Beiträge von Pazuzu

    Hi Lese.Maus,


    ich liebe sie auch beide und finde wie Du, dass sie wenig Ähnlichkeiten aufweisen.


    Zwar habe ich nicht gesucht, aber es ist mir halt beim Lesen aufgefallen. Ich gehe auch gar nicht davon aus, dass es sich um geistigen Diebstahl handeln könnte. Dazu ist es inhaltlich zu wenig, außerdem sind beide Autorinnen zu unterschiedlich. George hat sicher auch genug eigene Ideen und ist sehr kreativ. Aber es kann sich dabei ja um eine Art "Würdigung" oder "Hommage" handeln. Mehr war da nicht...


    Liebe Grüße,
    Pazuzu

    Inhalt
    Brady, Annabel, Maria und Adrian aus Birmingham, junge, gut ausgebildete Akademiker mit Ehrgeiz und ohne Zukunft, haben sich ganz besonderes Projekt ausgedacht: sie entführen junge Frauen und erschrecken sie zu Tode, indem sie sie zum Schein lebendig begraben oder aufhängen. Danach lassen sie sie wieder frei. Die vier betrachten ihre Taten als hohe Kunst, filmen sie und verschicken die Videos an die Medien. Selbst als eines der Opfer in seiner Panik auf die Autobahn rennt und von einem Laster überrollt wird, wollen sie weitermachen. Detective Chief Inspector Jacobson vom CID Crowby bemerkt eine Eskalation und befürchtet, dass die Vier bald ihren ersten Mord begehen. Als eine fünfte Frau entführt wird, begreift Jacobson, dass sie von Anfang das eigentliche Ziel der Gang war. Die Zeit wird knapp, denn die Täter fordern acht Millionen Pfund Lösegeld. Aber die Polizei hat keine Spur.


    Kritik
    In ihrem vierten Fall nach Zwei Tote im Fluss, Der perfekte Tod und Gefährliches Wiedersehen haben es DCI Jacobson und DS Kerr aus Crowby, einer fiktiven Industriestadt in den Midlands, mit einer Bande zu tun, die ihnen in jeder Hinsicht überlegen ist. McDowall arrangiert eine Reagenzglassituation, in der er vier junge Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnisse und Neigungen, weitestgehend negativen Zukunftsaussichten, großen Plänen, noch größerem Ehrgeiz und einer ungemein guten Ausbildung zusammenführt. Detailliert zeigt er die Tricks und Schlichen der Gang, um an falsche Identitäten zu gelangen und sich Geld übers Internet zu ergaunern, die allgegenwärtigen Überwachungskameras zu überlisten und die Polizei in die Irre zu führen. Ebenso intensiv wie das Vorgehen der Täter zeigt er die Bemühungen der Polizei und die Ängste der Opfer. Es ist ein realistischer, düsterer Roman, der ein konkretes soziales Problem in Großbritannien und allen westlichen Industrieländern thematisiert, das hier gerne unter den Teppich gekehrt wird, nämlich das wachsende Phänomen der Arbeitslosigkeit unter Jungakademikern.

    Inhalt
    Nachts wird Detective Inspector John Rebus von dem Geist seines toten Freundes Jack Morton heimgesucht, der im vorherigen Fall (Die Sünden der Väter) in einem Einsatz ums Leben kam. Tagsüber sorgt er sich um seine Tochter Sammy, die seit ihrem Unfall gelähmt ist und versucht, in ihr altes Leben zurückzufinden. Auch kann er nicht glauben, dass sein Kollege Jim Margolies Selbstmord begangen haben soll. Er glaubt, dass der vorbestrafte Pädophile Darren Rough sich gerächt haben könnte, denn Jim hatte ihn seinerzeit bei der Verhaftung kräftig verprügelt. Deshalb und weil er Pädophile verachtet und für nicht therapierbar hält, verrät er der Zeitung Darrens Adresse. Kurz darauf wird Darren ermordet. Zur gleichen Zeit wird der in den USA verurteilte Mörder Oakes aus dem Gefängnis entlassen und kehrt in seine alte Heimatstadt Edinburgh zurück. Rebus und seine Leute sollen ihn rund um die Uhr bewachen, zum einen, um ihn vor einem Akt der Selbstjustiz zu schützen, zum anderen, um ihn durch diese Belästigung aus der Stadt zu vertreiben. Rebus ist überzeugt, das Oakes nur in die Stadt zurückgekehrt ist, um weitere Morde zu begehen. Privat bittet ihn seine alte Schulfreundin nach ihrem vermissten neunzehnjährigen Sohn Damon zu suchen.


