Beiträge von Biografiefan

    Titel: Fußspuren am Himmel

    Autor: Einar Már Gudmundsson

    Verlag: Carl Hanser Verlag

    Erschienen: 30. Juli 2001

    Seitenzahl: 240

    ISBN-10: 3446200517

    ISBN-13: 978-3446200517

    Preis: Gebraucht kaufen


    Einar Már Gudmundsson erzählt hier mit einfachen Worten und doch sprachgewaltig in kurzen Kapiteln die Geschichte seiner Großeltern und ihrer zehn Kinder. Vom Großvater, der seinen Freund Gunnar auf dem Meer verloren hat. Von der Großmutter, die glaubt, dass, wenn Menschen nicht an etwas Wichtiges glauben, sie langweilig werden.

    Zuerst haben sie noch eine Wohnung, doch als das fünfte Kind unterwegs ist, werden sie vom Vermieter rausgeschmissen und hausen ab nun in einem Kellerloch. Ihr Hab und Gut passt in einen Handwagen von Urgroßvater.Im Winter war es hier unten so kalt, dass sie jeden Tag den Schnee vom Fenster schaufeln und die Scheiben innen abkratzen mussten, damit überhaupt Licht hereinkam.

    Zitat

    Um ihre Kinder in der Kälte zu wärmen, versuchte Großmutter sie einzupacken, so sehr sie konnte, und ihnen Geschichten zu erzählen. Es brauchte packende Geschichten, damit die Zähne in den Mündern zu klappern aufhörten.
    Sie griff zu den Geschichten, die sie über Trolle und Riesen kannte, würzte sie mit feuerspeienden Bergen, Elfenprinzessinnen, unschuldigen Schäfern, die vor Riesen flohen, und Hexen, die vom Tageslicht überrascht und zu Lavasäulen wurden.


    Ein Kind nach dem anderen wurde in dem Keller geboren. Sie wurden alle in Pflegefamilien verteilt. Der Großvater vertrank das Meiste seines Lohnes. Die Großmutter musste in der Fischfabrik arbeiten, um etwas dazuzuverdienen.


    In kurzen Sprüngen erfahren wir etwas über das Leben der Urgroßeltern, der Großeltern und deren Kinder - drei Generationen - und etwas über die Zeit, in der diese lebten.


    Etwas ungewöhnlich sind die wirklich sehr kurzen Kapitel, aber hier wurde ja auch keine Biografie geschrieben - es scheint eher, als wenn uns der Autor von seinen Erinnerungen erzählt, Familiengeschichten, die er im Laufe seines Lebens aufgeschnappt hat.


    Auch die vielen Namen können etwas verunsichern, aber dafür gibt es zu Beginn des Buches einen Familienstammbaum, der die Zuordnung wesentlich erleichtert.


    Was wunderschön ist, ist die Sprache von Einar Már Gudmundsson - sehr poetisch:

    Zitat

    Großvater wurde keine Fünfzig, aber mißt man die Zeit in Fischzügen und Fischfängen, lebte er viele Jahrhunderte lang.
    Er war blind geworden und sah in unbekannte Länder. Wenn er den Wind hörte, wußte er, wie die Wellen gingen und das Meer sich erhob.



    Ein Schriftsteller, den es lohnt, besser kennenzulernen.


    Carrie Meeber lebte bisher in Indiana und kommt nun in die große Stadt Chicago, wo sie erst einmal bei ihrer Schwester und deren Mann und Baby unterkommt. Sie hat den "american dream", muss aber schnell die Realität erkennen.

    Arbeit findet sie als Ungelernte nur in einer Fabrik. Schwester und Schwager halten gar nichts davon, dass sie ihr Geld, das sie ja noch nicht mal verdient hat, fürs Theater ausgeben will.

