevideo will, wo viele unangenehme Erlebnisse Spuren auf ihrer Seele gelassen haben. Davon im Text natürlich mal wieder kein Wort. Emotionen beschreibt die Autorin eher ungern. Immerhin reiben sich nun keine widerlichen Arbeitgeber und andere "Herren" mehr an ihr. Sondern alsbald ihr geliebter Andres, der inzwischen neben seinem Namen auch noch ein Geschlecht gewechselt hat. Wieder würde mich brennend interessieren warum Zola nun ausgerechnet in der Stadt lebt, die er zuvor Hals über Kopf verlassen hat. Wieso sucht er nicht die Freiheit der Andersdenkenden, Orte, die ihn weiterbringen, wie er das zuvor getan hat? Warum gehen Eva und er einen Schritt nach vorn und dann wieder einen zurück? Immerhin löst sich Eva in dem Kapitel von Roberto und beginnt an einem Buch zu schreiben.Nun erscheint auch noch Ignazio, ihr Vater bei Eva. Das Treffen der beiden finde ich unglaublich zäh und langweilig geschrieben. Die schlechteste Passage des Buches, platte, unreif ausformulierte Sätze, wieder werden Emotionen verleugnet.
Dazu eine Anmerkung: Oft habe ich das Gefühl die Autorin rast durch ihre Handlungsbetonung förmlich über Emotionen und Charakterisierungen hinweg. Auch erfahre ich wenig über die Motivationen der handelnden Figuren. Immer nur Handlung, Handlung, Handlung und zwischendurch mal einen schönen Satz. Ich habe mir überlegt, ob die Emotionale Kälte, vielleicht einfach in ihrem schweren Schicksal begründet liegt, aber bei Pajarita herrschte ebenfalls emotionale Leere.
Die Liebeszene mit Zola finde ich schwülstig geschrieben. Meine Enttäuschung darüber, dass Eva ihre Karriere in Argentinien nicht weiter verfolgt hat ist gerade verschwunden. Sie packt nun ein eigenes Leben an, da zieht sie doch tatsächlich zu ihren Eltern. Was ich nun völlig unglaubwürdig und enttäuschend finde. Parajita wird schon nur halb ausgeführt. Sollte Eva dieses Schicksal ebenfalls erleiden? Kommt noch mehr von ihr? Ich würde es mir wünschen. Allerdings beginnt nun Salome. Leider kann ich mit der eben beschriebenen Passage wenig anfangen. Hoffentlich geht es wieder bergauf!
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Im zweiten Teil geht es also um Eva. Die Kindheit finde ich sehr intensiv und einfühlsam geschrieben, ihre Freundschaft zu Andres, dem Piraten, zu Xhana, die ihr die aufkommende Wirtschaftskrise einleuchtend erläutert. Ab hier wird für mich das Geschehen zweifelhaft rübergebracht. Ignazio schickt Eva im Alter von zehn Jahren zu seinem alten Freund Pietro in den Schuhladen, damit sie dort arbeiten kann. Pietro hat ihm das angeboten. Das ausgerechnet eine zehnjährige den Lebensunterhalt absichern soll kommt mir ziemlich unrealistisch vor. Warum wird Parajita nicht misstrauisch? Weswegen gibt Ignazio seine Tochter derart leichtsinnig weg? Die Motivation der handelnden Personen finde ich nicht sinnvoll erläutert. Ignazio geht richtig link vor. Gut, Pietro ist von Anfang an ein Mann im Zwiellicht. Prompt vergeht er sich an Eva, der er die Schuld für sein Verhalten in die Schuhe schiebt. Aber wieso redet sie nicht mit ihrer Mutter ein offenes Wort?
Ignazio ist bei mir nun völlig unten durch. Die hundert Seiten habe ich in einem Rutsch gelesen. Generell gefällt mir der Schreibstil der Autorin. Doch verschiedenes gibt es zu bekritteln. Mich nervt zunehmend die schwülstige Beschreibung von Sexualität. Als Eva ihre "Verfehlungen" mit Pietro beichtet onaniert der Priester im Beichtstuhl. In einer Menschenmenge reibt sich ein Fremder an Eva oder seinem Glied. Pietro bringt ihr neben Tango tanzen Sachen bei, die nebenbei abgehandelt werden. Bei dem Argentinien Teil wohnt in der Nachbahrwohnung eine Nutte, deren Stöhnen sie dauernd hört.
Toll finde ich Evas Reaktion auf die Vergewaltigung dargestellt. Sie flüchtet sich in ihre eigene kleine Welt, zunächst, dann heuert sie als Kellnerin in einem Lokal an, indem viele Künstler verkehren. Sie bewirbt sich mit den Worten: "Ich glaube an Poesie. An Schönheit. Ich möchte an einem Ort arbeiten, wo die Menschen schön und frei sind" Für eine dreizehnjährige ein bisschen unglaubwürdig, aber eben schön. Später geht Eva mit Andres nach Argentinien. Sie liebt ihn. Seine Gefühle für sie bleiben im Dunklen. Eine interessante Konstellation. Sie verliert ihn anscheinend. Im Krankenhaus lernt sie einen Arzt kennen, der sich für Eva erwärmt. Wie gesagt, der Text flutscht beim Lesen nun richtig. Eva wächst mir ans Herz, sie hat für mich das meiste Potential und der geschichtliche Hintergrund, der jetzt langsam eingeflochten wird entzündet meine Neugier.
