Beiträge von finsbury

    Es war wieder ein toller Twist, dass HP Jane und den für ihn Hauptverdächtigen Norman Gale als Mitermittler beschäftigte. Damit hatte er den Täter im Blick und konnte Jane von ihm entfernt halten. Das erklärt sich mir jetzt im Nachhinein, aber noch viel weniger als du, Lorelle , hätte ich jemals vermutet, dass Gale der Täter ist. Okay, Christie brauchte die Giselle-Tochter als Deus ex machina, um Gale ein Motiv zu geben, aber das hat sie eben auch von vorneherein geplant. Und schön sind die vielen falsch gelegten Spuren, z.B. dass man vermutete, vielleicht sei Jane die unbekannte Tochter oder die ganzen Gegenstände, die man als Blasrohr hätte benutzen können, Dass schließlich der weiße Mantel und die leere Streichholzschachtel die wesentlichen Indizien waren, haben hier alle überlesen oder zumindest nicht erwähnt. Die einzige Lücke ist, dass AC meines Wissens nirgendwo erwähnt hat, dass die Stewards weiße Mäntel trugen. Dann wäre man vielleicht eher darauf gekommen,

    Auch mir hat der Roman bei der Zweitlektüre gut gefallen und ich freuen mich auf die nächste Leserunde mit euch.

    Danke, Lorelle , auch das hilft weiter. Dass der Verlag aber, der mit Krimis doch Erfahrung hat, ausgerechnet in einer Indizienliste kürzt, auch wenn die Haferflockenriegel später keine Rolle spielen, finde ich dennoch völlig daneben, und es lässt mich ein bisschen den Glauben an die Redlichkeit der etablierten Verlage verlieren. Bei Adaptionen für Jugendbücher wie die "Schatzinsel" ist das anders, aber ansonsten erwarte ich, dass das Werk eines Autors, auch wenn es "nur" Unterhaltungsliteratur ist, ungekürzt und weitgehend unverfälscht, soweit die Übersetzungsproblematik das zulässt, wiedergibt. So, jetzt bin ich aber fertig mit Entrüsten :fetch und wieder friedlich :wave.

    Ich habe gerade nachgeblättert in meiner alten Ausgabe: Dr. Otto Albrecht van Bebber als Übersetzer. Ich tippe, dass Goldmann irgendwann die Rechte für die Veröffentlichung gekauft hat, du aber im Grunde die Scherz-Ausgabe liest. Nachtrag: Ich habe jetzt online gesucht und den englischen Text gefunden. Bei allen drei steht "flapjack", was tatsächlich der britische Markenname für einen Haferflockenriegel ist. Nie gehört, muss ich beim nächsten Besuch auf der Insel direkt mal suchen.

    Da waren uns die Engländer aber Jahrzehnte voraus :lache

    Vielen Dank für deine Nachforschungen, @ Lorelle. Ich bin, ehrlich gesagt, schockiert. In meiner Goldmann- Ausgabe steht tatsächlich, dass die gesamtdeutschen Rechte bei Scherz sind. Wie kann der Übersetzer an einer so wichtigen Stelle wie einer Indizienliste einfach etwas unterschlagen und dem Verlag fällt das erst nach Jahrzehnten auf?

    Ich habe vor kurzem in einer Analog- Leserunde Virginia Woolfs "Mrs. Dalloway" gelesen. Da hatten wir vier verschiedene Übersetzungen, die sehr unterschiedlich waren und manchmal zu Missverständnissen führten, aber niemals wurde eine Information unterschlagen.
    Finde ich schon heftig, aber du schreibst ja, das sei bei AC- Krimis Usus. Auweia!

    Gerade habe ich diesen Abschnitt zu Ende gelesen. Nun sind Jane Grey und Norman Gale mit HP in einem Team. Dennoch rankt sich ein Geheimnis um Jane, denn wie wir zu Ende dieses Abschnitts erfahren, wuchs sie in einem privaten Waisenhaus in Irland auf, das muss also jemand finanziert haben. Und nun wissen wir von Mme. Giselle, dass sie ihre Tochter, die jetzige Alleinerbin, kurz nach der Geburt weggeben musste....:lupe

    Ja, die vielen Gegenstände, die als Blasrohr verwendet werden können, und dann ist da ja auch noch die Wespe! Ob die für das Ablenkungsmanöver extra eingesetzt wurde? Aber man erfährt ja nur, dass sie die beiden Archäologen beschäftigt hat.