    Als sie es bei der Schwester kaum noch aushält, trifft sie sich mit Charles Drouet, einem jungen Mann, den sie auf der Reise im Zug kennengelernt hat. Es entwickelt sich langsam eine Dreiecksgeschichte zwischen ihm, seinem Freund George Hurstwood und Carrie. George ist ein einflussreicher Geschäftsmann, enttäuscht von der Ehe mit einer oberflächlichen Frau und von der Mutter verwöhnten Kindern. Er verliebt sich in Carrie.
    In das Geschehen fließen viele moralische Gedanken des Autoren mit rein. Wenn man es hart titulieren will, ist Carrie eine Prostituierte. Sie verdient kein eigenes Geld, lebt als Drouets Geliebte mit ihm in einer Wohnung und lässt sich aushalten.
    Hurstwood will Carrie für sich gewinnen. Wenn es nach ihm geht, sollte sie Drouet verlassen. Aber was dann. Er hat Familie, sein Geld, läuft über die Konten seiner Frau, die es mit vollen Händen vor allem für die Tochter ausgibt. Und Carrie weiß nicht, dass er gebunden ist.

    Eines Tages stiehlt Georges bei der Arbeit Geld und überlistet Carrie mit einer Lüge, mit ihm zu gehen. Er flieht mit ihr, bekommt die Sache mit dem Diebstahl gerade noch so geregelt und lässt sich mit ihr in New York nieder. Das geht so lange gut, wie die Finanzen reichen. Dann wendet sich das Blatt durch Georges Bequemlichkeit und Carrie muss das Geld für Miete und Lebensunterhalt ranschaffen. Sie findet Arbeit am Theater.


    Eine fantastische Geschichte. Einerseits wollte ich wegen des moralischen Zeigefingers, der sich mir beim Lesen immer wieder zeigte, das Buch in die Ecke pfeffern. Andererseits entfaltete es einen Sog, dem ich nicht entkam. Ich kann mir denken, warum das Buch damals kein Erfolg war, aber diese Gedanken behalte ich für mich, da ich sonst das Ende vorwegnehme.


    Es lohnt sich aber, das Buch zu lesen. Theodore Dreiser beschreibt seine Figuren so gut, dass man meint, sie wahrhaftig vor sich zu sehen. Und speziell diese Ausgabe von "Der Anderen Bibliothek" ist ein Schmuckstück von Buch. Wenn es mit seinen knapp über 600 Seiten (incl. Nachwort von Ilija Trojanow) auch ein ziemliches Gewicht hat, liegt es doch wunderbar in der Hand.


    Auf der Verlagsseite könnt ihr einen Blick ins Buch werfen und sehen, wie schön es gestaltet ist.

    Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. Zwei junge Mädchen vom Lande, Gu finna und Stefanía, gehen nach Reykjavik, um dort ihr Glück zu machen - eine Anstellung in einem feinen Haus. Doch erstmal sind sie Tagelöhnerinnen, Kohleträgerinnen und Waschfrauen oder arbeiten im Fisch.
    Es ist Ende des 19. Jahrhunderts, die beiden lernen andere Frauen kennen, denen es genauso geht wie ihnen. Sie meistern ein schweres Leben, haben gegen gesellschaftliche und patriarchale Machtstrukturen zu kämpfen.
    Und doch, sie träumen und lachen - und sterben, da kein Geld für einen Arzt da ist. Gu finna vermisst Stefanía und gibt sich selbst die Schuld an deren Tod.


    Kristín Steinsdóttir führt uns dieses schwere Leben der Frauen vor Augen. Es ist fast deprimierend, mit anzusehen, dass keine es schafft, aus ihrem Korsett auszubrechen.
    Bei der Arbeit können die Frauen unsanft miteinander umgehen. Aber wenn eine wirkich Hilfe braucht, halten sie auch zusammen, wie an einem Tag im letzten Sommer, als eine der Waschfrauen direkt bei der Arbeit ihr Baby zur Welt brachte.


    Manchmal blitzt ein Aufbegehren auf - als die Waschfrauen an den Quellen von einem Unwetter überrascht werden und am nächsten Tag ein vermisstes Mädchen erfroren finden. Das hätte nicht passieren können, hätten die Frauen eine Schutzhütte, in der sie unterschlüpfen könnten.


    Gu finna glaubt nicht mehr an den Traum von der Anstellung in einem feinen Haus, den sie mit Stefanía geträumt hat. Sie ist nur noch bei den heißen Quellen, Wäsche waschen. Dort, wo es nicht nur für die Frauen gefährlich werden kann. Die Mütter müssen ihre Kinder mitbringen. Gu finna wird von einer schreienden Menge aus ihren Gedanken gerissen. Ein Junge ist ins Wasser gefallen. Sie konnten ihn zwar rausholen, aber der Fünfjährige hat es nicht überlebt.


