Commissario Giovanni Gelati und der vergeigte Cello-Diebstahl
von R. Bote
Mit dem Rücken zum Trevi-Brunnen warf Commissario Giovanni Gelati die Münze. Ob es wohl auch gezählt hätte, wenn er sich nur die Hälfte seines Gehalts hätte auszahlen lassen, während die andere direkt in den Brunnen geworfen wurde? Das Verbrechen war nicht mehr wie früher, und ohne den Brunnen...
Aktuell beschäftigte ihn ein Raub in einer privaten Sammlung. Fidel Falsetti, ein etwas verschrobener älterer Herr, hatte den Diebstahl eines wertvollen Cellos aus seinem kleinen Museum gemeldet. Auf 20.000 Euro bezifferte er den Schaden. Natürlich hatte Commissario Gelati den Tatort untersucht, aber – nichts! Keine Einbruchsspuren, kein Hinweis auf den Täter, aber die Vitrine, in der das Cello gestanden hatte, war leer. Fingerabdrücke? Hunderte, aber natürlich alle von Signore Falsetti, dem Aufseher und den Besuchern. Eine Alarmanlage gab es auch, aber sie hatte versagt.
Commissario Gelati hatte die üblichen Ermittlungen angestellt: Nachbarn befragt, ob sie was gesehen hatten, und Informanten angespitzt. Das Ergebnis: nichts. Jetzt blieb ihm nur noch eine vage Hoffnung, und deshalb tippte er, sobald er im Büro war, eine bestimmte Nummer in sein Telefon.
Wenige Augenblicke später betrat Fausto Furioso sein Büro, ein junger Inspektor, der am Computer wahre Wunder vollbringen konnte. Er hatte Commissario Gelati vor nicht allzu langer Zeit bei einem kniffligen Fall um gestohlene Gläser geholfen, und er hatte nicht einmal zwei Minuten gebraucht, um die Spur im Internet zu finden.
„Ich schaue, ob das Cello irgendwo angeboten wird“, versprach er jetzt. „Aber das glaube ich nicht. Viel zu gefährlich bei einem Einzelstück, das jeder sofort erkennt! Aber ich kenne da jemanden, ein Musikprofessor. Meine Frau hat bei ihm studiert. Wenn einer eine Idee hat, dann er.“
Und so kam es, dass Commissario Gelati am nächsten Tag noch einmal das Privatmuseum aufsuchte, das trotz des Verlusts schon wieder geöffnet war. Er stellte dem Aufseher noch einige Fragen und ließ sich dieses und jenes Ausstellungsstück noch mal zeigen: die Flöte von Jacopo Puccini, eine Saite aus der Bratsche Dvoraks... Die Antworten interessierten ihn nicht, aber er musste den Aufseher ablenken, damit Professor Theodore Timpani sich ungestört umsehen konnte.
Der Aufseher wunderte sich, schöpfte aber keinen Verdacht. „Eins noch“, fragte Commissario Gelati zum Schluss. „Wissen Sie, woher Signore Falsetti all die Sachen hat? Ich meine, so alte Einzelstücke, die laufen einem ja nicht einfach so zu.“ Der Aufseher zuckte mit den Schultern. „Das müssen Sie ihn selbst fragen“, antwortete er. „Ich kann Ihnen nur sagen, dass er immer noch sammelt, ab und zu bringt er ein neues Ausstellungsstück.“
Mehr war aus dem Aufseher nicht herauszuholen. Vom Museum aus fuhren Commissario Gelati und der Musikprofessor zu Signore Falsetti. „Signore Falsetti, ich muss sie festnehmen“, eröffnete der Commissario dem alten Mann. Falsetti ließ den Kopf sinken. „Wie haben Sie es herausgefunden?“, wollte er wissen. „Es war doch perfekt geplant!“
„Ja, ich würde auch gern wissen, warum Sie so schnell drauf gekommen sind, dass er die Versicherung betrügen will“, sagte Commissario Gelati zu Professor Timpani, nachdem er Falsetti der Besatzung eines eigens angeforderten Streifenwagens übergeben hatte. Der Professor lächelte fein. „Die Instrumente, die wir an der Universität jeden Tag in den Seminaren benutzen, sind älter als jedes einzelne Stück in dem Museum“, erklärte er. „Und wir leiden zwar unter Sparmaßnahmen, aber einmal im Jahrhundert bekommen wir doch neue Sachen. Was Falsetti ausstellt, ist Ramsch, zusammengekauft auf Flohmärkten, vermute ich. Immerhin hat er Fantasie, er musste sich ja zu jedem Teil eine Geschichte ausdenken.“ „Aber Sie waren noch klüger“, schloss Commissario Gelati. „Gut, dass Sie dabei waren, ich wäre darauf nie gekommen.“