    Ich habe gerade das achte Kapitel beendet, ich fand es eher langweilig, die Liste zu lesen.

    In meiner Ausgabe tragen Miss Kerr, Miss Grey und Lady Horbury je einen Haferflockenriegel bei sich. Die würde ich als Mordwaffe ja ausschließen :lache, war aber neugierig, was in der alten Ausgabe steht (nach meiner Erinnerung hat Anfang der 90er niemand von Haferflockenriegeln gesprochen, da war ich einfach interessiert).


    Ergebnis: In meiner alten Ausgabe existieren die Riegel überhaupt nicht. Wieder einmal zufällig eine der vielen Kürzungen des Scherz Verlages gefunden.:)

    Ich lese eine Ausgabe aus dem Goldmann-Verlag, in der nur der Übersetzer (Dr. Otto Albrecht van Bebber :grin) steht, aber nichts von Kürzungen. So was müssen Verlage eigentlich kennzeichnen. Es gibt bei den drei Damen keine Haferflockenriegel in der Liste, und wie du schon selber geschrieben hast, Lorelle , gab es die damals, zumindest abgepackt, noch nicht. Ich glaube, das ist eine neckische, eigentlich unzulässige Beifügung des Verlags oder Übersetzers deiner aktuellen Ausgabe, vielleicht lanciert von der Süßwarenindustrie:popcorn:mahlzeit.


    Wir erfahren ja im Kapitel 12 einiges über Lady Horburys schlechten Charakter, und auch HP hält sich in ihrer Nähe auf. Ob das schon eine Spur ist? Gerade weil sie auf den ersten Blick keine Möglichkeit zur Tat hatte, dafür könnte sich AC etwas ganz Spezielles einfallen lassen haben.

    Davor wiederum wurde das Ganze noch verwirrender durch das Auftreten des Amerikaners, der Mme Giselle in das Mordflugzeug lenkte. Aber hier haben wir es wohl, wie es HP schon andeutet, mit einer Maskerade zu tun. Allerdings kann ein großer Mann schlecht von einer kleinen zierlichen Frau gespielt werden, also vielleicht ein Komplott mit mehreren Tätern?

    Nun aber zum Plot und dem bisherigen Gelesenen:

    Für den Sitzplan vorne in meinem Buch bin ich sehr, sehr dankbar. In meiner alten Ausgabe von 1992 fehlt er tatsächlich.

    Inhaltlich kann ich mich, wie so oft, an gar nichts erinnern, obwohl ich bestimmt auch die Verfilmung gesehen habe.

    Ich frage mich, ob auch die Flöte als Blasrohr in Frage kommt. Immerhin hebt Dr. Bryant sie sogar an die Lippen, während Hercule Poirot neben ihm schläft.

    Ich vermisse den Sitzplan auch. Im zweiten Abschnitt (Kapitel 7) wird dann die Sitzordnung aber ziemlich klar. Ich habe den Roman vor 35 Jahren schon mal gelesen und vor ein paar Jahren die Verfilmung in dieser hübschen Poirot-Serie gesehen. Ich kann mich aber an kaum etwas erinnern, schon gar nicht an die Auflösung.

    Im ersten Abschnitt wird dann noch klar, dass es ein Blasrohr war, denn es wird ja hinter Poirots Rückenkissen gefunden. Aber die zahl von hohlen runden Gegenständen finde ich auch auffällig, nicht nur Dr. Bryants Flöte, sondern auch die kurdischen Pfeifenstiele, die Armand Dupont in der Diskussion mit seinem Sohn anführt. Mir ist bisher ganz unklar, warum AC diese hohlen Gegenstände doch deutlich hervorhebt, obwohl das Tatwerkzeug dann relativ schnell gefunden wird.

