Sabine Ebert - Der Silberbaum. Das Ende der Welt

  • Der Erlauchte


    Der Silberbaum – Das Ende der Welt, Historischer Roman von Sabine Ebert, Knaur eBook
    Der zweite Teil der Silberbaum-Reihe.
    1241 das Ende der Welt scheint gekommen, das riesige grausame Tartaren-Heer, die goldene Horde genannt, steht bis auf ein paar Tagesritte entfernt vor Meißen. Eine riesige Herausforderung für den jungen Markgrafen Heinrich, doch wie durch ein Wunder zieht das Reiterheer wieder ab, da droht schon die nächste Gefahr. Der Papst erklärt den Stauferkaiser Friedrich II für abgesetzt. Intrigen und Verrat muss Heinrich erfahren, immer wieder kommt es zu Kämpfen, doch Heinrich hat viele treue Vasallen an seiner Seite. Vor allem die Nachfahren der Hebamme Marthe.
    Wieder einmal hat mich ein Roman von Sabine Ebert fasziniert, super unterhalten, mit Interesse durch die Seiten fliegen lassen. Die Autorin schreibt flüssig und nachvollziehbar, ein wenig Liebe und viel Spannung ist auch dabei. Sabine Ebert nimmt ihre Verantwortung ernst, alle historischen Figuren und das Geschehen sind authentisch, das fiktive Beiwerk ist gut angepasst und hätte genau so ablaufen können. Eine gründliche Recherche ist hier unabdingbar, die Autorin benennt im Nachwort ihre Quellen die auch für alle Interessierten zugänglich sind.
    Zu Beginn sind zwei Karten von Mitteldeutschland eingezeichnet die zur Zeit des Geschehens passen, mit dem beigefügten Link können sie in angepasster Größe eingesehen werden. Ebenso erscheint eine Dramatis Personae übersichtlich nach Zusammengehörigkeit geordnet die historischen Personen sind gekennzeichnet. Das Buch besteht aus 5 Teilen die in Kapitel mit Überschrift und Zeitangabe gegliedert sind, zu jeder Zeit ist ein chronologischer Überblick möglich.
    Besonders interessant fand ich die beifügenden Erklärungen der Autorin, die Grunde weshalb ich ihre Bücher so sehr schätze.
    Die authentische Erzählung erklärt mir Wort für Wort und glaubhaft einen Teil der deutschen Geschichte, der mich besonders interessiert, ohne dass ich trockene Geschichtsbücher wälzen muss. Im Anhang gibt es zur Einordnung der Figuren die Familienstammbäume der beteiligten Adelsgeschlechter, der Staufer, der Wettiner etc. Da in diesem Buch sehr viele Personen spielen ist es sehr hilfreich, das Personenverzeichnis und die Stammbäume zur Hand zu haben. Beim Lesen sollte man sich schon konzentrieren. Die Hauptfiguren sind ganz besonders gut charakterisiert, oft handeln sie nicht klug, jedoch immer nachvollziehbar.
    Meine Lieblingsfigur der junge Heinrich, der für mich lt. Schilderung den Beinamen der Erlauchte verdient hat. Klug, besonnen, gerecht, tapfer, gut zu seinen Ehefrauen und Kindern auch künstlerisch begabt – ein Gentleman seiner Zeit. Ich freue mich auf den abschließenden dritten Band.
    Mit diesem Silberbaum Roman hat mir S. Ebert ein Stück deutscher Geschichte, unterhaltsam greifbar gemacht. Von mir 8 Punkte.


    ASIN/ISBN: 3426227908

  • Tja, wer heute aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist und einen exzellenten historischen Roman geschrieben hat und der englischen Sprache mächtig ist, tut gut daran, den Roman zunächst in dieser am internationalen Buchmarkt herauszubringen. Wenn der Roman dort Erfolg hat, ist es ohnehin sicher, dass er als Übersetzung am deutschen Buchmarkt reüssiert. Ansonsten bleibt nur die Nische oder der Eigenverlag, der allerdings nur mit hohem Aufwand an Zeit, Geld, Marketing-Können und Kreativität langfristig gemeistert werden kann. Traurig, aber wahr.


    Was hat das mit einer Sabine Ebert und ihren Büchern zu tun, die inzwischen sogar zur Doyenne des deutschsprachigen Buchmarkts für historische Bücher von ihren Fans erklärt wurde? (Eine Auszeichnung, welche die Fans von Rebecca Gablé für diese noch nicht vorgeschlagen haben, obwohl sie schon wesentlich länger als Sabine Ebert Romane publiziert.)
    Autorinnen (und auch Autoren, wir wollen die Männer da nicht ausnehmen) wie sie haben die Misere des deutschsprachigen Buchmarkts zu verantworten. (Natürlich auch die Verlage, die in diesen Schwachsinn investieren.)

    Der Silberbaum 2 ist das ideale Buch für Volksverdummung, denn es erspart einen das Lesen von Sachbüchern, das Bilden einer eigenen Meinung und das selbständige Denken, Offensichtlich ist es aber das, was die meisten Leser am Buchmarkt bevorzugen, wenn es um historische Romane geht. Wie schön, dass ihnen Sabine Ebert sagt, was sie zu denken und zu glauben haben. Das erinnert mich an meine Schulzeit.
    Paragraph 1: Die Lehrerin / Die Autorin hat immer recht

    Paragraph 2: Wenn die Lehrerin / due Autorin einmal nicht recht hat, tritt Paragraph 1 in Kraft.


    Der Silberbaum 2 ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie ein historischer Roman nicht sein sollte, zumindest wenn er mich überzeugen will.
    Schlechte Sprache, Mangel an Phantasie und Einfühlungsvermögen, dazu ein erhobener Zeigefinger und moralinsaure Predigten statt Handlung. Klischeeanhäufungen statt Glaubwürdigkeit, nervige Moralapostel und uninteressante Figuren, denen jegliche Menschlichkeit und Entwicklung abgeht. Dazu ein wenig Sexismus wie die Hochzeitsnacht der Figur Agnes zeigt und so viele "Kartoffel", die mindestens für eine Woche Kartoffelschmarrn ausreichen müssten. Dass es nicht einmal eine richtige Handlung gibt, sondern nur Versatzstücke rundet den negativen Gesamteindruck ab, Aber das Schlimmste - es reicht nicht einmal mehr zur unfreiwilligen Komik!

    Und wenn ich daran denke, in wie vielen Rezensionen im Internet die schlechte Qualität von Papier und Buchbindung beanstandet wird -- selbst das in edlem Silber-Rosé gehaltene Cover ist offensichtlich nicht viel wert. Geht es noch schlimmer?

    Nun gut, über Geschmack lässt sich streiten!

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    Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg)