Beiträge von finsbury

    Nun habe ich endlich das Kapitel "Jugend" beendet. Eigentlich hätte ich letzte Woche Zeit für viel mehr Beauvoir gehabt, aber im Moment muss ich mich wirklich überwinden, das Buch weiterzulesen. Gerade im Kapitel "Jugend" werden so viele Verhaltensweisen aufgezählt, die nach Beauvoirs Ansatz der Objektivierung des Weiblichen zu schulden ist, dass es einerseits mich runterzieht, mir andererseits schon fast übertrieben vorkommt. Selbst Kleptomanie wird als Frustrationsausgleich im oben geschilderten Bezug dargestellt und alle Unverschämtlheiten junger Mädchen auch. Ich denke, hier gibt es auch noch andere Gründe, außerdem ist Unverschämtheit wohl auch eine Begleiterscheinung der Pubertät und des allgemeinen Protestes gegen die Erwachsenenwelt, egal welches Geschlecht die Jugendlichen haben.
    Ich hoffe, die nächsten Unterkapitel sind nicht so quälend für mich.

    Ja, das stimmt erfreulicherweise schon, dass heute die Menstruation nicht mehr überraschend kommt und kein Tabu-Thema ist, aber auch keins, das besonders offen behandelt wird. Ich kann mich auch nicht recht erinnern, dass ich Sexualkundeunterricht in der Schule hatte, aber das hat das Elternhaus hat sich darum gekümmert


    Inzwischen bin ich ungefähr in der Mitte des Kapitels "Jugend". Hier fällt mir wieder besonders auf, dass das meiste, was Beauvoir schreibt, sich auf das Leben der bürgerlichen Frau in gehobener Schicht bezieht, auch die vielen Launen und Zustände, die sie hier auf die Unausgefülltsein und das entfremdete Objektsein der jungen Frau bezieht, käme bei einer Angestellten oder Arbeiterin oder Bauersfrau gar nicht erst zum Tragen, weil die gar keine Zeit dafür hatte.
    Dennoch betrübt es einen, zu lesen, wie der oft ungestüme Geist des Mädchens immer mehr eingefangen und in in Konventionen geschnürt wurde, auch ihre Neigung zur Bequemlichkeit, die wohl viele Menschen in sich fühlen, instrumentalisiert wurde, um sie dem Mann erfolgreich unterzuordnen.

    Das nimmt man heute oft noch wahr, indem viele Frauen, die während die Kinder klein waren, ganz zu Hause blieben und später auf eine halbe Stelle gingen, das oft bis zum beruflichen Ende beibehalten und dadurch finanziell immer von ihrem Mann abhängig bleiben.

    Tante Li : Das ist ja auch eine soziologische Untersuchung, die auf allgemeine Strukturen aufmerksam machen will. Selbstverständlich gab es gelungene Beziehungen, in denen die Frau dem Mann Partnerin und nicht Dienerin war. Beauvoir schreibt hier von der allgemeinen Situation der Frau durch die Jahrhunderte, und da war die Frau oft in dem Sinne eine Sklavin, als sie unfrei war, d.h. keine eigenen Güter besitzen durfte und keine Entscheidungsfreiheit zu ihrer beruflichen und anderen Selbstbestimmung hatte. Da mag sie mit dem Mann ihrer Träume noch so partnerschaftlich gelebt haben. Wäre es zu Konflikten legislativer Art gekommen, hätte sie sehr schnell ihre Grenzen erkannt.

    Ich hinke dir uneinholbar hinterher, Rumpelstilzchen . Heute habe ich dreißig Seiten geschafft, was nur einer kurzen Krankschreibung zu verdanken ist, aber ich bin immer noch im Kindheitskapitel. Du wirst also immer aus deiner Erinnerung schöpfen müssen und das hoffentlich tun, denn ich bin ganz sicher noch im nächsten Jahr mit dem Buch beschäftigt.

    Im Kindheitskapitel geht es im zweiten Teil besonders um den psychisch oft katastrophal erlebten Einschnitt der ersten Menstruation. Diese wurde anscheinend noch zu Beauvoirs Zeiten als Tabu erlebt, und heute noch ist es ja auch so, dass Frauen nicht unbedingt offen über Themen in diesem Zusammenhang reden und sich sehr diskret zurückziehen, um sich zu säubern und zu versorgen, wenn sie ihre Tage haben.

