Beiträge von buchregal123

    Mara Billinsky ist neu in der Frankfurter Mordkommission. Da ihr Aussehen für die Kollegen sehr gewöhnungsbedürftig ist, hat sie auch gleich einen Spitznamen weg: „Die Krähe“. Auch ihr Boss scheint von ihren Fähigkeiten nicht überzeugt, denn sie soll sich um eine Einbruchsserie in Frankfurter Villen kümmern. Aber dann gibt es eine Mordserie in der Mainmetropole und Mara will beweisen, dass sie was drauf hat. Sie ermittelt auf eigene Faust.

    Der Schreibstil ist packend und hat mir gut gefallen, das Tempo ist hoch.

    „Blinde Rache“ ist der Auftakt einer Thriller-Reihe um die ungewöhnliche Ermittlerin Mara Billinsky. Sie ist eine außergewöhnliche Erscheinung mit ihren Piercings, Tattoos und den schwarzen Klamotten. Aber das ist nur das Äußere. Sie hat schon einiges Traumatische durchmachen müssen und hat sich daher zu einer Einzelgängerin entwickelt. Doch Sie will ihren Job gut machen und lässt sich auch durch Rückschläge nicht unterkriegen. Meine Gefühle ihr gegenüber sind etwas zwiespältig. Sie ist nicht auf Anhieb sympathisch, aber ich konnte mit ihr fühlen, denn die Kollegen einschließlich des Chefs machen es ihr sehr schwer.

    Die Opfer sind sicherlich nicht zu bedauern, denn es waren keine angenehmen Menschen. Aber die Morde sind ziemlich brutal und die Jagd nach dem Serienmörder ist sehr spannend. Auch wenn ich hin und wieder einen Verdacht hatte, so konnte ich doch bis zum Schluss nicht sicher sein.

    Ein interessanter und spannender Thriller mit einer ungewöhnlichen Ermittlerin. Ich freue mich schon auf den nächsten Band.

    5/5

    Der Sommer 1947 ist sehr heiß, und Friederike Matthée ist nun schon fast ein Jahr bei der weiblichen Polizei von Köln. Sie wird zu einem Mordfall ins Bergischen Land geschickt, da man dort eine weibliche Tatverdächtige ausgemacht hat. Das Opfer ist die Gutsbesitzerin Ilse Rödel, die auch schon einmal bei der weiblichen Polizei gearbeitet hat. Die vermeintliche Täterin ist die junge Franziska Wagner, die aber die Tat leugnet. Doch sie wurde mit der Tatwaffe in der Hand neben dem Opfer aufgefunden. Außerdem hat sie ein starkes Motiv, denn die Rödel hat in das Frauenkonzentrationslager Uckermarck einweisen lassen, wo es Franziska Wagner sehr schlecht ergangen ist. Friederike ist die einzige, die Franziska für unschuldig hält. Daher ermittelt sie heimlich.

    Auch Richard Davies von der britischen Military Police hat wieder in Köln zu tun, denn die Skelette einer vermissten englischen Flugzeugbesatzung tauchen auf und es stellt sich heraus, dass sie ermordet wurden. Richard fordert Friederike zur Unterstützung bei den Ermittlungen an.

    Dieses Buch ist nach „Echo der Toten“ der zweite Band der Reihe. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen und die Geschichte interessant und spannend.

    Für Friederike geht es langsam aufwärts. Es fehlt ihr immer noch ein wenig an Durchsetzungsvermögen, was sie aber durch Beharrlichkeit wieder wettmacht, wie in diesem Fall. Sie hat etwas gegen Ungerechtigkeit und schon deshalb mag ich sie. Ihre Befugnisse als weibliche Polizistin sind sehr eingeschränkt. Mit Richard tue ich mich etwas schwer, aber er ist auch nicht unsympathisch. Die Dämonen der Vergangenheit haben ihn immer noch im Griff, aber im Laufe der Geschichte macht er eine Entwicklung durch und kann sein Leben wieder in den Griff bekommen. Er arbeitet nun wieder mit Friederike zusammen. Sie sind ein gutes Team und fühlen sich zueinander hingezogen. Aber auch die anderen Charaktere sind sehr gut und authentisch beschrieben.

    Der Fokus liegt nicht unbedingt auf der Ermittlungsarbeit, denn genauso wichtig sind die Umstände, die die Zeit mit sich bringt. Die Nachwirkungen des Krieges sind immer noch zu spüren. Der Autorin ist es gut gelungen, diese schwierige Zeit einzufangen. Die Städte sind noch immer Trümmerfelder und die Wohnungsnot ist groß. Aber auch die Versorgung der Menschen ist schwierig und viele sind traumatisiert nach dem, was sie erlebt haben.

    Ein interessantes und spannendes Buch.


    4/5

    In Colchester werden in einer kurzen Zeitspanne drei Männerleichen aufgefunden, die Gemeinsamkeiten aufweisen. Sie befinden sich an ehemaligen Schauplätzen von Verbrechen, bei allen wurde eine Tarotkarte mit dem Motiv des Gehängten hinterlassen, die zudem den Namen Phil trägt, und alle Opfer haben Ähnlichkeit mit DI Phil Brennan. Phil hat den Verdacht, dass hinter diesen Morden eine Stalkerin steckt, die ihm seit geraumer Zeit nachstellt. Sie nennt sich Fiona Welch, doch die wirkliche Fiona hat Selbstmord begangen. Er will der Sache in Colchester nachgehen, doch er kommt nie dort an. Seine Frau, Profilerin Marina Esposito, versucht alle, um Phil zu finden.

    Dies ist der achte und finale Band aus der Reihe um das Ermittlerteam DI Phil Brennan und seine Frau, die Profilerin Marina Esposito. Ich bin mit dem fünften Band in die Reihe eingestiegen. Der Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen und die verschiedenen Handlungsstränge werden später zusammengeführt. Verschiedene Rückblicke beziehen sich auf vorherige Fälle. Man sollte allerdings nicht allzu zart besaitet sein, wenn man die Bücher von Tania Carver liest.

    Man erfährt einiges über die Frau, die sich Fiona Welch nennt, und die psychische Störungen hat.

    Phil wurde entführt und hat in seiner Gefangenschaft einiges auszustehen.

    Unterdessen versucht Marina verzweifelt mit Hilfe ihrer Freundinnen Phil zu finden. Sie wundert sich, dass sie von DI Beresford keine Unterstützung erhält.

