Das Lied der Wölfe - Rena Fischer

  • Rena Fischer - Das Lied der Wölfe


    Kurzbeschreibung von Amazon:

    Die junge deutsche Wolfsforscherin Kaya wird von dem schottischen Milliardär Alistair MacKinley angestellt, um auf seinen Ländereien wilde Wölfe anzusiedeln. In dem einsamen Herrenhaus in den Highlands trifft sie auch auf den verschlossenen Nevis, Alistairs attraktiven Sohn, mit Augen wie das Sturmgraublau des schottischen Himmels. Der verwundete Ex-Elitesoldat soll sich von seinen schweren Kriegsverletzungen erholen. Doch er verweigert die Therapie und torpediert das Wolfsprojekt, wo er nur kann. Kaya ist wütend und fasziniert zugleich, ohne das tragische Ausmaß seines Zustands zu ahnen. Eine Zusammenarbeit mit Nevis endet katastrophal. Erst als sich beide ihrer Vergangenheit stellen, können sie ihre Liebe und ihre Zukunft retten.


    Mein Eindruck:

    Wir begleiten Kaya nach Schottland, die sich für das ambitionierte Wolfsansiedlungsprojekt des Milliardärs Alistair sogar in ein Flugzeug setzt, obwohl ihr das sehr zu schaffen macht. Nach einem Transfer zum Bahnhof soll sie von Nevis, Alistairs Sohn, der wieder zuhause lebt, abgeholt werden. Mit den beiden prallen Welten aufeinander.


    Kaya freut sich auf das Projekt und sprüht vor Energie für ihren Beruf, hat aber ein Trauma zu verarbeiten, was bei ihr in bestimmten Situationen ausgelöst wird.

    Nevis hat mehr als nur ein Problem mit seinem Vater, sehr viel Unausgesprochenes steht der Familie im Weg und durch diese dunklen Wolken betrachtet er permanent sein Umfeld.


    Warum Belletristik und nicht Romance?


    Wegen der Wölfe.

    Auch sie lernt man kennen, mit ihren Eigenheiten, Besonderheiten, Erläuterungen zu Unterschieden von Zoo-Wölfen und freier Wildbahn. Das Rudel-Bild wird nicht nur auf die offensichtliche Art und Weise für die Wölfe im Buch wichtig, sondern auch sinnbildlich für die Menschen.


    Man begleitet Kaya und Nevis abwechselnd in den Kapiteln und insbesondere Nevis verarbeitet nicht nur die offensichtliche Kriegsverletzung und die Ablehnung, die ihm aufgrund seiner Prothese entgegenschlug, sondern auch das initiale Ereignis, was zum Verlust seines Arms führte sowie die familiäre Vergangenheit. Das Gefühl nie gut genug zu sein. Das spiegelt sich in so vielen Feinheiten wieder, der familiären Ahnengalerie, die wie mahnende "siehst du, das ist Erfolg" höhnende Gesichter zu starren scheint oder schlichtweg in der Dekoration des Zimmers, in dem er haust und welches Kaya für ihren Aufenthalt zur Verfügung gestellt wird.


    Das Buch zeigt die eher starren Konventionen auch hinsichtlich der "Dienerschaft", vom Koch Robin, der sehr locker drauf ist, neu ist, viele Freiheiten hat bis zum eher steifen, aber mit dem größten Herzen gesegneten Butler Mr. Williams, den ich so gerne wirklich treffen würde, wenn ich könnte.


    Die Strukturen von "altem Geld", entsprechenden "Hobbies" und eben des Landsitzes machen all das deutlich und zeigen gerade auch durch die beiden betrachteten Generationen von Alistair und Nevis, wie der eine den Grundstein des anderen legt, es dem anderen aber nicht weit genug geht.


    In den Kapiteln mit Kaya geht es schwerpunktmäßig um ihre Arbeit und ihre Bemühungen mit Leuten gemeinsam eine Bevölkerung zum Zuhören zu bewegen. Selbstredend gibt es die Schafhirten etc., die Wölfen mit mehr als nur riesigen Vorbehalten gegenüber stehen, manche starrsinnig, manche wütend. In den Kapiteln mit Nevis erfährt man viel auch über Kameradschaft, wie sehr ihn die Zeit in der Armee geprägt hat, ihm eine "Wahlfamilie" gegeben hat und wie schwierig dies nicht nur für ihn, sondern auch für seine Kameraden und Freunde Rory und Mike ist, die Zeit "damals" in die Zeit "heute" mitzunehmen. Das Buch spart da nicht an harten Themen und ich fand es genau deshalb umso eindrücklicher, weil es "echt" auf mich wirkte. Es beleuchtet auch, was mit den Angehörigen sein kann, aus vielen verschiedenen Facetten:

    - dem nicht mehr an jemand rankommen

    - dem aufreibenden Kampf um die Person, die man "vorher" liebte

    - dem Ziehenlassen müssen für (vielleicht) eine neue Liebe und den Emotionen, die das dennoch mit sich bringt

    - den dramatischen Phasen einer PTBS von Kontrollverlust bis Gewalt


    Die Geschichte hatte alles - bis zum allerletzten Kapitel.

    Das wollte dann in Form der klassischen Hochzeitstraditionen etwas Neues, etwas Altes, etwas Blaues, etc. verteilen und hat dort zusammengerafft berichtet, was aus den einzelnen in der Geschichte liebgewonnenen Leuten wurde - das war mir viel zu viel des Guten, was dort kam. Das ist der Grund für den Punktabzug.


    Daher 9 Punkte.


    ASIN/ISBN: 3423262877