    Ich bin immer noch mitten in dem Kindheitskapitel, aber da auch ganz deiner Meinung, Rumpelstilzchen . Schon in meiner Kindheit in den 60ern gab es auch genügend geschlechtsneutrales Spielzeug wie Stofftiere und Spiele, dass wir Kinder zwar ausgeprägte Vorlieben, aber nicht unbedingt geschlechtsspezifische hatten,

    Aber die Rollenzuweisung wurde schon noch vorgelebt, tatsächlich viel weniger von meinem Vater als von meiner Mutter, da hat Beauvoir schon Recht. Die Frauen haben selbst an ihrem Sklaventum durch dessen Tradierung einen nicht unerheblichen Anteil. Und heute erlebe ich das ganz häufig noch besonders stark bei Familien aus islamischen, aber auch katholisch geprägten Mittelmeerländern. Aber auch da sagen eigentlich keine Mädchen, dass sie sich eine Zukunft als Hausfrau und Mutter wünschen, sondern alle wollen "erstmal" einen Beruf erlernen und darin auch Karriere machen. Familiengründung rangiert danach.

    Vielen Dank für die ausführliche Rezension. Ich habe das Buch zum Geburtstag geschenkt bekommen und war zunächst nicht begeistert, weil ich dachte, es ginge um eine melancholische Liebesgeschichte, ein Genre, das mir persönlich nicht zusagt. Aber deine Rezension zeigt, dass der Roman weit darüber hinausgeht und auch die Liebesgeschichte anscheinend nicht so tränenselig ist, wie ich dachte. Rückt daher auf meinem Sub höher.

    Das geht mir ähnlich. Wie ich schon schrieb, komme ich diese und nächste Woche kaum voran, aber einen Teil des Kindheitskapitels habe ich auch schon gelesen. Ich glaube, diese Erörterung der ganzen Phasen beim Kleinkind sind doch noch sehr der klassischen Psychoanalyse verpflichtet,. die in der Mitte des letzten Jahrhunderts wohl noch eine größere Rolle spielt als heute, wo viel mehr Ansätze miteinander konkurrieren und man gemeinhin nicht mehr so ideologisch fixiert ist.
    Ich finde diese Sachen zum Teil auch an den Haaren herbeigezogen und glaube, dass das eigentliche Rollenverhalten etwas später, so ab dem dritten, vierten Jahr anerzogen wird und sich weniger aus Penisneid und ähnlichem ergibt, sondern, wie Beauvoir es auch beschreibt, daraus dass Jungen die körperliche Zuwendung früher systematisch aberzogen wurde. Heute ist das zum Teil anders, aber die Peergroup erfüllt hier viele Rollenfunktionen, die den Jungen das Coolsein antrainiert, was auch leicht zum Macho-Verhalten führt. Vielleicht kommt das noch später im Jugend-Kapitel.

    Nun habe ich den ersten Teil fertig. Der letzte Abschnitt allgemein über den Mythos der Frau bringt nichts inhaltlich Neues, thematisiert nochmal die schwierige Situation der Frau in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Sie ist schon auf dem Weg, sich selbst als Subjekt setzen zu können, wird aber noch durch selbstgewählte Rollenakzeptanz, die Arroganz und das Machtspiel der Männer und insbesondere durch ihre Doppelbelastung als sich sozial und wirtschaftlich beweisender Mensch, aber auch als Frau und Mutter, immer wieder eingeschränkt und in die Objektrolle zurückgedrängt.

    Dieses letztere Problem besteht ja eigentlich auch heute noch oft.

    Der Beginn des zweiten Teils bringt in der Einleitung vielleicht eine Erklärung für das "wir". Hier spricht die Autorin, wenn ich nichts überlesen habe, nämlich auch das erste Mal in der "Ich"-Form, um die Struktur des zweiten Buches vorzustellen. Das "wir" ist wohl als ein Mittel gemeint, die Leser*in in die Erkenntnisse miteinzubeziehen. Wir gehen mit Beauvoir gemeinsam den Weg der Erkenntnis über die Frau.

    Uff, bis auf das abschließende Unterkapitel habe ich jetzt den "Mythos" hinter mir. Das war vielleicht ein Quark:

    Seitenweise direkte und indirekte Zitate von Henri de Montherlant, D.H. Lawrence, Paul Claudel, André Breton und Stendhal.