    Irgendwie hatte ich mir während des Lesens das Finale ein wenig anders vorgestellt, aber es ist in Ordnung und schlüssig. Der Thriller war spannend, ja, aber ich habe schon spannendere Bücher gelesen. Auch wurde ich emotional nicht so gepackt. Trotzdem hat mir das Buch gefallen.


    4/5

    Nach dem Angstmörderfall geht es bergauf mit der Kanzlei Meller, ein neues Büro in der Kölner Innenstadt, zahlungskräftige Klienten und natürlich ein neues Auto. Aber dann gibt es einen Mord an einem Paketboten und nur ein Paket ist verschwunden, nämlich das an Nicholas Meller. Hauptkommissar Rongen kann kaum glauben, dass Nicholas keine Ahnung hat, worum es geht. Dann gibt es noch einen Auftrag von einem Baron von Westendorff, den Nicholas dank Beziehungen im Nu löst. Als er dann auch noch eine Einladung des Barons erhält, ist Meller überzeugt, dass ihn nun nichts mehr bremsen kann. Wie man sich doch irren kann.

    Mir hat auch dieses Buch wieder viel Spaß bereitet. Es ist von Anfang an spannend und bis zum Ende wird man im Unklaren darüber gelassen, was hinter der ganzen Geschichte steckt und wer die Drahtzieher sind.

    Ich habe immer gedacht, dass Paketboten nur Muckis brauchen, aber sie leben wohl ganz schön gefährlich.

    Nicholas hat russische Wurzeln und Verbindungen zu nicht ganz lupenreinen Russen. Diese Verbindungen nutzt er gerne, weiß aber auch genau, wie weit er gehen darf. Lange ist seine Kanzlei mehr schlecht als recht gelaufen und nun genießt er den Erfolg. Kann man es Nicholas verdenken, dass er ganz oben mitmischen will? Leider geht im dabei ein bisschen der gesunde Menschenverstand verloren. Mir hat aber gefallen, dass er dann doch wieder in die Spur kommt und sich nicht benutzen lassen will. Aber er wurde schon tief in die Geschichte hineingezogen. Nina Venhoegen, Nicholas‘ Lebensgefährtin mit Handikap, kämpft derweil mit eigenen Problemen. Im Büro hat Büroleiterin Astrid Zollinger alles im Griff, nur ihren Chef manchmal nicht.

    Ein toter Paketbote, ein verschwundener Künstler und Ackerland, das zu einer überhöhten Summe seinen Besitzer wechselt – wie hängt das alles zusammen? Erst mit der Zeit kommt Nicholas dahinter, dass es um Macht und Geld geht und wie leicht man abhängig werden kann. Für ihn steht viel auf dem Spiel.

    Auch dieses Mal konnte mich Lorenz Stassen mit seinem spannenden Thriller wieder fesseln.


    5/5

    Nachdem Patrick nun tot ist, räumen seine Freunde Pats persönliche Sachen aus dem Büro. Dabei stoßen sie auf Aufzeichnungen, die sich um die goldene Stadt Cíbola drehen. Sie sind erstaunt, warum hat Pat ihnen davon nichts erzählt? Zunächst noch skeptisch geht Max die Unterlagen durch und ist dann überzeugt, dass doch etwas an der Sache dran ist. Max und seine Freunde machen sich auf die Suche, um Pat posthum noch die Anerkennung zukommen zu lassen, die er sich so gewünscht hat. Aber sie haben es mit einigen rücksichtslosen Gegnern zu tun, die ebenfalls hinter dem Schatz von Cíbola her sind.

    Dies war mein erstes Buch aus der Reihe um Max Falkenburg und seine Freunde. Es hat Spaß gemacht, das Buch zu lesen.

    Die Geschichte ist so spannend und packend, dass es schwer ist, das Buch aus der Hand zu legen. Angefangen hat alles mit einem Rückblick ins 16. Jahrhundert.

    Sehr schön sind die Handlungsorte beschrieben, so dass man alles gut vor Augen hat. Aber auch die Charaktere sind gut dargestellt und sehr individuell. Max und seine Freunde sind sympathisch und so habe ich mit ihnen gefiebert, wenn ihre fiesen Gegner ihnen das Leben schwer machten. Sie müssen sich mit höchst unterschiedlichen Konkurrenten herumschlagen.

    Es gab so viele überraschende Wendungen, dass es immer abenteuerlicher und spannender wurde.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen.


    5/5

    Nur mal eben was im Einkaufszentrum erledigen, das wollte Detective Max Wolfe. Doch er gerät in einen Terroranschlag. Eine Drohne lässt einen Hubschrauber abstürzen, der eine ganze Reihe von Toten und Verletzten hervorbringt. Wolfe überlebt. Schnell hat man die Schuldigen ausgemacht. Doch dann läuft der Einsatz aus dem Ruder. Nicht nur die tatverdächtigen syrischen Brüder sind am Ende tot, sondern auch eine Polizistin. Es brodelt nach diesem Anschlag unter den Bewohnern von London und die Familie der beiden Syrer muss geschützt werden. Damit macht sich Wolfe selbst zur Zielscheibe und sogar seine kleine Tochter und die Frau, die er liebt, sind gefährdet.

    Für mich ist dies das erste Buch aus der Reihe um Detective Max Wolfe, aber sicherlich nicht das Letzte. Der Autor greift mit seinem Thriller ein sehr aktuelles Thema auf, das er realistisch und sehr spannend aufarbeitet.

    Max Wolfe ist alleinerziehender Vater, der sich trotz seines anspruchsvollen Jobs gut um die kleine Scout kümmert. Er wird nicht nur beruflich gefordert, da die Bevölkerung auf Rache sinnt, sondern auch privat, denn seine Ex möchte plötzlich das Sorgerecht. Wir erfahren also einiges über das Privatleben unseres Protagonisten, doch das nimmt nicht überhand. Wolfe ist sehr menschlich und mir daher sympathisch. Ich konnte mich sehr gut in seine Situation hineinversetzen

    Wir alle haben in letzter Zeit erleben dürfen, wie spezielle Gruppen ein Verbrechen für ihre eigenen Interessen ausschlachten und zu was sie alles fähig sind. Auch in diesem Thriller ist neben dem Terroranschlag Fremdenhass ein wesentliches Element.

    Der Thriller ist von Anfang an sehr spannend, doch am Ende überschlagen sich die Ereignisse.

    Ich kann diesen spannenden und actionreichen Thriller nur empfehlen.


