Beiträge von Dazzled

    Sammlung unverschickter Briefe


    „Ich wollte nur, dass du noch weißt… - Nie verschickte Briefe“ ist kein gewöhnliches Buch. Die Herausgeberin dieses Buches – denn Emily Trunko sammelt nicht verschickte Briefe und veröffentlicht sie anonym über tumblr. Somit kann nicht nachvollzogen werden, von wem genau die Briefe stammen, die als Beitrag in diesem Buch gelandet sind. Lisa Congdon, deren Name ebenfalls auf dem Cover von „Ich wollte nur, dass du noch weißt…“ steht, hat das Sammelwerk illustriert.


    Angefangen hat das Ganze mit einem Blog und der Angewohnheit von Emily Trunko selbst, Briefe zu schreiben, die nie abgeschickt wurden. Der Blog beweist, Emily ist nicht die einzige, die solche Nachrichten geschrieben hat.


    Alleine schon von außen ist das Buch einfach nur wunderschön, bunt, fröhlich, einige der Bunten Kleckse auf dem Cover sind in Metallicfarben gehalten und leicht vertieft im Cover eingelassen. Die ausgewählten Briefe berühren emotional. Da sind Briefe, die von den Schreibern an das eigene Ich adressiert wurden – sowohl an das zukünftige Ich als auch an das jüngere Ich. Da sind Briefe an geliebte Menschen, die ihre Gefühle offenbaren, verpassten Gelegenheiten nachtrauern… Lisa Congdon hat diese Briefe wunderschön in Szene gesetzt. Das Buch lädt definitiv zum Schmökern ein, um immer mal wieder eine oder mehrere der nicht verschickten Nachrichten zu lesen. Ich denke, dass sich „Ich wollte nur, dass du noch weißt“ auch ganz wundervoll als Geschenk eignet. Die liebevolle Gestaltung und die Faszination, die die nicht verschickten Nachrichten ausüben, machen das Buch zu etwas ganz Besonderem.


    Mir jedenfalls hat der Sammelband unglaublich gut gefallen. Die Briefeschreiber gewähren einen Einblick in ihre Emotionen, da geht es um Liebe, unerwiderte Liebe, Liebeskummer und noch so vieles mehr. Ich kann das Buch definitiv empfehlen und vergebe daher 10 von 10 möglichen Eulenpunkten.

    Der Klappentext zu „Ragdoll – Dein letzter Tag“ vom britischen Autor Daniel Cole kündigt bereits an, dass den Leser eine spannungsgeladene Geschichte erwartet. Detective William Oliver Layton-Fawkes ist nach einer Suspendierung wieder in den Dienst zurückgekehrt. Das Londoner Morddezernat und damit auch Detective Layton-Fawkes, von allen nur „Wolf“ genannt, werden zu einem grausigen Leichenfundort beordert: Das Opfer, dass sie am Tatort vorfinden, entpuppt sich als ein aus den Körperteilen von 6 verschiedenen Menschen zusammengesetzter „Körper“. Eine Liste kündigt zudem weitere Morde des Täters an – die Zeit läuft.
    Ragdoll beginnt zuerst einmal mit einem Prolog, der den Leser in die Lage versetzt, zu verstehen, aus welchem Grund Wolf eigentlich suspendiert wurde – und setzt dann nach der Rehabilitierung von Wolf wieder ein. Der Spannungsbogen wird durch den Autor von Beginn an rapide aufgebaut, da die Entdeckung des verstörenden Leichnams nicht lange auf sich warten lässt. Im weiteren Verlauf begleitet der Leser dann Wolf und das Team um ihn herum. Unter anderem nehmen Emily Baxter, Kollegin und Freundin von Wolf und Finlay, Wolfs „Aufpasser“ für die erste Zeit nach seiner Rehabilitierung (und ein guter Freund) an den Ermittlungen zu den sogenannten „Ragdoll-Morden“ teil. Die Beziehung zwischen Wolf und Baxter ist herzlich, wenn auch kompliziert. Daniel Cole inszeniert nicht nur einen spannenden, spektakulären und schockierenden Kriminalfall, sondern lässt seine Leser auch an dem Beziehungsgeflecht und dem Innenleben seiner Charaktere in einem Maße teilhaben, dass sie einem ans Herz wachsen. Das ist ein Team von Ermittler, ja, aber das sind auch Menschen, die sich schon eine ganze Weile kennen und denen etwas aneinander liegt; es sind Menschen mit guten Eigenschaften und Fehlern, was sie real erscheinen lässt und es einem ermöglicht, sie und ihre Beweggründe zu verstehen.
    Meiner Meinung nach hält der Autor den Spannungsbogen durch Wendungen und das Auftauchen neuer Informationen im Verlauf der Handlung durchweg aufrecht. Ich jedenfalls habe beim Lesen regelmäßig unweigerlich den Atem angehalten.
    Zusammenfassend kann ich sagen: „Ragdoll“ von Daniel Cole ist einer der besten Thriller, die ich in letzter Zeit gelesen habe und erhält daher von mir eine definitive Leseempfehlung und 10 von 10 möglichen Eulenpunkten.