    Besonders bei Montherlant musste man echt an sich halten! Der Schriftsteller ist heute erfreulicherweise wohl ziemlich vergessen, schrieb aber in der Mitte des letzten Jahrhunderts Dramen und Romane, in denen Frauen aufs Schlimmste verunglimpft wurden. Der Herr hatte wohl ein großes Problem mit seinem Ego, und um dieses aufzuwerten, beschloss er, Frauen massiv herabzusetzen, um sich oder seine Protagonisten auf dieser Sklaven- und Ekelfolie dann um so besser darzustellen.

    D.H. Lawrence dagegen erhöhte das Körperlich-Erotische der Frau und wollte, dass der Mann seinem phallischen Prinzip folgte und seinen Strom mit ihrem Strom der Sexualität zusammenführte, der zwar genauso stark war wie seiner, aber das war dann auch das Einzige, wozu die Frau in der Lage war und sich erfüllte. Bei Claudel, dem frommen Katholiken, wiederum verkörpert die Frau das Göttliche und ist dienende Magd des Herrn. In dieser Funktion kann sie wieder den Mann Gott und seiner Erfüllung näher bringen, sich selbst aber nicht. André Breton, der Theoretiker und einer der größten Dichter des Surrealismus, liebte die Frauen und setzte ihnen in seinen Gedichten viele Denkmäler. Die Frauen verkörperten für ihn die Natur und nur über die Frau kann der Mann seine Transzendenz vollenden.
    Stendhal dagegen schätzt Beauvoir hoch, wie überhaupt die Reihenfolge der Schriftsteller in diesem Kapitel vom Schlimmsten bis zum Besten angeordnet ist. Stendhal als einziger sieht die Frau nicht als das Andere, das nur immanent ist. Sie ist bei ihm frei und kann sich außer sich setzen und ihre Transzendenz vollenden, allerdings nur in der Liebe zu einem Mann.

    Gemeinsam ist allen, dass sie Beauvoirs These bestätigen: Der Mann sieht die Frau immer nur von sich aus, als Hilfsmittel, seine eigene Transzendenz zu verwirklichen, ihr selbst wird diese Verwirklichung höchstens in der Liebe zugestanden.


    Ich nehme aus diesem Kapitel vorallem mit, welche Schriftsteller ich bestimmt nicht (mehr) lesen werde ... .

    Willkommen, mona 2020: Wir freuen uns, wenn du hier mitliest, denn wir sind ja nur ganz wenige. In dieser Woche machen wir ein wenig Pause, was dir schonmal etwas Leseatem verschaffen kann. Abgesehen davon finde ich @Tante Lis Vorschlag mit der Kopiererei gut, dann weiß man immer, worauf du dich beziehst. Viel Spaß kann man bei der Lektüre nicht unbedingt wünschen, aber sie öffnet einem auf fast schmerzhafte Weise die Augen für vieles, was man häufig einfach so hingenommen und nicht hinterfragt hat.

    Rumpelstilzchen , meine Ausgabe hat leider eine ganz andere Paginierung als deine und wie ich glaube, auch die von Tante Li . Die Passage über Spanien kommt bei mir erst auf S. 326, und das Buch hat insgesamt 1146 Seiten Text mit Anmerkungen. Da müssen bei euch die Buchstaben ja noch kleiner sein! Ich sitze schon bei meiner Ausgabe ca. anderthalb Stunden für 20 Seiten :huh:.

    Zu Spanien: Vor einigen Jahren las ich von Clarín "Die Präsidentin". Das ist ein interessanter Roman, der die Unterdrückung der Frau im Spanien des 19. Jahrhunderts und deren psychologische Folgen sehr gut analysiert.


    Das Kapitel über den Mythos der Frau an sich habe ich jetzt hinter mir. Im fehlenden Drittel, das ich heute Nacht gelesen habe, kommt nichts besonders Neues, sondern nur Variationen dessen, was wir schon kennen. Die Frau inspiriert den Mann als Muse, sie erweitert seine Träume von Freiheit und Lebensgier als Prostiuierte, sie kann ihm Richterin und Ratgeberin sein, solange sie nur anerkennt, dass sie ihm nicht das Wasser reichen kann und sich ihm unterwirft. Letzten Endes, wenn ich das mal mit meinen Worten zusammenfassen darf, ist sie ihm immer nur Spiegel seines Ego, wenn er aufgewühlt ist und sich gedemütigt fühlt, erscheint sie ihm als feindliches Element oder bestenfalls mütterliche Trösterin und Ego-Aufbauerin, wenn er zufrieden ist, schmückt er sie als sein Prestigeobjekt und stellt sie aus in ihrer Schönheit, ihrem Charme, ja und auch in ihrer Intelligenz, solange diese immer noch als sein Besitz erkennbar ist.