    Kritik
    In seinem zehnten Fall wird Rebus von verschiedenen privaten und beruflichen Problemen herausgefordert, an denen er beinahe zu scheitern droht. Wegen einer alten Jugendliebe setzt er seine Beziehung zu Patience aufs Spiel, in seinem Zynismus und aus seinen Vorurteilen heraus überschreitet er eine Grenze und bringt willentlich einen Menschen in Gefahr, darüberhinaus begeht er den Fehler, einen Serienmörder zu unterschätzen. Der mürrische, arrogante und mitunter romantische Rebus gerät ziemlich ins Schleudern, zumal die verschiedenen Fälle irgendwie alle miteinander verknotet scheinen – und dann doch wieder nicht. Am Ende gelingt es Rebus natürlich, das Geflecht zu entwirren. Ein cleverer und geschickt konstruierter Roman, temporeich erzählt mit raffiniertem Spannungsaufbau und ausgefeilten Charakteren, unterhaltsam und anspruchsvoll zugleich.

    Inhalt
    England im ländlichen Dorset: Im Abstand von nur zwei Tagen werden ein zwölfjähriger Metzgersohn und ein zehnjähriger Chorknabe erstochen. Inspector Jury von Scotland Yard soll den zuständigen Detective Chief Superintendent Macalvie bei den Ermittlungen unterstützen, der ihn darüber unterrichtet, dass nur wenige Tage zuvor ein gewisser Sam Waterhouse aus dem Gefängnis entlassen wurde, nachdem er neunzehn Jahre vorher wegen Mordes an seiner Geliebten Rose Mulvanney für schuldig befunden worden war. Wenig später wird in Lyme Regis die Leiche eines Mädchens gefunden. Macalvie hat ihn jedoch immer für unschuldig gehalten und glaubt, Roses Mörder läuft noch frei herum. Wenig später wird in Lyme Regis ein kleines Mädchen ermordet. Die Spur führt zu der mysteriösen Fotografin Molly, die ein Cottage an der Küste bewohnt, bei der es sich Mary Mulvanney handeln könnte, Roses älteste Tochter. Jury stochert im Nebel, der sich erst zu lichten beginnt, als die kleine Jessica Ashcroft, Waisenkind und Erbin von Ashcroft Hall und etlichen Millionen Pfund, ihren Onkel und Vormund Robert als vermisst meldet.


    Kritik
    Ein spannender, teils sehr amüsanter Rätselkrimi in klassischer Manier mit einigen wirklich sehr merkwürdigen Leuten, einem ausgefeilten Spiel mit falschen Identitäten und einer überraschenden, gleichwohl logischen Lösung. Besonders hat mir die kleine Jessica mit ihrer Vorliebe für Autos gefallen, die selbst einen Mini hat – aber natürlich nicht fährt -, bevorzugt im kleinen Blaumann herumläuft und mit ihrem Schraubenschlüssel an allem herumhantiert. Die literarischen Anspielungen (so auf Charlotte Brontës Jane Eyre, Jane Austens Pursuasion, Henry James’ The Turning of the Screw, Arthur Conan Doyles The Hound of the Baskervilles, Daphne Du Mauriers Rebecca) sind zahlreich und dezent, eine bringt Jury schließlich auf die zündende Idee (Thomas Hardys Tess of the D’Urbervilles).
    Was mir auffiel: Jessicas Vater trug unter anderem den Titel Viscount Linley, Jurys Freund Melrose Plant ist der achte Earl of Caverness. Kombiniert man beides und nimmt man ein paar kleine Änderungen vor, hat man: Thomas Lynley, der achte Earl of Asherton. Die Ashcrofts hatten ein Haus am Eaton Place, Lynleys Adresse lautet Eaton Terrace, gleich nebenan (Eaton Place wäre zu demonstrativ gewesen, wie es bei George heißt). Die Originalausgabe von Inspektor Jury erschien 1985 (unter dem Titel Help the Poor Struggler), der erste Lynley-Roman von Elizabeth George 1988 (A Great Deliverance). Zufall oder ließ sich George von Grimes zu dem Namen inspirieren?

