Beiträge von Elsie

    Liebe Ines, dass du schon beinahe empfindlich auf Gewalt und Demütigungen in Büchern reagierst nehme ich dir nicht wirklich ab, sonst hättest du diese Szenen niemals so schreiben können. Aber was Du bei Dir selbst bemerkst, habe ich auch schon bei vielen Mitmenschen bemerkt, nämlich dass die Hemmschwelle bezüglich Gewalt in den letzten Jahren schon sehr weit herabgesetzt erscheint, nicht zuletzt auch dadurch, dass man von den Medien schonungslos damit bombardiert wird. Glücklicherweise bin ich immer noch erschüttert, wenn ich eine Kinderleiche im Fernsehen sehe. Ich glaube, was die Erwähnung von Gewalttaten angeht, ist ein gesundes Mittelmaß das Richtige. Ich muss Gewalt in einem Buch nicht bis ins letzte Detail schonungslos darstellen, diesen Kick brauche ich beim Lesen nicht. Um mir vorstellen zu können, wie schlimm eine Situation ist, bedarf es nicht vieler genauer Beschreibungen, dazu ist meine Phantasie noch selbst in der Lage und in meiner Phantasie habe ich dann auch die Möglichkeit, die Dinge nur soweit zuzulassen, wie es mir noch gut tut. Diese Möglichkeit habe ich nicht mehr, wenn mir ein Schriftsteller die Szenen bis ins Detail aufdrängt. Genauso wenig benötige ich Filmaufnahmen von getöteten Menschen in den Medien. Da würde es reichen, wenn man sich einfach auf die Fakten beschränken würde. Gewalt total zu verschweigen, wie es deine Freundin erzählt hat, finde ich auch nicht richtig aber dazu beizutragen, dass die Menschen immer mehr abstumpfen, ebenso wenig. Wir können doch heute schon beobachten, wohin das führt. Menschen schauen ohne einzuschreiten zu, wenn Anderen vor ihren Augen Gewalt angetan wird. Die Bereitschaft zur Gewalt wird immer größer und gleichzeitig sinkt das Interesse an den Mitmenschen, es rührt viele kaum mehr wirklich an, was mit einem anderen Menschen geschieht. Wollen wir so eine Gesellschaft? Ich glaube wohl kaum, dass man sich das wünschen sollte. Da kommen wir aber hin, wenn wir weiter so leichtsinnig mit der Darstellung von Gewalt etc. umgehen. Insofern denke ich, hat ein Schriftsteller auch eine gewisse Verantwortung.

    So, ich bin jetzt auch durch.
    Dass sich Agnes zum Schluss selbst richtet ist das Einzige, was Sinn macht in ihrer Situation.
    Das Buch war spannend zu lesen und hat auch viele Informationen vermittelt aber ich muss ehrlich sagen, dass es für mich mit etwas weniger grausam dargestellten Szenen ein schöneres Leseerlebnis gewesen wäre. Vielleicht sind Mittelalterromane auch einfach nichts für mich.

    Ich hatte auch gehofft, das Leben des Mädchens würde sich zum Positiven wenden aber das war wohl nichts, es geht munter weiter mit den Grausamkeiten. Und auf der anderen Seite stehen Hella und Gustelies mit ihrer heilen Welt, den kulinarischen Genüssen und ihrem Humor. Irgendwie grotesk.

    Hallo Ines, :wave


    ich finde es schön, dass Du die Leserunde begleitest, uns wertvolle Informationen zum deinem Buch lieferst und wir die Möglichkeit haben, uns mit Dir darüber zu unterhalten,


    Zu Deinen Fragen:


    Ich persönlich lese nicht gerne brutale Szenen. Mir ist natürlich auch klar, dass es im Mittelalter mitunter sehr brutal zuging und es wäre sicherlich falsch, das zu beschönigen, wenn man ein realistisches Bild der damaligen Zeit liefern möchte. Nur, wenn ich dann, nach dem Lesen solcher Szenen die schlimmen Bilder ein oder zwei Tage lang nicht aus dem Kopf bekomme, dann ist es meiner Meinung nach einfach zuviel.
    Ich denke, dass man, die oben angesprochene Vergewaltigungsszene mal als Beispiel genommen, mit einer etwas weniger detailreichen Schilderung sicherlich die gleiche Botschaft hätte transportieren können ohne das Bild von der damaligen Zeit zu verfälschen. Ich finde, manchmal kann weniger wesentlich mehr sein.


    Zu deiner zweiten Frage: Ja, einen gewissen Wohlfühlfaktor muss ein Buch für mich schon haben, denn ich lese nicht nur, um mir Wissen anzueignen sondern auch um mich zu entspannen und da kann mir eine zu brutale Beschreibung manchmal schon das Lesevergnügen etwas trüben.

    Auch ich finde das Buch bis jetzt sehr unterhaltsam, es liest sich gut in einem durch.
    Besonders gut gefällt mir die Beschreibung der Beziehung zwischen Hella und ihrem Mann, Richter Bellinger. Schön zu lesen, wie Hella langsam erkennt, was für ein Juwel von Eheman sie doch hat, in einer Zeit, in der die Frau einem Mann normalerweise total untertan ist. Bellinger behandelt seine Frau im Grunde als gleichberechtigt. Er weist sie zwar immer wieder mal darauf hin, welche Rechten und Pflichten sie als Frau in der Gesellschaft hat, sieht aber über ihre “Ungezogenheiten” oft mit einem Schmunzeln hinweg. Er achtet Hella und ihre Meinung ist ihm - auch wenn er es nicht recht zugeben mag - doch sehr wichtig. Der mitschwingende Humor und die Einlagen mit Hellas Mutter gefallen mir sehr gut!