    Diese Mythos-Geschichte langweilt mich inzwischen ein bisschen, wir haben's ja inzwischen kapiert. Deswegen schrecke ich auch vor dem kommenden, ziemlich ausufernden Kapitel zurück, das anscheinend eine feministische Literaturkritik an Werken von Autoren ist, die ich sowieso entweder noch gar nicht gelesen habe, deren Lektüre mir nicht sonderlich viel gegeben hat (Stendhal bei all seinen Verdiensten) oder über die ich mich geärgert habe (D.H. Lawrence).

    Wie schon zweimal geschrieben, geht es jetzt bei mir aber deutlich langsamer voran. Ich versuche, pro Woche ca. 50 Seiten zu schaffen, also bezogen auf eure Ausgabe ca. 40 Seiten.

    Etwas mehr als zwanzig Seiten bin ich weitergekommen. Hier beschäftigt sich Beauvoir, nachdem sie kurz die Stellung der Frau im Islam (dem Mann untergeordnet, Objekt der Freude, keine Mystifizierung) und die eher positive, für den Mann unkomplizierte Sicht auf das Besitztum Frau unter den Mittelmeervölkern vor dem Christentum umrissen hat, eben mit der Stellung der Frau im Christentum. Hier ist sie einerseits

    - die verworfene Eva, die den Mann verführte und aus dem Paradies verjagte, die ihn weiterhin mit ihrer Leiblichkeit von seiner Transzendenz fernhält und ganz allgemein eine Inkarnation des Schlechten, Sündigen ist,

    - die alles überstrahlende Jungfrau, die Muttergottes, die für Reinheit, Aufopferung und freiwillige Unterwerfung steht.
    Zwischen diesen Polen bewegen sich auch die literarischen Exzerpte, die Beauvoir einstreut oder hinten in den Anmerkungen ergänzt. Da wird einem ganz anders. Ich hatte allerdings immer schon Schwierigkeiten mit der französischen Literatur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts und dem dort vorgetragenen Frauenbild. Ich empfand es - egal ob in den Romanen von Balzac, Zola, Stendhal, Proust, Musset, Flaubert, Mauriac usw. - oft so, als ob die Frau extra auf ein Piedestal gestellt wird, um sie abzusondern; Sie wird dort nicht als Mensch, sondern als etwas anderes, vielleicht Verehrenswertes, oft auch Verachtenswertes dargestellt. So empfinde ich es wenigstens, anders als in der englischen oder auch deutschen oder russischen Literatur, wo die Frau natürlich auch in den Fesseln ihres Geschlechts und ihrer sozialen Stellung unter dem Mann bleibt, aber auf gleichberechtigte Weise in ihren Gefühlen dargestellt wird oder wenn sie, wie besonders in der englischen Literatur, durch den Kakao gezogen wird, dann an der Seite von genauso vielen Männern, mit denen das auch passiert. Aber dort habe ich nicht so das Gefühl von Arroganz, dass mir bei französischen Autoren sehr häufig in der Darstellung von Frauen missfällt. Die Zitate bei Beauvoir bestätigen das, insbesondere aus der Lyrik, von der ich wenig französische kenne. Selbstverständlich sehe ich aber auch, dass Beauvoir auf den Literaturschatz der Kultur, aus der sie kommt, zurückgreift. Bei uns findet man genügend Philosophen wie Schopenhauer und Nietzsche, die die Frau äußerst verächtlich behandeln. Aber in der Literatur, die ich besser kenne, ist diese Arroganz nicht so auffällig.