    Der Ich-Erzähler und Protagonist Dr. David Hunter war der beste forensische Anthropologe des Landes, bis ein traumatisches Ereignis ihn dazu veranlasste, London zu verlassen und als praktischer Arzt in das abgelegene Nest Manham in Norfolk zu gehen. Nach drei Jahren ist er dort immer noch ein Außenseiter. Niemandem hat er von seiner beruflichen Vergangenheit erzählt, nicht einmal seinem Partner, dem alten Dr. Henry Maitland, der nach einem Unfall, bei dem seine Frau zu Tode kam, an den Rollstuhl gefesselt ist. Als eines Tages zwei Jungen aus dem Dorf am Waldrand die halbverweste Leiche einer Frau finden, wird Hunter von dem ermittelnden Inspector hinzugezogen. Widerwillig hilft er bei der Identifizierung der aus London zugereisten Schriftstellerin, die er persönlich kannte, sowie der Bestimmung der Todeszeit. Damit soll für ihn die Angelegenheit erledigt sein, aber dann verschwindet eine zweite Frau, die aus dem Ort stammt, und im Wald wird die skelettierte Leiche eines jungen Mannes ausgegraben. Obwohl die Polizei alles tut, um den Täter zu fassen, findet sie keine Spur und keinen Zeugen. Die Bewohner von Manham beginnen sich gegenseitig zu verdächtigen, und eine Hexenjagd auf die Außenseiter beginnt.


    Der düstere, atmosphärisch dichte, präzise kalkulierte Roman spielt unter Vermeidung von Klischees geschickt mit der Täterfrage und der Wirkungsdynamik eines Verbrechens auf ein kleines Dorf, in dem jeder jeden zu kennen meint. Der von Beckett angeschlagene Ton ist verhalten, die Ausführungen über die forensische Arbeit sind nicht ausufernd, sondern reichen aus, um die Argumente gut nachvollziehbar zu machen. Das Ende wirkt in seiner actionreichen, schematischen Verflachung allerdings kontrapunktisch.

    Zitat

    Original von Nightflower
    Wenns einer aus dem Dorf ist, frage ich mich: warum fängt der jetzt gerade damit an?


    Hallo Nightflower,


    das ist natürlich eine interessante Frage, die ich mir beim Lesen auch gestellt habe. Nur soviel (ohne zu spoilern): am Ende wird es nachvollziehbar geklärt und ist deshalb zum Glück kein Kritikpunkt.. :wave


    Mir geht es ebenso. Es ist sehr realistisch, wie ich aus meiner Kindheit und Jugend auf dem Dorf weiß.

    Zitat

    Original von Babyjane
    @ Pazuzu
    Da bewege ich mich jetzt auf sehr dünnem Eis, weil auch nicht wirklich mein Fachgebiet, aber ich meine daß Chloroform sich relativ schnell verflüchtigt und im Körper abgebaut wird.
    Da der Täter die Frauen ja auch nicht sofort nach der Betäubung tötet, sondern noch einige Tage ja am Leben läßt, muß man diese Betäubungsmittel nicht zwingen noch finden... (aber sicher bin ich da nicht, das ist mein gefährliches Halbwissen, daß jetzt grad durchkommt)


    Ich glaube, Du hast recht. Zumal das Chloroform ja nur inhaliert wurde.

    Zitat

    Original von bibliocat
    Wobei Jenny ja auch ein Geheimnis zu haben scheint... Hunter als Ortsfremder als Verdächtigter - auch keine große Überraschung.
    Der Pfarrer wird mir immer unsympathischer (deshalb ist er sicher nicht der Täter :chen), Henry? oder Ben? :gruebel


    Hunter ist in erster Linie ein Verdächtiger, weil er mit der Polizei zusammenarbeitet. Dies fehlinterpretieren die Dorfbewohner.

    Zu meiner Überraschung wird Ben verhaftet, den ich nie auf der Verdächtigenliste hatte. Hunters Lage wird dadurch noch dramatischer, weil die Polizei sich nun auf Ben konzentriert, statt auf die Suche nach dem wahren Täter. Die Bitte an den Pfarrer, der gemeinsame Besuch bei Brenner etc. sind Akte reiner Verzweiflung; auch Hunters Fixierung auf Carl, dessen Alibi er erschüttert und dessen mögliches Versteck für die Opfer er entdeckt zu haben meint. Gut konstruiert, beschrieben und nachvollziehbar.