    Zufall oder Schicksal?


    In „The Sun is also a Star – Ein einziger Tag für die Liebe” erzählt die Autorin Nicola Yoon die Geschichte von Natasha und Daniel, die beide in New York City leben und sich eines Tages zufällig begegnen. Wie der Klappentext bereits verrät, treffen diese beiden zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt aufeinander, denn Natasha soll noch an diesem Abend abgeschoben werden.
    Die Kapitel in „The Sun is also a Star“ werden nicht nur abwechselnd aus Sicht der beiden Hauptpersonen dieser Geschichte (nämlich Natasha und Daniel) erzählt, auch die Menschen, die Natashas und Daniels Weg an diesem Tag auf die eine oder andere Art kreuzen, erhalten ihre eigenen Kapitel. Außerdem werden bestimmte Informationen in Form von Kapiteln in die Geschichte eingebunden. Dies ermöglicht es dem Leser, die Handlung besser einzuordnen und ist definitiv ein geschickter Schachzug von Nicola Yoon. Der Schreibstil der Autorin verleiht dabei sowohl Natasha als auch Daniel eine eigene Stimme. Besonders witzig fand ich die „Schlagzeilen“ mit denen die Kapitel von Daniel hin und wieder eingeleitet werden – dabei verpasst Daniel selbst dem gerade erlebten eigene Headlines, die einen mehr als einmal während der Lektüre von „The Sun is also a Star“ zum Schmunzeln bringen.
    Der Spannungsbogen in „The Sun is also a Star“ wird relativ zügig aufgebaut und wird über die gesamte Handlung hinweg konstant gehalten. Der Roman beschäftigt sich meiner Meinung nach nicht nur mit dem Thema Abschiebung, sondern wirft noch weitere Fragen auf. Unter anderem geht es natürlich um Liebe, aber auch um die mitunter komplizierten Beziehungen innerhalb der Familie, um Hoffnungen und Träume und etliches mehr.
    Dabei driftet der Roman meiner Meinung nach keineswegs ins Kitschige ab, sondern erzählt eine berührende Geschichte.
    In einer Gesamtbewertung komme ich daher auf 10 von 10 Sternen und kann „The Sun is also a Star“ definitiv weiterempfehlen.

    Für Fans von High-End-Fantasy


    „Das Herz der verlorenen Dinge“ von Tad Williams entführt seine Leser wieder einmal in die Welt von Osten-Ard. Und damit kehren wir zurück in die Welt, die einige Leser bereits aus der vorangegangenen Reihe „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ (bestehend aus 4 Bänden) kennen. Zudem stellt der Roman sozusagen einen Brückenschlag zwischen den Vorgängerbüchern und der neuen Reihe von Tad Williams dar; der erste Band „Die Hexenholzkrone“ ist für August 2017 angekündigt.


    Schon das Cover kündigt an, was einen im Inneren an Handlung erwartet – es schreit förmlich: Klassischer Fantasyroman! Und mal ehrlich, das kann Tad Williams echt gut. Ich liebe seine Romane rund um Bobby Dollar, die ja in der modernen Welt angesiedelt sind, aber auch die Rückkehr nach Osten-Ard gelingt ihm tadellos.


