Eine falsche Lüge - Sophie Stava

  • Nette Lügengeschichte mit ein paar überraschenden Wendungen

    * * *

    Sloane Caraway ist eine sehr einsame Frau ohne Selbstwertgefühl. Mit über 30 wohnt sie noch bei ihrer Mutter, arbeitet in einem Nagelstudio und ist auf Trinkgelder angewiesen. Immer wenn sie neue Menschen kennenlernt, lügt sie. Sie tut das jedoch nicht, um anderen zu schaden, sondern um sich selbst interessanter zu machen.


    So auch bei Jay Lockhart, dessen knapp 5-jährige Tochter Harper in einem Park, in dem Sloane regelmäßig ihre Mittagspause verbringt, von einer Biene gestochen wird. Sie bietet ihre Hilfe an und behauptet dabei Krankenschwester zu sein und Caitlin zu heißen. Da ihr Ratschlag aber tatsächlich Wirkung zeigt, glaubt er ihr und ist sehr dankbar. Zuhause erzählt er seiner Frau Violet von dem Zwischenfall und als diese kurze Zeit später mit Harper im Park ist, geht sie auf Sloane zu, dankt ebenfalls noch mal für deren Hilfsbereitschaft und lädt sie zu sich zum Essen ein.


    Danach bleiben die beiden fast gleichaltrigen Frauen in Kontakt und freunden sich an. Um diese Freundschaft zu erhalten, erfindet Sloane weitere kleine Lügen und als Violet ihr den gut bezahlten Job als Kindermädchen für Harper anbietet, nimmt sie dankbar an. Es dauert dann auch gar nicht lange, bis sie vollständig in das Familienleben der Lockharts integriert ist. Allerdings ist sie nicht die Einzige die lügt…


    Diese in der ersten Person nacheinander aus den Perspektiven verschiedener Protagonisten erzählte Geschichte konnte ich zwar leicht und flüssig lesen, gänzlich überzeugt hat sie mich jedoch nicht. Für mich war das irgendwie auch kein richtiger Thriller und wirkliche Sympathien konnte ich für keine der Hauptfiguren aufbringen. Mitleid hatte ich mit Sloane schon ein bisschen, aber so wirklich nahe kam ich weder ihr, noch den Lockharts.


    Nachdem die Handlung anfangs längere Zeit vor sich hinplätscherte, gab es später zwar schon einige Wendungen die mich überraschten. Es war aber nichts dabei, was bei mir etwas Nervenaufreibendes auslöste oder was ich als spektakulär empfunden hätte. Daher legte ich, im Vergleich zu anderen Thrillern, auch öfter mal Lesepausen ein. Wiederum wollte ich trotzdem immer wissen, wie die Geschichte weitergeht, ob die vielen kleinen Lügen irgendwann Konsequenzen haben werden und wenn, dann welche. An einen Abbruch des Buches dachte ich daher nie.


    Obwohl ich die endgültige Auflösung, trotz der zurechtkonstruierten Erklärungen der Autorin, nicht wirklich als realistisch empfand, war sie doch irgendwie gefällig. Insgesamt bereue ich jetzt zwar nicht, dass ich dieses Buch gelesen habe, bin mir aber auch sehr sicher, dass mir die Geschichte nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Daher meine Einschätzung, kann man lesen, muss man jedoch nicht unbedingt.


    ASIN/ISBN: B0F4ZZBT78

  • Sloane Caraway, Mitte 30 und Nageltechnikerin lebt mit ihrer Mutter zusammen. In ihrem bisherigen Leben gab es viele Umbrüche und daher Platz für phantasievolle Geschichten bzw. eher Lügen, um ihr Vorleben interessanter zu machen. Einzig ihre Mutter lügt sie nicht an. Als sie auf einem Spielplatz der kleinen Harper zu Hilfe kommt, die von einer Biene gestochen wurde, ändert sie ihren Beruf kurzum in Krankenschwester und ihren Namen in Caitlin. Der Vater, Jay Lockhart, ist von ihrer Hilfe richtig angetan. Er erzählt von der Bekanntschaft seiner Ehefrau Violet und beim nächsten Spielplatzbesuch lernt sie Caitlin kennen. Da sie gleichaltrig sind und außerdem den gleichen Musikgeschmack haben, freunden sie sich an. Caitlin bringt sich bald immer mehr in die vermögende Familie ein, nimmt sehr gerne den Job als Nanny an und verändert ihr Äußeres immer mehr in Richtung Violet. Und als Zeichen der Freundschaft, nimmt die Familie Caitlin mit in den Urlaub. Soweit so gut, aber diese heile Welt wird nicht lange bestehen – mehr verrate ich nicht.