    Wird ihr Leben so weitergehen? Ohne irgendwelche Höhepunkte? Ohne ein wenig Glück?


    Kristín Steinsdóttir ist für mich eine Neuentdeckung. Mir gefällt ihre klare Sprache. Sie schreibt gefühlvoll, ohne in Kitsch abzugleiten. Und sie versteht es, einem die Figuren ganz nahe zu bringen.

    Vance Weston ist ein Sohn aus wohlhabendem Hause; der Vater ist Immobilienspekulant. Nach einer Krankheit fährt er zur Erholung zu entfernten Verwandten. Dort bekommt er Zugang zu einem alten Haus am Hudson River mit einer Bibliothek, wie er sie noch nie gesehen hat. Und er bekommt die Möglichkeit, sich dort aufzuhalten, zu stöbern und zu lesen. Bis eines Tages einige wertvolle Bücher verschwunden sind und er in den Verdacht gerät, sie gestohlen zu haben. So verlässt er die Verwandtschaft und macht sich auf nach New York, wo er seinen Traum, Schriftsteller, Dichter zu werden, verwirklichen möchte.
    Doch Vince muss feststellen, dass es nicht so einfach ist. Er hat nur wenig Geld in der Tasche, auf Hilfe des Vaters braucht er nicht hoffen. Arbeit bei einer Zeitung findet er nicht. Eine Chance bleibt ihm noch: Mr. Frenside, den er bei der Verwandtschaft kennenlernte und der bei dem Intellektuellenblatt "Die Stunde" arbeitet.
    Doch nachdem dieser die zerknüllten handgeschriebenen Zettel, auf denen Vance eigene Gedichte und einen begonnenen Roman notiert hatte, gelesen hat, schüttelte dieser den Kopf. Gedichte sind ein Luxus, wie ein Auto, davon kann man sich nicht den Lebensunterhalt verdienen.
    Kurzgeschichten, damit hätte er eine Chance. Aber so etwas hat Vance noch nicht geschrieben.
    Als er in seiner Pension war, fand er doch noch etwas Geschriebenes: "Ein Tag" - er schrieb es kurz nach seiner Krankheit wie im Wahn, als er den Revolver seines Vaters nicht fand. Den Mut, noch einmal direkt bei Mr. Frenside vorzusprechen, hatte er nicht, so steckte der es in den Briefkasten und bekam drei Tage später schon Antwort: Seine Erzählung soll veröffentlicht werden; anbei liegt ein Check über 50 Dollar. Und von Frenside der Tipp: "Fahren Sie heim und schreiben Sie noch mehr so Zeug."


    Wieder zu Hause, fand er Arbeit in der Redaktion des "Offenen Worts". Aber glücklich war er nicht. Der Großvater hatte einen Schlaganfall erlitten, und da sich niemand um die Großeltern kümmern wollte, nahm Vances Familie die beiden auf.
    Die Immobilienbranche lief nicht mehr gut, sodass sein Vater immer mehr arbeiten musste, um noch was zu verdienen.
    In dieser Situation erhielt Vance Post aus New York; von der Redaktion "Die Stunde". Die Zeitschrift war in andere Hände gegangen, Lewis Tarrant, der Ehemann von Miss Spear, hat sie günstig gekauft.
    Und so macht er sich wieder auf den Weg nach New York.


    Es ist ein tolles "Buch über Bücher". Die Geschichte spielt in den 20er Jahren. Durch Vance Weston erleben wir den Kontrast zwischen dem stillen Landleben und der unruhigen Großstadt. Er scheint mir hin- und hergerissen. Rein vom Leben her ist es auf dem Lande sehr schön. Aber das literarische Leben findet nun mal in der Großstadt statt. Vor allem findet er dort die Gesprächspartner, nach denen er sich sehnt.


    Auch die Art zu schreiben von Edith Wharton ist sehr schön. Einmal begonnen zu lesen, mochte ich kaum noch aufhören. Der Schreibstil und der Lauf der Geschichte entwickeln schon nach den ersten Sätzen einen Sog, dem ich mich kaum entziehen mochte.