    5/5

    Ein Leben lang hat Klaus B. das geglaubt, was ihm über seine Kindheit erzählt wurde. Erst mit über siebzig Jahren erfährt er durch die Recherche der Journalistin und Autorin Dorothee Schmitz-Köster die Wahrheit über seine Herkunft. Er wurde im Jahr 1943 von Deutschen, vermutlich der SS, aus seiner Familie gerissen und beim »Lebensborn« untergebracht. Dort verschaffte man ihm eine neue germanisierte Identität und gab ihn 1944 zu linientreuen deutschen Eltern, den Schäfers.

    Bei den Recherchen kommt heraus, dass sehr viele Kinder aus Polen und weiteren Gebieten im Osten das gleiche Schicksal erlitten haben wie Klaus B. Es fällt Klaus bestimmt nicht leicht, aber er entschließt sich nach einigem Zögern, die Arbeit der Journalistin zu unterstützen. Viele der geraubten Kinder wissen bis heute nicht, dass sie geraubt wurden. Aber Klaus B. findet tatsächlich seine wirkliche Familie.

    Obwohl der Schreibstil recht sachlich ist, erzählt dieses Buch eine sehr berührende Geschichte über ein Schicksal, das wirklich so verlaufen ist. Da man weiß, dass es keine Fiktion ist, ist man umso betroffener. Wie konnte ein Regime nur so menschenverachtend handeln?

    Ergänzt wird diese Geschichte durch eine ganze Reihe von Dokumenten und Fotos.

    Es ist kein Wunder, dass das Leben von Klaus B. aus den Fugen gerät, als er erfährt was damals wirklich geschehen ist. Man kann seine Zweifel aufgrund der neuen Erkenntnisse gut nachvollziehen. Er war bereits neunzehn Jahre alt, als er aus einem Brief seiner Stiefeltern erfahren hat, dass sie ihn aus einem Lebensborn-Heim geholt haben. Ihnen hat wohl der Mut gefehlt, ihm die Wahrheit persönlich zu sagen. Angeblich sei sein Vater gefallen und seine Mutter kurz nach der Geburt gestorben. Klaus hatte schon Zweifel, ist diesen aber nicht nachgegangen. Ein Buch, welches seine Stiefschwester Inge über die Familie geschrieben hat, muss er nun mit ganz anderen Augen betrachten. Woher wusste Inge das Alles, obwohl die Mutter doch schon tot war, als Inge das Buch geschrieben hat? Wieso fehlte nur seine Geburtsurkunde?

    Aber nicht nur Klaus hat schwer an seinem Schicksal zu tragen, auch seine Familie in Polen konnte ja nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Immer wieder haben sie versucht, den verschwundenen Jungen zu finden, doch ohne Erfolg. Wie sollte das auch möglich sein, wo man ihm eine andere Identität verschafft hat. Doch nun ist es möglich, sich zu sehen, aber die Verständigung ist schwierig. Die Begegnung mit seinen Verwandten nimmt Klaus sehr mit.

    Die Autorin behandelt ein Thema, dass nicht so geläufig ist. Aber es ist ein wichtiges Thema, denn es ist ein großes Unrecht, dass diesen geraubten Kindern widerfahren ist.


    5/5

    Die zwanzigjährige Clover Brown, genannt Cluny, ist Waise und lebt daher bei Ihrem Onkel Arnold Porritt. Der mag seine Nichte, aber findet es sehr schwer mit Cluny umzugehen, denn Cluny ist sehr speziell. Ihr Onkel ist der Meinung, dass sie einfach keine Ahnung hat, was sich gehört. Sie nimmt ihren Tee im Ritz und verbringt den Tag orangenessend im Bett. Dann übernimmt sie auch noch einen Auftrag ihres Onkels, weil der gerade nicht verfügbar ist. Da das so nicht weitergehen kann, schickt ihr Onkel sie in Stellung. Cluny wird Stubenmädchen bei Aristokraten auf dem Land. In Friars Carmel trifft sie Sir Henry und seine Gattin Lady Carmel, Sohn Andrew und seine Freundin Betty aus London sowie den Polen Adam Belinski. Auf Frias Carmel scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, obwohl England sich auf den krieg vorbereitet.

    Dieses Buch ist eine Neuveröffentlichung des 1944 erstmals veröffentlichten Romans „Das Mädchen Cluny Brown“.

    Der Schreibstil passt wunderbar zum britischen Leben jener Zeit. Die Charaktere sind sehr gut und individuell dargestellt. Der Herr des Hauses Sir Henry frönt dem süßen Nichtstun, Lady Carmel hat alles im Griff und Andrew ist fasziniert vom drohenden Krieg. Cluny ist natürlich die Hauptperson. Sie ist einfach Cluny, will sich nicht anpassen und gibt nichts auf gesellschaftliche Konventionen. Mit ihrer ungewöhnlichen Art zieht sie die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich, auch die des Apothekers Wilson.

    Der Roman spielt in einer Zeit, in der das Klassendenken gepflegt wurde, aber die Protagonistin Cluny schert sich nicht darum, sondern begegnet allen Menschen auf Augenhöhe. Sie erfüllt ihre Aufgaben und tut doch das, was sie will.

    Ein unterhaltsamer Roman mit einer liebenswert spontanen und etwas unkonventionellen Protagonistin, der mir gut gefallen hat.


    4/5

    Florian hat der Tod seine Frau schwer mitgenommen und dann erhält er auch noch eine schlimme Diagnose: Alzheimer. Sein Sohn möchte ihn ins Heim stecken, denn Florian benötigt Hilfe. So zieht sein Enkel Tom bei ihm ein und sorgt für Betreuung. Doch Florian hat seinen eigenen Kopf und vergrault jede Person, die ihm helfen soll. Tom weiß nicht, was er tun soll, denn er muss sich ja auch um seine Bar kümmern. Da steht plötzlich Anika vor der Tür, die keine Unterkunft mehr hat, kein Geld, aber Liebeskummer. Auch sie versucht der alte Mann wieder zu vergraulen. Aber Ani hat eigentlich gar keine Wahl, sie darf sich nicht unterkriegen lassen. So nach und nach kommen sie und der alte Mann ins Gespräch. Bald schon können sich Tom und Florian ein Leben ohne Ani nicht mehr vorstellen.

    Mir hat dieser berührende Roman gut gefallen. Obwohl es um ein ernstes Thema geht, hat er durchaus auch witzige Seiten.