    Ein wunderschöner Schreibstil, der für mich absolut stimmig mit dem klassischen Setting des klassischen „High-End-Fantasy“-Genres. Dazu gehört z.B. die respektvolle, mittelalterlich anmutende Ansprache des Herzogs Isgrimnur. Für mich gehören ein klassischer Fantasyroman und die entsprechende Sprache, in der er verfasst ist (z.B. keine moderne Umgangssprache) einfach zusammen. Und Tad Williams schafft das meiner Meinung nach ganz wunderbar.


    Leser, die die Reihe „Das Geheimnis der großen Schwerter“ nicht gelesen haben, haben eventuell am Anfang von „Das Herz der verlorenen Dinge“ ein bisschen Schwierigkeiten, in die Geschichte rein zu kommen und die einzelnen Charaktere zuzuordnen. Das Glossar am Ende des Romans dürfte dabei allerdings weiterhelfen und hat es auch für mich leichter gemacht, die Erinnerung aufzufrischen, da die Lektüre der Vorgängerbücher für mich doch schon eine Weile zurückliegt.
    Im Gesamteindruck hat Tad Williams mit „Das Herz der verlorenen Dinge“ einen soliden Fantasyroman abgeliefert, der mich definitiv neugierig auf „Die Hexenholzkrone“ gemacht hat, sodass ich dem Erscheinungstermin nun entgegenfiebere. Ich vergebe daher 10 von 10 Eulenpunkten für „Das Herz der verlorenen Dinge“.

    Londoner Mordkommission auf der Jagd nach Monster


    Ein verschwundener Polizist, ein Mädchen in einem Grab und unendlich viele Fragen, auf die Jane Bennett und ihr Vorgesetzter DI Lockyer Antworten finden müssen. So beginnt „Kein Sterbensort“ von Clare Donoghue und damit beginnt der Thriller schon einmal extrem spannend. Zudem sind die beiden scheinbar nicht zusammenhängenden Fälle vielleicht gar nicht so unzusammenhängend wie es auf den ersten Blick erscheint.
    Die Autorin hat den Thriller hinsichtlich der Dramaturgie meiner Meinung nach sehr geschickt aufgebaut. Neben der Sichtweise von Jane Bennett und ihren ermittelnden Kollegen erfährt man als Leser auch immer wieder einige Eindrücke aus Sicht der Opfer. Und dieser Perspektivenwechsel trägt dazu bei, den Spannungsbogen aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Mit Lockyer und Bennett hat Clare Donoghue zudem zwei Charaktere geschaffen, die mehrdimensional und mal mehr, mal weniger sympathisch sind. Wobei Jane zu Beginn des Thrillers deutlich besser weg kommt als ihr Vorgesetzter, der doch das eine oder andere zwischenmenschliche sprichwörtliche Fettnäpfen mitnimmt, wo immer er kann. Die Charaktere gewähren allerdings beide Einblicke in ihr Familienleben und ihr Inneres, sodass man unweigerlich Sympathien aufbaut und hofft, dass auch außerhalb des Falles alles gut geht für diese beiden Menschen.
    Clare Donoghue gelingt es, durch einige geschickte Wendungen, den Spannungsbogen bis zum Ende des Thrillers aufrecht zu erhalten.
    Was mich allerdings gestört hat bzw. das Leseerlebnis geschmälert hat, war der teilweise etwas gewöhnungsbedürftige Schreibstil. Manche Formulierungen wirkten gestelzt, extrem förmlich oder schlicht irritierend beim Lesen. Das mag aber eventuell an der Übersetzung liegen. Beispielsweise wird das Wort „dies“ sehr häufig verwendet und das meinem Empfinden nach in Sätzen, in denen man „dies“ nicht unbedingt die erste Wahl für eine Formulierung wäre. Allerdings reichen diese kleinen Irritationen nicht aus, um „Kein Sterbensort“ von Clare Donoghue nicht weiterzuempfehlen.
    Ich komme in einem Gesamturteil auf 8 von 10 Punkten, der Abzug von zwei Punkten bezieht sich auf den o.g. Sachverhalt der für mich irritierenden Formulierungen, die aber vermutlich der Übersetzung geschuldet sein dürften.