    Franz Marc gilt als einer der bedeutendsten Maler des Expressionismus in Deutschland. Er war Mitbegründer der Redaktionsgemeinschaft "Der Blaue Reiter", die am 18. Dezember 1911 ihre erste Ausstellung in München eröffnete.
    In diesem Buch kommt Maria Marc zu Wort. Sie war seine Wegbegleiterin und nach vielen Hindernissen seine Ehefrau.
    Brigitte Roßbeck hat die handschriftich verfassten Memoiren von Maria Marc zusammengefasst.


    Maria Marcs Erinnerungen wurden mit diesem Buch erstmals veröffentlicht. Sie hütete alles Biografische wie einen Schatz. Auf den Gefährten sollte kein Schatten fallen, und so beschönigte sie das, was sie wohl dosiert freigab, makellos.
    Marias Vater war Bankdirektor, so wuchs sie in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Sie besuchte ein Lyzeum, nahm Klavierstunen und sang im Chor der Berliner Sing-Akademie. Auch ihr schöpferisches Talent wurde gefördert. Sie machte eine Ausbildung zur Zeichenlehrerin und nahm ein Studium an der Berliner Königlichen Kunstschule auf. Ihr heimlicher Traum war es, als Künstlerin existieren zu können.


    Zitat

    In den Jahren meines Alleinseins nach dem Tode von Franz Marc wurde in mir der Wunsch lebendig, Erinnerungen an mein Leben mit ihm aufzuschreiben; ich musste so viel an dieses Leben denken, das ihn und uns beide so wunderliche Wege geführt hatte. Obwohl die Erlebnisse selber ungewöhnlich genug waren, beschäftigte mich viel mehr der Sinn, den sie für uns gehabt hatten. Und es wurde mir bald klar und im Laufe der Jahre immer klarer, welch ein tiefer Sinn sich hinter allen Begebenheiten verbarg.


    Sie hatte eine im Verborgen gebliebene Herz-Schmerz-Geschichte hinter sich, als sie 1905 erst mal nur kurz den Kunstakademieflüchtling und Kollegen Franz Marc traf. Im Februar 1906 lernte sie ihn dann näher kennen. Recht früh erkannte sie, dass sie ihn liebt.


    Doch bevor sie wirklich für ein Jahrzehnt ein Paar werden konnten, verging eine ganze Zeit.


    Da es ein dünnes Buch ist, möchte ich an dieser Stelle nichts weiter dazu schreiben. Es lohnt sich aber, diese beiden Menschen auf ihrem Weg zueinander zu begleiten.

    Ich habe hiermit begonnen:


    Maria Marc - »Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen«: Mein Leben mit Franz Marc


    Sie war Wegbegleiterin und Ehefrau des bedeutenden Expressionisten Franz Marc, kaum mehr als ein einziges Jahrzehnt der engen Verbundenheit war dem Paar vergönnt. Der Blaue-Reiter-Maler starb 1916 auf dem Schlachtfeld vor Verdun. Viel später auf die Zeit an seiner Seite zurückblickend, brachte Maria Marc ihre Erinnerungen – oft ungeschönt ehrlich – zu Papier. Hier werden sie erstmals veröffentlicht: ein eindrückliches Dokument von großer persönlicher und künstlerischer Kraft.


    1905 lernte die Malerin Maria Franck den Kollegen Franz Marc kennen. Ab 1913 waren sie ein Ehepaar. Maria Marcs Aufzeichnungen rücken den Künstler Franz Marc und seine Persönlichkeit ins Rampenlicht. Sie verschweigen weder seinen Hang zur Melancholie noch seine Selbstzweifel, die ihn dazu trieben, zahlreiche seiner frühen Werke eigenhändig zu zerstören. Eindringlich, aber auch amüsant berichtet die Gefährtin von Liebes- und Heiratsdingen, von der eigenen damit verbundenen Verzweiflung, von Aufbruchstimmungen und maßgeblichen Freundschaften auf dem Weg in die Epoche des Blauen Reiters, von ihrem Leben im Krieg und von ihrer Witwenschaft.


