Beiträge von Studio54

    Also eigentlich beruht 80% der Geschichte auf der Dummheit der Protagonistin Nora nicht gleich nach Workuta einen Anwalt aufzusuchen. Die Tat, die sie ja tatsächlich begangen hat war 1961 verjährt. Da hätte sie noch vor dem 13. August aus dem Osten nach Hause zurückkehren können.

    Das kommt immer darauf an was am Ende tatsächlich passiert ist. Ob die Tat Mord oder Totschlag oder Notwehr war. Tatsächlich kann ich mir auch vorstellen, dass Dr. Pfeiffer bewusstlos war und die Nazis ihn halt gefunden haben, ihn ermordet haben und den Mord Nora in die Schuhe geschoben haben. Aber das juristisch auszufechten, nachdem man quasi gesehen hat was die alles sonst so gemacht haben, wäre des Mutes zuviel. Fakt ist, dass sie für eine noble Tat ganz schön gelitten hat, aber sie hat auch lange mitgemacht und zugesehen und vielleicht war das der Punkt wo das Maß voll war und sie deswegen diesen Schritt gegangen ist. In solchen Zeiten konnte man sein gehässigen Nachbarn verdammt leicht loswerden.

    Das Cover finde ich abgrundtief hässlich. 8|

    Das Cover muss man ja immer beschreiben und ich hätte das Buch nie geholt bei dem Cover. Es ist wirklich potthässlich, da muss ich mich leider anschließen, aber ohne Leserunde hätte ich wahrscheinlich auch ein Leseeindruck abgegeben, weil ich zuvor schon "Trümmerkind" gelesen habe, was auch wirklich empfehlenswert ist. Ich war nicht so schnell wie Batcat aber ich hatte durchaus recht schnell herausgefunden weswegen ich die Namensprobleme hatte und hatte die Antwort quasi auf der Zunge mir fehlte nur der Name. Der war mir erst später klar.


    Dennoch finde ich das Buch echt stark, weil es eben nicht nur die Nazi-Zeit innehat, sondern auch die russischen Arbeitslager der Nachkriegszeit. Ich hatte schonmal ein Buch gelesen was nur über diese Zeit geschrieben wurde, was leider unzureichend und sehr fehlerhaft umgesetzt wurde, aber es war auch in Eigenregie veröffentlicht worden. Ich habe das Buch deswegen nicht gut bewertet, aber das Thema war trotzdem gut.


    Geschichte ist für mich wie ein Puzzle und klar ist der zweite Weltkrieg sehr dominant, aber dennoch will ich auch wissen was davor und danach passiert ist und auch wie es aus Sicht von anderen Menschen oder anderen Ländern aussieht. Der zweite Weltkrieg ist so dominant, dass diese Verbrechen quasi die deutschen Verbrechen in der Kolonialzeit geradezu verschlucken. Dass es den Deutschen in russischen Arbeitslagern nicht besonders gut ging ist natürlich erklärbar, aber auch eine ähnlich perfide Art mit Menschen umzugehen. Deswegen finde ich es immer mutig, wenn dieser Teil der Geschichte auch literarisch verarbeitet wird.


    Auch super, dass man auch am Ende noch erfährt wie es Leo geht und was aus ihm geworden ist und das schließt für mich das Buch ab mit einem lächelnden Blick. Es braucht halt immer Menschen die auch gegen das System sind, damit im Kleinen etwas positives entstehen kann.

    Ich schreibe mir die Namen meistens auf, aber irgendwie ist dieser durchgerutscht, aber ich hatte bei den vielen Vornamen auch meine Probleme der Zuordnung. Dennoch starke Adleraugen.

    Man wird in aller Regel nicht als Ar...loch geboren.

    Diese Formulierung fällt mir auch reichlich spät auf. :lache:lache:lache Bei manchen ist man sich einfach nicht so sicher, oder? :rofl

    Ich habe diese Klappen- und Umschlagtexte früher immer zuerst gelesen und ich las auch diesen hier bei der Anmeldung zur LR, habe den Inhalt aber bereits erfolgreich verdrängt. Diese Texte nehmen mir viel zu viel Spaß und Spannung bei einem Buch.

    Klappentext lese ich immer. Den Umschlagtext lese ich tatsächlich auch nie, aber Autor + Titel reicht mir meist nicht.

    xexos

    Was Lenes Vater angeht, hast Du natürlich ebenfalls recht. In meinen Notizen hatte ich das noch vermerkt, dass ich das unmöglich finde - aber ja, leider war auch die Prügelstrafe in dieser Zeit noch sehr verbreitet.

