Astrid Lindgren - Ihr Leben von Jens Andersen

  • Astrid Lindgren - Ihr Leben – erschienen 28. September 2015
    von Jens Andersen (Autor), Ulrich Sonnenberg (Übersetzer)


    Klappentext: Vor siebzig Jahren begann Astrid Lindgrens außerordentliche Karriere als Schriftstellerin. Auf Pippi Langstrumpf folgten Bücher, die die Kinderliteratur revolutionierten – und ihre Autorin schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließen. 2002 verstarb Lindgren 94-jährig; man kannte sie als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. Jens Andersen erzählt in seiner preisgekrönten Biografie „ihr Werk und Leben erschreckend neu“ (SZ). Über Jahre hinweg studierte er unveröffentlichte Quellen, und so kommt eine Autorin zu Wort, die nicht nur weltweit Erfolge feiern durfte, sondern Einsamkeit und Trauer kannte und ein Leben lang von Schuldgefühlen geplagt war, weil sie ihren unehelichen Sohn bei Pflegeeltern hatte unterbringen müssen. Zugleich aber erzählt Jens Andersen eine Geschichte von Moderne und Modernisierung – Astrid Lindgren, die das 20. Jahrhundert miterlebt und mitgeprägt hat, wird zu einer bewundernswerten Ikone des Jahrhunderts der Gleichberechtigung.


    "Ich lebe einfach und glaube, man muss jeden Tag so leben, als wäre es der einzige." Astrid Lindgren


    Jens Andersen, geboren 1955, hat sein Studium der Nordistik an der Universität von Kopenhagen mit einer Promotion abgeschlossen, arbeitete viele Jahre als Literaturkritiker für große dänische Zeitungen und lebt nun als Schriftsteller in Kopenhagen. Seit 1990 veröffentlicht er Biografien skandinavischer Persönlichkeiten, u.a. 2012 über Königin Margrethe II.; 2005 erschien auf Deutsch sein viel beachtetes Buch "Hans Christian Andersen", für das er mehrfach ausgezeichnet wurde. Jens Andersen erhielt u.a. den Georg-Brandes-Preis, den Søren-Gyldendal-Preis und den Preis des dänischen Schriftstellerverbands. "Astrid Lindgren. Ihr Leben" wurde in Dänemark 2015 zum "Sachbuch des Jahres" gekürt und erhielt den renommierten Politikens Litteraturpris; das Buch wurde in Dänemark und Schweden zum Bestseller.



    Es ist eine großartige Biographie! Ich habe gerade in den letzten Jahren einiges über die Autorin gelesen und in dieser, nun nach ihrem Tod, allerdings in Abstimmung mit Karin Nyman (Lindgrens Tochter) verfassten Lebensgeschichte wird so manches anders gerückt und besser erklärt. Diese konnte unterfüttert werden durch zahlreiche Briefkorrespondenzen, den vielen Stenoblöcken und ihren Tagebüchern, die 3000 Seiten* umfassen.


    A. L. hat bis 1961 Tagebuch geführt (weiterhin Kriegstagebuch genannt) und mit dem Tod ihrer Mutter und der Geburt der ersten Enkelin damit aufgehört. Es ist abzuwarten, ob diese Notizen ab 1946 auch noch veröffentlich werden. M. M. ist aber auch, dass es Privates geben sollte und nicht alles veröffentlicht werden sollte. Doch, dies wird Karin Nyman entscheiden!


    Ich bin begeistert von der neuen Biographie und frage mich gerade, ob ich die vorherigen noch einmal lesen werde oder doch nur immer mal wieder in der Andersen-Biogr. nachlesen werde. In dieser wird z.B. sehr viel mehr klar um Lars/ Lasse, z.B., dass sein noch verheirateteter Vater mit A. L. verlobt war, für ihn Unterhalt gezahlt hat und auch A.L. Reisen zum bei der Pflegemutter in Kopenhagen lebenden Sohn finanziert hat, wie sie auch untereinander miteinander in Kontakt standen. Auch werden Kronensummen genannt, wie A. L. Sekretärinnengehalt, Geld für Pflegemutter, Summen für Buchauszeichnungen etc. Dies fand ich sehr hilfreich und war eben auch sehr überrascht, dass Astrid Lindgrens Eltern allen ihren vier Kindern je 1000 Kronen während des Krieges alljährlich zu Weihachten schenken konnten. Dachte ich, dass dies als Bauer/ Pfarrverwalter nicht möglich sei. Diese Biographie ist sehr persönlich/ privat und es ist verständlich, dass A.L. manche Dinge zeitlebens etwas anders darstellen wollte. Ob ihre Tochter wohl mit ihr noch besprochen hat, dass sie manches zurechtrücken lassen wird?