    Die Charaktere sind sehr gut und authentisch gezeichnet. Florian weiß genau, was er nicht will, und wird dann richtig boshaft. Das fordert den Menschen, die mit der Betreuung eines Alzheimer-Patienten zu tun haben, einiges ab – so auch Tom. Er liebt seinen Großvater und will ihm wirklich helfen, doch der macht es ihm nicht leicht. Aber auch Ani muss sich vieles anhören, doch sie lässt sich nicht abschrecken. Ich mochte die drei, die hier versuchen, das schwierige Leben gemeinsam zu meistern. Dass dann auch noch Gefühle ins Spiel kommen, war schon abzusehen.

    Ein unterhaltsamer Roman, der berührt und trotz der Leichtigkeit auch traurig macht und nachdenklich stimmt.


    4/5

    Die 22-jährige Magd Christina backt für ihr Leben gerne und möchte Bäckerin werden. Heimlich werkelt sie in der Backstube ihrer Dienstherren und erschafft süße Köstlichkeiten. Deshalb verliert sie ihre Anstellung. Zufällig begegnet sie dem Adeligen Emilius von Kobsdorff, der eine Wette gewinnen möchte. Christina schlüpft in die Rolle einer Adeligen. Das gefällt ihr und sie genießt das unbeschwerte Leben, doch dann verliebt sie sich und muss eine Entscheidung treffen.

    Dies ist mein erstes Buch von Birgit Jasmund und sie konnte mich mit ihrem authentischen und unterhaltsamen Schreibstil gleich packen.

    Es ist gut gelungen, die fiktiven Personen in das historisch belegte Geschehen einzubinden. Es ist großes Tamtam, was des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. und der polnische König August II. bei ihrem großen Campement veranstalten.

    Die Charaktere sind alles sehr gut ausgebildet. Christina ist eine sympathische junge Frau, die das Leben nimmt wie es kommt. Ihre Leidenschaft gilt dem Backen, was sie den Job kostet. Daher lässt sie sich auch auf diese verrückte Geschichte ein. Es ist ein bisschen wie „My fair Lady“. Dass sie sich damit nicht nur Freunde macht, ist ja vorauszusehen. Emilius ist ein Bruder Leichtfuß, dem öfters mal die Leviten gelesen werden müssen. Es kann ihm nicht gefallen, dass Christina sich über seine Anordnungen hinwegsetzt und weiter Backwaren produziert. Bei einer solchen Aktion trifft sie den Bäcker Adrian und es kommt wie es kommen muss…

    Mir hat dieser historische und unterhaltsame Roman rund um den „Dresdner Stollen“ gut gefallen.


    4/5

    „Jahre aus Seide“ ist der erste Band einer Trilogie um die Familie Meyer.

    Die Geschichte der Familie Meyer beginnt im Jahr 1932 in der Samt-und-Seide-Stadt Krefeld. Ruth wächst mit ihrer kleinen Schwester Ilse sehr behütet auf. Vater Karl ist erfolgreich als Schuhhändler unterwegs. Martha möchte ihren Kindern eine gute Mutter sein, da sie selbst erlebt hat, wie kalt die Atmosphäre in ihrer Kindheit war. Meyers bauen ein Haus gegenüber der Villa Merländer, das für sie ein wirkliches Zuhause wird. Ruth findet schnell Kontakt zu Rosi, der Tochter von Merländers Chauffeur. Als Rosi Ruth Stoffmuster aus der vorjährigen Kollektion Merländers schenkt, fängt Ruths Begeisterung für Stoffe und das Nähen an. Doch dunkle Schatten ziehen auf und es gibt ständig neue Einschränkungen für jüdische Familien. Daher rückt man näher zusammen und versucht das Leben trotzdem zu genießen. Aber immer mehr Familien wollen weg aus Deutschland. Karl zögert lange, zu lange. Dann gibt es gewaltsame Übergriffe. Wird es der Familie gelingen, sich zu retten?

    Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten und die Autorin berichtet im Nachwort, wie sie dazu kam, sich mit Ruths Geschichte zu beschäftigen.

    Die erste Hälfte des Buches lässt uns am Familienleben der Meyers teilhaben. So lernt man die Protagonisten gut kennen. Es passiert nicht viel und doch spürt man etwas Bedrohliches. Ich denke, dass es gerade dieser Kontrast zu dem späteren Geschehen ist, der einen so erschüttert.

    Ich habe einiges Neue erfahren, anderes aufgefrischt über den jüdischen Glauben und seine Feste.

    Den Meyers geht es gut, aber sie haben auch ein Herz für andere. Sie helfen gerne, selbst dem Nazi, dem das Geld ausgegangen ist. Ihre Angestellten haben es gut bei ihnen und zu Karls Fahrer Aretz und seiner Familie gibt es eine freundschaftliche Beziehung. Man sieht die Gefahr und glaubt doch, dass der Spuk schnell wieder vorbei ist. Karl betrachtet sich in erster Linie als Deutscher und erst dann als Jude. Das lässt ihn auch zögern, einen Ausreiseantrag zu stellen. Wir wissen heute alle, wie es dann weiterging; erst traf es die Geschäfte von Juden, dann die Synagogen. Der Schulbesuch wurde jüdischen Kindern verwehrt, die Berufsausübung den Erwachsenen und dann gab es die Jagd auf jüdische Menschen…

    Man wollte die Juden nicht haben und machte ihnen doch die Ausreise schwer. Die Nachbarländer sahen zu und auch sie wollten die jüdischen Menschen nicht. Zum Glück gab es aber auch Menschen, die nicht mitmachten, sondern halfen.

    Wir erleben alles hautnah am Schicksal der Familie Meyer mit, zuerst das glückliche, unbeschwerte Familienleben, dann die Angst, aber auch die Hoffnung und am Ende die Übergriffe. Das macht es besonders bedrückend. In mir löste es Fassungslosigkeit und Wut aus, Wut auf die Engstirnigen, die mit fadenscheinigen Begründungen Jagd auf Minderheiten machten.

    Es ist ein sehr emotionales Buch, das hoffentlich eine Warnung ist, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Ich bin schon sehr gespannt auf die Folgebände.


    5/5

    Island ist 1943 von den Amerikanern besetzt. Eine männliche Leiche wird am Strand angespült. Handelt es sich um Selbstmord? In Reykjavík wird nahe einer Kneipe, in der Soldaten verkehren, ein brutal erstochener Mann gefunden. Zur gleichen Zeit wird auch noch eine Frau als vermisst gemeldet, die mit amerikanischen Soldaten poussierte. Kommissar Flóvent hat somit genug zu tun, er wird von seinem kanadischen Kollegen Thorson von der Militärpolizei unterstützt.

