Ich stimme Voltaire zu - ohne die Präambel verlöre das Grundgesetz seine Rechtfertigung und damit seine Gültigkeit, niemand wäre mehr daran gebunden.
Allerdings hat das, glaube ich, wenig mit dem Sinn und Unsinn von Plebisziten zu tun ...
Beiträge von Bernard
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Ich verstehe noch nicht, wie man in dem Wolf-Schaf-Beispiel unter demokratischen Gesichtspunkten rechtfertigt, dass die Wölfe das Schaf nicht fressen dürfen.
Woraus begründet sich die Autorität der Minderheit (Schaf) über die Mehrheit (Wölfe)? "Göttliches Recht"?

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fabuleuse :
Vielen Dank für Deinen Beitrag. So genau wusste ich wirklich nicht, wie ein Plebiszit in der Schweiz abläuft. Jetzt verstehe ich die Einwände noch weniger ... -
Zitat
Original von Tom
Denn Demokratie bedeutet, dass nicht nur die Mehrheit bestimmt, sondern die Minderheiten auch Schutz genießen.
Das scheint mir ein eigenartiges Demokratieverständnis zu sein. In einer Demokratie genießt eine Minderheit dann Schutz, wenn die Mehrheit es will, ansonsten nicht. Diese Schutzlosigkeit kann einem gefallen (wie bei Kinderporno-Fans) oder nicht (wie bei ungeborenen Kindern, die man in Deutschland ja innerhalb recht weit gefasster Grenzen straffrei umbringen darf), aber so ist die Spielregel.Die Fragen zu den von mir aufgeworfenen Themen sind alle berechtigt. Dennoch oder vielleicht sogar gerade deswegen sind sie für Plebiszite besonders geeignet - weil sie eben weitreichende Konsequenzen haben. Es wäre aus meiner Sicht richtig, das Volk bei Dingen mit solch enormer Tragweite zu befragen. Dass dadurch das Geschäft der Berufspolitiker nicht einfacher würde, ist offensichtlich. Das Volk ist aber auch nicht dafür da, den Politikern das Leben einfacher zu machen, sondern die Regierung ist dazu da, das Volk so zu regieren wie dieses es wünscht (wenn man davon ausgeht, dass dieses der Souverän ist).
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Tom : Diese Punkte sind in der Tat valide Nachteile.
Sie gelten allerdings bis zu einem gewissen Grade für demokratische Entscheidungen allgemein: Auch in einer Parteiendemokratie ist man weder vor populistischen Entscheidungen gefeit (Stichwort "Wahlgeschenke") noch vor Gesetzesakten, die einer Grundlinie widersprechen (Stichwort "Lobbypolitik"). Dennoch treten die von Dir genannten Nachteile auch meiner Einschätzung nach in Plebisziten deutlicher hervor. Zudem sind Plebiszite schlicht und ergreifend eine teure Angelegenheit.
Trotzdem bin ich ein großer Freund von Plebisziten, weil ich dem Volk eine Menge zutraue. Insbesondere kann man ein ganzes Volk schlechter bestechen als eine kleine Gruppe von Parlamentsmitgliedern. Es gibt nach meiner Beobachtung einige Themen, die durchaus in der politischen Debatte stehen, wo es also nicht um Einzelfallentscheidungen aus einer politischen Laune heraus geht, sondern um Richtungsentscheidungen, die manchmal über Jahre hinweg diskutiert wurden. Euroeinführung, Atomausstieg, EU-Beitritt der Türkei, Auslandseinsätze der Bundeswehr, EU-Verfassung, ...
Bei solchen Themen würde ich mir mehr "schweizerische Demokratie" wünschen. Zu diesen Themen werden die meisten Wahlberechtigten eine Meinung haben, auch ohne zuvor von Polemikern angefüttert worden zu sein. Wer möchte, dass "alle Macht vom Volke" ausgeht, sollte damit auch kein Problem haben. Wenn zum Beispiel die Soldaten in Afghanistan wüssten, dass eine Zweidrittelmehrheit der Deutschen hinter ihrem Einsatz stünde, würden sie sich bestimmt wohler fühlen. Wenn es diese Mehrheit aber nicht geben sollte - dann sollten deutsche Soldaten auch nicht in Afghanistan sterben. -
Ich habe noch nicht wirklich verstanden, was die im Titel des Threads aufgeführten Nachteile des Plebiszits sein sollen. Dass dabei Entscheidungen gefällt werden, die einer Minderheit der Abstimmungsberechtigten nicht passen? Das kann man auch ohne Plebiszit haben.