    Nachdem es keine verwertbaren Hinweise auf den Täter gibt, kann seine Entdeckung nur Zufall sein, es sei denn, er würde sich selbst verraten. Zufall war’s dann ja auch. Die Idee mit dem überraschenden Hausbesuch bei George Mason ist zwar eine Lösung, hat mich aber nicht ganz überzeugt. An der Stelle habe ich mich gefragt, ob ich Hunters Verhalten verstehen kann. Gut, er will sich ablenken und unbedingt irgendetwas tun. Aber er läuft damit Gefahr, telefonisch nicht mehr erreichbar zu sein und im Zweifelsfall eben nicht sofort zu erfahren, ob Jenny gefunden wird und noch lebt.


    Der Täter war für mich eine Überraschung. Tatsächlich taucht er immer mal wieder auf in seiner Gärtnerfunktion, aber er wirkt … unauffällig. Wusste ich’s doch: der am wenigsten Verdächtige ist der Täter. Handfeste Hinweise auf ihn oder Henry als Täter habe ich im Buch nicht gefunden. Jemand anders vielleicht?


    Die letzten siebzig, achtzig Seiten (Jennys Rettung) sind schematisch und vorhersehbar, fast als habe Beckett beim Schreiben nach Hollywood geschielt. Viel Action, die große Psycho-Beichte, der Protagonist und seine neue Liebe durchlaufen beide einen Heilungsprozess … zu reißerisch, zu trivial, aber egal, die ersten ca. 350 Seiten waren phänomenal. :-)

    Im dritten Teil wird der Ton noch düsterer und verhängnisvoller. Beckett führt den Leser (zumindest mich) in die Irre, indem er suggeriert, Tina sei das nächste Opfer.


    Die Idee ist interessant, dass die Versehrungen nicht auf den Täter, sondern die Opfer verweisen. Wieder eine Hoffnung, sich dem Täter auf diese Weise zu nähern, verloren. Es gefällt mir, dass es keine Spuren (nur zwei Messer Bitumen), Hinweise und Zeugen gibt.


    Durch den Einbruch in der Praxis wird klar, was genau der Täter verwendet, um seine Opfer zu betäuben (dieses Vorgehen wird bereits auf S. 88 beim Überfall auf Lyn erwähnt), und woher er das Chloroform bezieht. Hätte man Überreste nicht eventuell bei der Autopsie feststellen müssen?


    Nun wird auch mehr aus der Perspektive des Opfers erzählt. Wie man schon vermuten konnte, lebt Jenny noch. Aber sie hat keine Ahnung, wo sie sich befindet. Das Geheimnis um den Täter bleibt also gewahrt. Sie hat gleich zwei lebensgefährliche Probleme: das fehlende Insulin und den Mörder. Ich habe nicht den Eindruck, dass ihre Fluchtchancen gut sind. Vor ihr haben es Sally und Lyn versucht und es nicht geschafft, und beide waren in körperlich besserer Verfassung als sie.

    Zitat

    Original von bleeding
    Von welcher herrischen Mutter sprecht ihr denn? Linda? Ich fand sie überhaupt nicht herrisch...


    Mit der herrischen Mutter ist Judith Sutton gemeint (S. 43). Zumindest bezeichnet Hunter sie als solche. Ob die Charakterisierung stimmt, kann der Leser aber nicht beurteilen.

    Die Hexenjagd im Dorf hat begonnen. Das ist Klischee, aber wie Beckett das schildert, gefällt mir und ist nachvollziehbar. Zuerst wird sie nur angedeutet, dann steigert sich die Bedrohung zunehmend. Nun ist nicht mehr nur der Mörder eine Gefahr für das Dorf, sondern die Dorfbewohner selbst werden zu einer. Das kann sich noch steigern. Der Pfarrer erinnert mich in seiner perfiden Bigotterie an die furchtbare Frau in Der Nebel von Stephen King, die eine Notsituation ausnutzt und den Glauben für ihre Zwecke mißbraucht.


    Die Suche nach Lyn gestaltet sich wegen der vom Entführer aufgestellten Fallen als problematisch. Das ist clever gemacht von dem Täter und eine gute Idee von Beckett, bindet den Raum (die Broads in Norfolk) sehr schön ein. Der aus Lyns Perspektive erzählte (eine Abweichung von der Ich-Form) Abschnitt lässt nichts Gutes ahnen. Der Täter wird nicht beschrieben. Könnte ein Mann oder eine Frau sein. Er (generisches Neutrum) raucht und hat einen ganz speziellen Musikgeschmack.


