Beiträge von Bernard

    Hallo Tom,


    völlig richtig. Zu Karl Mays Zeiten war Amerika für seine Leser ein unbekanntes Land. Einige wenige werden es gekannt haben oder durch mühsame Recherche eine gute Wissensbasis erarbeitet haben - die waren sicherlich rein numerisch völlig irrelevant für die Leserbasis. Für die meisten werden Karl Mays Romane der einzige Kontakt zur Kultur der Apachen gewesen sein, daher spürten sie keinen Widerspruch und waren glücklich.
    Heute muss man als Autor darauf gefasst sein, dass man bei der Leserschaft auf eine sehr breite, allerdings auch sehr oberflächliche Bildung trifft. Allerdings ist ja auch für den Autor dieses oberflächliche Wissen nur einen Mausklick entfernt, sodass er sich leicht auf das Niveau seiner Leserschaft hocharbeiten kann. Manchmal übrigens auch "runterarbeiten" - mich hat einmal ein sehr erfolgreicher Autor nach meinen Erfahrungen in einem Vulkan-Nationalpark gefragt. Unter anderem habe ich ihm erklärt, dass das glutflüssige Gestein entgegen landläufiger Meinung nicht "Lava" heißt (das ist der erstarrte Stein), sondern "Magma". Er ist dann bewusst bei der Bezeichnung "Lava" geblieben, um seine Leserschaft nicht zu verwirren.
    Für die Science Fiction gilt das meines Erachtens auch. Wenn ein Autor beschreibt, der Mars habe mit Wasser gefüllte Kanäle, wird er einen Aufschrei ernten, weil sein Durchschnittsleser das als "falsch" erkennt und aus dem Lesefluss gerissen wird. Wenn er schreibt, der Mount Olympos auf dem Mars sei 4.000 Meter hoch, so ist das genauso falsch, aber viel weniger kritisch, weil kaum ein Leser das wissen wird und es auch nur wenige geben wird, die das nachschlagen werden. Zwei oder drei werden stolz den Fehler in irgendeinem Forum publizieren, aber das ist dann eine eigene Sportart mit eigenen Fans und für den Erfolg irrelevant.
    Das Beispiel des Films Armageddon finde ich gut gewählt, denn daran sieht man, dass die große Masse des Publikums nicht so tief in der Materie ist, dass die Fehler sie gestört hätten (vermutlich haben die meisten sie nicht einmal bemerkt). Wenn die Astronauten allerdings statt im Raumanzug im T-Shirt über den Asteroiden spaziert wären, hätte die Sache sicher anders ausgesehen.

    Ein Autor sollte meines Erachtens von der beschriebenen Materie wenigstens so viel wissen wie sein Leser. Wenn ein Science Fiction-Autor eine Geschichte auf dem Mars spielen lässt, dann wird ein Astronom mit diesem Fachgebiet vielleicht bei der Lektüre die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil er die Schilderung direkt als unrealisitisch wahrnimmt - da es aber nur wenige Astronomen mit diesem Fachgebiet gibt und von diesen vermutlich wieder nur sehr wenige das spezielle Buch lesen werden, ist das nicht schlimm. Bei Gegenständen, die zur Erfahrungswelt der meisten Leser gehören, ist das schon ganz anders. Deswegen konnte Karl May ja auch mit solchem Erfolg über die Apachen schreiben: Unter seinen Lesern waren eben wenige Apachen, die es besser wussten ...

    Zitat

    Original von claudiatoman
    Es gibt keinen Schutz vor Menschen, denen deine Geschichte vielleicht nicht gefällt, das ist ganz normal. Darum muss man sie nicht in Watte packen bzw mit einem Preis von 9 Euro "schützen".


    Es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich weiß, dass derjenige, mit dem ich meine Geschichte teile, eine gewisse Anstrengung unternommen hat, um daran teilzuhaben. Der Lektor, der Titelbildzeichner, der Verleger, der Setzer, der Spediteur, der Buchhändler und ich haben alle etwas dazu beigetragen, dass das Buch im Regal steht. Wenn der Leser nun auch etwas beiträgt (in Form von 9 Euro, von mir aus auch dadurch, dass er seinen Kumpel fragt, ob er das Buch ausleihen darf, das dieser sich zuvor gekauft hat), dann wird er für mich Teil dieser Gemeinschaft. Es drückt ein gewisses Wohlwollen aus, ein Grundinteresse.
    Vielleicht so, wie wenn Du ein Abendessen für Freunde kochst. Du bereitest alles vor und deckst den Tisch, zündest Kerzen an und so weiter - und Deine Freunde machen sich auf den Weg, fahren durch die Stadt und kommen pünktlich.
    Ob es ihnen dann schmeckt oder nicht ist eine davon unabhängige Frage. Natürlich hoffe ich, dass meine Geschichten auch anderen Leuten gefallen. Das klappt nicht immer und bei jeder Geschichte, alles Andere würde mich verwundern.