    Einer unser Vorgänger, Merryweather, hat doch einen Sitzplan nach den Angaben eines anderen Vorgängers angefertigt. Ich habe versucht, den in der Galerie zu finden. Aber die kann ich nur bis 2018 einsehen.

    Nun denn. Am Anfang fand ich es auch verwirrend, wer wo saß, und auch der ständige Perspektivwechsel musste erstmal verdaut werden. Den Inneneinsichten habe ich entnommen, dass sowohl Lady Horbury als auch der Unternehmer James Ryder einen Grund gehabt haben könnten, Mme. Giselle zu fürchten, denn spätestens in Kapitel sechs wird ja klar, dass diese als diskrete, aber gnadenlose Kreditgeberin durchaus Mordabsichten auf sich ziehen könnte.
    Das junge Paar Jane Grey und Norman Gale halte ich nicht für tatverdächtig, sie sind vielleicht eher der Anreiz für die romantischen Leser, am Ball zu bleiben. Aber bei AC weiß man ja nie ... . Nett gezeichnet finde ich auch den verhuschten Krimiautor, der sich den Flug mit einem europäischen Kursbuch und verzwickten Alibis versüßt. Ich glaube kaum, dass das ein Selbstbild von AC sein soll, aber schon, dass sie auch solche Mittel nutzte und akribisch alles überprüfte, bevor sie einen Plot erstellte.

    So etwas Ähnliches habe ich letztes Jahr in der Bonner Kunsthalle gesehen, als Nebenausstellung zur großen Zwanziger Jahre Schau.

    Ich war am Osterssonntag in Hagen, Karl- Ernst- Osthaus - Museum: Gottfried Helnwein, der es immer noch schafft, durch schockierende Verbindungen in seinen hyperrealistischen Bildern auf die Gewalt in der Welt aufmerksam zu machen.

    Mit dem dritten Akt von Carl Zuckmayers "Des Teufels General" war ich in Brandenburg, denn dieser Akt spielt auf einem Militärflughafen nahe Berlin, und das kann ja nur Brandenburg sein.


    ASIN/ISBN: 3596270197


    Ein grundsätzlich lesenswertes Drama, nicht frei von Pathetik, aber mit guter Figurenzeichnung und sehr effektvoll. Der Autor steht auf der richtigen Seite, ist aber im letzten Akt manchmal zu schwammig in seiner Ausdrucksweise.

    Für B1 habe ich eine Geschichtszeitschrift gelesen:


    ... In dem jemand seinen Wohnort ändert / umzieht (nicht nur in Urlaub fährt).

    GEO Epoche Heft 64: Die DDR - Alltag im Arbeiter- und Bauernstaat 1949-1990

    ASIN/ISBN: 365200227X

    Wie wir alle wissen und in dem Magazin ausführlich erörtert wird, war die massive "Republikflucht" einer der Gründe, die zur Destabilisierung und dem schließlichem Ende der DDR führten.

    E 2 … Dessen Handlung mehrere Jahre umspannt.

    Dazu passt:


    Curt Hohoff (Hg.): Flügel der Zeit. Deutsche Gedichte 1900-1950

    ASIN/ISBN: 3772403786

    Die Gedichte haben zwar keine fortgesetzte Handlung, aber man erkennt am Untertitel, dass sie zusammen mehrere Jahrzehnte verarbeiten.

    Dieses Buch gibt es nur noch antiquarisch, was auch nicht schade ist. Darin sind sehr schöne Gedichte enthalten, aber die Zusammenstellung ist sehr konservativ und spiegelt in keiner Weise die Themen und Stilumbrüche, die die Lyrik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bewegte und charakterisierte.


    Ach, und mein drittes Bingo habe ich damit: E waagerecht. :zwille

    Ich war im ehemaligen Niederschlesien und kann daher den Punkt 18 abhaken: ehemaliges deutsches Reich.


    Und zwar mit dem Roman von Leonie Ossowski: Weichselkirschen.


    ASIN/ISBN: ‎ 3548248160


    Er spielt auf zwei Zeitebenen in einem heute polnischen, früher deutschen Dorf . Lesenswert, weil er gut geschrieben ist und mit viel Verständnis beide Seiten der Medaille zeigt.