    Die Herausgeberin Brigitte Roßbeck macht die handschriftlich verfassten Erinnerungen Maria Marcs in dieser Lesefassung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.

    Während der Leipziger Buchmesse wurde Reiner Engelmann für sein Buch Der Fotograf von Auschwitz - Das Leben des Wilhelm Brasse und sein "Engagement für die Schwachen, Verletzbaren, Unterdrückten, Benachteiligten und Verlorenen der Gegenwart und der Vergangenheit" mit dem FDA Literaturpreis für Toleranz, Respekt und Humanität ausgezeichnet.


    Das Vorwort zu diesem Buch wurde von Max Mannheimer geschrieben. Selbst ein Überlebender, der fast die ganze Familie im Holocaust verlor, engagiert er sich bis heute, vor allem jungen Leuten zu erzählen, was Krieg bedeutet.


    Wilhelm Brasse wurde am 3. Dezember 1917 in Zywiec geboren. Die Mutter hielt die Familie, es folgten noch drei Brüder, beisammen und vermittelte den Jungs ihre inneren Werte.
    Als der Vater während der Weltwirtschaftskrise seine Arbeit verlor, musste Wilhelm in die Lehre. Er wurde Fotograf und arbeitete nach der Gesellenprüfung bei seinem Onkel in Kattowitz im Fotoatelier.


    Wilhelm war ein junger Mann, der, da die Stadt zur Hälfte mit Deutschen bevölkert war, auch Kontakt mit deutschsprachigen jungen Mädchen hatte. Sie zeigten ihm ihre Medaillons, in denen man normalerweise ein Foto des Liebsten hatte, doch in diesen befand sich ein Bild von Adolf Hitler. Das ließ ihn aufmerksam werden für die Anfänge und rasche Ausbreitung des Nationalsozialismus.
    Kurz bevor der Zweite Weltkrieg ausbricht, kehrt Wilhelm Brasse wieder nach Hause zurück, weil er damit rechnet, in die Armee eingezogen zu werden. Viele Menschen entschieden sich für die deutsche Staatsangehörigkeit, doch Wilhelm Brasse lehnte ab, ja weigerte sich geradezu.


    Mit ein paar Freunden wollte er nach Frankreich, sich dem Widerstand anschließen. Doch man erwischte sie und nachdem er sich nach vier Monaten Gefängnis immer noch weigerte, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen, ging sein Transport in Richtung Westen.


    Wilhelm Brasse kommt am 31. August 1940 mit vielen anderen Männern, eingepfercht in einem Viehwaggon, in Auschwitz an. Er war gerade mal 23 Jahre jung.
    Seit seiner Ankunft, als sie aus den Waggons getrieben und gleich mit Holzknüppeln geschlagen wurden, begannen all seine Fragen mit dem Wörtchen "Warum". Und es waren die Fragen, die ich mir heute noch stelle:


    Zitat

    "Warum werden Menschen hier so gedemütigt?"
    "Warum werden sie geschlagen?"
    "Warum greift niemand ein?"
    "Warum macht man uns hier zu Opfern?"
    "Warum haben die Täter offenbar vergessen, dass sie Menschen sind? Aber sind sie es noch? So, wie sie sich verhalten?"


    Die Männer durften nur ein Taschentuch und einen Hosengürtel behalten. Alles andere wurde ihnen abgenommen. Aber sie hatten eh nur das, was sie am Körper trugen. Und dann nahm man Wilhelm Brasse den Namen und er war nur noch eine Nummer: Häftling Nummer 3444.


    Und so begann der Häftlingsalltag von Wilhelm Brasse, der unmenschlicher nicht sein kann.


    Es ist wortwörtlich nicht zu fassen, was man den Häftlingen angetan hat. Wie soll man die Täter benennen? Sind es Monster? Das personifizierte Böse? Sind das wirklich noch Menschen?
    Schon nach den ersten 50 Seiten fiel es mir so schwer, weiterzulesen. Dabei arbeitet Reiner Engelmann nicht mit Emotionen. Er zeigt durch Wilhelm Brasse die Fakten auf, das, was wirklich geschah.


    Immer auf der Suche nach mehr Essensrationen, ging Wilhelm Brasse das lebensgefährliche Risiko ein, sich immer wieder neue Arbeitskommandos zu suchen.


