Beiträge von Sonnenschein12

    Aber die Sache mit dem italienischen Restaurant in Schottland fand ich schon ganz spannend.

    Da ist doch gut, wenn man schon mehrere Bücher einer Autorin kennt: im "Haus in der Nebengasse" wird auch schon ein italienisches Restaurant in London erwähnt - 1900, zu einem Zeitpunkt, wo ich es noch nicht erwartet hätte!

    Allie hat mir sehr Leid getan, als seine Wünsche, sich mit Olivia eine Zukunft aufzubauen, zerronnen sind.

    Och, so richtig leid getan hat er mir nicht, sie hatte ja schon mal gesagt, dass sie sich ihre Zukunft eher im Tea-Room vorstellt, mir hat er nur insofern leid getan, dass er Olivia anscheinend liebt (und sie ihn nicht) und dass sie ihm diese Absage "vor Publikum" sagen muss...

    Es ist kaum zu glauben: endlich habe ich diesen ersten Leseabschnitt auch "geschafft" - aber das lag keineswegs am Buch oder seiner Geschichte, sondern eher wohl an meiner etwas chaotischen Struktur der Weihnachtsvorbereitungen (oder es war schlicht doch einfach zu wenig Zeit...). Ich habe immer nur paar Sätze gelesen, dann dauert es eben länger....

    Die Geschichte gefällt mir gut, trotz meiner kleinen "Häppchen" bin ich gut in Glasgow Ende des 20. Jahrhunderts angekommen: Olivia ist mir als Charakter sehr sympathisch, ich bewundere ihre Zielstrebigkeit, sie weiß genau, was sie will bzw. nicht will. Entgegen aller (damaligen) Konventionen widersetzt sie sich ihrer Mutter und geht nicht in die Teppichfabrik arbeiten, sondern sucht sich selbst einen Job. Ganz erstaunt war ich, als ich eigentlich eher durch Zufall googelte und las, dass Kate Cranston eine historische Persönlichkeit ist, sie ist tatsächlich die Gründerin von Tea.Rooms in Glasgow und Förderin der Künste dort - damit hatte ich nicht gerechnet... Und klar, dass George Walton und Charles Rennie Mackintosh auch tatsächlich gelebt haben und die Wandmalereien tatsächlich durchgeführt haben! So etwas liebe ich an historischen Romanen!!! Auch die Newberys sind real existente Persönlichkeiten... Ich bin wirklich begeistert!

    Das Konzept der Glasgow School of Arts erinnert mich etwas an das Bauhaus, sowohl durch die verschiedenen Kurse, die durchlaufen werden müssen, als auch dadurch, dass sowohl Männer und Frauen gemeinsam studieren können / dürfen (na ja, aber machen wir uns nichts vor: für Frauen war es bedeutend schwieriger, siehe Olivia).

    Zur Geschichte an sich: gut finde ich auch, dass die Geschichte nicht "schwarz" oder "weiß" erzählt wird, sondern wir erfahren auch immer - obwohl aus Olivias Sicht erzählt - die Gedanken und Beweggründe der anderen, z.B. von Olivias Mutter oder von Allie. Klar möchte Olivia Mutter ihre Tochter "gut versorgt" sehen und als Ehefrau eines Mitbesitzers eines Restaurants wäre sie "in trockenen Tüchern"...und Allie wünscht sich, gemeinsam mit Olivia das Restaurant zu führen (wie es nach der Eheschließung aussehen würde?). Aber ich stehe voll und ganz hinter Olivia, die ja auch feststellt, dass sie Allie nicht so liebt wie er sie - und deshalb konsequent ihren Weg verfolgt... Leicht wird er bestimmt nicht; die Doppelbelastung von Studium und Arbeit und hinzu kommt (meine Vermutung), dass sie in der Schule vielleicht Anfeindungen ausgesetzt sein könnte, da sie nicht über die entsprechenden gesellschaftlichen Kontakte verfügt... Aber da hilft jetzt nur: weiterlesen!

    Wer Lust hat, sich an der Leserunde ab dem 20. Juni 2023 zu beteiligen, kann sich hier melden!

    Oh, schade, dass ist für mich nicht zu schaffen, da wir am 23.6. in den Urlaub fahren. Aber das Buch hört sich so interessant und spannend an, dass ich es mir selbst besorgen werde! Außerdem kenne ich die Autorin überhaupt nicht und das sollte geändert werden... Und dann gibt es ja noch den Solidaritätsbonus, so von Hamburgerin zu Hamburgerin...

    Mitten hinein in die 1960-er Jahre...