    Die Autorin hat mit ihrem Debut einen Thriller abgeliefert, der sich im großen und ganzen flüssig lesen läßt. Der Anfang gestaltete sich für mich etwas holprig, weil Sloane/Caitlin aus ihrer Perspektive sehr viel über Banalitäten und Äußerlichkeiten berichtet hat. Wobei bei ihr Lügen die Normalität waren. Aber Teil 2 aus der Sicht der cleveren und durchtriebenen Violet brachte für mich die Wendung, es wurde spannend und im Teil 3 mit dem Frauenhelden Jay, der sich für unwiderstehlich hielt, ließ für mich die Spannung wieder nach. Es ist ein Buch gespickt mit Lügen und Twists, die mich teils überraschen konnten, was ich positiv finde. Einige Szenen/Elemente werden einem Vielleser schon aus anderen Thrillern bekannt vorkommen. Das Ende der Story war mir persönlich zu konstruiert. Von den drei Hauptfiguren konnte bei mir keine Sympathiepunkte erhalten, wobei sympathische Figuren für mich nicht zwingend zu einem guten Buch gehören. Trotz aller Kritik hatte ich unterhaltsame Lesestunden.

  • Meine Rezension:


    Nanny


    Sloane Caraway ist eine unscheinbare Mittdreißigerin und seit Kindheit allein. Um das Interesse ihrer Mitmenschen zu wecken, beginnt sie früh, kleinere und größere Lügen zu erzählen. Ihre Mittagspause verbringt die Nageltechnikerin aus einem kleinen Beautysalon gerne in einem nahe gelegenen Park, wo sie eines Tages ein kleines Mädchen verarztet und sich als Krankenschwester ausgibt. Alsbald freundet sie sich mit der Familie an und wird als Nanny für die knapp fünfjährige Harper engagiert. Mit der Mutter, Violet, verbinden Sloane etliche Gemeinsamkeiten, weshalb die beiden Frauen gerne auch ihre Freizeit zusammen verbringen. Wird Violet durch das häufige Beisammensein nun Sloanes Lügengeflecht entwirren? Oder ist Sloane am Ende gar nicht die Einzige, die etwas zu verbergen hat?


    Aus Sloanes Sicht beginnt diese überaus spannende Geschichte, sie erzählt schlicht aus ihrem Leben und weckt mit ihrer naiven Darstellung, verknüpft mit der Spielplatzepisode, sofort das Interesse des Lesers. Wenige Figuren, Sloane und Familie Lockhart – Vater Jay, Mutter Violet und Töchterchen Harper – spielen die bestens vorstellbaren Hauptrollen, aber auch die weiteren Personen sind gut gezeichnet und bereichern das Geschehen. Durch den besonders flüssigen Schreibstil Sophie Stavas geht die Handlung flott dahin, reiht sich ein Kapitel rasch ans nächste, möchte man immer wieder einfach noch ein Stück und noch ein Stück weiterlesen. In der Mitte des Buches wechselt plötzlich der Blickwinkel auf den Verlauf der Dinge und verblüfft den Leser mit überraschenden Be- und Erkenntnissen. Raffiniert erdachte Details kommen ans Licht und von langer Hand geplante Vorhaben werden alsbald umgesetzt, durch die geschickte Schilderung der Autorin bleibt der Spannungsbogen stets hoch und sorgt für Verwunderung, was hier alles möglich ist. Auch wenn nicht immer alles zu hundert Prozent realistisch erscheint und besonders am Ende auf Block Island ein wenig Glück und Zufall mithelfen, so ist die Story doch ungemein unterhaltsam und somit absolut lesenswert.


    Ein großartiges Buch mit vielen Überraschungen, das ich mit großem Spaß daran gelesen habe und ebenso gerne weiterempfehle. 8 von 10 Punkten.


    ASIN/ISBN: B0F4ZZBT78

  • Meine Rezension muss ich noch verfassen. Mir ging es aber wie Euch, sympathisch war mir keiner, Mitleid irgendwie mit Sloane, konstruiertes Ende aber irgendwie wollt ich schon immer wissen, wie es weiter geht. Gut gefallen haben mir aber dann schon irgendwie die Plot-Twists und Perspektivwechsel die für Überraschungen sorgten.

    Viele Grüße
    Thomas


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    wyrd bid ful aræd - Das Schicksal ist unausweichlich

  • Macht Spaß zu lesen


    Eine falsche Lüge - ja, wenn man sein Leben auf einem Lügengebilde aufbaut, kann man schonmal ins Straucheln kommen.

    Dieser Thriller ist in 3 Teile unterteilt.


    Teil 1 ist aus der Sicht von Sloane geschrieben.

    Sloane lügt seit Jahren. Und das nicht nur ein bisschen. Sie hat sich quasi ein neues Leben aufgebaut und dies auch verinnerlicht.

    So kommt die erste Lüge (sie behauptet, eine Krankenschwester zu sein) wie aus der Pistole geschossen als sie auf Harper und ihren Vater Jay trifft.

    Und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

    Sloane wird eine Art Kindermädchen von Harper und ein Teil der Familie.

    Besonders Violet, die Mutter, hat es ihr angetan und in Jay ist sie heimlich verliebt.

    Sie schmiedet Pläne, intrigiert und lügt munter weiter.


    Teil 2 wird dann aus der Sicht von Violet beschrieben.

    Und bietet gleich mal ein paar echte Überraschungen über die ich aber jetzt nichts schreiben möchte.

    Nur soviel - es bleibt spannend und kurzweilig.