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Meines Erachtens kann es gar nicht darum gehen, ob dieses Gesetz mit dem deutschen Grundgesetz konform ginge - schließlich wurde in der und für die Schweiz abgestimmt, und dort gilt das deutsche Grundgesetz genauso viel oder wenig wie die Verfassung von Nepal.
Entscheidend ist die Schweizer Verfassung. Diese hat sich das Schweizer Volk auf demokratischem Wege gegeben, hoffe ich. Sie sieht Volksabstimmungen vor. Ich hoffe ferner, dass die in Rede stehende Volksabstimmung dieser Verfassung gemäß durchgeführt wurde. Damit ist das Ergebnis umzusetzen.
Ich bezweifle, dass die Schweizer von irgendjemandem Nachhilfe in Demokratie benötigen. Die haben sie schon länger als die meisten anderen.Auch kann ich nicht nachvollziehen, wie "man versuchen kann, zwischen den Stärken und Schwächen eines Souveräns einen gangbaren Kompromiss zu finden". Wer ist denn in dieser Aussage "man"? Das ist doch auch wieder "der Souverän", und der gibt sich eine Verfassung - die im Falle der Schweiz solche Volksentscheide vorsieht.
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Tja, Demokratie ist eben auch, wenn es mal einer macht ...
Ich finde den Wahlausgang in der Schweiz erstaunlich und für mich persönlich auch durchaus unerfreulich, sprich: Ich hätte wohl anders gestimmt. Andererseits - wenn das Volk der Souverän ist, dann darf es auch souverän entscheiden. So ernst muss man Demokratie schon nehmen, denke ich.
Verblüffend sind auch die 57 Prozent - die "schweigenden Mehrheiten" scheint es nicht nur im Reich der Fabel zu geben.
Ich würde mir auch in Deutschland mehr direkte Demokratie wünschen. Zum Beispiel empfinde ich es als Missachtung der wahlberechtigten Bürger, vor Einführung einer (Quasi-)Europaverfassung nicht über ebendiese abstimmen zu dürfen. Auch einen so wesentlichen Schritt wie die mögliche Aufnahme der Türkei in die Europäische Union hätte ich gern direkt vom Volk legitimiert.
Natürlich kann dabei etwas völlig Anderes herauskommen, als die Berufspolitiker sich wünschen - es es scheint mir gar nicht schlecht, wenn die Regierung ein wenig Angst vor ihrem Volk hat. -
Zitat
Original von Merrit
Bernard Soll schon ein "es" sein.
Da geht beides, denke ich. Wenn da "er" stünde, dann wäre "der Schmerz" gemeint, der "Freude zu machen vermag". Wofür steht das "es"?ZitatOriginal von Merrit
Wie kann ich denn das mit den Silben planen?
Keine Ahnung - ich bin kein Lyriker. Vermutlich muss man solange Wörter durch sinngleiche Wendungen austauschen, bis gleich viele Silben herauskommen.
Da sollten andere Eulen besser weiterhelfen können ... -
Zitat
Original von Phantasia09
Also die Standorte. Denn ich zum Beispiel, wüsste nicht, wo hier in der Gegend Babyklappen zu finden sind.
Einmal googlen hat folgenden Link ausgespuckt, der mir ganz brauchbar zu sein scheint:
http://www.babyklappe.info/alle_babyklappen/ -
Ich bin fast nie ohne Buch unterwegs und nutze dann die Zeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln und wenn ich irgendwo warte. Das ist dann immer ein Taschenbuch. Manchmal lese ich parallel noch ein gebundenes Buch, das dann zu Hause zum Zuge kommt, zum Beispiel ganz klassisch vor dem Einschlafen.
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Ich verstehe schon, dass es für ein Kind eine sehr harte Sache ist, nicht zu wissen, wer die eigenen Eltern sind - aber so ist das Leben. Da passieren so richtig unfaire und miese Sachen.
Man sollte jedem Menschen zubilligen, aus welchen Gründen auch immer zu einem anderen Menschen sagen zu dürfen: "Mit dir will ich nichts mehr zu tun haben." Wenn die Mutter ihr Kind in einer Babyklappe abgibt, tut sie genau das.
