Beiträge von Sonnenschein12

    und in den Aufschwungjahren war das Verhalten der Studenten eben unerwünscht und wurde rigide angegangen.

    Ich glaube, die Deutschen waren es nicht gewohnt, dass "die Jugend" sich so kollektiv solidarisierte, es war für die Eltern, Lehrern, Erziehern, Dozenten ein vollkommenes Rätsel, dass "ihre Kinder" so waren, z.B. lange Haare bei Männern... "Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst"... Sie standen der Entwicklung mit einer gewissen Hilflosigkeit gegenüber. Und wir dürfen nicht vergessen, dass es noch einen weiteren Konflikt zwischen den Generationen gab: Das Verhalten der Eltern im Nationalsozialismus...

    Sein Anwalt, Horst Mahler war ja auch der Verteidiger der RAF-Mitglieder, wenn ich das richtig in Erinnerung habe

    Ja, bevor er selbst zur RAF ging (oder einer der Nachfolgeorganisationen)...

    Mein Vater, der sehr jung verstorben ist und Ende der 60er Jahre als junger Germanistik-Dozent an der FU unterrichtete, hat mit meiner Mutter in diesen Jahren ein Tonbandgerät gekauft und sie haben das Gerät stundenlang bei Gesprächen mit Familie und Freunden laufen lassen. Ohnesorg, die Studentenunruhen und Springer waren dabei ein häufiges Thema in den oft sehr erhitzten Diskussionen. Ich habe durch diese Tonbänder auch erst bei der Arbeit an diesem Buch erfahren, dass Ohnesorg als Student in einem seiner Seminare war.

    Oh, das ist ja total spannend, so ein richtiger Original-Zeitzeugenbericht...

    Ich habe ja schon mehrere Romane über dieses Thema gelesen. Leider war das ganz egal ob im Westen oder Osten und auch in welchem Land. Waisenhäuser waren allerorts sehr oft fürchterlich. Und wie oft dort und in Internaten o.ä. Gefühlskalte, Perverse und Sadisten und Kinderschänder unterwegs waren, ist immer wieder beängstigend. Hier in der Geschichte könnte aber noch mehr dahinter stecken. Da wird etwas vertuscht. Allerdings vom Heimleiter UND von Luca. Nur was

    Und all die Heime, die unter Trägerschaft der Kirchen standen...

    Ja, Luca hat auch so ein kleines Geheimnis...

    aber ich habe das Gefühl, dass die Begegnung mit dem Waisenjungen und die Unterstützung, die sie ihm sicherlich geben wird, ihr gut tut.

    Das ist auch meine Idee!

    sondern Irma wieder auf sie angesetzt. Und ich weiß auch schon, wie das weitergehen wird. Jetzt wird die Julius als Anwalt für den Freund engagieren und damit Emma nahe kommen.

    Du meinst sicherlich Max? Aber ja, da bin ich auch Deiner Meinung!

    Ich saß auf der Terrasse meines Elternhauses, 250 m entfernt vom Haus von Christa Ohnesorg (+2000) und ihres Sohnes. Auf unserem Stadtteilfriedhof ist weiterhin das unauffällige Grab der beiden Ohnesorgs.

    Oh, einen persönlichen Bezug zu Benno Ohnesorge... Ich wusste gar nicht mehr, dass er aus Hannover kam...

    Ich erinnere mich nicht daran, was sie für eine Rolle im ersten Band gespielt hat/ was wir über sie wissen.

    Sie hat damals auch schon Alice für den KGB ausspioniert...

    Also weiter mit meinen Eindrücken: also 6 Jahre weiter... Das Ehepaar Laakmann ist gut situiert, ein Wermutstropfen ist die Fehlgeburt von Emma vor 11 Monaten, die die Beziehung in eine kleine (oder große?) Krise bringt... Wahrscheinlich fühlt sie auch ihre "biologische Uhr" ticken (damals war ja die Medizin noch nicht so weit fortgeschritten) und ist deshalb im Stress - und dann wird's sowieso nichts... Aber ich erhoffe mir, dass sie evtl. durch die Beschäftigung mit Luca von ihren Problem abgelenkt wird und dann doch schwanger wird...