    Bis er am 15. Februar 1941 eine neue Aufgabe erhielt, in der er seinen Beruf als Fotograf ausführen würde. Er wurde in einen neuen Block verlegt, was wesentliche Lebensverbesserungen mit sich zog. Das erste Mal, seit er in diesem Lager ist, würde er in einem Bett schlafen. Es gab eine richtige Toilette und einen Waschraum, in dem er sich richtig waschen konnte.


    Wilhelm Brasses Arbeit bestand nun darin, Fotos von Häftlingen zu machen. Jeweils drei Stück: mit Mütze, ohne Mütze von vorne und im Profil. Und sie durften keine Verletzungen im Gesicht haben.


    Ab September 1941 wurden in Auschwitz erste Versuche durchgeführt, Häftlinge zu vergasen. 600 sowjetische Gefangene wurden dafür selektiert. Bei den ersten Versuchen dauerte es sechs Tage, bis alle Menschen im Raum tot waren.


    Ich möchte nicht enden, ohne Czeslawa Kwoka dem Vergessen zu entreißen. Wilhelm Brasse beschäftigten viele Bilder, aber der Anblick dieses Mädchens verfolgte ihn wochenlang und ließ ihn nicht mehr los.
    Czeslawa Kwoka wurde zusammen mit ihrer Mutter am 13. Dezember 1942 ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau eingeliefert und Wilhelm Brasse musste auch sie fotografieren. Das junge Mädchen verstand überhaupt kein Deutsch. Als ein weiblicher Kapo ihre Nummer aufrief, konnte sie nicht reagieren. So schlug der Kapo sie mit einem Stock mitten ins Gesicht. Da er diesen weiblichen Kapo nicht kannte, konnte er nichts machen. Es kam ihm vor, als hätte er selbst diesen Stockschlag erhalten.


    Ich wünsche diesem Buch viele Leser. Und nicht nur solche, die eh schon der Meinung sind, dass so etwas nie wieder passieren darf.
    Ich wünsche, solche Bücher würden viel mehr an Schulen gelesen werden. Ich wünsche solche Bücher vor allem Lesern, die sich durch unsere politischen Parteien so verunsichern lassen und aus Protest den verkehrten Leuten hinterherlaufen.

    Christine Dähn - Ute Freudenberg Jugendliebe: Die Biografie


    Als sie 15 war, wurde ihre Stimme entdeckt im Ferienlager! Sie studierte an der Musikhochschule ihrer Heimatstadt Weimar, war Gründungsmitglied der Band »elefant« und landete mit »Jugendliebe« den Hit des Ostens schlechthin. Bis heute kommen Tausende zu ihren Konzerten, denn Ute Freudenberg ist Musikerin mit Leib und Seele. Ihre kraftvolle Stimme, ihre Emotionalität und ihre unglaubliche Bühnenpräsenz sichern ihr die Liebe der Fans. Nun blickt sie zurück auf eine Karriere voller Höhepunkte, in der sie aber auch so manche Untiefe umschiffen und schwere Entscheidungen treffen musste. Die mitreißende Biografie einer Powerfrau zum 40-jährigen Bühnenjubiläum!

    Walter Kempowski ist ein Schriftsteller, der aus meiner Heimatstadt Rostock stammt und leider 2007 mit 78 Jahren gestorben ist.
    Für meine Begriffe fand er viel zu wenig Beachtung unter den deutschen Autoren. Grass, Lenz, Böll waren Namen, die immer wieder auftauchten. Kempowski wurde eher stiefmütterlich behandelt.
    Aus zwei Tagebüchern von ihm habe ich ihn ja ein wenig kennengelernt; nun war ich gespannt, was Dirk Hempel über ihn berichtet, der von 1995-2005 Redakteur für Kempowskis Projekt Echolot war. (An diesem Projekt hätte ich unwahrscheinlich gerne mitgearbeitet.)


    Schweriner Gefängnis des sowjetischen Geheidienstes MWD: Hier wurde Walter Kempowski tagelang verhört und gefoltert, bis er seine Mutter verriet. Mit dieser Schuld konnte er nicht leben. Es ist der 20. März 1948, als der 18-Jährige vergeblich versucht, sich das Leben zu nehmen. Nach dem zweiten vergeblichen Versuch gibt er auf und entgleitet in den folgenden Tagen in Traumwelten. Um zu überleben, rekonstruiert er die Vergangenheit. Und so nimmt das große Erinnerungswerk Kempowskis seinen Anfang.