    Zu guter Letzt kommt dann noch in Teil 3 Jay zu Wort.

    Jay, der Womanizer. Ihn trifft es hart in der Geschichte.


    Das Buch ist auf jeden Fall ein Pageturner, man liest und liest, möchte wissen, was noch kommt und ist auf das Ende gespannt.

    Sympathisch war mir im Großen und Ganzen niemand, am ehesten Harper.

    Von daher hat mich das, ich sag mal, unmoralische Ende, auch nicht gestört.

    Ein Thriller, den ich am Anfang mehr mochte als am Schluss.

    Ich habe das Buch aber gerne gelesen und wurde gut unterhalten.

  • Jetzt habe ich auch Zeit gefunden, meine Rezension zum Buch mal zu schreiben.

    „Ein Lügenhaus ohne Donnerschlag – gute Idee, schwacher Kick“


    Inhalt & Figuren

    Sloane Caraway, Anfang 30, lebt bei ihrer Mutter, jobbt eher unterem Niveau und schöpft ihre Identität täglich aus kleinen Lügen – meist um sich interessanter zu machen. Als sie im Park einem kleinen Mädchen hilft, behauptet sie – ohne zu zögern – Krankenschwester zu sein. Diese Begegnung bringt sie in die privilegierte Welt der Familie Lockhart: Jay, Violet und die kleine Harper. Bald übernimmt Sloane sogar eine Karriere als Kindermädchen, kopiert Violet äußerlich und emotional und verstrickt sich immer tiefer in ein Netz aus Tatsachen und Täuschungen. Doch neben ihr spielt scheinbar fast jeder seine eigene Wahrheit.

    Perspektivwechsel
    Die Autorin erzählt wechselnd aus der Ich-Perspektive zahlreicher Personen – ein cleverer Schachzug. Man erhält Schritt für Schritt Zugang zu beunruhigenden Motiven: was bleibt unausgesprochen bei Violet? Warum scheint Jay so dankbar? Dieser Wechsel aus Sloanes Sicht, dann Violet und gelegentlich Jay, schafft Lesetempo – der sogenannte „Page‑turner“-Effekt aber ohne wirklichen "Thrill".

    Spannung & Erwartung
    Obwohl „Thriller“ im Klappentext groß angekündigt wird (unter anderem mit Liane Moriartys Empfehlung als „Pageturner“), liegt die Spannung eher unterschwellig. Viele Plotwendungen sind vorhersehbar, Logiklücken häufen sich – z. B. wie Sloane Zeiträume oder Echtidentitäten plausibel erklärt – und dann enden sie doch plötzlich in einem wilden Finale. Das erzeugt eher Schädelpoltern als Nervenkitzel.

    Das Ende: „hahn­ebüchen“
    Das Finale entfaltet sich noch einmal mit voller Wucht: Der zentrale Plot-Twist trifft, ist überraschend – und doch fühlt sich der Aufbau hinterher wie ein zu straffes Konstrukt an. Stava zieht alle bisherigen Lügenfäden zusammen, lässt sie knallen … doch die Anschlusslogik hakt merklich. Wo man Spannung erwartet, stößt das Geschehen zunehmend an die Grenzen dramaturgischer Plausibilität: Die Sequenz wirkt weniger fein geplant als dramaturgisch erzwungen – und entzogene Aufmerksamkeit etwa wegen identitätsbedingter Verhaltensweisen ist kaum mehr nachvollziehbar. Die vielen clever gesetzten Wendungen überraschen, doch am Ende stoppt der Sog, weil die Motivation einzelner Figuren sprunghaft wechselt und der Kniff hinter der Auflösung mit Geräusch aufsetzt statt zu schweben. Hier verlässt das Buch aus meiner Sicht den eingeschlagenen Weg um, zwar mit hohem Tempo abzubiegen... aber gegen einen Baum, statt der Zielmarke.

    Schreibstil & Lesbarkeit
    Stava schreibt flüssig und angenehm – Kapitelenden haben oft leise Cliffhanger. Die Leseerfahrung ist dennoch zwiespältig: Lektürepause lohnt sich zwischendurch, aber das Interesse bleibt beständig gehalten.

    Fazit

    Abgerechnet bleibt eine gemischte Bilanz: Das Lügenhaus fällt zwar eindrucksvoll – aber ohne den erhofften Gänsehautschub. Der Nachgeschmack ist eher: „Schön konstruiert, aber dramaturgisch brüchig“


    Als psychologischer Spannungsroman funktioniert das Buch – als echter Thriller mit Adrenalin, überzeugt es mich nicht.


    Ein Lügenhaus voller Fassaden, eindrucksvoll arrangiert, aber dramaturgisch fragil. Für mich bleibt das Buch eher angenehm konsumierbar denn unvergesslich.


    Bewertungsskala:

    • Story & Tempo: ★★★☆☆

    • Thrill-Faktor: ca. 20 % (also 2/10‑Thrill-Charme)

    • Figuren-Sympathie: begrenzt (am ehesten bei Sloane)

    • Gesamtgefühl: Kann man lesen, muss man nicht unbedingt kennen.



    Viele Grüße
    Thomas


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