    Inzwischen habe ich ein gutes Drittel des Mythos-Kapitel gelesen. Zu Beginn habe ich mir noch Gedanken darüber gemacht, wozu es dieses Kapitels überhaupt bedarf, da doch die Gedankengänge und mythischen Überhöhungen der Männer auch schon in den Geschichtskapiteln, ausführlich Erwähnung fand. Aber Beauvoir fasst hier nochmal zusammen und analysiert die abwertenden und die überhöhenden, aber gerade deshalb als anders setzenden Mythen, die Männer angesichts des "anderen" Geschlechts entwickelt haben:

    - Die Frau ist eine Inkarnation der Erde, des Meeres, des Gebirges, alles dessen, was sich in der Natur dem Mann als wunderbar und latent feindlich, aber als Element entgegenstellt, das es zu beherrschen gilt.
    - Der Mann ist Teil der Natur, aber sieht sich eben auch als ihr Überwinder, und diese Spannung vermittelt sich ihm auch in seinem Verhältnis zur Frau.
    - Dass der Mensch von der Frau empfangen und geboren wird, macht ihn zum Teil der Natur und beängstigt ihn, weil durch seine eigene Fortpflanzung zwar seine Gattung erhalten wird, gleichzeitig aber gerade dadurch auch seine Endlichkeit, also sein Tod besiegelt wird, denn sonst müsste er sich ja nicht fortpflanzen. Insofern mythisiert er in der Frau auch den Tod, und gerade die alte Frau, aus dem Fortpflanzungsprozess enthoben, ängstigt ihn und stößt ihn ab. Frauen wird daher auch in vielen Kulturen der Totenkult zugeteilt.
    - Im Zusammenhang mit der Fortpflanzung macht der Mann aus der Menstruation eine Unreinheit, für die die Frau durch Absonderung und andere Riten büßen muss.

    - Weibliches Blut überhaupt ist ihm ein Schrecken - so ist in den Naturvölkern das Blut des Hymens etwas, womit sich der Gatte nicht konfrontiert sehen will, die Defloration muss anders geschehen, mit zum Teil für das Mädchen, die junge Frau sehr schmerzhaften Methoden.
    - Erst als das Privateigentum seinen Siegeszug antritt, wird auch das Hymen zum Symbol dieses Eigentums der Gattin, das Schloss, das nur der Gatte öffnen darf, und nun geht der Kult genau in die andere Richtung, das Jungfrauentum muss bis zur Ehe eifrig gehütet werden, und die Entjungferung wird mehr oder weniger öffentlich als Fest gefeiert (heute immer noch im Kult um die Hochzeitsnacht und den Honeymoon).

    - Im Sexualakt wird der Mann aber auch wieder Teil der Natur und das macht ihn traurig und stößt ihn ab, weil er dadurch - zumindest kurzfristig - seine Transzendenz verliert, weshalb dem Geschlechtsverkehr vom Mann - und auch der Frau aus gesehen - oft etwas Schmutziges, Verbotenes anhaftet. Die Frau darf sich zudem mit einem Schuldgefühl herumschlagen, da sie ja durch das Begehren, das sie auslöst, diese Gefühle verursacht.


    Ganz schön heftig, wenn einem so analysiert wird, was man (unterbewusst) oft mitbekommt, in den vielen Spielarten der Literatur, Kunst und Musik immer wieder dargeboten wird. Wie oben schon geschrieben, tut die Lektüre dieses Buches manchmal richtig weh, aber Augen öffnen ist immer hilfreich.

    finsbury, ich bin sehr gut darin, Abschnitte, die ich nicht ganz verstehe, auch einmal zu überfliegen. Ich muss ja kein Referat drüber halten :lache

    Was mich immer wieder fasziniert, sind die anderen Gedankengänge und die Ideen, die ich noch nie gehabt habe. Als Beispiel: Welche Zurücksetzung, nicht als eigenständiges Wesen von Gott geschaffen worden zu sein, sondern als Gefährtin des Mannes! Und auch noch aus seiner Rippe!

    Die Geschichte habe ich tausendmal gehört und nie hinterfragt.

    Ich habe immer so einen Vollständigkeitsfimmel und will auch alles genau verstehen, was ich lese. Im Moment habe ich daher immer auch ein dickes Fremdwörterbuch neben mir, weil Beauvoir oft damit um sich schmeißt.
    Eigentlich ist es besser, wenn man so wie du, einfach Dinge überspringt. Dann wagt man sich wahrscheinlich eher an die dicken Brocken ran. Aber wenn ich mal dran bin, bleibe ich auch dabei und wenn es Jahre dauert.