    Zitat

    Die Geschichte der Rostocker Kempowskis ist ein ständiger Wechsel von Aufstieg und Niedergang, sie ist auch eine Geschichte von der Entstehung des Bürgertums aus eigener Kraft.Die Kempowskis waren Schneider, Lehrer, "Eigengärtner" und Schiffer...


    Am 29. April 1929, an einem Montagabend gegen 20 Uhr, wurde Walter Kempowski geboren. Er verlebte eine behütete und anregende Kindheit, die zerbrach, als Rostock Ende April 1942 von englischen Bomben zerstört wurde. Er war erschüttert: Das Steintor, die Petri- und Nikolaikirche, alles kaputt.
    Schon in der Schule war er ein Außenseiter, hielt sich von Moden und Gruppenbewegungen fern.


    Ende März 1945 sollte er noch mit einem Freund in die SS eingezogen werden. Doch die beiden sagten mutig, nein, sie wollen nicht.
    Verhaftet wurde er trotzdem, aber da holten ihn die Russen am 8. März 1948 aus dem Bett. Er wurde zu 25 Jahren Arbeitslager nach Bautzen verurteilt. Für ihn noch ein Glück, andere wurden in die Sowjetunion deportiert, zum Teil sogar erschossen.


    Über die Zeit in Bautzen schrieb er in seinem Buch Im Block - Ein Haftbericht (1969). Nach acht Jahren wurde er entlassen. Der damalige Präsident Wilhelm Pieck hatte einen Gnadenerlass verfügt.
    Walter Kempowski ging in den Westen. Stationen waren hier Hamburg (hier lebte seine Mutter), wo er mit regelmäßigen Tagebucheinträgen begann, Göttingen (Abitur), Breddorf, bis er sich in Nartum Haus Kreienhoop baute. Er war als Grundschullehrer tätig.


    Ende 1959 wurde ihm vom Landesverwaltungsgericht Hamburg die Unterstützung nach dem Häftlingshilfegesetz aberkannt. Er galt nun zeitlebens als Krimineller, diese Verletzung gegen ihn hat sich zu einer "faustdicken Psychose" gefestigt.


    Ersten Erfolg als Schriftsteller hatte er mit Tadellöser und Wolff.


    Und nun muss ich mich am Riemen reißen, bevor ich euch die ganze Lebensgeschichte von Walter Kempowski erzähle.


    Wie sein Leben als Familienvater, Ehemann, Schriftsteller weiterging und vor allem, wie es zu dem riesigen Projekt Echolot kam, das lest selbst.


    Dirk Hempel hat mir Walter Kempowski sehr nahe gebracht. Als Mensch, der zu Unrecht verhaftet wurde, tut er mir leid. Als Schriftsteller und Chronist bewundere ich ihn jetzt schon, obwohl ich bisher nur zwei Tagebücher von ihm gelesen habe.


    Dreierlei hat Dirk Hempels Biografie bei mir bewirkt:
    1. Ich möchte alle Bücher von Walter Kempowski lesen.
    2. Ich habe während des Lesens schon so einige Bücher antiquarisch gekauft.
    3. Und ich möchte und werde mich intensiver dem Thema Gegen das Vergessen widmen.

    Ich habe das Buch gerade gelesen und kann mich Deiner Begeisterung anschließen, Gucci.


    Vorab wusste ich von ihr nur, dass sie eine Kinderschriftstellerin war, und dass sie zwei Kinder hatte. Ich kenne nicht mal ihre Bücher, außer "Ronja Räubertochter" und "Das entschwundene Land". Ich werde sicher auch immer mal wieder in dies Buch reinschauen.


    Das ist ja nun übles Nachtreten. So wird ein User beurteilt, der auf der Suche nach Gesprächspartnern ist.
    Da stellt ihr euch als Forum echt ein Armutszeugnis aus.