    Packende Suche nach der Wahrheit


    „Das Buch der Spiegel“ von E. O. Chirovici hat mich von Anfang an fasziniert und gefesselt. Es erzählt die Geschichte rund um den Studenten Richard Flynn, Laura Baines und einen anerkannten Professor der Psychologie, der in den 80er Jahren ermordet wurde. Dabei bedient sich Chirovici zuerst einmal verschiedener Ansätze, um dem Leser diese Geschichte zu erzählen – angefangen, mit einem Manuskriptauszug aus der Feder von Richard Flynn, der die Ereignisse aus der gegenwärtigen Perspektive rückblickend betrachtet und für sich einordnet.
    Dass die Handlung quasi durch ein „Buch“ (Manuskript) in einem Buch beginnt, war für mich dabei besonders spannend.


    Weitere Akteure sind unter anderem der Literaturagent, dem dieses Manuskript zugegangen ist, ein ehemaliger Reporter und ein Detective im Ruhestand, der an der damaligen Mordermittlung beteiligt war. Stück für Stück werden die Ereignisse von damals offen gelegt, wobei es dem Autor durch spannende Wendungen und neue Informationen gelingt, den Spannungsbogen durchgängig aufrecht zu erhalten.


    Die einzelnen Bruchstücke setzen sich erst zum Ende hin zu einem Gesamtbild zusammen – in der Zwischenzeit beleuchtet der Autor authentisch aus verschiedenen Blickwinkeln und den Ansätzen, die die „ermittelnden“ Personen verfolgen, die Geschichte und das Beziehungsgeflecht rund um den Mordfall des Professors.


    Chirovici schafft es in „Das Buch der Spiegel“ auch durch seinen Schreibstil, der durchgängig flüssig ist und durch die spannende Erzählweise zum Weiterlesen verleitet, dass die Lektüre ein spannendes Erlebnis ist. Der Leser geht zusammen mit den oben erwähnten Akteuren auf Spurensuche, wobei nicht alle aufgedeckten Informationen sofort ein stimmiges Bild ergeben und durchaus Raum für eigene Bewertungen der in Erfahrung gebrachten Informationen verbleibt.

    Schockierender historischer Kriminalroman


    Wo fange ich nur an? Zuerst einmal hat es der Autor, Graeme Macrae Burnet, allein durch den Aufbau seines Romans „Sein blutiges Projekt – Der Fall Roderick Macrae“ geschafft, dass die Geschichte von Roderick aus sehr vielen Blickwinkeln betrachtet wird. Zum einen sind das die Zeugenaussagen der Bewohner von Rodericks Heimatort, dann sein eigener Bericht der Ereignisse und schließlich die Zusammenfassung des Prozesses und die Presseberichte der damaligen Zeit.
    Durch diesen Aufbau gelingt es Graeme Macrae Burnet eindeutig, einen Spannungsbogen aufzubauen, der bis zum Schluss des Romans erhalten bleibt. Es werden Fragen aufgeworfen, verschiedene Meinungen und Einschätzungen werden vorgebracht…
    Erzählt wird die Geschichte von Roderick Macrae, der in einem kleinen Dorf in Schottland ein Leben als Crofter führt und schreckliche Verbrechen in seinem Heimatort begangen hat: Roderick Macrae hat drei Menschen auf dem Gewissen.
    Und während man sich als Leser bemüht, auch nur ansatzweise zu begreifen, was genau Roderick zu diesem Punkt in seinem Leben gebracht hat und was seine eigentlichen Beweggründe für diese abscheulichen Morde waren, kann man den Roman kaum noch aus der Hand legen. Man ist, genau wie das Gericht, auf der Suche nach einer Erklärung für Rodericks Taten…
    Zusammenfassend kann ich eigentlich nur sagen, dass „Sein blutiges Projekt“ schockiert, spannend und hochdramatisch ist, den Leser aber auch fordert, sich selbst mit den verschiedenen Schilderungen auseinander zu setzen und ihnen einen Wahrheitsgehalt beizumessen. Dabei nimmt der größte Teil des Romans Rodericks eigene Schilderung seines bisherigen Lebens in Culduie, dem Dorf, in dem er geboren wurde, ein.
    Dabei schafft es Graeme Macrae Burnet, Roderick in dieser Erzählung eine eigene Stimme zu geben und die Erlebnisse tatsächlich gänzlich aus Rodericks persönlicher Sicht zu schildern.
    Insgesamt ist „Sein blutiges Projekt“ ein spannender Roman, der nicht zuletzt durch die schockierende Geschichte und den doch recht ungewöhnlichen Aufbau hervorsticht.

    Gilly Macmillan schafft es mit ihrem Thriller „Perfect Girl – Nur du kennst die Wahrheit“ von Anfang an, den Leser direkt in die Handlung hinein zu ziehen. Aus verschiedenen Perspektiven entfaltet sich abwechselnd die Vergangenheit und Gegenwart von Zoey Maisey und ihrer Familie. Nicht nur Zoey‘s Vergangenheit ist von dramatischen Ereignissen geprägt, sondern auch ihre Gegenwart wird durch den tragischen Verlust ihrer Mutter schwer erschüttert.
    Was ist geschehen, in jener Nacht? Und was ist damals, in jener Nacht vor drei Jahren wirklich geschehen, in der die drei Jugendlichen durch Zoey’s Schuld starben?
    Die Autorin schafft es, durch die Perspektivenwechsel gekonnt einen Spannungsbogen aufzubauen und die Handlung aus den verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Dadurch lernt man als Leser nicht nur die Charaktere und ihre Beweggründe besser kennen, sondern identifiziert sich relativ schnell auch mit allen „Erzählern“ dieser Geschichte. Und Stück für Stück erhält man einen Blick hinter die Kulissen der perfekten Vorzeigefamilie. Im Verlauf der Handlung erhält man neben den Informationen zum aktuellen Geschehen auch immer wieder Einblicke in die Zeit vor Zoey’s Aufenthalt im Jugendvollzug und natürlich auch in die Erlebnisse während ihres Aufenthalts im Jugendarrest.
    Während die Autorin die einzelnen Protagonisten zu Wort kommen lässt, schafft sie es durchgängig, deren Perspektive zu wahren und zeichnet detaillierte Bilder von Menschen, mit ihren Vorzügen, Fehlern und Zweifeln, die sie ausmachen.
    Gilly Macmillans Roman lässt jedoch auch einige offene Fragen zurück. Bis zum Schluss hat mich der Thriller in Atem gehalten.

    "Das Spiel von Liebe und Tod" von Martha Brockenbrough ist ein Jugendbuch, indem es, wie der Titel bereits andeutet, um ein Spiel zwischen Liebe und Tod geht. Sie wählen in ihrem aktuellen Spiel ihre "Spieler" aus, in diesem Fall Henry und Flora, und wetten auf den Ausgang ihres Spiels. Das fasst es zwar sehr kurz und bündig zusammen, aber darauf läuft es hinaus.


    Henry und Flora sind beide sehr sympathische Charaktere, die ich sehr schnell ins Herz geschlossen hatte. Auch Liebe, der zu meiner Überraschung ein Mann war, während Tod eine Frau ist, fand ich sehr interessant. Er mischt sich, genau wie Tod, in das Spiel ein und hat ich mit manchen Aktionen überrascht, ebenso wie Tod, die auf der einen Seite so grausam sein kann, auf der anderen Seite dann aber daran festhalten will, dass Liebe sich nicht ihrer Methoden bedienen sollte und auch weiche Seiten offenbart.


    Flora und Henry sind zwei Spieler, die es, aufgrund der Zeit, in der die Geschichte spielt (im Amerika der 30er) und aufgrund ihrer unterschiedlichen Hautfarben, nicht leicht haben. Insbesondere Flora hat sehr damit zu kämpfen, sich auf diese Liebe einzulassen, da sie sich bewusst ist, wie vielen Widerständen sie gegenübersteht.