    Im Jahr 1941 geht das letzte Schiff von Dänemark nach Island, welches die Isländer aus Skandinavien nach Hause bringt, denn in Dänemark bestimmen inzwischen die Nazis. Aber es regt sich Widerstand. Eine junge Frau, die wir erst am Ende des Buches namentlich kennenlernen, wartet vergeblich auf ihren Verlobten. Gerüchte besagen, dass ein Student von den Nazis verhaftet wurde. Die Überfahrt wird problematisch und dann geht ein junger Mann über Bord und bleibt verschwunden.

    Dies ist mein erstes Buch von Arnaldur Indriðason. Obwohl mir dieser Island-Krimi von Anfang an gut gefallen hat, ist er doch nicht einfach zu lesen, denn die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen und es ist nicht immer sofort zu erkennen, wo man sich denn nun befindet.

    Skandinavien-Krimis sind eigentlich immer etwas düster, hier wird das Ganze noch verstärkt durch die schreckliche Zeit, in der die Handlung spielt. Die Besonderheiten Islands sind gut dargestellt. Für die Menschen ist es nicht leicht in dieser kargen Gegend zu überleben. Es ist interessant, wie kreativ mit der Notsituation umgegangen wird. Den Ermittlern gegenüber sind die Menschen verschlossen. Die beiden Ermittler Flóvent und Thorson haben mir gut gefallen, sie sind sympathisch und arbeiten gut zusammen. Es wird aber gefährlich für sie.

    Gefallen hat mir der historische Hintergrund, bei dem ich sogar einiges Neue erfahren habe. Der Schreibstil ist recht detailliert und sachlich. Die Ermittlungen gestalten sich ziemlich zäh, da die Menschen nicht gesprächig sind. Doch die Spannung zieht mit der Zeit immer mehr an und das Ende kommt sogar ein wenig plötzlich.

    Ein düsterer und komplexer Krimi mit viel Island-Atmosphäre, der mir sehr gut gefallen hat.


    5/5

    Januar


    1. Birgit Jasmund - Das Geheimnis der Zuckerbäckerin
    2. Margery Sharp - Die Abentuer der Cluny Brown
    3. Tony Parsons - Die Essenz des Bösen
    4. Noa C. Walker - Der Klang deiner Liebe
    5. Elias Vorpahl - Der Wortschatz
    6. Philipp Reinartz - Fremdland
    7. Lena Johannson - Die Villa an der Elbchaussee
    8. Fiona Valpy - Die Sommer meines Lebens
    9. Linda Belago - Die Villa an der Elbe
    10. Lorenz Stassen - Blutacker
    11. Leo Born - Blinde Rache


    Februar


    1. Beate Sauer - Der Hunger der Lebenden
    2. Tania Carver - Jetzt gehörst du mir
    3. Pascal Engman - Der Patriot
    4. Janne Mommsen - Die Insel tanzt
    5. Michael Ende/Wieland Freund - Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe
    6. John Lanchester - Die Mauer
    7. Tana French - Der dunkle Garten
    8. Maxim Leo - Wo wir zu Hause sind
    9. Marie Fontane - Ein Winter voller Blumen
    10. Melissa Scrivner - Love - Lola
    11. Dean Koontz - Gehetzt
    12. Lazarus - Lars Kepler
    13. 1793 - Niklas Natt och Dag


    März

    1. Anthony Horowitz - Ein perfider Plan
    2. C. W. Gortner - Marlene und die Suche nach Liebe
    3. Vitu Falconi - Korsische Gezeiten
    4. Brigitte Glaser - Rheinblick
    5. Meredith May - Der Honigbus
    6. CAnthony Horowitz - Ein perfider Plan
    7. Mina Baites - Der weiße Ahorn
    8. Stephanie von Hayek - Als die Tage ihr Licht verloren
    9. Bridget Collins - Die verborgenen Stimmen der Bücher
    10. Ethan Cross - Ich bin die Rache
    11. Graham Moore - Der Mann, der Sherlock Holmes tötete
    12. John Ironmonger - Der Wal und das Ende der Welt



    April

    1. Ulrike Renk - Frühling auf Gut Fennhusen
    2. Sabine Weiss - Finsteres Kliff
    3. Catalina Ferrera - Spanischer Totentanz
    4. Sarah Kuttner - Kurt
    5. Peter Beck - Die Spur des Geldes
    6. Jilliane Hoffman - Nemesis
    7. Ines Thorn - Der Horizont der Freiheit
    8. Sarah Fischer - Zeilen ans Meer
    9. Nikola Scott - Das Leuchten jenes Sommers
    10. Patgrick Jacquemin - Der Duft von gras nach dem Regen
    11. Graeme Simsion und Anne Buist - Zum Glück gibt es Umwege
    12. Michelle Cordier - Die Blüten von Pigalle

    Mai

    1. Karin Baldvinsson - Das Versprechen der Islandschwestern
    2. Petra Durst-Benning - Die Fotografin - Die Zeit der Entscheidung
    3. Pierre Legrange - Schatten der Provence
    4. Philippe Lançon - Der Fetzen
    5. Gary Shteyngart - Willkommen in Lake Success
    6. Raffaella Romagnolo - Bella Ciao
    7. Stefan Ahnhem - 10 Stunden tot
    8. Melanie Metzenthin - Mehr als die Erinnerung
    9. Petra Johann - Die Entführung
    10. Kate Penrose - Nachts schweigt das Meer
    11. Sarah Lark - Wo der Tag beginnt
    12. Guilia Conti - Lago Mortale
    13. Remy Eyssen - Mörderisches Lavandou
    14. Christine Jaeggi - Das Gemälde der Tänzerin



    Juni


    1. Ronald H. Balson - Hannah und ihre Brüder
    2. Gard Sveen - Die stille Tochter
    3. Inge Löhnig - Unbarmherzig
    4. Sven Koch - Dünenblut
    5. J.D. Barker - The Fourth Monkey - Das Mädchen im Eis
    6. Veit Heinichen - Borderless
    7. Catherine Shepherd - Der Blütenjäger
    8. Denzel Meyrick - Die Morde von Kinloch
    9. Eva García Sáenz - Die stille des Todes
    10. Maiken Nielsen - Space Girls