    Alice und Max haben sich für ihre Tochter in einer Ehe "arrangiert", aber da ist beziehungstechnisch durchaus "Luft nach oben", da könnte ich mir langfristig eine "echte" Beziehung durchaus vorstellen!

    Irma wird also tatsächlich noch immer von der Stasi unter Druck gesetzt, sie soll Kontakte zu Alice herstellen, warum? Eine rein rhetorische Frage, wir werden es sicher erfahren... Ich könnte ihr einen Weg aufzeigen: Max vertritt doch jüdische Mitbürger und Irmas Freund Aaaron scheint ein echtes juristisches Problem zu haben... Aber eigentlich will ich gar nicht, dass die Stasi Alice zu nahe kommt, die Drohung "Wir vergessen nie" reicht ja schon für ein Leben...

    Und Julius hat auch so einen merkwürdigen Brief bekommen, über den wir noch nichts wissen...

    Ich bin sicher, dass Luca noch eine wichtige Rolle spielen wird, im Augenblick erscheint es mir so, als habe er auch ein Geheimnis... Aber auch der Heimleiter ist nicht m.E. nicht "sauber"...


    Ansonsten haben mir die zeitgenössischen Beschreibungen wunderbar gefallen, ich hatte das Gefühl, ich sei dabei gewesen... Beim Tod von Benno Ohnesorge war ich noch zu jung, das habe ich nicht so direkt mitbekommen (und meine Mutter war eher an Farah Diba (von Soraya war er doch schon getrennt?) interessiert... Politisch habe ich mich erst ca. zwei Jahre damit beschäftigt - aber dann gleich mit aller Macht: sehr zum Entsetzen meiner Familie bin ich mit einer Plakette "Enteignet Springer" herumgelaufen.. Zur Anti-Springer-Demo nach dem Attentat auf Dutschke durfte ich nicht (da habe ich mich noch an Verbote gehalten...). Ja, das war schon eine sehr interessante Zeit, es ist nur leider nachher mit der RAF und anderen Geschichten etwas aus dem Ruder gelaufen...

    Also: ich bin vom ersten Leseabschnitt begeistert, so kann es gern weitergehen...

    Hi, diskussionstechnische geht ja hier die Post ab.... Na, da habe ich nachher eine Menge zu lesen... Und ich dachte, ich sei besonders früh dran...

    Ich habe "Kinder ihrer Zeit" erst im vorigen Monat (als Vorbereitung für diese Leserunde) gelesen - obwohl ich eigentlich ungern zwei Bücher einer Autorin fast direkt hintereinander lese - so habe ich überhaupt keine Schwierigkeiten, reinzukommen... Aber ich finde die Hinweise auf die Vergangenheit auch super platziert und sie helfen bestimmt der einen oder anderen bei Erinnerungslücken...

    Ja, der Prolog: die alten Seilschaften funktionieren also noch und Andrej ist "aufgestiegen" (das Markov Grigorjej bei dem Schusswechsel mit Sergej gestorben ist, war mir nicht so klar), ja, ja, jeder Mensch ist ersetzbar... Mir ging beim Lesen des Prologs durch den Kopf, dass wir vielleicht die "Geburtsstunde der Installation" (oder wie sagt man in Spionagekreisen?) von Günter (?) Guillaume miterlebt haben - der bis in die nächste Umgebung von Willy Brandt gekommen ist...


    Oh. so'n Mist, ich muss leider abbrechen... heute Nachmittag /Abend mehr von mir!! Sorry...

    ASIN/ISBN: 3839202507


    Von Amazon übernommen:

    Nürnberg, 1591. Nach dem Tod ihrer Eltern nimmt der Apotheker Basilius Besler seine Nichte Ida bei sich auf und schickt sie zur Schule. Dort findet sie in der Kaufmannstochter Luisa eine Freundin fürs Leben und entdeckt ihre Liebe zur Malerei. Doch es gibt auch Mädchen, die ihr übel mitspielen. Zum Studium geht Ida nach Florenz und erhält nach ihrer Rückkehr vom Eichstätter Fürstbischof den Auftrag, Zeichnungen für den Prachtfolianten seines Gartens anzufertigen. Aber Neid und Missgunst bestehen noch immer. Eine Intrige sorgt nicht nur für den Bruch zwischen ihr und Luisa, sondern bringt Ida in Lebensgefahr.