    Martha Brockebrough hat ein wunderschönes Buch geschrieben, in der die Motive von Tod nicht immer durchschaubar sind. Zudem bleiben einige Fragen offen, was ich allerdings nicht so schlimm finde. Der Schreibstil, in dem die Handlung verfasst wurde, gefällt mir übrigens auch sehr gut. Nicht zu modern, sodass man das Gefühl hat, Martha Brockenbrough hat sich auch dabei Gedanken darüber gemacht, die damalige Zeit in der Ausdrucksweise ihrer Charaktere und ihren eigenen Beschreibungen und Formulierungen zum Ausdruck zu bringen.


    Ich vergebe 9 von 10 Eulenpunkten für diesen Roman und bedanke mich an dieser Stelle noch einmal bei Wolke und dem Verlag, da ich das Buch im Rahmen einer Leserunde hier im Forum lesen durfte.

    Ich fand das Happy End für Flora und Henry dann doch sehr schön, Tod und Liebe kommen überein, den beiden ein langes, gemeinsames Leben zu gönnen.


    Im letzten Augenblick, und eigentlich zu spät, um das Spiel zu gewinnen, hat sich Flora glücklicherweise doch noch für Henry entschieden. Bei der Flugszene hatte ich arge Zweifel, ob die Geschichte gut ausgehen würde...

    Das Spiel wird von beiden Gegenspielern erbittert geführt. Es läuft so langsam wirklich darauf hinaus, dass sich Flora und Henry entscheiden müssen, nachdem sie nun ja mehr oder weniger alles verloren haben, was vorher zu ihrem Leben gehört hat...


    Ich bin gespannt, wie es ausgeht.

    Irgendwie war die Sterbeszene von Nana für mich die traurigste Szene dieses Abschnitts. Wie die alte Dame eigentlich auf den Tod gewartet hat und nur noch ihren Quilt beenden wollte... den dann Tod fertig gestellt hat.


    Auch diese Idee, mit dem kleinen Herzen in jedem Stück, dass sie genäht hat, finde ich sehr süß.


    Henry und Flora kommen sich langsam näher, aber noch wehrt sich Flora gegen eine Beziehung mit Henry.

    Liebe versucht sich an der Nutzung von Tods Methoden, um seine Gewinnchancen in diesem Spiel zu erhöhen und Tod wird richtig wütend. Das hat mich irgendwie ein bisschen verwirrt, so als ob Tod insgeheim hofft, dass sie besiegt wird und zwar auf die Art und Weise, die Liebe sonst walten lässt.


    Vielleicht erfahren wir ja noch ein bisschen mehr über die vorherigen Runden des Spiels? Interessant wäre das auf jeden Fall.

    Zitat

    Original von sanja77
    Ich bin sehr gut in die Geschichte hineingekommen. Der Anfang gefiel mir sehr. Tod und Liebe als Widersacher in einem Spiel, allein die Grundidee sagte mir sofort zu. Doch auch ich habe immer Probleme, weil ich mir die Liebe weiblich und den Tod männlich vorstelle :lache


    Den Schauplatz finde ich äußerst gut gewählt. Ich mag Geschichten, die in dieser Zeit spielen und Erzählungen rund um das Thema "Schwarz" und "Weiß". Allein das birgt schon unglaublich viel Potential.


    Die beide Protagonisten sind mir sehr sympathisch und bereits ans Herz gewachsen, doch ich komme auch nicht umhin "Tod" zu bewundern. All das Elend und dann hat sie manchmal doch noch ein Herz? Ich meine, die Episode mit dem Blumenmann in Spanien.


    Ich war auch irgendwie davon ausgegangen, dass Tod männlich und Liebe weiblich ist - die Wahl der Autorin hat mich dann doch überrascht, aber irgendwie passt es. So ganz komme ich noch nicht dahinter, was Tod antreibt. Denn auf der einen Seite kommt sie relativ grausam daher und auf der anderen Seite scheint sie unter ihrer Rolle/Bestimmung zu leiden.