    Nicht so wie anno dazumal, aber ich hatte ein Lehrer, der ein Bambusstock hatte und wenn einer unaufmerksam war, dann schlug er auf den Tisch und manchmal war da ne Hand. Mittlerweile ist er der Leiter der Schule und nicht mehr nur Lehrer, aber ich habe es meinen Eltern damals gesagt und daraufhin (wusste ich damals nicht) ist mein Vater die 240KM zur Schule gefahren und hat mit dem betreffenden Lehrer, dem Klassenlehrer und dem Direktor gesprochen und dieser entschuldigte sich bei meinem Vater und mein Vater eiskalt, dass er sich nicht bei ihm entschuldigen müsste, sondern bei mir. Eine kleine Anekdote, mein Vater ist schon 2019 verstorben.

    Wenn ich wach im Bett liege, dann fange ich das Grübeln an. Daher lese ich, um mich abzulenken und das Gedankenkarrussell zu stoppen, sprich um mich dann eben mit anderen Gedanken als den Alltagssorgen zu beschäftigen. So werde ich auch eher wieder schläfrig, als wenn ich Probleme wälze. :)

    Da rattert mein ADS und dann habe ich noch ein Timer der mir sagt, dass ich die Lampen löschen soll und pennen soll, aber wehe dem, dass sich da noch ein Gedanke dazwischen einschleicht, dann ist die Nacht hinüber mit allem und nix.

    Ja, sie war ja direkt mehr als zuversichtlich ... sie glaubte, dass Hitlers Art von Politik richtig war und auch zum Erfolg führen würde. Ob ich wohl ähnlich gedacht hätte? Man will sich ja selbst immer als jemand sehen, der "denen" nie auf den Leim gegangen wäre aber sicher bin ich mir da keineswegs!

    Das ist schwer zu beantworten. Hier in der Umgebung von Osnabrück gibt’s Christian Hardinghaus, der hat quasi Ahnenforschung betrieben und wollte mehr wissen über diese dunkle Zeit.


    Ich bin nicht 100% sicher, aber ich glaube die eine Seite wäre für mich okay und die andere Seite wäre ein absoluter Fiebertraum. Namensgleichheit ist noch kein Beweis, aber auf der einen Seite wäre es ein ranghoher Nazi und auf der anderen Seite tatsächlich Bischof Kardinal von Galen, aber ich habe es noch nicht herausgefunden, aber die Wahrscheinlichkeit war halt schon hoch, dass man als Kind deutscher Eltern durchaus Pech haben kann was Ahnenforschung anbelangt. Ich wäre wahrscheinlich gegen die Politik gewesen und mit rosa Winkel gefoltert, getötet und vergast worden.

    Oh ja, das hat mich auch sehr berührt ... er war ja eben auch einfach nur ein wenig langsamer und unsicherer als andere Kinder und nicht wirklich "behindert" ... ein schreckliches Wort aber mir fällt kein besseres ein ...

    Mir aber, weil es mich mit ADS betrifft: Neurodivergent.

    Wenn ich diese Klarsicht doch auch immer bei unseren Krimileserunden hätte... :lache


    Einigen wir uns am Besten darauf, dass Leo einfach ein bißchen langsamer in manchen Dingen ist als andere, aber ein ganz famoser Kerl (ich oute mich als Leo-Fan, der hat mir gut gefallen als Protagonist!).

    Diese Klarsicht habe ich auch sehr selten, aber manchmal blitzt es auch bei mir auf.


    Tatsächlich war das der Strang der mich am meisten pushte, weil ich mehr wissen wollte und wissen wollte wie es ihm geht.

    In relativ nüchternen Worten wird der Krieg beschrieben, trotzdem tritt einen jeder einzelne Satz mitten ins Herz. :(

    Das stimmt und die Kunst ist es ein Gleichgewicht zu schaffen, wo man nüchtern beschreibt mit markanten Punkten der Geschichte und wo man etwas spezifischer wird.

    Der Krieg als solches ist so schrecklich - und wir wissen heute ja auch zu gut, wie alles begann und wie es endete - da braucht es nicht auch noch Ausschmückungen. Das Grauen wirkt auch ohne das.

    Das nicht anklagende Grauen wirkt noch wesentlich intensiver. So war es bei mir zumindest bei diesem Buch:


    Der letzte Überlebende (Sam Pivnik)

    ASIN/ISBN: 3806234787

    Ich weiß nicht mehr, wann ich es notiert habe, aber im Zuge der spärlichen Namen und

    Damals konnte man das wahrscheinlich noch ganz gut machen.


