Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht - Erstes Buch: Fakten und Mythen

  • Da wir für eine offizielle Leserunde nicht genügend Teilnehmer haben, tauschen wir uns hier über das erste Buch von Beauvoirs Klassiker des Feminismus aus. "Das andere Geschlecht" erschien zuerst 1949 und untersucht die Stellung der Frau in der Gesellschaft unter vielen Aspekten.

    Zur Einleitung:


    Beauvoir beginnt, indem sie die Unterschiede zwischen dem Anders einer Gruppe, z.B. den Juden oder "Schwarzen", gegenüber den "Weißen" definiert im Unterschied zu dem anderen, weiblichen Geschlecht, das eine unterschiedliche Wertigkeit hat. Während sich die Männer der oben genannten Gruppen unter sich selbst als das "Eine" setzen können und damit zum Subjekt werden, ist dies der Frau bisher nicht möglich, weil sich 1. alle Männer - auch die der anderen Gruppen - darüber definieren, dass sie das eine und einzige vollkommen Menschliche sind, 2. weil die von den Männern gesetzte Andersartigkeit der Frau innerhalb des Menschseins von Anbeginn existiert, also keiner historischen Phase zugehört und daher nicht mit der Perspektive auf Befreiung gesehen werden kann, 3. weil sich die Frauen je nach Klassen-, Gruppen- und Familienzugehörigkeit in einer Art Symbiose mit den Männern befinden, obwohl diese die Macht haben und die Frauen sich daher nicht untereinander solidarisieren.

    Sie will die Frage ergründen, wie es zu dieser jahrzehntausende langen Unterjochung kam und warum sich die Frauen, obwohl sie die Hälfte der Menschheit umfassen, nie dagegen gewehrt haben.

    Ich habe vorher - zu meiner Schande sei es gesagt - noch nie ein feministisches Werk außerhalb der Belletristik gelesen und finde Beauvoirs Ansatz bisher sehr erhellend und gar nicht zopfig. Natürlich sind wir heute weiter als zur Mitte des letzten Jahrhunderts, aber gerade jetzt gibt es wieder Rückschritte, weil viele Männer im Zuge der Chauvinisierung von Politik und Gesellschaft zu der von Beauvoir geschilderten Einstellung der Annahme von sich als des Einen zurückkehren (falls sie sie jemals überwunden haben sollten).

  • Gute Idee

    !




    Vor allem habe ich "den Anderen" bei Levinas eigentlich immer als etwas Wichtiges und Positives empfunden und so scheint Beauvoir das nicht zu sehen. Vermutlich brauchen wir dafür eine Philosophin, um das zu erklären.


    "Das andere Geschlecht" wurde 1949 zum ersten Mal veröffentlicht. Ich bemühe mich, daran zu denken, denn unsere Wirklichkeit weicht gewaltig von der Beauvoirs ab.


    Einige von ihren Zitaten zum Wesen der Frau im Einleitungskapitel kannte ich schon und auch noch einige Schlimmere.

  • Inzwischen habe ich einen Teil des ersten Kapitels über die biologischen Voraussetzungen gelesen. Wenn man nicht Biologie studiert hat, ist ein begleitendes Fremdwörterbuch, falls man nicht sowieso elektronisch liest, sehr hilfreich. So sehr veraltet, wie ich zuerst dachte, sind die Ausführungen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts gar nicht. Die Genetik steckte noch in ihren Kinderschuhen, aber Beauvoir kannte schon die Chromosomen und kommt mithilfe der Mendelschen Gesetze zu ähnlichen Aussagen, wie man sie wohl heute mithilfe der Genetik träfe, nachdem Watson/Crick 1953 die Doppelhelix entdeckt hatten.

    Beauvoir führt zunächst aus, dass die zweigeschlechtliche Fortpflanzung nur ein Modell unter mehreren Fortpflanzungsarten in der lebenden Natur ist. Sodann erklärt sie, dass - entgegengesetzt zur männlichen Ideologie - das Ei zwar der empfangende, statische und das Spermium der mobile Teil in der Entstehung des Lebens von Säugetieren ist, dass aber beide Teile gleichberechtigte und von ihrer Konzeption her sogar gleiche Keimzellen beinhalten und beide gleich viele Erbinformationen mitbringen, die zu einem völlig neuen Wesen kombiniert werden. Dabei komme es öfter auch zu hermaphroditischen Ausprägungen, neben der allgemeinen Anlage männlicher Geschlechtsmerkmale bei der Frau (z.B. Klitoris) und weiblicher beim Mann (z.B. Brustwarzen). Damit weist Beauvoir nach, dass die Gegensätze zwischen Mann und Frau gar nicht so scharf, sondern von Natur aus gleitend angelegt sind.