    Interessant zu lesen fand ich, welche Menschen in der damaligen Zeit außerhalb der Stadtmauern leben mussten und dass man einen Hund neben einem gehenkten Juden aufhängte, wusste ich bislang auch noch nicht.


    Was die Vergewaltigungsszene im Freudenhaus angeht, da war ich, ähnlich wie Nachtfee, auch geschockt. Ich hätte mir gewünscht, dass mir diese Bilder erspart geblieben wären. Ich kann mich nicht daran erinnern, schon einmal etwas ähnlich Ekliges gelesen zu haben. Gefällt mir das Buch und der Schreibstil ansonsten sehr gut, so hat mir diese Szene die Lesefreude doch etwas getrübt. Ich finde man hätte auch mit einer weniger detailreichen Schilderung verdeutlichen können, was für ein Trauma diese Szene für das Mädchen gewesen sein muss. So ist zum Beispiel die Beschreibung der Gedanken des Mädchens in Kapitel 8 sehr viel aussagekräftiger. Meiner Meinung wird da das zentrale Thema zwischen der Hure und ihrer Tochter - die Selbstachtung - sehr deutlich. Das Mädchen erkennt während der Vergewaltigung, was das Hurendasein bedeutet, nämlich das man von niemandem wirklich geachtet wird, noch nicht einmal von sich selbst. Das Mädchen besitzt aber Selbstachtung, deshalb hält sie dem Blick des Gewandschneiders stand und wendet sich nicht ab. Ihr wird klar, dass sie das ganz klar von der Mutter unterscheidet. Die Mutter hat keine Selbstachtung mehr, hat sie vielleicht auch nie besessen und noch etwas Anderes entzweit die Beiden: Die fehlende Intelligenz der Mutter. Das Mädchen möchte lieber Sterben als so zu leben.


    Die beiden Toten, die man am Galgenberg aufgefunden hat, nehmen für mich im Moment noch keinen so großen Stellenwert ein, wie die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten. Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.

    Zitat

    Original von glücksbärchi
    diese buch hat mich im gegenteil zum film nicht sehr überzeugt. ich fand die story an sich eigentlich wirklich gut, aber der schreibstil fand ich nach einer zeit so anstrengend, daß ich das buch weg gelegt habe. die endlosen gespräche, wo man nach einer halben seite nicht mehr weiß, wer was spricht fand ich leider sehr anstrengend.


    Ich habe es genau anders herum empfunden. Die Charaktere und die Beziehung der Charaktere zueinander wurden im Buch viel exakter herausgearbeitet. Ich fand das Buch wunderbar. Die Personen, jede für sich faszinierend, haben mir sehr gut gefallen, ich fand die Dialoge schön und auch die Art und Weise wie sich die Protagonisten einander annäherten fand ich sehr schön beschrieben.
    Der Film wirkte auf mich im Vergleich dazu etwas zu flach obwohl ich ihn sehr unterhaltsam fand.

    Gerade habe ich Die Goldschmiedin zu Ende gelesen. Leider konnte ich an der Leserunde zu dem Buch nicht teilnehmen, da ich erst nach Start der Leserunde Mitglied in diesem Forum wurde.
    Es ist hier ja schon viel über das Buch geschrieben worden, ich möchte es trotzdem nicht versäumen, auch ein paar Zeilen dazu zu hinterlassen.

    Auch ich habe das Buch - wie viele andere Mitglieder hier - in einem Zug durchgelesen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Ebenso habe ich bis zuletzt nicht erraten, wer Julianes geheimnisvoller Widersacher war und war daher vom Ende sehr überrascht. Toll wie sich dann alles aufklärte! Eine wunderbare, spannende Geschichte, bei der man sehr viel über die damalige Zeit und das Goldschmiedehandwerk erfahren kann. Bewundernswert finde ich auch, wie gut hier recherchiert wurde. Der Schreibstil hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, auch die Art, wie die Schauplätze beschrieben wurden. Ich war immer direkt “vor Ort”, was mir in einem Roman nicht immer gelingt!


    Ich kann Die Goldschmiedin wirklich nur empfehlen. Es war ein wunderbares Leseerlebnis für mich, das ich Anderen genauso wünsche.


    Sina Beerwald habe ich zu einer meiner Lieblingsschriftstellerinnen erklärt und kann es kaum erwarten, bis ihr neues Buch erscheint, das ich mir mit Sicherheit kaufen werde. Schade, dass es noch so lange dauert.

    Geht mir genauso. Mehrere Bücher gleichzeitig lesen ist für mich auch nichts. Ich vesinke gerne in einem Buch und konzentriere mich ganz darauf. Erst wenn ich es fertig gelesen habe, ist wieder Platz für neues! ;-)

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    Original von Sabine_D
    Du wirst es nicht bereuen Elsie. Ines hat eine ganz tolle Art zu Lesen. Sie sitzt nicht so stur am Pult und starrt auf ein Buch, wie ich es auch schon bei anderen Autoren erlebt habe.


    Das klingt gut Sabine! Ich freue mich schon sehr darauf!

    Sorry, habe gerade gesehen, dass ja noch gar keine richtige Leseprobe hinterlegt ist, somit hat sich meine Frage erledigt.


    Insofern denke ich auch , dass du mit deiner Vermutung richtig liegst chaosmausi.