    Ich hatte von Claire Winter bereits den Vorgängerband dieses Buches („Kinder ihrer Zeit“) sehr gern gelesen und freute mich nun darauf, zu erfahren, wie es mit den Zwillingsschwestern Emma und Alice weitergehen würde. Es ist zwar eine Fortsetzung, aber ich bin mir sicher, dass man „Kinder des Aufbruchs“ auch ohne Vorkenntnisse lesen kann, da die Autorin immer wieder kleine Rückspiegelungen vornimmt...

    Und Claire Winter „schubst“ uns sofort in das Jahr 1967, in das quirlige und hochpolitische Berlin: Studenten sind nicht mehr gewillt, den „Muff von 1.000 Jahren unter den Talaren“ zu akzeptieren, sie stellen „das Establishment“ in Frage...In dieser schon aufgeheizten Stimmung besucht Shah Reza Pahlavi am 2.6.1967 Berlin (Wikipedia bezeichnet es als ein einschneidendes Ereignis in der bundesdeutschen Geschichte).

    Emma und Alice leben jetzt mit ihren Ehemännern Julius und Max in West-Berlin (Alice und Max mit der gemeinsamen Tochter Lisa). Alice ist als Journalistin für eine Tageszeitung mitten im Geschehen, sie hat über die Unruhen während des Schah-Besuchs geschrieben und berichtet auch über den Tod von Benno Ohnesorg. Emma arbeitet weiterhin als Dolmetscherin und übersetzt häufiger auch vertrauliche Gespräche zwischen hochrangigen Politikern. Julius ist Professor und Max hat sich als Anwalt auf die Entschädigung von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus spezialisiert.

    Also: durch die Protagonisten erleben wir diese Zeit hautnah mit, manchmal hatte ich das Gefühl, selbst dabei zu sein...

    Aber so richtig „rund“ läuft es gerade nicht im Privatleben unserer Hauptfiguren: Emma leidet stark unter den Folgen einer Fehlgeburt und fühlt sich von Julius nicht verstanden, Alice und Max leben eigentlich nur wegen ihrer gemeinsamen Tochter „pro forma“ als Familie zusammen, so richtig glücklich sind aber beide über das „Arrangement“ nicht... Als Alice dann ihre Jugendfreundin Irma in West-Berlin wieder trifft, regt sich sofort ihr Misstrauen: hat Irma bei der Stasi unterschrieben, um sie, Alice, auszuspionieren oder gar schlimmer: will sie Stasi sie erneut entführen? Aber Alice ist bereits längst im Visier der Stasi... Und wegen eines „Freundschaftsdienstes“ gerät Max in das Getriebe zwischen BND und Stasi... Aber auch Alice und Julius habe ihre – nicht ungefährlichen – Geheimnisse! Teilweise konnte ich das Buch vor lauter Spannung kaum aus der Hand legen und musste schnell „nur noch ein Kapitel“ weiterlesen... Mein Schönheitsschlaf hat erheblich gelitten…

    Dies ist dem großartigen und mitreißenden Schreibstil der Autorin zu verdanken, ihrer authentischen Beschreibung der einzelnen Personen, deren Gedanken und Handlungen ich meist nachvollziehen konnte (klar, mit der „Gnade der späten Geburt“ ahnte ich an manchen Stellen das Ergebnis...). Aber fasziniert hat mich auch immer wieder, wie geschickt Frau Winter die historisch belegten Ereignisse mit ihren fiktiven Personen zusammenbringt: so werden z.B. Emma und Alice durch Zufall Augenzeuginnen des Attentats auf Rudi Dutschke im April 1968... Denn eine weitere hervorragende Leistung ist die umfang- und kenntnisreiche Recherchearbeit, die von der Autorin geleistet wurde. Ein Nachwort ergänzt das Buch perfekt.

    Alles in Allem: ein fesselndes, mitreißendes und facettenreiches Buch, dass ich ohne irgendeine Einschränkung einfach weiterempfehlen muss – ich selbst habe es bereits als Weihnachtsgesteck eingeplant!

    Die Bretter, die die Welt bedeuten...


    „Die Wintergarten-Frauen – Der Traum beginnt“ von Charlotte Roth ist der Auftaktband einer Trilogie. Ich habe schon mehrere Bücher von Charlotte Roth gelesen (z.B. „Als wir unsterblich waren“, „Als der Himmel uns gehörte“) und sie haben mir alle sehr gut gefallen.

    Die 19-jährige Nina von Veltheim lebt für das Theater – aber sie möchte nicht Schauspielerin werden, sondern Regie führen. Deshalb beschließt ihre Familie auf Anregung von Ninas Zwillingsbruder Carlo, dass Nina die provinzielle Uckermark verlassen und in das quirlige Berlin ziehen sollte, nur dort könne sich ihr Traum erfüllen.