    Das könnte man vielleicht heute für kalten Kaffee halten, aber man hört auch heute noch, und nicht nur bei Männern, öfters heraus, dass die Frau ja für die Empfängnis und das Passive, Häusliche stehe, weil sie ja nun mal die Kinder bekäme und der Mann eher der mobile Arbeitende und Schweifende wäre. Letztlich kann man hier schon eine Ideologisierung einer einseitig verstandenen Vorstellung von Empfängnis, Befruchtung, Begattung sehen. Ich habe eben gerade versucht, ein nicht ideologisiertes Wort für die Entstehung neuen Lebens beim Menschen zu finden, aber es gibt nur solche wie die oben genannten, die eindeutig die Rollen der passiv Empfangenden und des aktiv Begattenden festlegen. Verräterische Sprache!

  • Vielen Dank finsbury für die Eröffnung dieses Fadens und der guten Zusammenfassung der Einleitung.


    Im LR-Vorschlags-Thread hatte ich geschrieben:


    Ich habe schon die Einleitung gelesen.

    Mich stören zunächst die verallgemeinernden und unbegründeten Aussagen. Ich hoffe, die Ausarbeitung in den folgenden Kapiteln bringt einiges an Herleitungen.


    Zu Rumpelstilzchens Beitrag:

    Zitat

    Sehr weit bin ich noch nicht gekommen. Seite 12 habe ich erreicht und muss jetzt erst einmal über die Anmerkung 1 und den Satz von Levinas nachdenken.

    Philosophie ist doch ein schweres Geschäft.

    hatte ich geantwortet:


    :gruebel Ja, darüber kann man schon mal grübeln. (hab's gerade nachgelesen)


    Mich würde interessieren, ob die Männer heutzutage die Frauen immer noch so als fremd und anders empfinden. Viele haben sich doch in den letzten 80 Jahren zumindest bemüht, Frauen als gleichwertig menschliche Wesen anzuerkennen. Oder ist das nur oberflächlich und ihr Befremden geht nun mehr untergründig oder unbewusst weiter?

    Wenn das so ist, könnte das schon eine Erklärung für die allgemeine Verunsicherung bis hin zur Gewalt Frauen gegenüber sein.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


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  • Zu Rumpelstilzchens Bemerkung:

    Zitat

    Ich bin gerade im ersten Kapitel. Schicksal, Seite 37.

    Das Ganze erinnert mich an eine Fortbildungsveranstaltung, bei der wir definieren sollten, was denn eine Frau ist.

    hatte ich geantwortet:



    Ich finde auch, dass die Autorin zu weit ausholt und ihr ganzes biologisches und medizinisches Wissen ausbreitet. Um was zu beweisen? Dass eine Frau ein Weibchen im biologischen Sinne ist? Das ist doch keine Frage, oder?


    Woher weiß sie das eigentlich alles so genau? Hat sie Medizin und Zoologie studiert?

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  • Das könnte man vielleicht heute für kalten Kaffee halten, aber man hört auch heute noch, und nicht nur bei Männern, öfters heraus, dass die Frau ja für die Empfängnis und das Passive, Häusliche stehe, weil sie ja nun mal die Kinder bekäme und der Mann eher der mobile Arbeitende und Schweifende wäre. Letztlich kann man hier schon eine Ideologisierung einer einseitig verstandenen Vorstellung von Empfängnis, Befruchtung, Begattung sehen. Ich habe eben gerade versucht, ein nicht ideologisiertes Wort für die Entstehung neuen Lebens beim Menschen zu finden, aber es gibt nur solche wie die oben genannten, die eindeutig die Rollen der passiv Empfangenden und des aktiv Begattenden festlegen. Verräterische Sprache!


    Natürlich steckt da schon eine Bewertung drin. Sprache ohne Bewertung ist kaum möglich. Wichtig ist, das zu überdenken und transparent zu machen.


    Ich denke gerade über die Passagen auf S. 48 nach. "Die Art wohnt dem Weibchen inne und beansprucht einen großen Teil seines individuellen Lebens; das Männchen hingegen integriert die spezifischen vitalen Kräfte in sein individuelles Leben".