    Die jüdisch-christliche Schöpfungslegende und die darin enthaltene Diffarmierung der Frau war mir schon bewusst, aber da ich nur als Kind religiös war, habe ich mir nie große Gedanken über die gesellschaftliche Auswirkungen gemacht. Ich habe mich dann eher über die Verwehrung des Priesteramtes in der katholischen Kirche und Paulus' Vorgaben dazu geärgert, weil das auch in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Diese Rippen-Geschichte ist ja, wie du selber schreibst, so selbstverständlich in unseren mythischen Traditionen, dass wir das gar nicht hinterfragen. Wie ich mir über ganz viele Dinge, die Beauvoir aufzählt, nie Gedanken gemacht habe, besonders über die biologischen Voraussetzungen und ihre Folgen.

    Aber auf die Biografie freue ich mich jetzt schon, wenn ich mal dazu komme. Danke für deine kleinen Einblicke, Rumpelstilzchen .

    Das Geschichtskapitel habe ich jetzt abgeschlossen, wobei die letzten Seiten eigentlich nur noch einmal eine Zusammenfassung des Vorherigen waren und die Überleitung zum neuen Thema, dem Mythos, zu dem die Männer die Frauen gemacht haben.
    Dieses Kapitel lässt sich nun etwas schwieriger an, denn wieder steht die Begrifflichkeit des Existenzialismus im Vordergrund. Ich muss noch aufmerksamer lesen, obwohl man ja inzwischen die Begriffe kennt und versteht. Dennoch ist die Abstraktionsebene einfach höher.

    Beauvoir hat es schon in der Einleitung aufgestellt: Die Frau ist für den Mann eine Mittlerin zwischen sich und der Natur. Sie hat ein Bewusstsein, so dass er sich in ihr spiegeln kann, sie ist aber nicht anstrengend, denn er muss sich ihr nicht im Wettbewerb gegenüberstellen, wie es mit Individuen, die für den Mann nur andere Männer sein können, nötig ist, um sich zu transzendieren. Außerdem übt er über sie Macht aus, sowohl ganz primitiv sexuell-körperlich als auch gesellschaftlich, was wiederum sein Selbstbewusstsein oder wie die Existenzialisten sagen, seinen transzendentellen Entwurf von sich selbst, erhöht. So habe ich es verstanden.


    Tante Li , ich hoffe, wir sind dir nicht zu weit vorausgaloppiert. Ab der nächsten Woche muss ich wieder voll arbeiten, da habe ich weniger Zeit und Konzentrationskraft und werde deutlich langsamer mit dem Buch vorankommen.

    Die gleiche Biographie wie du, Rumpelstilzchen , habe ich mir auch als E-Book zugelegt. Scheint ja sehr interessant zu sein, muss aber warten.

    Inzwischen bin ich ungefähr bis in die Mitte des Kapitels über die Auswirkungen der Französischen Revolution gekommen.

    Diese geschichtlichen Kapitel sind viel leichter als der Anfang zu lesen und wirklich interessant. Beauvoir war ungeheuer fleißig und hat ein riesiges Quellenvolumen studiert, nun auch im aktuellen Kapitel Statistiken dazu genommen.

    Bei ihren Ausführungen im letzten Kapitel fiel mir wieder mal auf, wie weit Frankreich intellektuell - zumindest in der Breite der Veröffentlichungen und bedeutetender Schriftsteller - den Deutschen im 17. und 18. Jahrhundert voraus war. Vor allem hat der französische Adel - ungeachtet des oben Ausgeführten - doch eine Menge bedeutender, wenn auch nicht genialer Schriftsteller hervorgebracht - bei uns in Deutschland ist das ja eher marginal gewesen, war Literatur seit dem Humanismus überhaupt meist eine Sache des Bürgertums, und schon die Dichter des Mittelalters waren eher niedrigere Ministeriale gewesen.
    Im Kapitel zu den Auswirkungen der Revolution ist mir mal wieder aufgefallen, dass Beauvoir immer erwähnt, die biologische Versklavung der Frau sei besonders groß, da sie im Gegensatz zu den TIeren keinem jährlichen Empfängniszyklus unterliege, sondern monatlich empfängnisbereit sei. Dazu kommt meiner Ansicht nach noch, dass die menschlichen Kinder besonders starke Nesthocker sind, d.h. viel länger intensiver Betreuung bedürfen als die meisten Tierkinder. Da diese Aufgabe auch den Frauen zufiel und auch heute meist noch falst ausschließlich aufgebürdet wird, bedeutet das eine starke zusätzliche Fesselung.