    Ich habe die einzelnen Abschnitte auch aufgesogen, weil ich gerne in den historischen Kontext einordne und weil ich neben den zweiten Weltkrieg auch gerne was aus anderer Perspektive lese. Auf jedenfall eine eindeutig düstere Zeit.


    Ich fand es super herzerwärmend zu lesen, dass Leo in einer fördernden Umgebung ohne Stress aufblüht. <3

    Jetzt weiß ich nicht mehr genau wo, aber im Buch ist Bischof Kardinal von Galen erwähnt, der unter anderem in meinem Geburtsort Münster gewirkt hat. Er ist in dem Krankenhaus gestorben, wo ich geboren wurde (St. Franziskus Hospital). Er ist auch der Namensgeber für die Clemens-August-Stiftung die im Jahr 1946 gegründet wurde und mit ihr eine der ersten psychotherapeutischen Kliniken nach dem Krieg. Person ist nicht überall unumstritten, aber er hat sich für psychisch Kranke eingesetzt.

    Ja das ist richtig und vor allem wie grausam und geplant alles von statten gegangen ist. Der Gedanke, dass es nicht richtig ist blitzt ja auch immer mal wieder durch, aber sie ist gefühlt zu kraftlos um gegen das System zu kämpfen.


    Franz war ein schrecklicher Ehemann. Ein Säufer und Schläger. Und Leo verleugnet er auch noch obendrein, obwohl es zum Zeitpunkt nicht wirklich geklärt ist, ob es tatsächlich Franz sein Kind ist oder doch von Joop.


    Die staatliche Willkür und die Hilflosigkeit des Einzelnen sind wahrlich erschreckend. Lene fightet um Leo, doch anstatt das er bei der Mutter bleibt, soll er in eine Heil- und Pflegeanstalt. Unfassbar.


    Dr. Pfeiffer ist ein richtig hinterhältiger Widerling und bekommt was er verdient. Damals warmes eine andere Zeit, aber trotzdem hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass der Schlag den Arzt zwar außer Gefecht setzte, aber ich glaube, dass er im Nachhinein getötet wurde um das Nora in die Schuhe zu schieben. :gruebel


    Joop wirkt seiner Zeit voraus. Ich glaube ihm wäre alles egal gewesen, denn er ist spürbar in Lene verliebt.

    Sich im Kontext der jeweiligen Zeit sich einzuordnen ist definitiv nicht leicht. Emanzipierte Frauen als Vorbilder gab es vielleicht, aber offensichtlich nicht wirklich für Lene. Aus heutiger Sicht will man Lene gerne schütteln, aber für sie war das Patriarchat ganz normales Leben. Franz ist für mich ein widerlicher Schmierfink, aber immerhin kümmert er sich um die Kinder, wenn auch sehr widerwillig. Ich glaube Franz streitet es rundheraus ab, dass Leo von ihm ist, sondern ist felsenfest überzeugt, dass er für die beiden gesunden Kinder der Vater ist und Leo halt nicht.


    Joop scheint gefühlt seiner Zeit voraus zu sein und hat noch gesunde Ansichten, die ihm aber zum Verhängnis werden und ihn ins Gefängnis bringen. Mich wundert, dass Joop nicht dringlicher warnt, aber vielleicht schwappten die Informationen langsamer in die Niederlande.

    Die "Krankenschwester" - bisher noch nicht namentlich erwähnt - und Lene werden vorgestellt.


    Lenes Liebe, die von den Eltern so gar nicht erwünscht ist zu Joop ( ich höre die Namen nur, hoffe also, sie sind richtig geschrieben).


    Die so strengen Eltern, die Lene daraufhin zu Verwandten schicken und sie sich dort als Hausmädchen verdingen lassen.


    Und gleich die erste Unsympathin - die furchtbare Tocher des Hauses, die es Lene schwer macht.

    Ich muss zugeben, dass mir das früher wenig ausgemacht hat und auch bei dem Buch "Trümmerkind" war das glaube ich recht ähnlich, aber wenn Personen keine namentliche Erwähnung finden, dann ist es für mich schwieriger geworden und auch, wenn ganz viele Personen mit Namen erwähnt werden, dann verliere ich auch den Überblick.


    Zum Glück gibt’s die Geschichte um Lene und Joop (richtig geschrieben) und sie ist erstmal richtig gut, aber das Glück findet jäh sein Ende, denn die Liebe wird nicht akzeptiert und Lene wird weggeschickt.


    Die Tochter des Hauses ist ne richtig olle Sumpfkuh. :-]