    Zitat

    Original von claudiatoman
    Ob deine Geschichte positiv oder negativ aufgenommen wird, ist egal, denn der Weg ist das Ziel!


    Das mag bei Dir so sein. Mein Ziel ist es, die Geschichte zu lesen, die ich selbst schreibe. Alles danach ist für mich Nachspiel.


    Zitat

    Original von claudiatoman
    Auch da muss ich nachfragen. Was macht dich denn so sicher, dass Geschichten, die dich interessieren eher nicht veröffentlicht werden? Ich finde, Geschichten schreiben, die einem selbst gefallen und veröffentlicht werden ist kein Widerspruch.


    Das ist richtig - sonst würde ich ja auch gar keine Geschichten veröffentlichen. Ich habe aber etwas über 150 Veröffentlichungen, die meisten Kurzgeschichten im nichtkommerziellen Bereich, aber immerhin auch 3 Romane und 2 Sachbücher.
    In die Kategorie "nicht veröffentlichbar" fallen ...
    ... Experimentaltexte, die ich als Schreibübungen verfasse, zum Beispiel, um Stilmittel einzuüben
    ... sehr persönliche Texte mit Tagebuchcharakter
    ... Texte, die thematisch in einem ausgesprochen engen Marktsegment angesiedelt sind. Extrembeispiel sind hier zwei Romane, die ich verfasst habe, nachdem schon recht deutlich war, dass die Lizenzrechte für die entsprechende Reihe für Deutschland nicht mehr vergeben werden würden (sie spielen in einem Science Fiction-Universum besonderer Prägung, sodass sie aus rechtlichen Gründen nur veröffentlicht werden dürfen, wenn ein Verlag die entsprechenden Lizenzrechte hat)

    Ich bin im Grunde eher ein Leser als ein Autor. Meine Hauptmotivation, wenn ich ein Buch schreibe, liegt darin, dass ich die Geschichte lesen möchte, die dabei herauskommt. Das Schreiben ist dann der Weg dahin.
    Die Veröffentlichung hat für mich primär die Bedeutung, dass ich meine Geschichten mit anderen Leuten teilen und in wenigen Fällen, nämlich wenn sich dann ein Kontakt ergibt, auch darüber diskutieren kann.
    Die Bezahlung dient bei mir nicht dazu, dass ich damit mein Leben finanziere - das mache ich mit meinem Hauptberuf. Ich sehe sie als Anerkennung, sowohl vom Verlag, noch mehr aber von den Lesern - es ist ihnen neun Euro oder ein bisschen mehr Wert, meine Geschichten zu lesen. Das schützt meine Geschichten auch in gewissem Maße davor, von Leuten gelesen zu werden, denen sie von vornherein nichts wert sind.
    Ich schreibe auch Geschichten, bei denen ich davon ausgehe, dass sie niemals veröffentlicht werden können. Umgekehrt würde ich aber nie eine Geschichte schreiben, die mich selbst nicht interessiert, auch dann nicht, wenn ich (viel) Geld dafür bekäme.

    Hallo Judith,


    Zitat

    Original von Judith
    ich denke schon, dass es möglich sein muss.


    ... es ist zweifellos möglich, von der Schriftstellerei zu leben, aber nicht

    Zitat

    Original von Alice Thierry
    einen durchschnittlichen Verkaufserfolg vorausgesetzt


    :-)


    Meine Theorie ist, dass man einen weit überdurchschnittlichen Verkaufserfolg braucht, um in Deutschland von der Schriftstellerei leben zu können.

    Zitat

    Original von Alice Thierry
    Wieviele Werke müssen ungefähr veröffentlich sein - einen durchschnittlichen Verkaufserfolg vorausgesetzt (also keine Ladenhüter oder Bestseller)- um vom Schreiben leben zu können und auf andere Einnahmequellen oder Unterstützung von Partner, Eltern, Kindern, Staat etc. verzichten zu können?


    Nach meinem Eindruck kannst Du das komplett vergessen. Bei einem "durchschnittlichen Verkaufserfolg" wirst Du nie vom Bücherschreiben leben können - weswegen das auch wenige Autoren tun.
    Wie in diesem Thread bereits angeklungen dürftest Du bessere Chancen haben, wenn Du etwas Anderes schreibst als Bücher. Insbesondere die Leute, die Drehbücher für Soaps schreiben, bauen gern mal ein Haus auf Mallorca ...