Ob ohne Babyklappen die Kinder getötet würden oder nicht ist vermutlich eine Frage, die niemand zweifelsfrei beantworten kann. Falls es aber so wäre, müsste man zusätzlich argumentieren, dass die Betroffenen bei Abschaffung der Babyklappen deswegen nicht mehr betroffen wären, weil sie ihre ersten Tage nicht überlebt hätten, was sicherlich nicht in ihrem Sinne wäre. -
Auch Nahrung ist ein Menschenrecht.
Täglich ein kostenfreies 6-Gänge-Menü in einem 4-Sterne-Restaurant ist damit aber nicht gemeint.Soll heißen: Ich empfinde es als zynisch, eine Studiengebühr mit dem Vorenthalten eines Menschenrechtes gleichzusetzen - denn das verhöhnt die Menschen auf der Welt, die tatsächlich unter massiven Menschenrechtsverletzungen zu leiden haben.
Ein Student, der in Deutschland 500 Euro im Semester zahlen muss, ist in keiner Weise vergleichbar mit einem Kind in Bolivien, das täglich zehn Stunden unter Tage nach Edelsteinen schürfen muss, weil seine Familie sonst hungern würde, und wegen dieser von der Not erzwungenen Kinderarbeit nicht die Möglichkeit hat, eine elementare Bildung zu erlangen.Mit einem Menschenrecht kann man in diesem Zusammenhang nun wirklich nicht argumentieren, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, an Realitätsverlust zu leiden.
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Mein rationales Ego stimmt Licht zu.
Andererseits, diese Bilder, die entstehen, wenn ich mir die Studenten mit ihren Transparenten im Audimax vorstelle ... wie sie brav da sitzen, ganz leise, damit sie niemanden stören ... und dann abends ein Kulturprogramm genießen ...
Ich weiß nicht, ob ich es als "geil" bezeichnen würde, aber es ist dermaßen "typisch deutsch", dass es in seiner Niedlichkeit schon wieder cool ist ...

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Zitat
Original von MarkStaats
Die Internetpräsenz www.darkknights.de befindet sich noch im Aufbau, Interessierte können jedoch bereits einen Blick auf die Mitglieder und das eigene Forum werfen.
Hm, der Link funktioniert bei mir nicht. Kann es sein, dass in dem URL-Tag das ".de" fehlt, das in der Beschreibung angegeben ist?
Wenn ich das im Browser eingebe, kommt eine ganz hübsche Internetpräsenz mit einem umfangreichen Informationsangebot zum Vorschein.
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Wirklich eine tolle Seite! Man merkt, mit wie viel Liebe sie gestaltet ist.
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Original von Ronja
Es gilt bestimmt nicht für dich - aber: Es gibt eine Menge Menschen, die ähnliche Diskussionen führen, weil sie sich ein Leben lang ärgern nicht das gelernt / studiert zu haben, was sie eigentlich wollten.
Es gilt bestimmt nicht für dich - aber: Es gibt einige wenige Menschen, die allen, die nicht ihrer Meinung sind, unterstellen, sie seien kreuzunglückliche, am Leben gescheiterte Existenzen.
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Original von kero-chan
vor allem das Fach mit den vielen Zahlen ist meiner Meinung nach echt böse. Vielleicht sollte ich mich hier an Bernard wenden.
![:-]](https://www.buechereule.de/images/smilies/pleased.gif)
Ich hatte in der Schule Deutsch und Geschichte als Leistungskurse und bin im Studium im ersten Versuch bei Statistik durchgefallen - frage lieber jemand anderen.
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Original von Gummibärchen
Sehr interessant, dass ein Student von heute in deinen Augen nicht das verdient hat, was du bekommen hast. Wie ignorant kann ein Mensch eigentlich sein?
Ich habe es auch nicht verdient. Aber es gab die Möglichkeit und ich habe sie genutzt. Trotzdem war es damals falsch, dass es sie gab, und das ist es heute auch. Nur - warum hätte ich darauf verzichten sollen, wenn alle anderen es auch bekommen haben?
Allerdings gab es in meiner Grundschulklasse fünfzehn Kinder, nicht dreißig, wie heute. Das finde ich viel ungerechter, als wenn Studierende einen Obulus für ihre eigene Zukunft entrichten. Und, um die nächste Frage gleich vorweg zu nehmen: Nein, ich habe keine Kinder.