    Natürlich sind diejenigen weiblichen Tiere, die Junge austragen und großziehen stark von diesen Pflichten in Anspruch genommen.

    Sind das männliche Tiere, die regelmäßig der Brunft unterworfen sind und (je nach Tierart) Kämpfe mit teils hohem Verletzungsrisiko um die Weibchen nicht ebenfalls beeinträchtigt?

    Anders, aber die freie Wahl haben sie auch nicht.


    Alles Lebendige wurde durch die Evolution so geprägt, für die Erhaltung der Art zu sorgen und es gibt keine Tiere, die sich den Zwängen des Instinkts und ihres Hormonhaushalts entziehen können.


    Nur Menschen machen da in gewissem Umfang eine Ausnahme und da beginnen die Probleme.



    Interessant fnde ich auch Beauvoirs Angaben zur Sterblichkeit von männlichen und weiblichen Jugendlichen, wonach zwischen dem 14. und 22. Lebensjahr die Sterblichkeit bei Frauen größer ist als bei Männern.


    Ich habe mal nach neuen Informationen gesucht, leider habe ich nur für die Gruppe von 15-45 jährigen Zahlen gefunden, keine weitere Unterteilung.

    Demnach ist es heute in Deutschland genau umgekehrt. Die Sterblichkeit der männlichen Bevölkerung ist deutlich höher. 11.191 zu 5442. Die Zahlen sind von 2016.


    Wie das wohl zu erklären ist?

  • Ich habe mir auch gerade überlegt, ob ich jetzt alles - auch Deine Beiträge - noch hierher kopieren soll. Aber das kannst Du jetzt natürlich auch selber machen, wenn Du möchtest.

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  • So weit bin ich leider noch nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass zu Zeiten des Schreibens von Beauvoirs Buch die Sterblichkeit der Mütter höher war als heute und vielleicht auch die Selbstmordrate junger Mädchen und Frauen, die wegen nicht-ehelichen Geschlechtsverkehrs und seiner möglichen Verfolgung sich gesellschaftlicher und auch familiärer Ächtung ausgeliefert sahen.

    Heute dagegen ist die Selbstmordrate junger Männer sehr viel höher - warum auch immer - und die Risikobereitschaft ist bei Männern ja bekannterweise auch höher und heute sind aufgrund der vielen Möglichkeiten, sich umzubringen, absichtlich und unabsichtlich, die Todesraten in diesem Bereich wohl höher als früher. Auch weil die Adoleszenzphase länger dauert als früher. Da musste Mann in jüngeren Jahren Verantwortung übernehmen.


    Was ihr noch aus dem Vorschlags-Thread übernehmen wollt, bleibt euch überlassen. Es wird sich mit der Reihenfolge von allein einerseits normalisieren, andererseits aber immer ein bisschen durcheinander bleiben, weil wir ja jetzt schon merken, dass wir ein unterschiedliches Lesetempo haben.

  • Interessant fnde ich auch Beauvoirs Angaben zur Sterblichkeit von männlichen und weiblichen Jugendlichen, wonach zwischen dem 14. und 22. Lebensjahr die Sterblichkeit bei Frauen größer ist als bei Männern.

    Wobei sie hier wohl außer Acht gelassen hat, dass junge Männer in ihrer Generation durch die Kriege sicher größerer Sterblichkeit unterworfen waren als junge Frauen.

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  • Ich habe den Eindruck, es wird dadurch eher unübersichtlicher und fände es günstiger, wenn wir einfach die neuen Beiträge hier weiterschreiben.


    Was meint ihr?

    Stimmt eigentlich - aber es geht jetzt sowieso durcheinander. Vielleicht holen wir die Bemerkungen zur Trans- bzw. Homosexualität dann hierher, wenn finsbury auch zu der Stelle gekommen ist.

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  • Zu finsburys Beitrag

    Zitat

    So weit wie ihr bin ich noch nicht, lese wohl auch eine andere, alte Ausgabe von 1961 aus der Reihe "Knaur - Bücher der Welt in der Übersetzung von Eva Rechel-Mertens (Buch 1) und Fritz Montfort (Buch 2).

    Ich schreibe jetzt über die Einleitung, die bei mir bis S. 30 geht.

    wollte ich noch ergänzen:


    Ich lese die ungekürzte Ausgabe veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg, August 1968

    © Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg, 1951

    Die Übersetzungen sind die selben wie oben.