    Aber das ist 1921 ein ziemlich zweischneidiges Schwert: größter Reichtum und bitterste Armut liegen ganz dicht beieinander. Und für Nina besonders bitter: an den Schalthebeln der (Theater-) Macht agieren Männer, die kaum jemand in ihren illustren Kreis hineinlassen wollen, schon gar nicht eine Frau und noch weniger: eine junge Frau ohne Erfahrung!

    Die Ersparnisse ihrer Familie sind schnell verbraucht, aber Nina steht immer wieder wie „Phoenix aus der Asche“ auf und erfindet sich selbst neu, obwohl sie wiederholt – nein, eigentlich ist es die Regel – mit hungrigem Magen schlafen gehen muss…

    Unterstützt wird sie dabei von Jenny, einer ehemaligen Tänzerin des Bolschoi-Balletts, die in einer Gastwirtschaft als „Schlangenfrau“ auftritt, um sich, ihren Lebensgefährten und ihren Sohn das Überleben mehr schlecht als recht zu sichern. Sonia, eine begabte junge Zeichnerin gehört ebenfalls zum Trio, aber auch sie eine „Hungerkünstlerin“. Die drei jungen Frauen machen sich auf, den „Wintergarten“ zu erobern…aber der Weg ist lang, steinig und dornenreich. Auch Anton möchte Nina unterstützen, aber das lässt sie lange Zeit nicht zu, sie will ihren Weg aus eigener Kraft schaffen.

    Ob ein Engagement im Wintergarten zustande kommt? Das wird hier nicht verraten…

    Der Schreibstil ist locker, flüssig und flott, wie ich es von Charlotte Roth gewohnt bin, man ist schnell Teil der Geschichte und leidet bei den Misserfolgen mit. Die Abschnitte / Kapitel sind mit dem jeweiligen Namen überschrieben, aus deren Sicht gerade erzählt wird. Die Personen sind authentisch und nachvollziehbar beschrieben, auch de „Nebendarsteller“ lernt man gut kennen (meine absolute Lieblingsfigur ist Oma Hulda) und denkt fast, man sei mit ihnen befreundet.

    Es gefiel mir sehr gut, dass die Autorin immer „nebenbei“ wahre politische Ereignisse in die Handlung einarbeitet, so kann man viel besser verstehen, welche Auswirkungen die „große“ Politik auf die „kleinen“ Menschen hat.

    Trotz der rasanten Ereignisse im Großen und im Kleinen habe ich dieses Buch eher als „langsam“ empfunden. Sicherlich ist dies der Voraussetzung einer Trilogie geschuldet, da haben die Autoren die Muße, ihre Protagonisten ausführlich vorzustellen – an manchen Stellen hätte ich mir persönlich jedoch mehr Zügigkeit gewünscht. Gewiss, dies ist „Jammern auf hohem Niveau“, denn natürlich habe ich das Buch gern gelesen, es hat mir wunderbare Lesestunden bereitet und ich bin ganz neugierig, wie es mit den „Wintergarten-Frauen“ weitergeht!

    genauso wie Adele und Hertha Heller, wenn die Frauen die Schwangerschaft von Grazyna nicht verschwiegen hätten, wäre es Mutter und Kind wohl auch schlecht ergangen.

    Stimmt natürlich, da hast Du vollkommen recht!

    Ich frage mich allerdings, hätte Albert überhaupt ausreisen können? Immerhin war er, in den Augen der Staatsmacht, ein gesuchter Verbrecher.

    Das habe ich mich auch gefragt... Aber ich weiß gar nicht, ob es zwischen Deutschland und Frankreich noch Grenzkontrollen gegeben hat... Aber es ist ja auch müßig, da er nicht ausgereist ist, es ja nicht mal in Erwägung gezogen hat...

    In meiner Erinnerung meine ich, dass einmal gesagt wurde, dass Albert das Geld für sein Studium bekommt und später dann hat Gerhard das Geld verwendet.

    Ich habe jetzt auch noch nicht nachgelesen, aber ich denke, dass 15.000 Reichsmark damals eine Menge Geld waren und ich hatte es so verstanden: Albert bekommt Geld für das Studium (eine Summe wurde m.E. nicht genannt) und den Rest nehmen die Eltern mit. Im Zusammenhang mit der weiteren Flucht aus Frankreich nach Portugal wurde erwähnt, dass sie von dem Geld sparsam gewirtschaftet haben, da Louis ihn keine Kost und Logis berechnet hat, weil Gerhard ja auf dem Hof gearbeitet hat - und Gerhard ja auch noch Geld durch kleinere Reparaturarbeiten verdienet hat. Und später verdient Gerhard ja bei Wilhelm Lambrecht Geld. Mehrmals wird gesagt, dass er Geld genügend habe, um die 15.000 an Martens zurückzuzahlen.

    War das Deine Frage?