    In dem Buch sind viele schöne Fotos, viele unbekannt (andere Aufnahmen kannte ich dann doch schon, hatte sie aber vergessen) und diese sind auch häufig großformatig abgedruckt.


    Der Autor ist Däne, daher sind z.B. auch die Kriegstagebuchzitate nun etwas anders übersetzt, als im Kriegstagebuch. Beide Bücher, das Kriegstagebuch und die neue Biographie wurden zeitgleich mit der Briefkorrespondenz mit Sara Schwardt "Deine Briefe lege ich unter die Matratze. Ein Briefwechsel 1971-2002" in Dtl. publiziert. Auch wurde in der Biographie zumindest eine Seite aus dem Kriegstagebuch veröffentlicht, die in „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ fehlt, z.B. Faksimie auf S. 198 – „Himmler har ordnat Hitlers testamente.“


    In „Süddeutsche Zeitung“ stand, Jens Andersen würde das Werk von A.L. „erschreckend neu“ erzählen, das stimmt. Durch die neuen Quellen erscheint einiges in anderem Licht.
    Ich spreche unbedingte Leseempfehlung für diese Biographie aus!



    * Diese Angabe von 3.000 Seiten in 19 Bänden Kriegstagebuch war es auch, die mich eben daher etwas verwirrt hat beim Lesen des Buches „Die Menschheit hat den Verstand verloren“, weil der Begriff – wie ich in der Biographie lese- auch für ihre Nach-Kriegstagebuchnotizen bis 1961 verwendet wird. So war ich irritiert, was 3.000 Seiten Kriegstagebuch an Umfang im Buch ausmachen sollen.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

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  • Ich habe das Buch gerade gelesen und kann mich Deiner Begeisterung anschließen, Gucci.


    Vorab wusste ich von ihr nur, dass sie eine Kinderschriftstellerin war, und dass sie zwei Kinder hatte. Ich kenne nicht mal ihre Bücher, außer "Ronja Räubertochter" und "Das entschwundene Land". Ich werde sicher auch immer mal wieder in dies Buch reinschauen.

  • Wer mag kann die Wartezeit überbrücken , wenn er sich dies Buch vielleicht unter den Weihnachtsbaum wünscht. Ich hatte es schon in der Hand, leider war es noch in Folie, will gern mal durchblättern.



    Ich habe auch gelebt!: Briefe einer Freundschaft
    von Jens Andersen (Herausgeber), Jette Glargaard (Herausgeber), Astrid Lindgren (Autor), Louise Hartung (Autor)


    Zitat

    »Manchmal frage ich mich, warum ich lebe, warum Menschen überhaupt leben. Aber das erzähle ich nur Dir – ich laufe nicht mit hängendem Kopf herum, sodass es jemand sieht. Falls Du weißt, warum Menschen leben, dann schreib und erzähl es mir.« Astrid Lindgren stand 1953 am Beginn einer beispiellosen Weltkarriere. Bei einem Berlinbesuch lernte sie die Deutsche Louise Hartung kennen, etwa ein Jahr nachdem Lindgren sehr plötzlich ihren Mann verloren hatte. Aus der Begegnung entstand eine ganz besondere Freundschaft. Wie wenig andere verstand Hartung die »kleine Melancholie«, die Lindgren an manchen Tagen überkam. Über elf Jahre hinweg teilten die beiden außergewöhnlichen Frauen Freude und Trauer und standen einander in über 600 Briefen bei, die sich wie ein Roman lesen. In den Briefen der Freundinnen, die die Weltschriftstellerin Astrid Lindgren von einer ganz neuen Seite zeigen, entsteht ein sehr persönliches Bild vom Leben in Deutschland und Schweden in einer Zeit des Wiederaufbaus und gesellschaftlichen Umbruchs. Berührend, klug, traurig und lustig zugleich: das Porträt einer engen Freundschaft, die alle Grenzen überwindet.


    Beim Lesen der tollen Andersen-Biographie rechnete ich schon damit, dass man auch diesen Briefwechsel nun bestimmt veröffentlichen wird. Ich bin gespalten, denn eigentlich empfinde ich Briefe/ Schriftwechsel als private Dokumente, die nicht breit veröffentlicht werden sollten. Ich habe daher auch mir nicht "Deine Briefe lege ich unter die Matratze. Ein Briefwechsel Astrid Lindgren-Sara Schwardt 1971-2002" gekauft.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)