    Bei mir geht die Einleitung bis Seite 22.

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  • An meinem Beitrag #10 kann man sehen, wie bescheuert es doch ist, rumzuschwafeln, wenn man die Textstelle nicht kennt, auf die man sich bezieht :schaem. Entschuldigt daher meine unpassenden Ausführungen. Beauvoir nennt ja die Krankheiten, an denen die Mädchen und jungen Frauen in ihrer Generation noch vermehrt starben. Das ist aber wohl heute nicht mehr der Fall, jedenfalls hört man nichts von ungewöhnlich schweren Krankheiten bei jungen Mädchen und Frauen.
    Wenn man die zweite Hälfte des Biologie-Kapitels liest, kann man sich sowieso fragen, wieso die Evolution der Frau das antut. Beauvoir schildert extrem drastisch die Abhängigkeit der Frau von ihren körperlichen Vorgängen, insbesondere vom "Fluch" des Menstruationszyklus. Danach muss man fast den Eindruck haben, dass es der Frau unmöglich sei, auf die gleiche Entwicklungsstufe wie der Mann zu gelangen, da sie ein Opfer ihrer "Bestimmung" ist. Wenn man sich die Frau im Alltag ansieht, wundert man sich, wie ihr die ganzen Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten überhaupt gelingen können.

    Ich sehe das ähnlich wie du, Rumpelstilzchen (#6), dass auch das Männchen ein Opfer seiner Drüsen ist.I nteressanterweise führt Beauvoir in dem Biologie-Kapitel gar nichts über die Abhängigkeit des Mannes von seinen Hormonen aus. Dass das natürlich erzeugte Aggressionspotential des Mannes die Menschheit in die meisten oder alle ihrer menschenverschlingenden Kriege gestürzt hat und wir gerade heute wieder in vielen Staaten von drüsengesteuerten Flachdenkern regiert werden, sollte einem zu denken geben. Aber ich denke, dass sie auf Kriege und Aggressionen in anderem Zusammenhang sicher noch zu sprechen kommt.

    Am Ende des Biologie-Kapitels betont die Autorin noch einmal deutlich ihren existentialistisch geprägten Ansatz, dass der Mensch nicht ein Opfer seiner biologischen Prägung ist, sondern, dass er sich selbst als Person setzt, mit seinen Voraussetzungen rational umgehen und sie überwinden kann. Achtung und Respekt vor jedem Menschen führen eine Gesellschaft dazu, dass sich alle entwickeln und selbst überwinden können.

    Ich stehe jetzt am Beginn des psychoanalytischen Kapitels, das deutlich leichter zu lesen ist (wie auch schon der zweite Teil des biologischen Kapitels). Die Ausführungen zu Freud und Adler sind interessant, besonders über Adlers Ansatz wusste ich bisher sehr wenig. Freuds Einstellung zur Psyche der Frau zieht einem immer wieder die Schuhe aus, aber auch der Rest seines rein auf sexuellen Annahmen ruhenden Gebäudes ist heute doch recht abstrus. Ich denke, man muss Freud auch als Gegenreaktion auf die Prüderie seiner Zeit sehen. Diese unterdrückte die Kommunikation über Sexualität derartig, dass diese schon für viele zum Trauma werden konnte und daher Freud in seinen Annahmen bestärkte.

    Ich weiß aber immer noch nicht, auf welche Ausführungen Beauvoirs ihr eure Anmerkungen zur Trans- und Homosexualität stützt. Meint ihr vielleicht die Stelle, auf die ich oben auch einging (#3), dass das Geschlecht keineswegs so eindeutig im Menschen angelegt ist, wie früher immer betont wurde?

  • An meinem Beitrag #10 kann man sehen, wie bescheuert es doch ist, rumzuschwafeln, wenn man die Textstelle nicht kennt, auf die man sich bezieht . Entschuldigt daher meine unpassenden Ausführungen.

    :knuddel1 So unpassend habe ich Deinen Beitrag wirklich nicht empfunden - war ja nichts Falsches dabei.


    Auf die Überlegungen zur Transsexualität ist Rumpelstilzchen ganz allgemein bei der Definition der Frau gekommen:

    Zitat

    Was genau eine Frau ist, finde ich heute schwieriger denn je zu definieren. Was ist mit den ganzen Trans-Menschen in den unterschiedlichsten Ausführungen.?