    Ungewöhnlich für das Jahr 1591: eine Frau geht ihren Weg...


    Und wieder bin ich aus der Welt des Mittelalters in die heutige Zeit zurückgekehrt – und wieder habe ich viel Neues erfahren... Zu verdanken habe ich dies den Romanen von Johanna von Wild, ich kenne sie mittlerweile alle und die Fähigkeit der Autorin uns in diese unbekannte Welt eintauchen zu lassen, fasziniert mich immer aufs Neue! Ich konnte mir das mittelalterliche Treiben sehr gut vorstellen, fast als ob ich dabei gewesen wäre!

    In dem Buch „Die Farben der Welt“ werden wir zuerst nach Nürnberg entführt: 1591 ist Ida Gerster zehn Jahre alt und verliert kurz hintereinander beide Elternteile. Ihr Onkel, Basilius Besler, nimmt sie bei sich auf. Bald hilft sie ihm gern in seiner Apotheke und lernt einiges über die verschiedenen Kräuter und Heilpflanzen. Ihren Wunsch, eine Schule zu besuchen, wird vom Onkel aktiv unterstützt. Dort sehen jedoch drei Klassenkameradinnen auf Ida herab, weil sie „nur“ die Tochter eines Schmieds ist und deshalb einen bedeutend niedrigeren Stand als sie selbst als Kaufmannstöchter (die Haltung und Aktionen dieser „Zicken“ würde man heutzutage als Mobbing bezeichnen), aber Ida findet auch eine Freundin, Luisa. Durch deren Mutter lernt Ida die Malerei kennen, die sie ihr Leben lang begleiten wird.

    Ida reist 1598 nach Florenz, um an der Accademia delle Arti del Diego ihre Malkunst weiterzuentwickeln. Dort dürfen tatsächlich auch Frauen studieren. Und noch ein Unterschied: in Nürnberg ist Frauen nur das Malen mit Aquarellfarben gestattet, während in Italien Frauen auch Ölfarben benutzen dürfen. Dort freundet sich Ida mit Artemisia Gentileschi an, eine „italienische Malerin des Barock. Sie gilt als bedeutendste Malerin ihrer Epoche.“ (Wikipedia) Zu ihren bekanntesten Werken gehört „Judith und ihre Magd mit dem Haupt des Holofornes“ – ein sehr eindrucksvolles Bild (was ich aber bestimmt nicht in meine Wohnung hängen möchte - abgesehen davon, dass mir das nötige „Kleingeld“ dazu fehlt!), deren Vorgeschichte wir durch Artemisia erfahren. Das schätze ich an den Büchern von Johanna von Wild: ich lerne neben der eigentlichen Handlung historische Persönlichkeiten kennen…

    Und noch etwas habe ich aus „Die Farben der Welt“ mitgenommen: die Entstehungsgeschichte des „Hortus Eystettensis“. Im Roman setzt ihm die Autorin ein Denkmal, denn der Verfasser dieses Werkes ist Idas Onkel, der (historisch belegte) Basilius Besler (ein Originalband dieses Werkes wurde übrigens im Juli 2016 für mehr als 2,2 Mill. Euro von Auktionshaus Christies versteigert – aus dem Nachwort der Autorin). Aber Frau von Wild hat ihrem Roman noch eine weitere charmante Idee hinzugefügt: „Die meisten Vorzeichnungen zum Hortus Eystettensis sind mit den Initialen ‚IG‘ versehen, die vermutlich auf den Nürnberger Maler Georg Gärtner hinweisen – der Vorname war auch als Jörg geläufig. Ich nutzte seine Initialen für Ida Gerster (J wurde früher als I geschrieben).“ (Dichtung, Wahrheit und Anmerkungen, S. 439) Mir hat diese kleine, feine Eingebung sehr gut gefallen, so hat sich für mich der Kreis perfekt geschlossen!

    Klar, natürlich gibt es auch für dieses Buch eine Leseempfehlung für geschichtsinteressierte LeserInnen, die Historie gern „hautnah“ erleben mögen!