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Original von redator
Und um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass es nur dem Studenten selbst irgendwann mal zugute kommt, studiert zu haben. Ich denke von ehemaligen Medizinstudenten zB profitiert ja sicherlich nicht nur der Arzt selber...
Das ist unter der Annahme richtig, dass der Medizinstudent dann auch als Arzt arbeitet, und zwar in Deutschland. Wenn das Studium generell frei ist, wird diese Bedingung aber nicht gestellt.
Zudem finde ich diese Argumentation für viele Studiengänge unzutreffend. Wer glaubt denn wirklich, dass die Kunstgeschichtestudenten von heute diejenigen sind, die durch ihre im Studium erworbenen Kenntnisse unsere Renten von morgen zahlen? Es scheint mir eine große Lebenslüge zu sein, wenn man mit dem Zauberwort "Bildungsfreiheit" absurde Überkapazitäten unabhängig von irgendwelchen Bedarfen rechtfertigen möchte. Mir leuchtet sofort ein, dass unsere Gesellschaft ein Interesse daran hat, dass jeder lesen und schreiben kann und den Erwerb dieser Fähigkeiten deswegen finanziert. Ob man das bis auf altindisches Sanskrit ausdehnen muss, wage ich zu bezweifeln. Ich zitiere einen Doktor, der das unterrichtet: "Meine Damen und Herren, Ihr Studienziel ist eine Anstellung als Verkäufer bei einem Fotogeschäft, das muss Ihnen klar sein."
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Original von redator
Irgendwie kann ich diese Denke nicht nachvollziehen.
Ich habe als Student auch mal gar nichts davon, dass Azubis entlohnt werden. Trotzdem halte ich das für durchaus fair.
... dass Azubis aus Steuergeldern entlohnt würden, wäre mir allerdings neu, und wenn die Betriebe, in denen sie ausgebildet werden, aus Steuergeldern bezahlt würden, brächte mich das doch schon sehr zum Staunen.
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Original von redator
Auch für eine schulische Ausbildung musst du nicht zahlen
Und diese Möglichkeit hat jeder, und das ist gut so. Darüber hinaus werden aber nur die gefördert, die dann Abitur machen (... können, weil sie intelligent genug sind ...) und dann zu einer Hochschule gehen. Wer meint, er könne sich durch eine Reise und eigene praktische Erfahrung besser weiterbilden, geht leer aus. Das ist Lobbypolitik.
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Original von redator
Wenn du dich fragst, was es dir und der Allgemeinheit ein Student nützt, dann würde ich mich genauso fragen, was mir persönlich ein Kindergarten nützt?
Das ist leicht zu beantworten: Jeder ist irgendwann im Kindergartenalter, aber studieren tut nicht jeder. Wenn die Gesellschaft also ein Interesse an Bildung hat, dann wäre sie gut beraten, dort zu fördern, wo es auch allen zugute kommt. Mir ist viel wichtiger, dass es keine Analphabeten mehr gibt, als dass einige wenige umsonst südamerikanische Frühgeschichte studieren können.
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Original von redator
Ich bin unter gewissen Umständen auch für Studiengebüren.. zB um notorische Langzeitstudenten einzudämmen.
Das ist noch so ein positiver Effekt: Die Leute werden von ihren Lebenslügen befreit, wenn sie darüber nachdenken müssen, wie sie das Geld zurückzahlen wollen.
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Original von redator
... unterschätzt den Wert eines gewissen Bildungsniveaus ...
Ich glaube, den Wert einer Bildungsförderung nach dem Motto: "Studiere, wozu du Lust hast" kann man aus gesellschaftlicher Perspektive gar nicht niedrig genug ansetzen.
Ich bleibe bei meiner Vermutung, dass die wenigsten Studenten ihr Studium aus altruistischen Motiven wählen. Für die meisten werden Aspekte der Selbstverwirklichung im Vordergrund stehen, für viele auch die Aussicht auf ein hohes Lebenseinkommen. Ich kann nicht erkennen, warum man dafür nicht bezahlen soll, sondern von mir (als Steuerzahler) erwartet, dass ich das tue.