    Da gibt es Menschen, die biologisch beides sind. Menschen, die sich als Mann sehen, biologisch aber Frauen sind oder waren und Kinder geboren haben.

    Ich meine, das Bundesverfassungsgericht hat kürzlich entschieden, dass die Person, die ein Kind geboren hat, dessen Mutter ist. Selbst wenn diese mittlerweile als Mann gilt.

    Meine Antwort darauf:



    Ich fürchte Simone de Beauvoir ist in dieser Hinsicht wenig hilfreich. Transmenschen hätte sie wahrscheinlich als psychisch Verwirrte eingestuft.


    Mich würde mal interessieren, wie die moderne Gender-Forschung ihre Gedankengänge sieht.


    Auf jeden Fall ist heutzutage die Definition, was eine Frau ist, nicht mehr so eindeutig wie damals.



    Daraufhin gab Rumpelstilzchen ihre Meinung:

    Zitat

    Mal sehen, ob sich im Laufe der Lektüre Hinweise dazu finden. Ich vermute aber eher, dass sie da tolerant war.


    In ihrem "Bio-Kapitel" kommt ja immerhin schon der Hinweis vor, dass es Menschen (und Tiere) mit männlichen und weiblichen Geschlechtsteilen gibt.



    Worauf ich mich auf die Textstelle im Kapitel Der psychoanalytische Gesichtspunkt bezog:


    :


    Rumpelstilzchen schrieb:

    Zitat


    Mal sehen, ob sich im Laufe der Lektüre Hinweise dazu finden. Ich vermute aber eher, dass sie da tolerant war.

    Das hat weniger mit Toleranz sondern mehr mit dem damaligen Verständnis zu tun.


    Ich habe meine Vermutung aus ihrer Schlussfolgerung auf Seite 53 abgeleitet:

    >>...; diese Haltung wird dazu führen, daß es später als Frau im klitoralen Stadium steckenbleibt, frigide wird oder sich der Homosexualität zuwendet.<<


    Das steht unter der Seitenüberschrift "Elektra-Komplex" - Hast Du in Deiner Ausgabe auch diese verschiedenen Seitenüberschriften über jeder Seite?

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  • Ich finde diese Verweise zu Arbeiten von Freud und anderen Psychologen schwierig, weil ich deren Werke nicht kenne und somit schlecht nachvollziehen kann, ob Beauvoir sie nur zitiert oder eher in ihrem Sinne interpretiert.

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  • Von Elektra Komplex habe ich bisher nichts gelesen, das hört sich eher nach psychoanalytischen Ideen an. Ich bin da wohl noch nicht.

    Interessant, dass Beauvoir das überhaupt anführt, ist es doch eine typisch männliche Sicht auf Formen der Sexualität, die nicht ausschließlich auf Penetration beruhen.


    Worüber man hier nicht alles nachdenken kann!!


    Ernsthaft geht mir gerade viel mehr durch den Kopf, wie sehr wir - auch als moderne Menschen - von unserer Körperlichkeit geprägt sind. Auch wenn sich vieles durch medizinischen und hygienischen Fortschritt geändert hat. Oft zum Guten, aber ob das weiter so sein wird, da bin ich nicht sicher.


    Unser Körper zwingt uns nun einmal auf, mit unseren Beinen auf dem Boden zu stehen. Eigene Flügel haben wir ja nicht. Ebenso wenig können wir ohne Hilfsmittel unter Wasser leben.

    Vielleicht ist das eine der letzten großen Kränkungen, dass Frauen unter Menstruation, Schwangerschaftsbeschwerden usw leiden und Männer eben nicht. Wobei ich auch Männer kenne, die uns um das Erlebnis der Schwangerschaft beneiden.

  • Echt?! Ich kenne nur Männer, die Schwangerschaft und Geburt lieber den Frauen überlassen, auch wenn sie sich über die Kinder freuen und tatkräftig bei der Versorgung unterstützen.

    Da ich selber nie schwanger war kann ich das alles nicht so gut nachempfinden, aber was ich von Schwester und Schwägerin so mitbekommen habe, sind das schon lebensbestimmende Erlebnisse und Zustände.


    Ich denke, die meisten Männer fühlen sich in der Rolle des Begatters recht wohl. Viele folgen ihrem Trieb ja auch hemmungslos und denken gar nicht an Fortpflanzung.