    Im Wald wird eine skelettierte männliche Leiche ausgegraben, die von Spürhunden entdeckt wurde. Ob eine Verbindung zu den aktuellen Fällen besteht? Möglich wäre es, aber es gibt noch zu wenig Informationen. Beckett hält ganz geschickt die Spannung aufrecht, indem er diesen Strang erstmal wieder beiseitelegt. Merkwürdig nur, dass das Dorf nichts von dem Verschwinden des Doktoranden gewusst hat. Jemand - zumindest sein Doktorvater - muss ihn doch als vermisst gemeldet und Manham als seinen letzten Aufenthaltsort angegeben haben. Dort wurde er auch zuletzt gesehen. Oder wurde er nach seiner Abreise aufgegriffen und nach Manham zurückgebracht?


    Wird eigentlich irgendwo der Name der nächsten Stadt erwähnt?



    Bei Krimis frage ich mich meistens, ob man den Täter nicht schon früh im Buch kennenlernt. Bei Beckett hatte ich auch diesen Gedanken. Der alte Arzt, Hunter selbst, das Muttersöhnchen ... irgendwann merkt man, dass man fast jeden verdächtigt. Henry, den alten Arzt, habe ich dann ausgeschlossen, weil der Mörder das Opfer transportieren muss, er aber keinen Wagen mehr besitzt. Außerdem ist das Gelände um Manham doch recht schwierig und mit Rollstuhl nicht zu bewältigen. Könnte und würde er laufen, wäre die Gefahr der Entdeckung zu groß. Einer aus dem Dorf könnte ihn leicht durch die Botanik laufen sehen. Das gäbe Gesprächsstoff in dem Kaff. Die Leiche ist weit abseits der Straße gefunden worden... Hunter kam mir wegen seiner Geheimniskrämerei in den Sinn. Nur weil er der Erzähler und scheinbar ahnungslos ist, ist er als Mörder nicht auszuschließen; siehe Alibi von Agatha Christie, wo eben der Mörder der Ich-Erzähler (und auch Arzt) ist und alles ausspart, was ihn belasten oder verdächtig mache könnte. Yates, der Vater der beiden Jungen, die die erste Leiche finden, habe ich gleich ausgeschlossen, weil er ein Brutalo-Typ ist.

    Hallo,


    dies ist meine erste Leserunde und auch mein erster Simon-Beckett-Roman. Das Buch erinnert mich atmosphärisch an Hakan Nesser, unspektakulär und leise mit guten Charakterzeichnungen und einer untergründigen Spannung. Die wird gleich zu Anfang aufgebaut durch die Figur Hunter, der ein Geheimnis hütet. Aber es wird nicht gleich verraten, ob ihm etwas Schlimmes zugestoßen ist oder er selbst etwas Schlimmes getan hat, weshalb ich ihn als möglichen Täter nicht ausgeschlossen habe (gut für mich, die ich den Klappentext nicht gelesen habe!). Die Spannung verlagert sich dann auf den Fall. Die düstere Atmosphäre wird verstärkt durch die einzelnen Sätze, die eigene Absätze bilden und einen Sachverhalt knapp und präzise zusammenfassen, etwas Drohendes oder Schlimmes antizipieren (z.B.: Vor Ende des Tages sollte sich das ändern) oder vage zurückblicken.


    Ungewöhnlich finde ich die Verwendung eines Ich-Erzählers. Das kenne ich sonst nur aus den hard boiled Romanen von Chandler, Hammett usw., heute wird es eher selten verwendet, in Romanen, die in der Tradition dieser Schule stehen, so Hugh Lauries The Gun Seller.


    Wegen der Diskussion um Lyn und ihre vermeintliche Unvernunft habe ich noch Mal zurückgeblättert und tatsächlich ist zu dem Zeitpunkt, als sie zu ihrem Lauf aufbricht, die Identität der Toten nicht bekannt. Auch für den toten Hasen, der erst auf dem Weg liegt und dann verschwunden ist, gibt ihr Beckett eine nachvollziehbare Begründung ein.


    Die forensischen Aspekte werden nicht unötig ausgestellt. Ich bekomme die Infos, die ich zum Nachvollziehen der Argumentation benötige. Ob diese Infos auf Fakten beruhen, kann ich als Laie natürlich nicht beurteilen.


    Bei einem oberflächlichen Vergleich mit der englischen Leseprobe sind mir zwei kleinere Abweichungen aufgefallen.


    Das Buch gefällt mir von der ersten Seite an, das Lesen macht wirklich Spaß, und mittlerweile bin ich schon auf S. 216.