    "Die Herren von Winterfell" ist der erste Band von "Das Lied von Eis und Feuer". Insofern ein wenig wie Tolkien, als es auch eine große, epische Geschichte ist, allerdings "bodenständiger".

    Für mich kommt es nie darauf an, welche Punktzahl vergeben wurde. Den "Inhaltsangabe"-Teil der Rezensionen überspringe ich immer (wenn ich das Buch noch nicht gelesen habe). Wenn die Rezension ansprechend geschrieben ist, lese ich aber gern, warum der Rezensent ein Buch gut oder schlecht fand, was das Besondere daran ist, warum man es lesen sollte (oder eben nicht). Diese Informationen führen dann ab und zu dazu, dass das Buch auf meinen Wunschzettel wandert. Manchmal durchaus auch invers: Die Begründung für einen Verriss kann mich verleiten, das Buch besonders interessant zu finden.

    Zitat

    Original von Aqualady
    Ihr wollt nicht zufällig mal schreiben wie eure Bücher denn heißen


    Meines heißt "Sanguis B. Vampire erobern Köln". Es gibt auch eine Eulenrezension dazu.

    Ich finde bei Vampirgeschichten besonders wichtig, dass man den Untoten Schwächen mitgibt. Ansonsten werden sie leicht zu Superhelden wie in den Comics, die Mitte des letzten Jahrhunderts erschienen, und verflachen damit schnell. So wird dann leider eine Menge literarisches Potenzial verschenkt.


    Habe dazu auch mal einen kleinen Artikel geschrieben - wen's interessiert, der mag dem Link folgen.

    Ich finde interessant, dass einige Filme genannt wurden, die für mich zu den besten überhaupt zählen - "300", zum Beispiel. Na ja, die Geschmäcker sind verschieden.


    Schlechtester Film 2008 war für mich "Leg dich nicht mit Zohan an". Komödien sind ja immer so eine Sache. Ab irgend einem Punkt kippt es, da wird der Schenkelklopfer zum faden Gähner. Obwohl ich ganz gerne mal flaches Zeug gucke, hat dieser Film bei mir nicht gezündet.


    Beim schlechtesten Film aller Zeiten kommt mir zunächst mal "Sunshine" in den Sinn.


    Bei mir ändert sich so etwas aber auch. David Lynchs "Wüstenplanet"-Verfilmung ist für das einzige Mal verantwortlich, das ich vorzeitig eine Vorstellung verlassen habe. Inzwischen schaue ich sie mir immer wieder gern auf DVD an.

    Zitat

    Original von MaryRead


    Hier sind noch ein paar. ;-)


    Helene : Ganz meine Meinung - ich habe noch nie eingesehen, warum man als Vampir einen US-amerikanischen Pass braucht.


    MaryRead : Danke für die Erwähnung meines Buches :-)
    Ich fand es damals ausgesprochen inspirierend, durch Köln zu wandern und mir zu überlegen, wie meine Protagonisten die verschiedenen "Locations" wahrgenommen hätten. Ich denke, das hat der Story gut getan. Und dass auch das Bürogebäude meines ehemaligen Arbeitgebers in Düsseldorf auftaucht - nun, das bemerken wirklich nur Insider.

    1) Ungelesene getrennt von gelesenen - bei den ungelesenen stehen die, die ich in nächster Zeit angehen möchte, vorne. Deswegen ist in dem Regal eine Menge Bewegung.


    2) Thematisch (Sachbücher nach Gebieten; Belletristik nach Klassiker/ Fantasy/ Krimis/ ...)


    3) Innerhalb der Themen nach Reihen; Bei den Reihen sortiere ich chronologisch nach Zeitpunkt der Handlung, was nicht unbedingt mit der Reihenfolge nach Erscheinungsdatum übereinstimmt


    4) Zusätzlich versuche ich noch, die Bücher zusammenzustellen, die hübsch nebeneinander aussehen.

    Ich glaube schon, dass das Lesen den "Fantasiemuskel" trainiert - man muss sich viel mehr "dazu denken", als wenn man fernsieht. Wobei ich persönlich beides mag - Buch und Film. Nur zum Hörbuch habe ich keinen rechten Zugang.

    Zitat

    Original von Tom
    Von wem ist das?


    Da ist man sich nicht einig. Im Rennen sind Bertolt Brecht, Rosa Luxemburg und Che Guevara (und vielleicht auch Don Quijote, einer mehr oder weniger ist ja auch egal).


    Ich bleibe dabei: Hau in die Tasten, dass die Schwarte kracht, und schick Dein Zeug an die Verlage. Mehr als ablehnen können sie nicht.