    Der Mensch hat sich doch schon weit vom Tierreich entfernt, weil er über sich und seine Handlungen nachdenken kann.


    Von einem Ödipus-Komplex hatte ich zumindest vorher schon mal gehört. Den Elektra-Komplex habe ich mir auch erst mal in Wikipedia nachlesen müssen. Penis-Neid war mir schon ein Begriff, aber den habe ich eher damit in Zusammenhang gebracht, dass Mädchen und Frauen gern genauso ernst genommen werden wollen wie Jungen oder Männer, und sich zurückgesetzt fühlen, weil sie von der Verwandtschaft nicht als Stammhalter anerkannt werden. Dass kleine Mädchen denken, dass ihnen etwas fehlt und sie auch gern so ein Zipfelchen wie ihre Brüder haben wollen, ist mir nicht begegnet - vielleicht auch weil meine Nichten alle älter als meine Neffen sind.

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  • Vielen Dank, Tante Li , für deine aufwändige Zusammenstellung eurer Äußerungen zum Queer-Komplex. Ich denke, dass Beauvoir, nach dem, was sie schreibt, mit keiner dieser Formen größere Schwierigkeiten gehabt hätte und wahrscheinlich auch hatte. Schließlich lebte sie in der Weltstadt Paris mit intensivem Bezug zu Künstlerkreisen, da wird ihr wohl nichts Menschliches fremd geblieben sein, denn das wurde in solch einem geschützten Bereich wohl auch damals schon recht offen gelebt.

    Worüber man hier nicht alles nachdenken kann!!


    Ernsthaft geht mir gerade viel mehr durch den Kopf, wie sehr wir - auch als moderne Menschen - von unserer Körperlichkeit geprägt sind. Auch wenn sich vieles durch medizinischen und hygienischen Fortschritt geändert hat. Oft zum Guten, aber ob das weiter so sein wird, da bin ich nicht sicher.

    Ja, das habe ich mir beides auch schon gedacht. Erstens stößt Beauvoir viele Türen auf, hinter denen Bedenkenswertes lauert und man kann auf einigen neuen oder lange nicht besuchten Pfaden gehen. Evolution, Anatomie der Frau, im Vorwort und zwischendurch immer wieder die philosophischen Ansätze, insbesondere der Existenzialismus, Sozialgeschichte ... .


    Und die Ausführungen zur Abhängigkeit der Frau von ihrer Physiologie haben mich richtig aufgewühlt, so habe ich das noch nie gesehen. Es ist natürlich auch extra massiv dargestellt, damit Beauvoir ihre These vom Subjekt, das sich selbst setzt und damit seine körperlichen Voraussetzungen überwindet, umso kontrastiver setzen kann. Ich glaube eigentlich nicht, dass die Physis der Frau als Kränkung gesehen werden kann, Rumpelstilzchen , denn sie kommt ja von der Natur und ist nicht vom Mann oder der Gesellschaft gesetzt. Nur das, was beide daraus machten und teilweise immer noch machen, kann als Kränkung gesehen werden, und da muss neben den Männern auch bei vielen Frauen ein Umdenken und Umorganisieren stattfinden.


    Tante Li , wie du finde ich auch die Ableitungen Freuds reichlich überzogen bzw. ganz einfach falsch. Freud war eben auch ein Kind seiner Zeit und deren rigider Sexualmoral. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass kleine Mädchen auf das Zipfelchen ihrer Brüder neidisch sind sowie die Schlussfolgerungen, dass Frauen danach entweder nur die Chance haben zu vermännlichen, dann auch nur zum klitoralen Orgasmus fähig sind oder sich selbst in der Liebe zum Mann unterwerfen und zur Belohnung dann auch den vaginalen Orgasmus genießen können. Hä?? Hier spricht doch eher die Angst des Mannes davor, dass die Frau auch allein zur Befriedigung kommt und ihn nicht dazu braucht. Und das wird dann natürlich als Vermännlichung und Entwicklungshemmung gesehen.

    Es ist schon interessant, zu welchen Themen man hier in die Diskussion kommt.

  • Seltsam finde ich, dass sie die Psychoanalyse einer Religion gleichsetzt (wie dem Christentum und dem Marxismus) - das mutet genauso willkürlich an, wie ihres Vergleiches der Gruppe der Frauen mit Dunkelhäutigen und Juden in der Einleitung, was ich schon befremdlich rassistisch fand.

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