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So, jetzt bin ich mit den hundertzehn Seiten durch! puh! Auf den ersten Seiten des Romans hatte ich erhebliche Schwierigkeiten den ständigen Sprüngen von Person zu Person, von einem Jahrhundert zum nächsten zu folgen. Magischer Realismus, dass ist ein Stil den Gabriel Garcia Marques einmal geprägt hat, in die Richtung interpretiere ich den spektakulären Pajarita Flug vom Baum und den Titel des Buches. Schöner Einstiegssatz: manche sagen, sie flog, andere sagen, sie fiel. Danach baut sich die Geschichte ziemlich zäh auf, eben der vielen Personen wegen. Die Venedig Gondel Phase finde ich mittelprächtig interessant. Zu Ignazio kann ich keine rechte Bindung aufbauen. Überhaupt scheint der Roman ziemlich Frauenlastig zu sein, was die Helden angeht. Das wird schon auf der Rückseite des Buches deutlich, dass sich ausschließlich an das weibliche Geschlecht wendet.
Bis Seite fünfzig oder sechzig sind die unsichtbaren Stimmen ein ganz nettes Buch, sprachlich gelungen, die Autorin verwendet auffallend wenig Adjektive, man fliegt nur so durch den Text. Dann trifft Ignazio auf Pajarita und es kommt Leben in die Bude. Die beiden heiraten. Es geht nach Montevideo. Ignazio baut ein Haus. Kinder werden geboren. Der Mann rackert, die Frau betüdelt die Kinder. Ignazio würde nur lieber Gondeln bauen, ausserdem treten nun bei ihm Eigenschaften zu Tage, denen schon sein Vater anheim gefallen ist: die Sauferei, er schlägt Pajarita sogar. Sie ist gezwungen sich und die Kinder alleine durchzubringen, gut dass sie Über gesundmachende Kräuterkenntnisse verfügt.
Grundsätzlich sind auf den ersten Hundert Seiten die Männer, die Schwachen, die Frauen zeigen Stärke. Selbst in der Revolution, die auf Seite 102 geschildert wird ergreift die Frau die Initiative. Nicht, dass ich das einer Frau nicht zu trauen würde nur kommt mir das Verhalten von Artigas -einem südamerikanischen Mann!- an den Haaren herbei gezogen vor. Insgesamt wird das Buch aber von Seite zu Seite stärker. Ein Lesesog entsteht. Langsam kommen leise philosophische Einschübe und literarische Schmankerl.
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Clara lebt in Portugal mit ihrem Ehemann Werner das Leben einer frustrierten begüterten Hausfrau. Die einzige Abwechslung verschafft ihr der Griff zur Flasche und die gelegentlicheN Gespräche mit einer Freundin. ihr Mann, ein Unternehmer im Unruhestand mäkelt an ihr herum, die beiden haben sich längst auseinander gelebt. Eines tages fliegt Werner nach Brasilien, um einen Geländekauf einzufädeln. Er verliebt sich in eine Einheimische und diktiert Clara die Scheidungsformalitäten. Clara wirkt bis hier hin passiv, dem Alkohol und der Tristesse ergeben. Sie fasst Mut und kauft in einer Gott verlassenen Gegend Portugals, dem Alentejo ein heruntergekommenes Haus. Rasch freundet sie dich mit einer Familie an und verbringt ihr Leben vorwiegend unter einem Olivenbaum, beim Wein trinken. Plötzlich nistet sich ein gut aussehender Mann in ihrem Haus ein und versetzt nicht nur Clara in Unruhe, die ihr Leben zunehmend in die Hand nimmt. Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben.
Mir hat das Buchcover gut gefallen, allerdings hat der olle Mann im Anzug und die ältere Dame nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun. Zum Sprachstil: Bettina Haskamp schreibt extrem anschaulich, verfügt über eine hervorragende Beobachtungsgabe und teilt mit trockenem Humor gegen Männer wie Weiblein aus. Auch Selbstironisches ist zu lesen. In die Richtung hätte sie ruhig etwas häufiger zielen sollen. Starke Bilder, excellente Beschreibungen über das Eingeborenenleben im staubtrockenen Alentejo runden das Bild ab. Die ersten Kapitel leiden unter Negativität der Protagonistin und der Detailverliebtheit der Autorin. Dann geht es aber steil bergauf. Ab dem Kapitel, das mit dem schönen Satz: "die Wüste lebt" beginnt fand ich das Buch richtig gut, ein sehr starkes Kapitel, emotional und tiefgehend. Die Geschichte rollt in der Phase ganz wunderbar, bis zwanzig Seiten vor dem Schluss, den ich ein wenig heruntergeleiert empfinde. Das Ende habe ich übrigens nicht erahnt. Der Roman ist inhaltlich strikt auf Klischees gebürstet, trotzdem funktioniert er. Er ist nicht besonders spannend, trotzdem ist er gelungen. Die Autorin geht keine Risiken ein und gewinnt. Einfach weil die Schlichtheit von Claras Gefühlswelt gekonnt erzählt wird. Alles ist glaubhaft geschildert, lebensnah. Kitsch kommt nur am Rande vor. Selbst bei der Wendung zum Schluss bleibt Clara noch ganz sie selbst: eine Frau, die sich selbst skeptisch gegenübersteht und doch springt. Bravo!