    Juli

    1. Yrsa Sigurdardóttir - R.I.P.
    2. Jennifer B. Wind - Die Maske der Gewalt
    3. Stina Jackson - Dunkelsommer
    4. Catherine Steadman - Something in the Water – Im Sog des Verbrechens
    5. Christian Hardinghaus - Die Spionin der Charité
    6. Philip Birk - Operation Peruggia
    7. Gabriel Katz - Der Klavierspieler vom Gare du Nord
    8. Cornelia Funke - Das Labyrinth des Fauns
    9. Giosuè Calaciura - Die Kinder des Borgo Vecchio
    10. Lena Johannson - Die Malerin des Nordlichts
    11. Ulrike Renk - Zeit aus Glas


    August

    1. Rebecca Michéle - Auf den zerbrochenen Flügeln der Freiheit
    2. Linus Geschke - Im Wald der Wölfe
    3. Agustín Martínez - Das Dorf der toten Herzen
    4. Grégoire Delacourt - Das Leuchten in mir
    5. Edagr Rai - Im Licht der Zeit
    6. Linda Winterberg - Aufbruch in ein neues Leben
    7. Hendrik Siebold - Inspektor Takeda und das doppelte Spiel
    8. Karin Seemayer - Sterne über der Toskana
    9. Silvia Montemurro - Das Haus der Schmetterlinge
    10. Martin Simons - Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon


    September

    1. Michael Jensen - Totenland
    2. Elizabeth Haran - Der Himmel über dem Outback
    3. Gytha Lodge - Bis ihr sie findet
    4. Marc Raabe - Zimmer 19
    5. Vanessa Carnevale - Was für immer bleibt
    6. Nicole C. Vosseler - Die Eisbaronin
    7. Joaquín Berges - Gestern ist ein ferner Ort
    8. Karina Sainz Borgo - Nacht in Caracas
    9. Regina W. Egger - Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski
    10. Andreas Gruber - Todesmal


    Oktober

    1. Margaret Atwood - Der Report der Magd
    2. Margaret Atwood - Die Zeuginnen
    3. Lars-Erik Schütz - Rapunzel, mein
    4. Romy Fölck - Sterbekammer
    5. Kai Havaii - Rubicon
    6. Steve Sem-Sandberg - Der Sturm
    7. Whitney Scharer - Die Zeit des Lichts
    8. Simon Stranger - Vergesst unsere Namen nicht
    9. Isabel Bogdan - Laufen
    10. Mons Kallentoft - In den Klauen des Falken
    11. Jess Kidd - Die Ewigkeit in einem Glas

    November


    1. Rebecca Gablé - Teufelskrone
    2. Caroline Bernard - Frida Kahlo und die Farben des Lebens
    3. Nicole C. Vosseler - Die Hüterin der verlorenen Dinge
    4. Lara Prescott - Alles, was wir sind
    5. Jürgen Ehlers - Im Haus der Lügen
    6. Elias Haller - Tod und kein Erbarmen
    7. Candice Fox - Missing Boy
    8. Sibylle Luise Binder - Die Flucht der Trakehner
    9. Bettina Sorks - Leas Spuren
    10. Alexander Oetker - Winteraustern

    Dezember


    1. Jørn Lier Horst - Wisting und der Tag der Vermissten
    2. Jessica Barry - Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod
    3. Marie Sanders - Die Frauen vom Nordstrand - eine neue Zeit
    4. Ethan Cross - Die Stimme des Zorns
    5. Chralotte Kliemann - Die Zeit der vergessenen Kinder
    6. Linda Winterberg - Die Kinder des Nordlichts
    7. Thomas Christos - 1965 - Der erste Fall für Thomas Engel
    8. Niklas Natt och Dag - 1794


    Auch dieses Mal bekommt es Zack Herry mit einem dramatischen Fall zu tun. Im Schärengarten werden sechs Jugendliche nach einer feucht-fröhlichen Party tot aufgefunden. Sie haben grauenhafte Schnittwunden und Verstümmelungen. Aber es ist nicht auszumachen, wie sie zu Tode kamen. Erst die Obduktion ergibt, dass sie nicht nur hochdosierte Schmerzmittel im Blut haben, sondern auch noch andere Drogen. Dann gibt es weitere tote Jugendliche. Wie hängt das alles zusammen?

    Dies ist bereits der dritte Band um den Kommissar Zack Herry. Wie schon die Vorgängerbände „Die Fährte des Wolfes“ und „In den Fängen des Löwen“ kommt auch dieser Thriller wieder düster und sehr brutal daher; starke Nerven sind also gefragt.

    Der Ermittler Zack Herry und seine Partnerin Deniz haben beide eine schwierige Vergangenheit, aber langsam scheinen sie ihr Leben in den Griff zu bekommen. Zacks Freundin ist schwanger von ihm und Deniz ist in seiner Beziehung auch glücklich. Aber immer noch habe ich mit Zack und seinen Methoden so meine Schwierigkeiten. Das Privatleben von Zack nimmt relativ viel Raum ein.

    Auch dieser Fall ist wieder sehr spannend der Handlungsverlauf logisch aufgebaut. Auch das Ende ist schlüssig.

    Ein interessanter, spannender und düsterer Thriller.


    4/5

    Bereits im Jahr 1865 wurde in den USA die Sklaverei aufgehoben, doch erst 1948 schaffte Truman die Rassentrennung in den Streitkräften ab. Aber es dauerte auch dann noch Jahre bis 1964, bis auch im zivilen Bereich die Rassentrennung aufgehoben wird.


    In Atlanta werden 1948 die ersten acht Black Police Officers eingesetzt. Doch das bedeutet nicht, dass sie die gleichen Aufgaben und Rechte wie ihre weißen Kollegen haben. Im Gegenteil: Sie müssen seitens der Weißen wie der Schwarzen Demütigungen hinnehmen. Es ist schwer zu ertragen, was diese Männer Tag für Tag hinnehmen müssen. Sie dürfen nur in einem begrenzten Raum Streife gehen, bekommen eine eigens für sie eingerichtete Wache, dürfen keine Weißen verhaften und müssen selbst im Privatleben besondere Regeln einhalten. Aber auch die farbige Bevölkerung ist ihnen gegenüber misstrauisch.

    Als eine junge schwarze Frau ermordet und auf einer Müllhalde entsorgt wird, scheint niemand an der Klärung des Mordes Interesse zu haben. Die weißen versuchen die Sache zu vertuschen und die schwarzen Polizisten haben nicht die Berechtigung Ermittlungen anzustellen.


