Auf der Suche nach der verlorenen Zeit - Marcel Proust

  • Ich nähere mich dem Ende dieses Buchs. Am meisten vermisse ich einen Stammbaum der Guermantes. So ist mir erst spät aufgegangen, dass der schreckliche Charlus ein Bruder des Herzogs ist.

    Ja, dafür habe ich auch eine Weile gebraucht. Genauso ist es mit der Herzogin und der Prinzessin von Guermantes.

    Die Szenen im Salon sind letztendlich eine einzige Folge von mehr oder weniger höflich umkleideten Bosheiten. Aber meisterhaft beschrieben.

    Leider nervt mich das mittlerweile kolossal.

    Aber als Film oder auf der Bühne stelle ich mir das großartig vor. Da kann ein Schauspieler oder Regisseur brillieren.

  • IV/1. - 3.


    Jetzt ist also die Katze aus dem Sack. Charlus ist homosexuell. Das erklärt das Verhalten der Herzogin, die Marcel so dringend abgeraten hat, mit Charlus mitzugehen.

    Wie Proust das zufällige Aufeinandertreffen von Charlus und Jupien beschreibt, ist großartig. Urkomisch. Wie die Balz vom Auerhahn oder Pfau.


    Mir hat auch sehr gut die Beschreibung gefallen, wie es Marcel wie Schuppen von den Augen fällt, als er die beiden beobachtet.

    Proust war doch auch homosexuell. Marcel hingegen merkt man nichts an. Vielleicht weiß er es noch nicht. Oder der Autor will darüber nicht schreiben.


    An einem Beispiel von zwei Freunden bechreibt Proust dann auch, wie Homosexuelle damit umgehen, d. h. damals umgegangen sind.


    Ich frage mich, wer alles von Charlus' Homosexualität weiß.

  • Allerdings finde ich die allgemeinen Betrachtungen über Homosexuelle in den folgenden Kapiteln etwas nervig. Scheinbar bin ich zur Zeit nicht sehr duldsam, was Literatur betrifft.

    In diesem Band wird das vermutlich öfter das Thema sein.


    IV/4. - 10.


    Marcel ist bei der Soiree der Prinzessin von Guermantes. Wieder fällt mir auf, dass er von Ereignissen schreibt, bei denen ich mich frage, woher er das weiß. Hier ist es der homosexuelle Diener.


    In Kap. 6 gibt es zwei sehr schöne Stellen. Die eine ist, als er beschreibt, wie man sich wieder an Namen erinnert, die man vergessen hat.

    Die zweite ist die Beschreibung des Springsbrunnens. Wundervoll!


    Ansonsten geht es wieder um die Gesellschaft mit ihrer Rangordnung, ihren Boshaftigkeiten und die Frage, wer wen wem vorstellen darf. :rolleyes:

  • Ich bin im 16. Abschnitt angekommen und froh, dass die Beschreibung der Salons zumindest vorerst zu Ende ist.

    Aber einige Dinge finde ich doch erwähnenswert.

    Die Boshaftigkeit Charlus gegenüber Madame Surgis und ihre Söhne ist bodenlos. Warum greift da keiner ein? Traut sich das keiner oder will es keiner?


    Dass Swann Marcel das Gespräch mit dem Prinzen von Guermantes wiedergibt, zeugt von großem Vertrauen in ihn. Und das überrascht mich. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie sich so nahe stehen.


    Interessant ist auch, dass man etwas über das Verhältnis der beiden Brüder, Charlus und der Herzog von Guermantes, erfährt.


    Dass Odettes Salon beim hohen Adel sehr angesehen, ja fast ein Geheimtipp ist, freut mich für sie. Ich kann mir vorstellen, dass sie es nicht immer leicht hatte.


    Immer erfrischend zu lesen sind die Szenen mit Francoise.


    Das Verhältnis von Marcel zu Albertine ist eigenartig.


    Schmunzeln musste ich bei der Theorie, dass die französische Aussprache so sehr vom Geschriebenen abweicht, daran liegt, dass die Gallier fehlerhaft sprachen.


    So ganz nebenbei: Ich bin immer noch nicht dahinter gekommen, was mit dem „Abwerfen von Karten“ bezweckt werden soll.

  • Die Abschitte 16 – 19 sind wunderschön.

    Marcel ist wieder in Balbec. Er erlebt die Stimmungen vom letzten Aufenthalt wieder. Vor allem kommen Erinnerungen an seine Großmutter hoch. Mir scheint, dass er erst jetzt trauert. Er sagt, er findet sein damaliges Ich wieder. Und auch jetzt erst versteht er die Trauer und das Leid seiner Mutter. Und der Traum!

  • 20 – 26


    In diesen Abschnitten gibt es wieder ausführliche Personenbeschreibungen wie die des Liftboys, der Madame Cambremer (Camembert :) ) und der Schwestern Marie und Celeste. Köstlich!


    Das Verhältnis von Marcel zu Albertine ist angespannt. Ich weiß nicht, wie sie zu ihm steht. Seit ihm der Verdacht, dass sie lesbisch sei, in die Seele gelegt wurde, wird er eifersüchtig und benimmt sich ihr gegenüber schlecht. Das ist ein ständiges hin und her. Warum lässt sie sich das gefallen? Wie das wohl weitergeht?


    So nebenbei: Mir gefällt der konsequente Einsatz des Konjunktivs. Ich glaube, das macht man heute nicht mehr so.


    29 – 40


    Hier begegnet der Leser wieder den Verdurins. Das muss ja ewig her sein, als sich Swann und Odette dort begegnet sind. Vielleicht 20 Jahre? Gilberte war damals ja noch gar nicht geboren. Mich wundert, dass immer noch die gleichen Leute zu dem „Kleinen Kreis“ gehören.


    Mir scheint dieser Kreis fast noch boshafter zu sein als der Salon der Guermantes. Wie die mit Sagnette umgehen!


    Es ist zwar immer wieder schön, Prousts Beschreibungen und Charakterisierungen der Menschen zu lesen, aber auf Dauer ermüdet es mich.