    Ich persönlich war nur nicht so mutig, so einen Thread zu eröffnen. Unter diesen Bedingungen dürft ihr mich dann auch so rigoros und fix löschen.

    Das hat, denke ich mal, nichts mit Beleidigtsein zu tun. Mir geht es wie Momo. Ich tausche mich auch am liebsten aus, wenn ich das Buch gerade lese. Und das geht in den oben empfohlenen Themen nicht.
    Rezis und Leserunden sind auch nicht jedermanns Sache. Was spricht denn dagegen, wenn man sich ein eigenes Thema eröffnet und so hofft, mit der ein oder anderen Leseratte in ein Gespräch zu kommen?
    Nichts anderes versucht Momo hier.

    Ich kann Momo schon verstehen. Wenn ich mir die Links so anschaue, findet dort aber auch kein Austausch über die Bücher statt. Das sind ja nur Auflistungen.
    Und um Austausch geht es doch in einem Forum, oder nicht?

    Und hier meldet sich der zweite Fallada-Fan.


    Hallo Momo,


    ich freue mich schon seit Tagen auf dieses Buch. Und als ich gestern Abend damit begann, hätte ich gleich die Nacht durchlesen können. Aber ich muss heute leider arbeiten.


    Wie auch schon bei den vier Büchern (Jeder stirbt für sich allein, Der Trinker, Kleiner Mann was nun und Der eiserne Gustav), die ich von ihm gelesen habe, war ich auch hier sofort wieder drin in der Geschichte.

    Zitat

    Original von Voltaire
    „Das musst du mal lesen!“


    Noch schlimmer finde ich ja den Satz. "Das muss man gelesen haben."


    Und wegen der immer kürzer werdenden Leselebenszeit lese ich auch nicht mehr jedes Buch, mit dem ich nicht warm werde, zu Ende.

    Ich habe nicht nachgeforscht und weiß daher nicht, ob das schon ein Vorgeschmack auf die kommende Staffel sein kann (was ich mir nicht vorstellen kann) oder ob es sich um Fan-Geschichten handelt.
    Bei Akte X (Xena und sicher vielen anderen Folgen) gibt es ja Bücher direkt zu den einzelnen Folgen, die von verschiedenen Autoren geschrieben wurden. Und es gibt jede Menge Fan-Geschichten im Netz, in denen zwar die Protagonisten alle mitspielen, die aber mit der Serie nichts zu tun haben. Der "Eisige Hauch" ist eine kriminelle Organisation von Wesen, die sich durch ein Mittel andere Wesen und Menschen untertan machen. Der Anführer ist ein Nachfahre von jemandem, der durch Nicks Vorfahren, ein Grimm, getötet wurde. Er hat sich entschlossen, alle Grimms aus dieser Linie zu vernichten. Das wären also Nick, seine Mutter und Juliette, für den Fall, dass sie schwanger ist. Auch die Münzen, die wir aus der TV-Serie kennen, spielen hier eine Rolle.


    Was ich ein bisschen langweilig fand (das ging mir auch schon bei der Monk-Serie von Anne Perry so), sind die vielen Erwähnungen auf frühere Ereignisse. Bei Monk war es, dass fast in jedem Buch wiederholt wurde, wie es kam, dass er sein Gedächtnis verloren hat und Esther kennengelernt hat. Hier wird immer wieder darauf eingegangen, das Juliette ihr Gedächtnis verloren hatte und wie sie nun wieder langsam zueinander finden. Ich finde, bei Geschichten mit einem roten Faden muss das nicht sein. Die sollte man dann einfach von vorne lesen.

    Ich lese derzeit:


    Klappentext
    Marvin lebt in Berlin, ist fast 30 Jahre alt, doch was er mit seinem Leben anfangen will, weiß er noch nicht. Er wechselt von einem Job zum nächsten – bis man ihm eine Stelle in einem Antiquariat anbietet. Doch das "Haus der Geschichten" ist mehr als nur ein Antiquariat. Denn es beherbergt die "narratorische Apotheke" – eine Sammlung selbstgeschriebener Erzählungen von Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Sie alle nehmen den Leser in mal humorvollen, mal nachdenklichen, aber immer tiefgehenden Geschichten mit auf ungewöhnliche Reisen – teilweise auch an Orte jenseits des Gewohnten.