    Das Buch liest sich gut und die Geschichte ist ziemlich bedrückend. Es ist ein Krimi, aber auch ein politisches Buch. Die Rassentrennung ist zwar aufgehoben, aber immer noch gibt es einen starken Rassismus in den USA.


    Lucius Boggs und Tommy Smith, zwei Cops der neuen Einheit, wollen nicht, dass der Mordfall ungeklärt bleibt und machen sich daher auf die Suche nach der Wahrheit, womit sie ihren Job riskieren. Es wird gefährlich für sie.


    Alle Charaktere sind sehr gut und vielschichtig ausgearbeitet. Der rassistische Dunlow ist korrupt und gewalttätig, ein absolut unsympathischer Mensch. Dagegen konnte ich die zwiespältigen Gefühle von Rakestraw gut nachvollziehen.


    Es ist ein komplexer Roman, erschreckend und realistisch. Meine absolute Leseempfehlung.


    5/5

    Der Zeitungszusteller findet den 84-jährigen Theodor Reifenrath tot auf. Der alte Mann lebte nach dem Selbstmord seiner Frau vor zwanzig Jahren sehr zurückgezogen und so ist es nicht verwunderlich, dass es Tage gedauert hat, bis er gefunden wurde. Pia Sander und Oliver von Bodenstein machen aber noch eine grausige Entdeckung. Im Hundezwinger liegen neben dem ausgehungerten Hund Menschenknochen. Als die Spurensicherung sich an die Arbeit macht, entdeckt sie weitere Leichen unter der Bodenplatte. Die Recherchen bringen grausige Details ans Licht und die Kommissare sind überzeugt, dass der Täter noch auf freiem Fuß ist.


    Ich muss gestehen, dass ich die Krimis von Nele Neuhaus eher aus dem Fernsehen kenne und dies ist erst das zweite Buch, dass ich von der Autorin gelesene habe. Der Schreibstil von Neuhaus ist sehr flüssig zu lesen. Die Atmosphäre ist recht düster. Schon der Prolog beschert uns den ersten Mord. Von Bodenstein und Sander müssen mit ihren Ermittlungen sehr weit in die Vergangenheit gehen und was sie zutage fördern, ist grausig.


    Erzählt wird dieser Krimi aus unterschiedlichen Perspektiven. Der Mörder kommt zwischendurch auch immer wieder zu Wort und so lernen wir seine Gedankengänge ausführlich kennen.


    Das Ehepaar Reifenrath hat über viele Jahre schwer zu vermittelnde Pflegekinder aufgenommen. Die eigene Tochter starb an einer Überdosis und die Frau nahm sich das Leben. Aber immer wieder verschwanden auch Frauen und es gab eine Gemeinsamkeit: Sie verschwanden alle an einem Sonntag im Mai und schon bald

    Die Ermittler finden heraus, dass seit einigen Jahren mehrere Frauen verschwunden sind oder getötet wurden an einem Sonntag im Mai. Und bald ist wieder Muttertag…


    Pia Sander und Oliver von Bodenstein sind sympathisch. Aufgrund ihrer langjährigen Zusammenarbeite kennen sie sich gut und ergänzen sich perfekt. Aber auch die anderen Charaktere sind gut gezeichnet.


    Die Spannung ist von Anfang an hoch und immer wieder gibt es Wendungen, die dafür sorgen, dass es auch so bleibt.


    Ein spannender Krimi.


    4/5

    Berlin, 1925: Vicky und Willi wollten für immer zusammenbleiben. Sie haben vier Kinder und eins ist unterwegs und nun trennt sich Willi von ihr wegen einer anderen. Vicky verfällt nicht in eine depressive Stimmung, ganz im Gegenteil, sie krempelt ihr Leben um und will beweisen, dass Frauen mehr draufhaben als nur Ehefrau und Mutter zu sein. Mit ihrer Freundin eröffnet sie am Savignyplatz eine kleine Buchhandlung für Frauen.

    Joan Weng führt uns mit ihrem Roman ins Berlin der Zwanziger Jahre. Ihr Schreibstil ist lebendig und die Atmosphäre ist sehr authentisch.

    Die Protagonisten sind sehr gut ausgearbeitet und kommen realistisch rüber. Vickys Eltern waren von dem Schwiegersohn, den Vicky ihnen vorstellt, gar nicht begeistert. Sie hatten jemand anderes im Blick und nun sehen sie die Chance, Vicky mit dem Fabrikanten Jakob Ebert zu verheiraten. Doch Vicky denkt nicht daran. Willi ist unbekümmert und hat seine Frauengeschichten. Als seine Jugendliebe von ihm schwanger ist, verlässt er dafür seine schwangere Frau. Hilfe erhält Vicky aber trotzdem von ihm und auch von Jakob Ebert. Mit Lisbeth verbindet Vicky eine langjährige Freundschaft und sie konnten sich immer aufeinander verlassen. Auch die anderen Charaktere sind gut gezeichnet.

    Ihre Buchhandlung für Frauen trifft nicht überall auf Begeisterung, sie müssen auch eine Menge Anfechtungen aushalten, selbst Vicky Vater macht Schwierigkeiten.

    Es ist eine Zeit, als von Frauen erwartet wurden, dass sie heiraten, Kinder kriegen und dann ihr Glück am heimischen Herd finden. Aber es gibt auch Frauen, die mehr wollen und ihnen bläst zu der Zeit noch ein kräftiger Wind entgegen. Immer be3nötigen Frauen die Erlaubnis eines Mannes, wenn sie etwas auf die Beine stellen wollen. Mit dem Aufkommen der Nazis gibt es dann eine rückwärts gerichtete Entwicklung.

    Emanzipierte Frauen in den Zwanziger Jahren – eigentlich ein interessantes Thema, aber trotz interessanter Zeit und sympathischer Protagonisten wurde ich nicht so gepackt wie erwartet, da die Geschichte so vor sich hinplätschert.


    3,5 /5

    Durch Zufall erfährt die erfolgreiche Investmentbankerin Anna, dass sie adoptiert wurde. Sie ist sehr enttäuscht, dass ihre Adoptiveltern nicht ehrlich zu ihr waren und muss nun ihr neues Wissen erst einmal verarbeiten. Sie erinnert sich daran, kürzlich einen Artikel über Verdingkinder gelesen zu haben. Daher macht sie sich an die Recherche, um herauszufinden, wer ihre Mutter ist und wer sie selbst ist.

    Neben diesem Handlungsstrang erfahren wir die Geschichte von Lena und ihrer zwei Jahre älteren Schwester Marie, die in der Vergangenheit (1969) spielt. Da die Mutter der Schwestern nach dem Tod des Vaters depressiv wird und sich nicht richtig um die Mädchen kümmern kann, steckt die Fürsorge die beiden zunächst ins Heim und etwas später als Verdingkinder getrennt in Pflegefamilien.

    Die Autorin hat einen sehr angenehm zu lesenden Schreibstil. Während mich der Handlungsstrang um Lena und Marie vollkommen in den Bann gezogen hat, konnte mich der Teil um Anna nicht so packen.

    Einerseits konnte ich die Enttäuschung von Anna nachvollziehen, als sie erfährt, dass sie adoptiert ist. Doch mir war Anna nicht besonders sympathisch, da sie mit anderen nicht so besonders freundlich umging. Auch ihre Handlungen fand ich teilweise überzogen. Mit Lena und Marie konnte ich jedoch wirklich mitfühlen, denn ihr Schicksal ist wirklich tragisch. Dabei hat Lena den schlimmeren Part gehabt. Sie musste hart arbeiten und wurde misshandelt. Marie ging es in ihrer Pflegefamilie wesentlich besser. Doch dann wird sie schwanger.

    Es ist erschreckend, wie die Kinder, die von der Schweizer Fürsorge als Verdingkinder in die Familien gegeben wurden, ausgenutzt, misshandelt und missbraucht wurden. Diese Fremdunterbringung begann 1800 und wurde bis in die 1980er Jahre so gehandhabt. Ähnliches gab es aber auch in Deutschland und Schweden. Besonders betroffen gemacht hat mich, dass diese schrecklichen Dinge noch so lange möglich waren.

    Es ist ein sehr emotionaler Roman, der noch lange nachhallt.


    5/5

    Es ist erschreckend, wie schnell sich Deutschland, Berlin und die Menschen verändern. Das pulsierende Leben im Berlin der Zwanziger Jahre ist verschwunden und man hat das Gefühl, sich in einer grauen, bedrohlichen Wolke zu befinden. Das bemerkt auch Charly, als sie feststellt, dass alles piefiger wird. Ihr hat man die Zukunft genommen und sie muss sich als Anwaltsgehilfin und Privatdetektivin durchschlagen. Frauen gehören halt an den Herd und haben Kinder zu gebären. Sie hadert mit allem und besonders damit, dass ihr Pflegesohn Fritze sich bei der HJ engagiert. Das nimmt sie ihm übel und lässt ihn das spüren, vor allem als der sich aufmacht zum Reichsparteitag nach Nürnberg.

    Gereon Rath versucht sich mit den politischen Verhältnissen zu arrangieren und, auch wenn sie ihm nicht gefallen. Er ist inzwischen befördert worden, aber auch nicht zufrieden, da ihn Gennat nach dem letzten Fall ziemlich kaltgestellt hat. Nur noch unspektakuläre Fälle bekommt er zugeteilt. Als er zu einem merkwürdigen Verkehrsunfall gerufen wird, entdeckt er etwas, an dem er sich die Finger verbrennen könnte. Obwohl er dies Problem auf Rath-Art beseitigt, lässt ihm der Fall keine Ruhe, denn es gibt zu viel, das ihm seltsam vorkommt. Ein Besuch von Wilhelm Böhm bei den Raths bringt dann eine Sache in Gang, die viele aufschreckt und gefährlich wird. Auch Charlys Vergangenheit, die Volker Kutscher in „Moabit beschrieben hat und die Charly so beharrlich weggeschoben hat, spielt nun eine Rolle. Doch wie hängt die Vergangenheit mit dem jetzigen Fall zusammen? Auch als er zum LKA versetzt wird, lässt Gereon die Geschichte keine Ruhe.

    Gereon ist froh, dass er schon ein Jahr lang nichts mehr von Marlow gehört hat, auch wenn ihm und seiner Familie die Geldspritzen fehlen. Doch diese Freude wird nicht anhalten, denn Marlow ist wieder in Berlin und wird auch Gereons Weg kreuzen. Johann Marlow ist wie ein Chamäleon. Er kann sich dem Umfeld gut anpassen, wenn es ihm und seinen Geschäften dient. Seine illegalen Geschäfte hat er abgestoßen und nutzt nun die Notlage anderer aus. Damit seine Aktivitäten nicht gestört werden, geht er auch über Leichen.

    Zwischendurch erfahren wir in einem weiteren Handlungsstrang etwas aus der Vergangenheit der Familie Larsen, die im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin das Gut Altendorf besessen hat. Aus Tsingtau brachte der Vater eine Chinesin mit aufs Gut, die dann dort mit ihrem kleinen Sohn lebte.

    Mir sind Rath und Familie ans Herz gewachsen, auch wenn ich Gereon manchmal schütteln möchte bei seinen sehr speziellen Aktionen. Aber er ist ein guter Kriminalist, der seine Fälle klären möchte, auch wenn seine Wege dorthin nicht immer ganz astrein sind. Ihn verbindet so viel mit Wilhelm Böhm, schade, dass sich die beiden nicht grün sind. Böhm imponiert mir, mit dem was er tut.

    Gereon und Charly haben über die Zeit hin immer wieder Geheimnisse voreinander, was ihrer Ehe nicht unbedingt guttut. Wenn sie dann gezwungen werden, miteinander zu reden und offen zu sein, bahnt sich gleich wieder eine neue Geheimnistuerei an. Ganz besonders tut es mir für Fritze leid, der schon so viel hinter sich hat und nun in einem Alter ist, wo er Halt und Sicherheit braucht. Das finde er zwar teilweise bei der HJ, nicht aber im emotionalen Bereich.

    Wie immer ist es Volker Kutscher ausgezeichnet gelungen, durch die vielen authentischen Details den Leser in die damalige Zeit zu versetzen. Wir erleben eine Zeit, in der man seine Meinung nicht äußern darf, Denunziantentum gang und gäbe ist, Recht und Gesetz keine große Bedeutung mehr haben und die Presse ihren Aufgaben als vierte Gewalt nicht mehr wahrnimmt.

    Ich fand es ganz erschreckend, dass sogar ein Gereon Rath beim Reichsparteitag in Nürnberg mitgerissen wurde, obwohl ihm selbst danach übel war. Wie können Menschen behaupten, sie hätten nicht gewusst, was vor sich geht, wenn dort das Gedankengut des Regimes ganz offen verkündet wurde?

    Ein großartiger, gut recherchierter Kriminalroman, den ich nur empfehlen kann.


    5/5